Kitzrettung 2025 in Schmalensee angelaufen – Dank an die Freiwilligen

Schmalensee, den 09.​05.​2025

Hohes Gras windet sich kalt und nass um die in eine Regenhose gehüllten Beine. Nebelschwaden ziehen über die Felder und tauchen die Landschaft in der Morgendämmerung in eine schaurig-schöne Atmosphäre. Das entschädigt dafür, dass um 4.15 Uhr der Wecker ging. Es ist wieder Kitzrettungs-Zeit.

 

„Wenn nicht wir, wer sonst?“, fragen sich die freiwilligen Helferinnen und Helfer, die dem Aufruf von Gerhard Harder und Sönke Jens vom Schmalenseer Jagdverein gefolgt sind: Vor dem ersten Schnitt, der Grasmahd, ist eine Absuche der zu mähenden Felder besonders wichtig. Denn: Im hohen Gras könnten die Ricken ihre Kitze versteckt haben. Und die verfügen noch nicht über den Fluchtreflex, der sie vor dem nahenden Mähwerk retten könnte. 

 

Also muss der Mensch ran. Drohnen vom Naturschutzverein Ruhwinkel oder den Jägern aus Tarbek helfen bei der Suche: Ausgestattet mit Wärmebildkameras liefern die Drohnen in Echtzeit Bilder. Wärmequellen lassen vermuten, dass dort auf kaltem Grund ein warmer Kitz-Körper zu finden ist. Angeleitet über Funkgeräte nähern sich die Trupps der Wärmequelle an. Sie führen Körbe mit sich, die sie bei Auffinden eines Kitzes über dieses stülpen und mit Stangen, an denen gelbe Plastiksäcke als Fähnchen befestigt sind, fixieren. Um diese auffälligen Punkte wird der Fahrer des Traktors mit dem Mähwerk einen Bogen machen. Ist das Feld bestellt, können die Körbe entfernt werden – Muttertiere und Nachwuchs finden wieder zueinander, wenn der Mensch außer Sichtweite ist. 

 

An Tag eins der Kitzrettung hat es sich auch so abgespielt: Zwei Kitze konnten am 7. Mai auf diese Weise im Bereich Schmalensee-Höllenhorst vor dem Mähtod bewahrt werden. Aber auch für den 8. Mai hatten Landwirte bereits Flächen bei den Jägern angemeldet. Abgesucht wurden Wiesen in Schipphorst und Schmalensee. Gefunden wurde viel: frische Maulwurfshügel, erstaunlich große Kaninchenlöcher, mal ein ausbüxender Hase. Auf einer Wiese an der Belauer Straße rannten sogar zwei Ricken einmal mitten durch die Suchtrupps. Nur Kitze wurden keine gefunden. 

 

Ein Misserfolg? Mitnichten! Erfolg ist die gute Tat. Mit der Absuche zu mähender Flächen wird – wenn auch nicht 100-prozentig – sichergestellt, dass beim anschließenden Mähen kein Kitz getötet wird. Das ist zugleich gut für die Fahrer, denen der Mähtod der Kitze alles andere als Freude bereitet. 

 

Ein Fahrer hatte am 7. Mai besonderes Glück: Er mähte eine abgesuchte Fläche und erkannte aus der Höhe zunächst eine Ricke im Knick und dann, was sie im Blick hatte – zwei Kitze im Gras. Behutsam nahm er die lütten Tiere grasummantelt auf und setzte sie am Feldrand ab. „Die Gefahr, dass eine Ricke ihr Kitz von einer Fläche noch einmal auf eine andere führt, damit es vielleicht mehr Sonnenwärme von oben bekommt, ist nicht auszuschließen“, sagt Gerhard Harder vom Jagdverein. 

 

Wer bei künftigen Kitzrettungen mitmachen möchte und noch nicht Teil der dazugehörigen WhatsApp-Gruppe ist: Unter der Mobilnummer 0171 86 59 397 kann man sich bei Sönke Jens melden. Jede Aktion wird angekündigt und alle, die es einrichten können, geben ihre Zusage. So kommen immer wieder neue Teams zusammen, die stets eines eint: Der Wunsch, etwas Gutes zu tun. 

 

Fotos: Moni Hahn, Jana Funke-Pici, Sönke Jens, Christian Detlof

 

Bild zur Meldung: Bericht zur Kitzrettung am 8. Mai 2025

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Kitzrettung (09.​05.​2025)