Mai-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1

Schmalensee, den 01.​05.​2025

Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat Mai. 

 

Das Ende der „Schweizer“ vor 95 Jahren: Schweizer und Holländer haben die Milchwirtschaft unseres Landes aufgrund ihrer besonderen Fertigkeiten über lange Zeit geprägt, auch begrifflich. Wer von einer „Holländerei“ liest, bekommt es mit Butter und vor allem Käse zu tun. Was ein „Schweizer“ war, verrät eine vom Kreisversicherungsamt am 2. Mai 1930 im Segeberger Kreis- und Tageblatt veröffentlichte „Empfehlung“: „Der Herr Preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat in einem an sämtliche Landwirtschaftskammern … gerichteten Schreiben folgende Berufsbezeichnungen empfohlen: Statt Oberschweizer = Melkermeister; statt Freischweizer = Melker, statt Unterschweizer = Melkergehilfe und statt Schweizerlehrling = Melkerlehrling. ...“ Tatsächlich soll es seinerzeit politische Interventionen gegen die traditionell gebräuchliche Begrifflichkeit „Schweizer“ für das Melkerhandwerk gegeben haben. 

 

Einführung der Pfandflaschen vor 110 Jahren: Am 3. Mai 1915 werden, nach erfolgreicher Erprobungsphase im Raum Schwansen, Kiel, Eckernförde und Dänischer Wohld, auch in Teilen Holsteins, darunter in den Kreisen Plön, Preetz, Segeberg und Bordesholm, einheitliche Bierflaschen eingeführt, auf die ein Pfand zu bezahlen ist. An könnte annehmen, dies sei den Kriegsumständen und der Rohtoffeinsparung geschuldet – allerdings hatte die erste Phase der Einführung eines Flaschenpfandes bereits 1913 begonnen. Zahlreiche Brauereien aus Kiel, Neumünster, Preetz, Segeberg, Lütjenburg, Bordesholm und Nortorf weisen in einer gemeinsamen Zeitungsanzeige darauf hin, dass Pfandflaschen ebenso wie schon zuvor ohne Pfand ausgegebene Flaschaen „Eigentum der vereinigten Bauereien“ und unverkäuflich seien. 

 

Vogelschutz vor 130 Jahren: Am 4. Mai 1895 erlässt der Kreis Segeberg eine im Segeberger Kreis- und Wochenblatt veröffentlichte Anweisung zum Vogelschutz: „Betrifft die jagdbaren, die inektenfressenden und die Singvögel. Unter Bezugnahme auf die Gesetze und Verordnungen über den Schutz der Vögel wird darauf hingewiesen, daß Zuwiderhandlungen … mit Geldstrafen bis zu 30 M. bezw. bis zu 150 M. oder mit Haft bedroht sind. Die Verbote beziehen sich namentlich auf das Zerstören und Ausnehmen von Nestern und Eiern, das Ausnehmen und Tödten von Vögeln, das Feilbieten und den Verkauf von Nestern, Eiern, Jungen und Vögeln und auf Vorbereitungen zum Zwecke des Fangens und Tödtens von Vögeln, namentlich das Aufstellen von Schlingen und anderen Fangvorrichtungen. Der §6 des Gesetzes vom 22. März 1888 bedroht auch diejenigen mit Strafe, welche es unterlassen, Kinder oder andere unter ihrer Gewalt stehende Personen, welche ihrer Aufsicht untergeben sind und zu ihrer Hausgenossenschaft gehören, von der Uebertretung der gegebenen Vorschriften abzuhalten. ...“ 

Unmittelbar an diese Anweisung, die sich an die Polizeibehörden (das sind damals auch die Amtsvorsteher) richtet, schließt sich eine Ergänzung seitens der Königlichen Schulvisitatorien (heute wären dies die Schulräte) an, die sich an die Ortsschulinspektoren (das sind im Kaiserreich die Pastoren) richtet: „... ersuchen wir die Herren Ortsschulinspectoren ergebenst, gefälligst dafür Sorge tragen zu wollen, daß … die Schüler und zwar zeitig vor Beginn des Nestbaues auf den Nutzen der durch Insektenvertilgung für die Landwirthschaft wichtigen Vögel, auf die sittliche Verwerflichkeit der Grausamkeit gegen Vögel und die geltenden Strafbestimmungen hingewiesen werden.“

 

Kirchspiel wird kleiner – nur ein Gerücht? Vor 130 Jahren sind die Tageszeitungen offenbar nicht ganz frei davon, Spekulationen und Gerüchte ungeprüft der Leserschaft zu präsentieren. So meldet das Segeberger Kreis- und Wochenblatt am 4. Mai 1895, vor 130 Jahren: „Durch die Errichtung eines Kirchspiels Dersau wird das Kirchspiel Bornhöved um die beiden Dörfer Kalübbe und Stocksee verkleinert.“ Das war am Ende nicht richtig, dafür aber falsch...

 

Ein Jubiläum im Zeichen der Kriege: Die Kriegerkameradschaft Bornhöved im NS-Reichskriegerbund feiert am 1. Mai 1940, vor 85 Jahren, ihr 50-jähriges Bestehen. Zurück geht die Kriegerkameradschaft auf den Militärverein für Bornhöved und Umgebung, der am 1. Mai 1890 gegründet worden war. Angesichts des Krieges wird in stiller, „würdiger“ Form gefeiert. Zentrum der Feier ist Heins Gasthof, wo ein Empfang und der Festabend stattfinden. Auch eine Gefallenenehrung findet statt, in deren Verlauf Kreiskriegerführer Medow allen Anwesenden klarmacht, „nur ein Volk, das bereit ist, Opfer zu bringen, ist wert zu leben.“ Aus den Reihen der Mitglieder, von denen 24 im aktuellen Kriege stehen und vier noch Veteranen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 sind, werden u.a. die beiden Schmalenseer Heinrich Christian Saggau und August Blunk für ihre 40-jährige Mitgliedschaft mit einem Bild des „Führers“ Adolf Hitler und einer Ehrennadel bedacht. 

 

Stockseer Straße vor 75 Jahren Thema: Vertreter des Kreisbauamtes sowie je eine Delegation aus Stocksee und Schmalensee, letztere unter Führung von Bürgermeister Hamann, sind laut Segeberger Zeitung vom 2. Mai 1950 auf Stockseehof zusammengekommen, um über den Ausbau einer 4,4 Kilometer langen Straße von Stocksee nach Schmalensee zu beraten. Die beiden Gemeinden erwarten anteilige Baukosten in Höhe 10.000 DM bei anfallenden Gesamtkosten von 264.000 DM. Alle Seiten stimmen darin überein, dass es zum Ausbau kommen soll. Ein Unfall des Schmalenseer Bürgermeisters unterstreicht die Notwendigkeit des Straßenbaus: Auf dem Rückweg aus Stocksee stürzt Heinrich Hamann mit dem Fahrrad und kugelt sich den linken Oberarm aus.

 

Spenden für die Schleswiger vor 175 Jahren: An der Dorfeiche in Schmalensee steht ein Gedenktein, der unter anderem die Jahreszahlen 1848/51 trägt. Bedeutende Jahre für die Menschen in Holstein, die sich in jener Zeit gegen die dänische Krone erhoben, die versucht war, Schleswig in den sogenannten „Gesamtstaat“ zu integrieren. Die Holsteiner gaben letztlich Blut, wofür der Stein errichtet wurde, aber auch Geld: Angesichts des Konflikts mit Dänemark um das Herzogtum Schleswig hatte sich in Kiel ein Hilfskomitee gebildet, das Spenden einsammelte. In der Tagesausgabe der Zeitung Altonaer Mercur am 5. Mai 1850 wurde dessen zwölfte Mitteilung veröffentlicht: „Bei dem hiesigen Hülfscomité für die bedrängten Schleswiger sind ferner eingegangen: Aus Bornhöved 69 Taler 9 Schilling und aus Schmalensee 8 Taler 14 Schilling. ...“ 

 

Bedeutende Ehrung für Hugo Saggau: Landwirt Hugo Saggau aus Schmalensee erhält am 5. Mai 1965, vor 60 Jahren, aus den Händen des Ministerpräsidenten Dr. Helmut Lemke für sein umfangreiches, verdienstvolles Wirken in beruflichen und kommunalpolitischen Ämtern und Funktionen das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1946 hatte Hugo Saggau, der in einem halben Jahr das 70. Lebensjahr vollenden wird, den Vorsitz im Kreisverein Schwarzbunte Schleswig-Holsteiner übernommen. Er war zudem stellvertretender Landesvorsitzender der Schwarzbuntzüchter, Mitglied der Landwirtschaftskammer, der staatlichen Körkommission und anderer Kommissionen und Gremien. Außerdem war er stellvertretender Kreisvorsitzender des Bauernverbandes, Mitglied von Kreistag, Kreisausschuss und Gemeindevertretung. 

 

Um 23 Uhr Zapfenstreich: Der Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein setzt am 6. Mai 1925, vor 100 Jahren, die allgemeine Polizeistunde auf 23 Uhr fest. In Städten bis 10.000 Einwohner gilt 0 Uhr, in größeren Städten 1 Uhr als Polizeistunde. Gast und Wirt haften im Falle der festgestellten Überschreitung. 

 

Straßenbau sorgt vor 90 Jahren für Arbeit: In der Umgebung Schmalensees finden laut Segeberger Kreis- und Tageblatt um den 8. Mai 1935 herum rege Straßenbaumaßnahmen im Rahmen der Arbeitsbeschaffung statt. So werden die Damsdorfer Dorfstraße und die Straßen von Belau nach Wankendorf und Stolpe ausgebaut. Die Zuwegung von Rendswühren zur Chaussee Plön-Neumünster wird chaussiert. Früher war diese im Winter oft gänzlich unpassierbar. Für diese Arbeiten wird Steinmaterial vom Ufer des Schmalensees verwendet. 

 

Gäste der Landjugend vor 50 Jahren: Die Landjugendgruppe Schmalensee hat im Zeitraum 8. bis 11. Mai 1975 die LJG aus Odenkirchen bei Mönchengladbach zu Gast. Die Gäste werden privat einquartiert und mit einem abwechslungsreichen Programm unterhalten. Darin enthalten eine Halligfahrt auf der Nordsee und ein Ausflug zum Wildpark Eekholt. 

 

Kampf dem Maikäfer vor 95 Jahren: Am 9. Mai 1930 erscheint im Segeberger Kreis- und Tageblatt eine Meldung, die erkennen lässt, dass für dieses Jahr ein vermehrter Maikäferflug vorhergesagt, worden ist auch im Kreis Segeberg. Das Schulvisitatorium, die Kreisschulaufsichtsbehörde, hat daher alle unterstellten Schulleiter ermächtigt, Einsammelaktionen in den Gemeinden mit den Schulklassen zu unterstützen. Am 27. Mai ist in der Zeitung von einer vorherrschenden Maikäferplage die Rede und es werden im benachbarten Belau alle Landbesitzer zu Einsammelaktionen verpflichtet. Je Hektar sind 2 Kilogramm Maikäfer abzuliefern, die Hausbesitzer haben 5 Pfund zu liefern. Das Gut Perdöl ist allein zum Einsammeln von 6 Zentnern verpflichtet worden, da hier besonders viele Knicks stehen. Immerhin: Über die Abgabemengen hinaus gelieferte Mengen werden besonders prämiert. Am 30. Mai 1930 äußert sich wieder die Segeberger Schulaufsichtsbehörde, die sich gezwungen sieht, detaillierte Weisungen zu treffen: Alle Schulinder ab 10 Jahre werden in den Morgenstunden bis 10 Uhr für Einsammelaktionen vom Unterricht freigestellt. Nur noch wenige Tage dauert die Flugzeit der Maikäfer, die danach ihre Eier ablegen werden. Eile ist geboten. 

 

Seit 115 Jahren Quellenhaupt Bornhöved:Der Turnverein Quellenhaupt wird am 10. Mai 1910 in Bornhöved gegründet. Willi Marquardt, Adolf Piening, Adolf Pölchow und Gemeindevorsteher Heinrich Suhr gelten als Gründerväter des Vereins, der nach wenigen Jahren, von Mitte 1914 an, aufgrund des Weltkrieges den Betrieb wird ruhen lassen müssen, dann aber von Willi Marquardt wiederbelebt werden wird. Zigarrenfabrikant Adolf Pölchow wird das nicht mehr erleben, denn am 6. Oktober 1914 wird er als Landsturmmann im Gefecht nahe dem russischen Kamsomke sein Leben lassen. 

 

Abschied von Pastorin Ehlen: Im Zuge des Sonntagsgottesdienstes am 11. Mai 1980, vor 45 Jahren, wird Frau Pastorin Ehlen aus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bornhöved verabschiedet. Ihr Bornhöveder Kollege Gutknecht bedauert den Weggang. Pastorin Ehlen habe sich in kurzer Zeit viele Freunde erworben; durch ihre ruhige und sachliche Art sei sie bei der Bevölkerung gut angekommen. Um ihrem Mann das Theologiestudium zu ermöglichen, zieht Frau Ehlen mit diesem nach Raisdorf, so ein Bericht der Segeberger Zeitung. Eine Nachfolge sei noch nicht gefunden. 

 

Unterjagd-Verpachtung vor 195 Jahren: Die Unterjagden im Amt Segeberg, u.a. in Schmalensee, kommen am 15. Mai 1830 zur Versteigerung. Am 15. April des Jahres war dazu in der Zeitung Altonaischer Mercurius eine öffentliche Bekanntmachung abgedruckt worden, die hier im Wortlaut der damaligen Zeit wiedergegeben wird:

„Wen von der Königl. höchstpreislichen Rentekammer die anderweitige Verpachtung der mit dem 1. Sept. d.J. außer Pacht gehenden Unterjagden des hiesigen Amts alternative auf 3 und 6 Jahre verfügt worden: als sind dazu folgende Termine anberaumet: 1) für die Dorfschaften Blunck, Hamdorff, Negernbötel, Schackendorff, Högersdorff, Fahrenkrog, Bevensee, Schwissel, Mözen, Todesfelde, Kückels, Fredesdorff, Großenrönnau, Crems, Neversdorff, Niendorff, Leezen, Heiderfeldt, Bornhövd, Schmalensee und Gönnebeck der 15. May d.J.; 2) für das Kirchspiel Bramstedt der 18. May d.J.; 3) für die Dorfschaften Winsen, Kattendorff, Hüttbleck, Oersdorff, Kaltenkirchen, Campen, Nützen, Lentförden, Schmalfeldt und Kisdorff der 19. May d.J. Pachtliebhaber wollen sich demnach an vorgedachten Tagen, Morgens 10 Uhr, und zwar am 15. May d.J. in der Harmonie in Segeberg, am 18. May d.J. bey dem Gastwirt Schröder in Bramstedt, und am 19. May s.M. bey dem Bauervogt Möller in Kaltenkirchen einfinden, nach Verlesung der Bedingungen bieten und überbieten und gewärtigen, daß den Meistbietenden salva approbatione camerae regiae der Zuschlag ertheilet werde. Segeberger Amtsstube, den 3. April 1830. Matthiesen.“

 

Ein „Bierkrieg“ vor 115 Jahren: Von einem sich anbahnenden „Bierkrieg“ ist die Rede in einem Bericht des Segeberger Kreis- und Tageblatts vom 15. Mai 1910. Darin wird von einer Zusammenkunft von Wirten im Ascheberger Gasthof Schwiddeldei berichtet, an der auch Wirte aus den angrenzenden Teilen des Kreises Segeberg teilnahmen. Es sei ein Verein gegründet worden, dessen Ziel eine Verbesserung bei der Preisgestaltung für bezogenes Bier sein soll. Höhere Steuern und gestiegene Preise der Hersteller, insbesondere für Flaschenbier und Spirituosen, wollen die Wirte nicht mehr selbst tragen, sondern versuchen, „diesen Aufschlag auf den Konsum abzuwälzen“ – also Verkaufspreiserhöhungen abzusprechen.

 

Erfolgreiche Schmalenseer Landjugend: Die Segeberger Zeitung berichtet am 16. Mai 1960, vor 65 Jahren, vom 8. Kreislandjugendtag in Kükels mit Wettbewerben der jungen Kälberzüchter, im Schleppergeschicklichkeitsfahren und Leistungspflügen sowie in hauswirtschaftlichen Kategorien. Einer der Preisrichter ist Landwirt Heinrich Wulf aus Schmalensee. Dessen Tochter Lisa Wulf (Lisa Griese) gewinnt einen ersten Preis in der Kälberzucht. Auch Reimer Saggau weist einen ersten Platz vor. Heinz Wilhelm Först, Lehrling bei Hans Harder, belegt in der Zucht einen zweiten Rang.

 

Nachrichten vom Mai 1915 mit Kriegs-Bezug: Am 1. Mai 1915 besteht der Militärverein für Bornhöved und Umgebung seit genau 25 Jahren. „Der ernsten Zeit wegen“ wird aus diesem Anlass aber nicht gefeiert. Am 8., 10. und 11. Mai 1915 findet im Segeberger Hotel Zur Harmonie die Musterung aller zurückgestellten Militärpflichtigen der Jahrgänge 1875-79, also der bis zu 40-Jährigen, und der Landsturmpflichtigen des I. Aufgebots derselben Jahrgänge statt. Am 12. Mai ist im Segeberger Kreis- und Tageblatt zu lesen, dass man in der Kirchengemeinde Bornhöved beschlossen habe, bei zukünftigen Siegesfeiern vom Kirchturm eine Fahne wehen zu lassen. 

 

Das Kriegsende vor 80 Jahren in Schlaglichtern: In der Nacht auf den 3. Mai 1945 findet ein großer Luftangriff auf Kiel statt. In Bad Segeberg befestigt ein Arbeiter heimlich und unter Lebensgefahr am 48 Meter hohen Schornstein der Margarinefabrik (heute Kaufland) eine aus Betttüchern genähte 20 Meter lange weiße Fahne. Als am Morgen des 3. Mai der Bürgermeister von Bühnsdorf telefonisch der Kreisverwaltung das Eintreffen englischer Soldaten meldet, setzen sich der stellvertretende Bürgermeister von Bad Segeberg, August Marxen, und ein Oberleutnant Adler diesen im Auto mit weißer Fahne entgegen, um die Kreisstadt kampflos zu übergeben. Die Engländer rücken in die Stadt ein, besetzen u.a. das Rathaus (in dem sie alle Hitler-Bilder von den Wänden nehmen) und untersagen dem Verleger des Segeberger Kreis- und Tageblatts den Weiterbetrieb der Zeitung. Auch Neumünster wird kampflos an eine britische Abordnung übergeben. Nach letzten schweren Luftangriffen am 7. und 13. April ist der Verteidigungswille der Stadtführung um Oberbürgermeister Kracht gebrochen. Bei Brokenlande stehen britische Truppen, die schließlich am 4. Mai in Neumünster einrücken werden. Kracht übergibt die Stadt aber schon am 3. Mai gegen 18 Uhr im Rathaus der Stadt. Die britischen Truppen schieben sich zudem am 3. Mai über die Linie Bad Segeberg-Plön weiter in Richtung Kiel vor. Dies könnte der Tag sein, an welchem erste Engländer Schmalensee passieren, um zügig auf Plön vorzustoßen, wo man der Reichsregierung Dönitz habhaft werden will, die man dort noch vermutet. In der Nacht auf den 4. Mai 1945 findet der letzte Luftangriff der Alliierten auf Kiel statt. Am 4. Mai kommt es laut Chronik des Kreisfeuerwehrverbandes Plön zu einem letzten schweren Luftangriff auf Plön. Umliegende Feuerwehren werden zu Löscharbeiten dorthin beordert, was aber durch den Einsatz von Tieffliegern erschwert wird. Der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Hohenfelde wird laut Bericht durch deren Beschuss getötet. Die Stadt Kiel wird am 4. Mai vom NS-Oberbürgermeister kampflos an die Briten übergeben.

Am 5. Mai um 8 Uhr tritt die Teilkapitulation der Wehrmacht im Norden in Kraft. Sie gilt für Holland und Dänemark, Friesland und Schleswig-Holstein sowie das nördliche Niedersachsen. Erste größere britische Einheiten erreichen Kiel. Damit ist der Krieg in Schleswig-Holstein offiziell beendet. Der Schmalenseer Der Schmalenseer Erich Stölting jedoch fällt noch am 6. Mai 1945. Nach Aussage der polnischen Zwangsarbeiterin Wera Letun oder auch Veronika Huryn ist dieser Sonntag der Tag, an dem die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in Schmalensee das Kriegsende erleben. Einige Männer begeben sich mit Fahrrädern nach Neumünster, um die Lage zu erkunden. Bei ihrer Rückkehr berichten sie von völlig überfüllten Auffanglagern für die so genannten „Displaced Persons“. Das Gros der Ausländer entscheidet sich, auf den Schmalenseer Höfen zu bleiben und beteiligt sich noch am Rübenhacken. Tatsächlich ist dem Meldebuch der Gemeinde zu entnehmen, dass eine Vielzahl der in Schmalensee gemeldeten Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter erst Ende Mai, Anfang Juni 1945 das Dorf verlassen, in der Regel mit Ziel Neumünster, von wo sie in ihre Heimatländer, in manchen Fällen aber auch nach Übersee vermittelt werden. 

 

 

 

 

Bild zur Meldung: Kreislandjugendtag mit Quiz, SZ 07.05.1965

Fotoserien


Historisches 2025-05-01 (23.​04.​2025)