April-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1
Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat April.
Kleine Meldung, große Bedeutung: Mit Wirkung zum 1. April 1900, vor 125 Jahren, verkauft der frühere Bauervogt Matthias Suhr seine Landstelle (Hufe 1) mit Dorfkrug, die nebst Wiesen und Hölzungen 71 Hektar misst, für 85.000 Mark an den Hufnersohn Ludwig Saggau. Saggau wird dem Gasthof sein heutiges Erscheinungsbild mit dem Saal als Anbau bescheren. Bis dahin werden für größere Feierlichkeiten mit Tanz bevorzugt Zelte errichtet. Außerdem wird Ludwig Saggau bis zum Weiterverkauf der Hufe 1, die 1907 an Friedrich Voß gehen wird, in Heizung und Licht investieren.
Die Not der Junglehrer und Schulen vor 100 Jahren: Der Segeberger Kreislehrerverein hält am 1. April 1925 im Kreisbauernhaus eine Versammlung ab. Der von Lehrer Rahlf, Klein Gladebrügge, geführte Kreisverein zählt in zehn Einzelvereinen 199 Mitglieder und kann im Jahr 1926 sein 25-jähriges Bestehen feiern. Besorgt blickt Rahlf auf die Personalsituation. Derzeit gibt es 22 stellenlose Junglehrer im Kreis Segeberg, die sich mühsam über Wasser halten. In einigen Orten ist aufgrund der Geldknappheit der Betrieb einzelner Klassen oder gar ganzer Schulen eingestellt worden. Die Versammlung beschließt, dass jedes Mitglied 1 Mark monatlich für die Junglehrerfürsorge abzuführen hat.
Ordentliche Bilanz der Sparkasse vor 115 Jahren: Die Administration der Spar- und Leihkasse für Bornhöved, Schmalensee und Gönnebek in Bornhöved legt am 1. April 1910 die Bilanz des Jahres 1909 vor. Demnach weist das Geldinstitut an Aktiva und Passiva jeweils 1.835.461 Mark auf. Die Mitgliederversammlung im Gasthof Zur Linde wählt u.a. Schmalensees Gemeindevorsteher Theodor Schnohr und den Hufner Heinrich Kock, Willingshöfen, zu Administratoren für den Zeitraum 1. April 1910 bis 30. März 1913. Unter den gewählten Revisoren ist Lehrer Heinrich Göttsch aus Schmalensee.
Gleichschaltung in den Kommunen abgeschlossen: Eine neue Deutsche Gemeindeordnung tritt am 1. April 1935, vor 90 Jahren, in Kraft. Sie führt zum Abschluss der Gleichschaltung der Kommunen mit dem nationalsozialistischen Staat. Staat, Partei und Gemeinde werden durch die Gemeindeordnung eng miteinander verwoben, Amts- und Würdenträger sind von der Haltung der Partei zu ihrer Person abhängig.
Seit 20 Jahren blaue Tonne: Der Wege-Zweckverband der Gemeinden des Kreises Segeberg (WZV) beginnt am 4. April 2005 mit der Auslieferung der blauen Tonne für Altpapier an alle Haushalte in seinem Zuständigkeitsbereich. Die Zufriedenheit mit der Tonne stieß in den sieben Modellgemeinden – darunter Trappenkamp und Bornhöved – auf großen Zuspruch. Nach Umfragen zeigten sich 95 Prozent der Haushalte dort zufrieden.
Erster Weltkrieg – die Unausgebildeten werden eingezogen: Die Landsturmpflichtigen der Geburtsjahrgänge 1871-75, die dem unausgebildeten 2. Aufgebot des Landsturmes angehören, haben sich im Zeitraum 6. bis 8. April 1915 in der Kreisstadt Segeberg zur Musterung und Aushebung einzufinden. Es handelt sich um Männer über 40, die „Ungediente“ sind. Über das IX. Armeekommando in Altona werden sie unter anderem im Lockstedter Lager kriegstüchtig gemacht und den Regimentern an den Fronten zur Auffüllung zugewiesen.
Vor 75 Jahren stand der Bus bei Voß: Am 5. April 1950 meldet die Segeberger Zeitung, dass langem Warten und zahlreichen Beschwerden Bewegung in die Wieder-Anbindung Schmalensees an den Öffentlichen Personennahverkehr gekommen sei. Die Lütjenburger Firma Kähler habe sich bereiterklärt, Schmalensee als Endstation der Linie Plön-Wankendorf anzuerkennen. Der Bus soll dazu in Schmalensee fest stationiert und auf der Diele vom Gasthof Voß untergestellt werden.
Brände in der Region vor 140 Jahren: Am 7. April 1885, dem zweiten Osterfeiertag, gibt es einige größere Brände in der Umgebung Bornhöveds. In Stolpe werden Scheune und Wohnhaus des Kätners Hans Horst in Asche gelegt. Feuerschein auch im Osten: in Pfingstberg bei Bosau brennen die beiden einzigen Bauernstellen des Ortes nieder.
Peitschenhiebe vor Gericht milde geahndet: Das Segeberger Kreis- und Tageblatt berichtet unregelmäßig aus den Verhandlungen vor dem Segeberger Amtsgericht. Am 7. April 1910, vor 115 Jahren, muss sich vor Amtsrichter Redmer sowie den Schöffen Ehlers (Hülsenberg) und Asbahr (Todesfelde) dafür verantworten, einen Jungen mit der Peitsche gezüchtigt zu haben. Die im Wortlaut wiedergegebene Meldung drückt aus, dass der Berichterstatter noch mehr Verständnis als das Gericht für die Tat zeigt: „Erzieherische Grundsätze brachte ein 46jähriger Hufner aus Bornhöved am Nachmittage des 29. Januar an einem 15jährigen Schuljungen zur Anwendung. Dieser Junge hatte nichts besseres zu tun, als einen anderen, etwas jüngeren Knaben, der auf dem Hofe des Hufners beschäftigt war, mit Schneebällen zu traktieren. Dabei warf er aber wiederholt vorbei und traf das vor einem Göpelwerk (im Göpel treibt ein Tier eine Antriebswelle an, die mittels Kraftübertragung zum Beispiel Mahl- oder Dresch- oder, wie hier, Schneidwerke bewegt) arbeitende Pferd des Hufners an den Kopf. Das erschreckte Tier hoppte zurück und dann wieder vorwärts, sodaß durch den plötzlichen Ruck das Messer des Göpels zerbrach und dem Hufner ein empfindlicher Schaden zugefügt wurde. In seiner begreiflichen Erregung hat der Landmann dann dem übermütigen Jungen ein paar tüchtige Hiebe mit der Peitsche verabfolgt, die diesem aber nicht weiter nachteilig gewesen sind. Da der Vater des Jungen Strafantrag gestellt hatte, mußte natürlich Verurteilung des Hufners erfolgen. Das Gericht billigt dem Angeklagten weitgehendste Milde zu und erkennt auf eine Geldstrafe von drei Mark. Der Vater des Jungen wollte noch Schmerzensgeld für seinen Sprößling herausholen. Für dieses eigentümliche Verlangen aber hatte das Gericht durchaus kein Verständnis.“
Versichert gegen Abschlachtung: Der Schleswig-Holsteinische Bauernverein, Kreisgruppe Segeberg, hat laut Meldung im Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 8. April 1920, vor 105 Jahren, mit der Halensia-Versicherungsgesellschaft günstige Konditionen für eine Weide-Vieh-Versicherung ausgehandelt. Mitglieder des Vereins haben somit die Möglichkeit, sich gegen den Diebstahl und das Abschlachten von Vieh auf der Weide zu versichern. Offenbar kommt dies in den Notzeiten nach dem verlorenen Weltkrieg des Öfteren vor...
Vor 115 Jahren 25 Jahre Krankenkasse Bornhöved: Die Ortskrankenkasse Bornhöved mit Sitz in Tarbek feiert am 10. April 1910 beim Tarbeker Gastwirt Baars ihr 25-jähriges Bestehen. Nach einem Kommers um 17 folgt ab 19 Uhr ein Ball. Vorsitzender ist Hofbesitzer Mohrdieck. Von den Gründungsmitgliedern des Jahres 1884 lebt nur noch der Tarbeker Kätner Hans Siebke, ein Kampfgenosse von 1870/71, also ein Teilnehmer am deutsch-französischen Krieg. Die weiteren Gründer „decke aber schon der Rasen“, heißt es im Bericht zum Kommers.
Investition in die Meierei vor 120 Jahren: Die Meiereigenossenschaft Schmalensee-Tarbek-Belau beschließt laut Meldung im Segeberger Kreis- und Wochenblatt vom 11. April 1905, die Anschaffung einer leistungsstärkeren Dampfmaschine. Die alte, 12 PS-Maschine reicht nicht mehr aus, zumal auch eine Schrotmühle anzutreiben ist. Von der Neumünsteraner Firma Bestmann, die die alte Dampfmaschine in Tausch nimmt, soll ein 18-PS-Modell beschafft werden. Die Meierei befindet sich damals noch in der Damsdorfer Straße 1 und wird vor der Verlegung in den Neubau neben der Gastwirtschaft im Jahr 1910 sogar mittels Dampf Elektrizität erzeugen.
Ein Dorfputz vor 40 Jahren:Dorfputz in Schmalensee am 11. April 1985. Der Verschönerungs- und Fremdenverkehrsverein nutzt den Tag auch, um die Bänke wieder aufzustellen und den Ort auf die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ vorzubereiten.
Theatergruppe löst Begeisterung aus: Zum ersten Mal kombiniert die Freiwillige Feuerwehr Schmalensee im April 1985, vor 40 Jahren, ihren Feuerwehrball mit der Aufführung eines plattdeutschen Theaterstücks im Gasthof Voß. Gerhard Mühlenberg hatte mit der Laiengruppe der Wehr das Stück „De rieke Deern“ einstudiert. Schauspieler sind Wiebke Stegelmann, Wilfried Hahne, Uwe Nagel, Werner Suhr, Petra Saggau (Jens), Wolfgang Hahne und Egon Blitza. Der Kommentator der Segeberger Zeitung äußert sich am 13. April 1985 geradezu entzückt: „Die Darsteller … spielten so lebensnah, daß die Zuschauer vor Lachen fast unter den Stühlen lagen. Mit Fug und Recht kann gesagt werden, hier ist den Laiendarstellern ein echter Bühnenknüller gelungen, der noch so manche Heiterkeitserfolge nach sich ziehen dürfte.“
Diese Anordnung kommt nicht zur mehr Umsetzung: Am 14. April 1945, vor 80 Jahren, druckt das Segeberger Kreis- und Tageblatt die Termine für die Musterungen von Pferden ab. Demnach soll am 10. Mai 1945 auf dem Ringreiterplatz in Schmalensee eine Musterung von bis zu 61 Pferden für die Verwendung in der Wehrmacht stattfinden. Da aber wird das „Dritte Reich“ bereits kapituliert haben und der Zweite Weltkrieg, zumindest in Europa, beendet sein.
Meiereigenossenschaft Schmalensee vor 60 Jahren: Am 14. April 1965 berichtet die Segeberger Zeitung von der Jahreshauptversammlung der Meiereigenossenschaft Schmalensee in Thielsens Gasthof in Belau unter der Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden, des Schmalenseer Bauern Hellmut Siebke. Den Geschäftsbericht trägt der Verbandsprüfer Hass vom Raiffeisenverband vor. Der Genossenschaft gehören 38 Mitglieder mit 480 Kühen an, die im Berichtsjahr 2.058.000 Kilogramm Milch anlieferten. 97 Prozent davon entsprachen der Güteklasse I. Schwerpunkt der Produktion war die Butterherstellung. Im Berichtsjahr wurden 91.300 Kilo Butter, 8000 Liter Schlagrahm, 2000 Kilo Tilsiter Käse und 1500 Kilo Quark erzeugt. Käse und Quark wurden nur an die Lieferanten abgegeben. Ein erster Preis der DLG für Markenbutter und ein Ehrenpreis der Landesvereinigung für Milchwirtschaft sind das Resultat der hohen Qualität der Milch. Als Nachfolger für Helmut Siebke wurde Fritz Hammerich aus Schmalensee in den Aufsichtsrat gewählt. Neuer Vorsitzender des Vorstandes wurde der Schmalenseer Hans Harder. Betriebsleiter ist der Meierist Willi Hellberg.
Eine Verkettung etlicher blöder Umstände: Die Segeberger Zeitung meldet am 16. April 1970, vor 55 Jahren, einen Verkehrsunfall aus Schmalensee: Dabei kommt es am Ortseingang in Richtung Plön zu einem Totalschaden an dem Fahrzeug, mit dem ein Soldat in den Graben fährt. Der Mann hatte den Wagen von einer Wankendorferin geborgt, die das Fahrzeug ihrerseits in Hohenwestedt geliehen hatte. Da der Soldat keinen Führerschein besitzt, entfernt er sich leicht verletzt vom Unfallort. Die Polizei erfährt erst von einem Abschleppunternehmen von dem Unfall.
Bild zur Meldung: Ludwig Saggaus Gasthof