Februar-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1

Schmalensee, den 01.​02.​2025

Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat Februar. 

 

Schmalenseer Gefängnisausbrecher vor 175 Jahren: In der Zeitung Altonaer Mercur wird am 1. Februar 1850 mittels Steckbrief nach einer Gruppe von Männern gesucht, denen am 29. Januar 1850 die Flucht aus der Festungshaft in Friedrichsort gelungen ist. Einer der Männer ist der gebürtige Schmalenseer Claus Matthias Beuck. Auszug der Meldung: „Steckbrief. Die [...] Festungssträflinge: Beuck, verurtheilt zu 10 Jahren; Bock, verurtheilt zu 10 Jahren; Voss, verurtheilt zu 6 Jahren; Hansen, verurtheilt zu 4 Jahren; Burmeister, verurtheilt zu 4 Jahren; Stender, verurtheilt zu 3 Jahren; Gatermann, verurtheilt zu 3 Jahren und Müller, verurtheilt zu ¾ Jahren Festungsarbeitsstrafe, haben am 29. Januar Gelegenheit gefunden, mittels Ausbrechens aus ihrem Arrestlocale, zu entweichen. Alle Civil- und Militär-Behörden werden demnach dienstergebenst ersucht, auf diese Festungssträflinge fahnden, sie im Betretungsfalle verhaften und von ihrer Verhaftung zur Veranlassung der Abholung und Erstattung der Unkosten der Commandantur von Friedrichsort Mittheilung zugehen zu lassen.“

 

Zeitung und Stahlhelm vor 100 Jahren im Clinch: Das Segeberger Kreis- und Tageblatt legt sich am 2. Februar 1925 mit dem Stahlhelm beziehungsweise mit dessen Kreisvorsitzenden Böckmann an. Da dieser die Zeitung während einer Versammlung am 31. Januar als „nicht zuverlässig“ bezeichnet und ihr die Verbreitung von „Unwahrheiten“ vorgeworfen habe, wolle man auf eine Berichterstattung zur Versammlung und den durchaus interessanten Ausführungen verzichten. Eine Beobachtung will das Tageblatt dann aber doch nicht unterschlagen: „Im Übrigen ist noch hervorzuheben, dass Herr Böckmann auch den Segeberger Juden den Kampf ansagte.“

(Der Stahlhelm war eine rechtskonservative beziehungsweise -radikale, revanchistische Vereinigung ehemaliger Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs.)

 

Alle Löschzüge üben gemeinsam: Auf dem Spiel- und Sportplatz am See in Bornhöved findet vor 90 Jahren eine Besichtigung der drei Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr im Amtsbezirk Bornhöved durch den Landesbranddirektor Schmiedel und Kreiswehrführer Hellberg statt. Das Segeberger Kreis- und Tageblatt berichtet am 2. Februar 1935 davon. Die früheren Gemeindewehren von Bornhöved, Schmalensee und Gönnebek bilden nach dem neuen Feuerlöschgesetz von 1934 die Löschzüge. Nach Übungen an den Geräten und Fußexerzieren findet im Ort eine Übung statt: Angenommen wird, dass Heins Gasthof brennt und die benachbarte Hofstelle Steenbock zu sichern ist. In der Abschlussbesprechung im Hotel Stadt Kiel gibt es eine lobende Manöverkritik. 

 

Ein Stammlokal für die Landwirte: Die Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins für Bornhöved und Umgebung beschließt am 4. Februar 1880, vor 145 Jahren, dass ab sofort Hein's Gasthof in Bornhöved festes Vereinslokal ist. Seit Gründung im Jahr 1876 war der Verein ein „Wanderverein“, der seine Versammlungen aufgrund „lokaler Interessen- und Gastwirtschaftspolitik“ an stetig wechselnden Orten abhielt, wie Schmalensees Lehrer Heinrich Göttsch 1926 im Festvortrag zum 50-jährigen Bestehen berichtet.

 

Feuerwehr im Feier- und Musiziermodus: Die Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Schmalensee am 4. Februar 1905, vor 120 Jahren, lässt ihren Vizehauptmann Willy Siebke hochleben, der an diesem Tag Vater eines Sohnes geworden ist. Siebke revanchiert sich mit Bockwurst und Bowle. Zuvor gilt es, die Musikabteilung wiederzubeleben, unter anderem, weil Gustav Siebke ausgetreten war. Als Pfeifer wollen Heinrich Schumacher, Ludwig Saggau, Christian Stegelmann und Willy Harder und als Trommler Rudolf Dunker und Adolf Siebke wieder mit dem Musizieren beginnen. 

 

Tischtennisverein trainiert in Trappenkamp: Am 4. Februar 1970, vor 55 Jahren, berichtet die Segeberger Zeitung, dass den Mitgliedern des TTV Schmalensee nur der Gemeindesaal für Trainingszwecke zur Verfügung stand. Nun hat der TV Trappenkamp der Vereinsjugend Trainingszeiten in der Trappenkamper Sporthalle zur Verfügung gestellt. Immer freitags von 18 bis 20 Uhr sind die Schmalenseer dort zu Gast und können sich der Kondition widmen. Die sportliche Unterstützung hat die Jungenmannschaft als Tabellenletzter der Kreisklasse auch dringend nötig. Der Verein hat auch zwei Erwachsenen-Mannschaften, beide sind in der 3. Kreisklasse vertreten. Die erste Mannschaft ist zur Halbserie Zweiter, das zweite Team allerdings Schlusslicht. 

 

Staatsschulden werden durch Auslegung beglichen: In der Stadt Segeberg findet am 8. Februar 1665, vor 360 Jahren, die „Auslegung“ des Amtes Segeberg statt. Teile des Amtes werden an angereiste Gläubiger des dänischen Staates versteigert. Der Rest wird auf anderweitige Art an diese veräußert. Die Gläubiger erhalten aus den ihnen zufallenden Teilen des Amtes das so genannte Herrengefälle und nutzen die Wälder und die Jagd. Steuern sind weiter an den Staat abzuführen, auch bleibt die Obergerichtsbarkeit beim Landesfürsten. Die Auslegung soll die durch Kriege ausgeuferte Verschuldung des Königs bereinigen und ist nicht an einem Tag abgeschlossen: Am 30. April 1665 werden Ernst von Wedel, bzw. dessen Erben, die Wassermühle von Bornhöved mit dem Mühlenteich, den Bornhöveder und den Schmalensee für 3000 Reichstaler erwerben. Nach einem Kaufbrief, ebenfalls vom 30.April, verpfändet König Friedrich III. das Dorf Schmalensee für 8971 Reichstaler und 18 Schillinge an Bartram Rantzau auf Ascheberg. Wann der „Rückkauf“ erfolgt, ist offen.

 

Landarbeiter fordern feste Arbeitszeiten: In der noch jungen Weimarer Republik fordern die Arbeiter Rechte ein. Am 8. Februar 1920, vor 105 Jahren, meldet das Segeberger Kreis- und Tageblatt, dass der Deutsche Landarbeiterverband für die Provinz Schleswig-Holstein eine Tagesarbeitszeit von 8 Stunden fordert. Dies entspräche einer Jahresarbeitszeit von 2400 Stunden an 300 Arbeitstagen. Zudem fordern die Landarbeiter in einem dem Landwirtschaftlichen Arbeitgeberverband vorgelegten Tarifentwurf, dass die Wege zur und von der Arbeitsstelle mit eingerechnet werden sollen. Somit sei die Provinz von einer Tagesarbeitszeit von durchschnittlich 6,5 Stunden „bedroht“, so das Tageblatt. 

 

Wegweisende Aussagen zur Feuerwehr vor 50 Jahren: Auf der Jahreshauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Segeberg in Bad Bramstedt, von der die Segeberger Zeitung am 8. Februar 1975 berichtet, skizziert Landesbrandmeister Paul Augustin die Zielsetzung des Landesfeuerwehrverbandes, auf den Dörfern vom ursprünglichen Spritzenhaus der Jahrhundertwende über das Feuerwehrgerätehaus zum richtigen Feuerwehrhaus und letztlich zum Katastrophenzentrum als Fernziel zu gelangen. Außerdem macht sich Augustin für die Bildung von Frauengruppen in den Wehren stark. 

Nicht allein die Feuerwehren befassen sich damals mit möglichen Großschadenslagen. Vor dem Hintergrund des sogenannten Kalten Krieges findet unter anderem im Kreis Segeberg eine Mobilisierung der Einwohnerschaft statt. So findet im Zeitraum 13. bis 18. Februar eine Aktionswoche des Bundesverbandes für den Selbstschutz statt. Unter der Überschrift „Unglücke – Katastrophen – Krieg“ wird ein Flugblatt verteilt, das zur Mitarbeit und Unterstützung des Zivilschutzes aufruft. Am 27. Februar 1979 wird die Volkshochschule Bornhöved/Trappenkamp in der Realschule Bornhöved in Zusammenarbeit mit den Gemeindebürgermeistern und dem zivilen Bevölkerungsschutz einen Abend zum Thema „Zivilschutz – Selbstschutz – Möglichkeiten und Grenzen“ veranstalten. In Schmalensee wird sich Feuerwehrkamerad Gerhard Mühlenberg der Thematik annehmen. 

 

Landwirte vor 125 Jahren nicht in allem einig: Der Landwirtschaftliche Verein für Bornhöved und Umgebung diskutiert auf seiner Generalversammlung am 10. Februar 1900 in Hein’s Gasthof unter anderem die Gründung einer Dienstbotenkrankenkasse. Von einer solchen wird jedoch vorerst abgesehen, da mehrheitlich eine Vereinbarung mit der bestehenden Bornhöveder allgemeinen Krankenkasse angestrebt wird. Auch in der Frage der Gründung eines Viehzuchtvereins auf lokaler Ebene herrscht Uneinigkeit – zwischen den Züchtern schwarz- und rotbunter Rinder.

 

Großfeuer auf Stockseehof vor 95 Jahren:Aus der Stockseer Schulchronik: „Am 11. Februar 1930, gegen 17.30 Uhr, ertönte in unserem Ort Feuerlärm. Auf dem Stockseehof wurde das große, mit Stroh gedeckte Viehhaus, ein Opfer der Flammen. Dem besonnenen Zugreifen der noch anwesenden Melker und Arbeiter gelang es, das Vieh, ca. 160 Tiere, zu retten. 3 Kälber verbrannten. Damit ist das letzte der großen alten Strohdachgebäude auf dem Hofe verschwunden.“ Zeitungsmeldungen ist zu entnehmen, dass sieben Feuerwehren der Umgebung erst nach der Rettung der Tiere durch die Arbeiter eintreffen, unter ihnen die aus Schmalensee. Einige hundert Zentner Kraftfutter in einem Nebengebäude können gerettet werden. Bei den Löscharbeiten kommt laut Bericht der Schmar Wehr erstmals die neue Motorspritze der Bornhöveder Wehr zum Einsatz. 

 

Wie überraschend kam der nächste Krieg?: Das Segeberger Kreis- und Tageblatt berichtet am 11. Februar 1935, vor 90 Jahren, von einem Schulungsabend der Bornhöveder Ortsgruppe des Reichsluftschutzbundes in der Bornhöveder Schule. Hauptlehrer Harms trägt das vor, was in wenigen Jahren Realität werden soll: „Die Entwicklung der Kriegsluftfahrt ist fortgeschritten. Die Tagbombenflugzeuge können 1000 Kilogramm Bombenlast mit sich führen und die Nachtbomber infolge ihrer bedeutend niedrigeren Flughöhe im Schutze der Dunkelheit sogar 3000 Kilogramm. Spreng-, Brand- und Gasbomben werden die materiellen Güter vernichten und mit Flugblättern wird man die Einigkeit des deutschen Volkes zu erschüttern versuchen.“

 

In Schmalensee gehen die Pferde durch: Am 12. Februar 1910, einen Samstagabend vor 115 Jahren, kommt es in Schmalensee zu einem Unfall. Vor einem Automobil scheuen die Pferde des Hufners Saggau. Die Tiere gehen durch und Frau Saggau wird aus dem Wagen geschleudert. Sie erleidet dabei Hauptabschürfungen und verrenkt sich den Arm. Was unerwähnt bleibt ist, um welchen Hufner Saggau es sich gehandelt hat – und somit um welche Hufnerin. 

 

Schmalenseer Gemeinde-Themen vor 75 Jahren: In nicht öffentlicher Sitzung befasst sich die Gemeindevertretung am 12. Februar 1950 unter anderem mit einem Antrag der Besitzer der Hofstellen Hornshof und Willingshöfen (an der heutigen B430 gelegen) auf Eingliederung in die Gemeinde und Gemarkung Schmalensee. Die sind aufgrund der Lage im Außenbereich der Gemarkung Bornhöved an die Meierei in Schmalensee angeschlossen, die Kinder besuchen hier die Schule und man nimmt am kulturellen Leben des Dorfes teil. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Kommunalpolitiker in Schmalensee für die Eingliederung, die Gemeindevertreter Bornhöveds werden sich jedoch dagegen aussprechen – was auch nicht anders zu erwarten gewesen sein dürfte. Ein weiteres Thema neben privaten Bauanfragen ist die Bildung: Es steht die Frage im Rau, am Weg nach Damsdorf Land von H. Nagel – sehr wahrscheinlich Landwirt Helmut Nagel – zu erhalten, um darauf eine zweiklassige Schule zu bauen. Nagel soll im Tausch Gemeindeland bekommen. In der Rückschau wissen wir, dass daraus nichts geworden ist und Schmalensee gute 20 Jahre bei seiner einklassigen Schule in der Dorfstraße geblieben ist. 

 

Perdöler Mühle bereitet vor 120 Jahren Ärger: Im Schmalenseer Dorfkrug findet am 15. Februar 1905 eine Zusammenkunft von Wiesenbesitzern aus Bornhöved, Schmalensee und Belau statt, deren Flächen an den Ufern der zugehörigen Seen liegen. Diese Wiesen werden seit Jahren häufig dadurch unter Wasser gesetzt, dass die Depenau bei der Perdöler Mühle zu lange gestaut wird. Um die dadurch entstehenden Verluste zukünftig ausschließen zu können, beabsichtigen alle drei Gemeinden, die Kosten eines künstlichen Abflusses nach dem Stolper See zu tragen. 

 

Bild zur Meldung: Der Weg nach Belau mit Blick zum Dorf

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