Januar-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1
Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat Januar.
Regionale Polizei wird ausgedünnt: Weil im Ruhrgebiet Streiks ausgebrochen sind, müssen im Januar 1905, vor 120 Jahren, Polizeikräfte aus der Provinz Schleswig-Holstein nach dorthin abberufen werden. Aus dem Segeberger Kreis- und Wochenblatt erfahren die Bewohner unserer Region, dass der in Bornhöved stationierte berittene Gendarm Böster bis auf Weiteres abkommandiert ist und vom Schlamersdorfer Fußgendarm Cillis vertreten wird, der den „Patrouillenbezirk Bornhöved ausschließlich der Ortschaften Rickling, Kuhlen und Hamdorf“ bestreifen wird. Dass die abkommandierten Gendarmen mit ihren Pferden ins Ruhrgebiet berufen werden, ist wahrscheinlich: Laut der vom königlichen Landrat Ilsemann unterzeichneten Meldung ist auch der in Bramstedt stationierte berittene Gendarm Renz zu vertreten, was von Kaltenkirchen aus geschieht.
Dörfergemeinschaftsschule in Damsdorf?: Vertreter aller Gemeinden des Amtes Bornhöved stimmen vor 60 Jahren auf einer gemeinsamen Versammlung darin überein, dass eine Dörfergemeinschaftsschule unerlässlich für die bessere schulische Ausbildung ist. Davon berichtet die Segeberger Zeitung am 2. Januar 1965. Die kleinen Landschulen mit nur einem Lehrer könnten den mittlerweile notwendigen Lehrstoff nicht hinreichend vermitteln. Strittig bleibt die Frage des Standorts der DGS. Statt Bornhöved wird Damsdorf der Vorzug gegeben, dessen Randlage die An- und Abreise der Kinder vereinfache. Dennoch erwarte man hohe finanzielle Belastungen – wegen des teuren Grunderwerbs in Damsdorf (2 Hektar wären notwendig) und des zu beschaffenden Schulbusses.
Ein Dreifachmord in Trappenkamp vor 60 Jahren: In Trappenkamp kommt es am 4. Januar 1965 zu einem Dreifachmord, der am 7. Januar aufgeklärt sein wird: Wie die Honnefer Volkszeitung am 8. Januar berichtet, gesteht der 18-jährige Lehrling Georg Mesek aus Alt-Erfrade („Alten-Erfrade“), den Schüler Wolfgang Heusler (14) und dessen Eltern Marga (38) und Max Heusler (40) am Montagnachmittag in ihrem Haus in der Industriesiedlung getötet zu haben. „Ich habe Wolfgang aus Wut erstochen weil ich überzeugt war, daß er meiner Freundschaft mit seiner Schwester im Wege stand. Als er um Hilfe schrie, kam seine Mutter dazu. Da habe ich auch gleich mit ihr Schluß gemacht“, wird der 18-Jährige in der Zeitung zitiert, der aus Angst vor Entdeckung in den Keller gegangen sei, wo er den ahnungslosen Maurer Max Heusler hinterrücks niedergeschlagen habe.
Selbstständigkeit Trappenkamps in Aussicht: Am so genannten „runden Tisch“ tagen laut Bericht der Segeberger Zeitung vom 6. Januar 1960, vor 65 Jahren, die Bürgermeister des Amtes Bornhöved mit dem neuen Amtmann (Amtsvorsteher, Anm.) Adolf Biß. Thema ist die von Trappenkamp angestrebte Loslösung von Bornhöved. Die Industriegemeinde möchte in die Selbstständigkeit entlassen werden. Dies wird von allen Beteiligten als realistisch angesehen, wenngleich es noch andauern wird, bis alle rechnerischen, verwaltungs- und hoheitsrechtlichen Hürden überwunden sind.
Zum zweiten Mal in der Verlustliste: In den Verlustlisten des Ersten Weltkriegs wurden zwischen Kriegsausbruch 1914 und 1919 Angaben über verwundete, vermisste und gefallene beziehungsweise nach Krankheit oder Unfall verletzte und gestorbene Militärangehörige veröffentlicht. Ein Schmalenseer erscheint am 8. Januar 1915, vor 110 Jahren, bereits zum zweiten Mal in der Verlustliste, genauer in deren Ausgabe Nr. 120: Wehrmann Wilhelm Lembke, Angehöriger des Infanterie-Regiments Nr. 59, gilt nach Kämpfen im Osten als „vermisst“. Erstmals war Wilhelm Lembke als Musketier im Infanterieregiment Nr. 75 in der Verlustliste Nr. 21 am 10. September 1914 als „leicht verwundet“ geführt worden.
Wilhelm Lembke gilt also seit Januar 1915 als vermisst, was für seine Angehörigen eine sehr schmerzvolle Ungewissheit bedeuten muss. Erst mit der Verlustliste Nr. 615 vom 24. August 1916 werden sie offiziell erfahren, dass ihr Sohn und Bruder Wilhelm Lembke „bisher vermisst, verwundet“ ist. Eine nicht unwichtige Nachricht, bei der aber eine Erklärung fehlt, ob er in Gefangenschaft oder, wie oft in Verlustlisten zu lesen, „zurück bei der Truppe“ ist. Letzteres trifft zu: Anfang 1917 wird Wilhelm Lembke für Tapferkeit vor dem Feind mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und zum Unteroffizier befördert. Einen dritten Verlustlisten-Eintrag erhält Lembke auch noch: In Nr. 1325 vom 24. Dezember 1918 wird er, nun Angehöriger des Infanterie-Regiments Nr. 152, als „leicht verwundet“ gemeldet.
Ehrung für einen verdienten Schmalenseer: Der Segeberger Landwirtschaftliche Kreisverein hält am 8. Januar 1925, vor 100 Jahren, im Bad Segeberger Kreisbauernhaus seine Hauptversammlung ab. Vorsitzender ist Gutsbesitzer Hastedt, Wensin, der zwölf Lokalvereine mit rund 1000 Mitgliedern repräsentiert. Die Versammlung bewilligt eine Anhebung der Mitgliedsbeiträge um 100 Prozent auf 2 Mark. Außerdem referiert Dr. Lenhartz, Professor für Landwirtschaft an der Universität Leipzig, über „die staatliche und eigene Hilfe für die deutsche Landwirtschaft“. Dem Ehrenvorsitzenden des Kreisvereins, Heinrich Christian Saggau aus Schmalensee, wird die Kammerplakette der Landwirtschaftskammer verliehen.
Großfeuer in Schmalensee vor 30 Jahren: Vermutlich ein Kurzschluss am Weihnachtsbaum setzt am 8. Januar 1995 gegen 3 Uhr in der Früh das Hauptgebäude des Landwirts Hans-Peter Nagel in Brand. Nagel kann sich und seine auf den Rollstuhl angewiesene Frau Heidy retten und alarmiert die Nachbarn im Hirtenweg. Die Kinder sind in der Nacht von Samstag auf Sonntag unterwegs. Die herbei eilenden Wehren des Amtes, aus Trappenkamp und Belau, dazu die Drehleiter aus Bad Segeberg, können das Vieh und die Nebengebäude retten. Erschwert wird ihr Einsatz durch zweistellige Minusgrade und Eisglätte. Gegen 12 Uhr mittags flackert das Feuer erneut auf und wird erfolgreich bekämpft. Der entstandene Schaden wird auf 500.000 DM geschätzt. Bürgermeister Hans Siebke lobt die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, die der Familie Hilfe und den Feuerwehrmännern Versorgung hat zukommen lassen.
Heinrich Harders Mahnung an die Reiter vor 95 Jahren: Am 11. Januar 1930 finden in Bad Segeberg Versammlungen zunächst der zwei im Kreis Segeberg agierenden Pferdezuchtvereine und nachmittags die des Kreisreitervereins statt. Anlass dieser Häufung ist der stattfindende 4. Segeberger Reitertag. Schmalensees Gemeindevorsteher Heinrich Harder, Vorsitzender des 161 Mitglieder starken Pferdezuchtvereins für die holsteinischen Geestlande, wird am Vormittag wiedergewählt und ist am Nachmittag einer der Ehrengäste des Kreisreitervereins. In seinem Grußwort mahnt er diesen, den Vorständen der Lokalvereine, Reitlehrern und Züchtern zu danken, die für die Grundlage reiterlicher Erfolge des Kreises Segeberg gesorgt hätten. Auch sei der Reiternachwuchs nicht zu vernachlässigen. Schon Bismarck habe gesagt, „ein Volk, das eine begeisterte Jugend sein eigen nennt, kann nicht untergehen.“ Harder schließt mit den Worten: „Reiter des Kreisvereins Segeberg, zeigt Euch dieses Ausspruches würdig!“
Bornhöved und Schmalensee im Zeichen der Saar-Abstimmung: Am 11. Januar 1935, vor 90 Jahren, dem vierten Jahrestag ihres Bestehens, hält die NSDAP-Ortsgruppe Bornhöved, zu der Schmalensee und Gönnebek gehören, eine öffentliche und eine Ortsgruppenversammlung ab. Beide stehen vor allem unter dem Eindruck der bevorstehenden Saar-Abstimmung. „Deutsch bleibt die Saar“, ist das Schlagwort um den Jahreswechsel 1934/35. Tatsächlich wird sich die Mehrheit der Saarländer in einer Volksabstimmung am 13. Januar für einen Verbleib beim Deutschen Reich aussprechen. Da man im noch französisch besetzten Saarland Gewaltausbrüche befürchtete, hatte man, organisiert von der NS-Volkswohlfahrt, zahlreiche Kinder vorsorglich und propagandistisch begleitet evakuiert. Auch in Bornhöved und Schmalensee sind laut Segeberger Kreis- und Tageblatt seit dem 29. Dezember 1934 sogenannte Saar-Kinder in Familien untergebracht.
Ein 25-jähriges Geschäftsjubiläum in Schmalensee: Der Schmiedemeister Heinrich Prause feiert laut Bericht der Segeberger Zeitung vom 11. Januar 1955, vor 70 Jahren, das 25-jährige Geschäftsjubiläum. Im Jahr 1930 kaufte er die Schmalenseer Schmiede von Schmiedemeister Johann Drews. Die Schmiede habe seit 1911 fünf Mal den Besitzer gewechselt, so dass der Berichterstatter gegenüber der Segeberger Zeitung sehr wohlwollend berichtet. Durch „Fleiß und Fachtüchtigkeit“ habe Prause den Betrieb „zur heutigen Blüte“ gebracht. Prause, im Dorf aufgrund der Schläge auf den Amboss gern „Meister Bimbam“ genannt, wird die Schmiede an seinen Schwiegersohn Helmut Nagel übergeben, der den Betrieb um eine Tankstelle erweitert und mit dessen Zurruhesetzung das Handwerk im Dorf letztlich aussterben wird.
Feuerwehr Schmalensee ohne Wehrführer: Im Gasthof Voß findet am 11. Januar 1980, vor 45 Jahren, die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Schmalensee statt. Nach 15 Jahren legt Gemeindewehrführer Hermann Heiden aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder und wird von Bürgermeister Hans Siebke verabschiedet. Ein Nachfolger steht noch nicht fest, diese Wahl soll zu einem anderen Zeitpunkt erfolgen. 40 Jahre ist Peter Herbst Mitglied der Wehr und wechselt nach Erreichen der Altersgrenze in die Ehrenabteilung. Für 20-jährige Mitgliedschaft werden Burkhard Saggau und Reimer Saggau geehrt. Gewählt werden Werner Wulf (Gerätewart), Gerhard Mühlenberg und Jochen Voß (Funkgerätewarte 1 und 2) und Werner Suhr (Kassenprüfer).
Die Wahl eines neuen Wehrführers in der Gemeinde Schmalensee findet bereits am 31. Januar 1980 statt: Einstimmig wird Löschmeister Burkhard Saggau zum neuen Gemeindewehrführer gewählt und sein Vorgänger Hermann Heiden wird zum Ehrenbrandmeister ernannt. Da Burkhard Saggau bisher 1. Gruppenführer gewesen ist, ernennt er Bürgermeister Hans Siebke zunächst kommissarisch zum 1. Gruppenführer.
Kriegsnachrichten aus Bornhöved und Umgebung 1915: Um den Jahreswechsel 1914/15, vor 110 Jahren, ist dem Vorstand des Flottenvereins Bornhöved ein Dankschreiben des Kommandanten des Vorpostenbootes „Lauenburg“ zugegangen, unter dessen Besatzung Sachspenden, die der Verein vor dem Weihnachtsfest gesammelt hatte, verteilt werden konnten. Die Militärpflichtigen des Geburtsjahrgangs 1895 aus Schmalensee und zahlreichen weiteren Orten des Kreises Segeberg haben sich am 9. Januar 1915 um 8 Uhr im Hotel zur Harmonie in Segeberg zur Musterung einzufinden. Der Militärverein für Bornhöved und Umgebung hält am 14. Januar 1915 eine Generalversammlung ab. Unter den drei im Vorjahr gefallenen Mitgliedern des Vereins ist auch der Schmalenseer Landmann Ludwig Jäger. 57 der 110 Mitglieder stehen derzeit im Felde. (Meldungen aus dem Segeberger Kreis- und Tageblatt.)
Schmalensee schuldet Kriegsgefangenen Löhne: Das Segeberger Kreis- und Tageblatt meldet am 14. Januar 1920, vor 105 Jahren, dass noch nicht in ihre Heimatländer entlassene Kriegsgefangene zum Teil im Lager Springhirsch gesammelt worden seien. Diesen sei das Recht eingeräumt worden, Ansprüche auf noch nicht gezahlte Arbeitslöhne geltend zu machen. Doch zahlreiche Gemeinden des Kreises seien noch säumig, darunter Schmalensee. Die offenen Arbeitslöhne betragen hier 77 Mark. Die Gemeinde Stocksee hat laut amtlicher Mitteilung noch 184,80 Mark zu zahlen, Tensfeld 52,80 Mark, Daldorf 105,60 Mark und das Gut Alt-Erfrade ebenfalls 105,60 Mark. Der Landrat hat eine Frist zur Zahlung bis zum 20. Januar gesetzt.
Ein prominenter Holsteiner liest vor 780 Jahren eine Messe: Niemand anderer als der frühere Adolf IV. von Schauenburg, Graf von Holstein und „Sieger von Bornhöved“ in der Schlacht am 27. Juli 1227, liest am 15. Januar 1245, angeblich in einer Kapelle, die am heutigen Zusammenfluss des Bornhöveder Sees und des Schmalensees liegt – der Clus, eine Messe. Adolf war nach seinem Sieg über Waldemar II. von Dänemark und nach einem Kreuzzug gegen „die Heiden in Livland“ (1238) am 13. August 1239 als Franziskanermönch in das von ihm selbst gestiftete Maria-Magdalenen-Kloster zu Hamburg eingetreten und soll 1244 nach einer Pilgerreise nach Rom von Papst Innozenz IV. die Weihe erhalten haben.
Schmalensees Gasthof wechselt den Besitzer: Am 15. Januar 1900, vor 125 Jahren, verkauft Matthias Christian Suhr seine Landstelle mit „gut gehender Gastwirtschaft“ an den Schmalenseer Hufnersohn Ludwig Saggau. Laut Segeberger Kreis- und Wochenblatt vom 18. Januar 1900 beträgt die Kaufsumme 85.000 Mark; die Übernahme soll am 1. April dieses Jahres erfolgen. Besagte Landstelle ist die Hufe 1 von Schmalensee und beim Verkauf mit 71 Hektar Land inklusive Wiesen und Hölzungen ausgestattet. M.C. Suhr war langjähriger Bauervogt der Gemeinde Schmalensee und will sich auf das Altenteil zurückziehen. Ludwig Saggau wird dem heutigen Gasthof Voß weitgehend sein heutiges Äußeres verpassen und den Saal anbauen. Interessant ist, dass auch nach dem Besitzwechsel noch Postkarten in Umlauf sein werden, die als Besitzer Herrn Suhr nennen. So ist im Dorfarchiv eine 1903 gelaufene Karte von „M.C. Suhr's Gasthof“ vorhanden.
Kind in Stocksee hantiert mit Schusswaffe:„Stocksee. Fahrlässige Aufbewahrung einer Schusswaffe. Das achtjährige Töchterchen einer Familie in Stocksee hantierte mit einer in der Kommode der elterlichen Wohnung aufgefundenen geladenen Browning-Pistole. Plötzlich ging ein Schuss los, traf das dreijährige Schwesterchen und verletzte es am Hinterkopf schwer.“ Diese Meldung wurde am 15. Januar 1945, vor 80 Jahren, in der Zeitung Jeversches Wochenblatt abgedruckt.
Bild zur Meldung: Heinrich Prause (Mitte) und Mitarbeiter um 1950