Juli-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 2

Schmalensee, den 15.​07.​2025

Werfen wir den Blick zurück in die Geschichte unseres Dorfes und seiner Umgebung. Zahlreiche Quellen liefern uns oft Aufschluss über längst vergessene Geschehnisse und bieten zugleich Gelegenheit für Erinnerungen. Wie immer sind die historischen Meldungen monatlich zweigeteilt, um den Besucherinnen und Besuchern von „gemeinde-schmalensee.de“ ein hoffentlich interessantes Mehr an geschichtlicher Unterhaltung zu bieten. Hier der zweite Teil für den Monat Juli.

 

Kaum noch Gefangene und Vermisste Segeberger: Der Vorstand der Ortsgruppe Segeberg des Volksbundes zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen trifft in seiner Sitzung am 16. Juli 1920, vor 105 Jahren, die Feststellung, dass die Arbeit annähernd erledigt sei und beschließt, sich im Zuge der nächsten Generalversammlung aufzulösen. „Nach der letzten Aufstellung fehlen aus Segeberg noch vier Vermißte, von denen keine Nachricht vorliegt, und außerdem Wilhelm Broers aus der Oldesloer Straße, der sich noch in Gefangenschaft befindet. Im Kreise Segeberg fehlten noch je ein Mann aus den Ortschaften Kükels, Daldorf, Schmalensee, Damsdorf und Bornhöved“, wird im Segeberger Kreis- und Tageblatt berichtet. 

Diese Meldung ist dahingehend interessant, dass für Schmalensee von noch einem nach dem Ersten Weltkrieg (1914-18) Vermissten die Rede ist. An dem im Jahr 1923 einzuweihenden Gefallenendenkmal werden jedoch die Namen zweier Männer, August und Hans Stegelmann, mit dem Status „vermisst“ festgehalten werden. 

 

Abgeordneter aus Schmalensee scheitert mit Antrag: Sitzung des Segeberger Kreistages am 17. Juli 1880, vor 145 Jahren. Hufner Matthias Christian Saggau aus Schmalensee ist Mitglied des Kreistages. Obwohl Saggau sich mit Nachdruck und nicht zum ersten Mal für eine Übernahme der „Irrenkosten“ des Gesamtarmenverbandes Bornhöved durch die Kreiskasse einsetzt, wird dieser Antrag abgelehnt. 

 

Krankenhaus-Werbung vor 140 Jahren: Die Schmalenseer Hufnerin Henriette Saggau wird am 18. Juli 1885  aus dem Segeberger Krankenhaus entlassen. Die Kenntnis dessen verdanken wir einer Anzeige im Segeberger Kreis- und Wochenblatt: Die Hausverwaltung des Krankenhauses holt von zu entlassenden Patienten das Einverständnis ein, mit ihrer Zufriedenheit Werbung zu betreiben: „Der Verwaltung des Krankenhauses, sowie den Herren Doctoren, und für die liebevolle und gewissenhafte Verpflegung, welche wir Unterzeichneten bei unserem Dortsein genossen haben, sagen wir bei unserer Entlassung unsern tiefgefühlten Dank und gestatten der Verwaltung, solches zu veröffentlichen.“

 

Fünf Generationen einer Familie: In Schmalensee und Damsdorf leben fünf Generationen einer Familie, was dem Segeberger Kreis- den Tageblatt am 18. Juli 1935, vor 90 Jahren, einen Bildbericht wert ist. Die älteste Vertreterin der Familie, die auf den früheren Holzarbeiter Schröder zurückgeht, ist die 83-jährige Luise Schröder aus Damsdorf. Von ihren zehn Kindern leben noch sechs. Zweitältestes Kind ist die 60-jährige Anna Hansen in Schmalensee. Ihr Mann ist Heizer bei der Dreschgenossenschaft Schmalensee. Die älteste Tochter Anna Hansens, Helene Göttsch, ist mit 41 Jahren bereits seit zwei Jahren Großmutter. Ihre Tochter Anneliese Lewe (19) ist mit einem landwirtschaftlichen Arbeiter in Schmalensee verheiratet. Letztes Glied in der Kette ist der zweijährige Sohn Günther Lewe. 

 

Kriegsausbruch vor 155 Jahren: Den Ausbruch des „Deutsch-Französischen Krieges“ markiert die Kriegserklärung des französischen Kaisers an Preußen vom 19. Juli 1870. Der neue Landrat des Kreises Segeberg, Freiherr von Gayl, der zuvor Landrat in Teltow bei Berlin war, wendet sich am 21. Juli 1870 angesichts des Kriegszustands mit Frankreich über das Segeberger Kreis- und Wochenblatt an die Bevölkerung. Ein Auszug: „[...] Ernst ist der Zeitpunkt, in welchem ich die Verwaltung hier antrete. […] Ich hoffe zum allmächtigen Gott, daß Er das Unheil des Krieges von unserem Kreise fernhalten wird, weiß aber, daß, wenn Gefahr bis hierher dringt, wir Alle in deutscher Treue fest zusammenstehen werden das Vaterland zu vertheidigen.“ Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Landrats ist, angesichts des Krieges eine Familienfürsorge zu organisieren, die der Ktreistag am 28. Juli beschließen wird. Demnach erhält vorerst jede „unterstützungsbedürftige“ Frau, deren Mann zum Kriegsdienst eingezogen ist, im September 2 Taler. Diese Summe erhalten auch die ersten drei Kinder eines Einberufenen. Das vierte Kind erhält 15 Groschen zusätzlich. Sind Eltern und Geschwister betroffen, so gibt es auch für diese 2 Taler und 15 Groschen.

Am 23. Juli 1870 meldet das Segeberger Kreis- und Wochenblatt aus Bornhöved, dass sich dort angesichts der französischen Kriegserklärung an Preußen-Deutschland, die blutige Kämpfe erwarten lässt, ein „Lokalcomité“ zur Einsammlung von Geld und Materialien zur Verwundetenversorgung gebildet hat. Diese sollen dem Provinzialverein zur Pflege verwundeter und erkrankter Krieger in Kiel übermittelt werden. Beim Bornhöveder Ortsvorsteher August Lantau sowie bei den Ortsvorstehern der benachbarten Gemeinden können Spenden entrichtet werden.

 

Und wieder Wassermangel: Die Freiwillige Feuerwehr Schmalensee eilt laut Protokollbuch am 19. Juli 1925, vor 100 Jahren, in den Nachbarort Belau, um dabei zu helfen, den Brand des Stalles von Ernst Stölting zu bekämpfen. Doch wegen Wassermangels kommt die Schmalenseer Spritze nicht in Tätigkeit. Ein Hydrantennetz gibt es damals nicht und die Zuleitung von Löschwasser aus offenen Gewässern erweist sich häufig als schwierig wenn nicht unmöglich. 

 

Sportvereine messen sich in Tarbek: In Tarbek hat vor 100 Jahren das erste Sport- und Spielfest der Gemeinde stattgefunden. Einen Bericht brachte das Segeberger Kreis- und Tageblatt am 20. Juli 1925. Teilnehmende Sportvereine (!) waren die aus Daldorf, Bornhöved und Schmalensee. Im Weitsprung der Jugendlichen wurde der Schmalenseer Erich Stegelmann mit einer Weite von 4,51 Meter Zweiter. Im Schlagballspiel unterlag der Verein aus Schmalensee dem aus Daldorf mit 33:44, im Faustball setzten sich die Schmalenseer mit 38:35 gegen Tarbek durch. 

 

Alte Bilder auch aus Schmalensee:Wer es noch nicht kennt, erfährt am 21. Juli 1995, vor 30 Jahren, aus der Segeberger Zeitung von dem Büchlein „Das Amt Bornhöved in alten Ansichten“. Herausgegeben hat es Heimatkundler Harald Timmermann, der dazu sein Netzwerk innerhalb des Amtes genutzt und einen bunten Strauß von Fotografien und Zeichnungen eingesammelt hat. Auch aus Schmalensee sind Bilder in dem Buch enthalten, das im Verkauf 32,80 DM kostet. Darunter eine Kinderszene aus den 1930er-Jahren vor der Meierei, ein Schulfoto von 1919 sowie ein Gruppenbild vom Vogelschießen 1931 jeweils mit Lehrer Heinrich Göttsch, die allseits bekannte Aufnahme der Freiwilligen Feuerwehr von 1904, auch eine alte Aufnahme des heutigen Gasthof Voß, von der Ehrenwache am Gefallenendenkmal (Jochen Voß und Peter Isaakson), die Familie Suhr 1893 vor ihrer Stellmacherei und die große Jagdgesellschaft von 1920. Außerdem ist in diesem Buch eine Aufnahme des nicht mehr existierenden Altenteils zum Hof Saggau (Heinrich Christian, Hugo, Reimer, Christian) enthalten. 

 

Drastische Schutzmaßnahmen: In Gönnebek grassiert um den 22. Juli 1745, vor 280 Jahren, eine Viehseuche. Um zu verhindern, dass diese in anderen Orten verbreitet wird, muss zu teilweise harten Maßnahmen gegriffen werden. Von einem Beispiel berichten sowohl Kirchspiel-Chronist Georg Pasche (1839) als auch Adolf Biß (1974) aus Gönnebek.: Eine Leiche wird von den Gönnebekern an der Rand ihrer Gemarkung gebracht und dort von Bornhövedern abgeholt und auf dem Kirchhof zu Grabe getragen. 

 

Schmalenseer kämpften bei Idstedt: Im ersten bewaffneten Konflikt um die Lösung Schleswig-Holsteins von Dänemark findet am 24. und 25. Juli 1850, vor 175 Jahren, die Schlacht bei Idstedt statt und endet mit der Niederlage der Schleswig-Holsteinischen Armee, die seit Kurzem nicht mehr auf die Unterstützung durch Preußen beziehungsweise den Deutschen Bund setzen kann. Die Schlacht bei Idstedt besiegelt bereits das militärische Ende der Erhebung der Schleswig-Holsteiner, denn sie werden vernichtend geschlagen. Mindestens 23 Soldaten aus dem Kirchspiel Bornhöved nehmen in Reihen der Schleswig-Holsteinischen Armee daran teil – ihre Namen gelangen auf die Verlustliste der Schlacht, die unter anderem im Altonaer Mercur am 24. August1850 veröffentlicht werden wird. Das Gros der Männer gilt nach der Schlacht als gefangen oder verwundet oder beides. Der Schmalenseer Musketier Hans Jürgens, Soldat der 1. Kompanie des 13. Infanterie-Bataillons, gilt zunächst als „gefangen verwundet“. Er hat am 25. Juli einen Schuss in die Brust erhalten und wird am 3. August 1850 in Schleswig an seinen Wunden „unter der Behandlung deutscher Aerzte“ sterben. Als „gefangen verwundet“ gilt auch Claus Jürgen Saggau („Cl. Jürgen Sachau“) aus „Schmalensee im Amt Plön“ (Amt Segeberg wäre korrekt), Angehöriger des 4. Jäger-Corps. 

 

Eins nach dem Anderen vor 65 Jahren: Die Gemeinde wird laut Bericht der Segeberger Zeitung vom 26. Juli 1960 dazu angehalten, die Straßen nach Damsdorf und Tarbek mit Einlaufschächten zu versehen. Beide Straßen bilden aufgrund ihres jeweiligen Gefälles nach dem Ort hin Gefahrenherde, da bei Starkregen große Mengen Sand abwärts geschwemmt werden. Noch aber lehnt die Gemeinde das Anlegen von Schächten ab, da bereits die Asphaltierung beider Straßen beschlossen ist.

 

Seit 30 Jahren Gemeindesaal Schmalensee: Bürgermeister Hans Siebke und Gemeindevertreter Hans-Peter Bobzien sowie Besitzer Jochen Voß unterzeichnen am 26. Juli 1995 den Vertrag über die Pachtung des Saales der Gaststätte Voß durch die Gemeinde Schmalensee. Damit hat Schmalensee einen Gemeindesaal. 

 

Tödlicher Unfall überschattet Kreisturnier: Auf der Bad Segeberger „Rennkoppel“ findet am 26. und 27. Juli 1925, vor 100 Jahren, das Kreisturnier des Kreis-Reitervereins und des Rennvereins statt. Das Turnier wird vom Tod des Vorsitzenden des Kreis-Reitervereins überschattet: H. Hamann aus Bühnsdorf stürzt am Sonntagnachmittag im Jagdspringen mit seiner Fuchsstute und erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen. Das Turnier wird vorzeitig abgebrochen. Zuvor hat die Abteilung des Reitervereins Bornhöved und Umgegend unter Anleitung von Reitlehrer Otto Schlätel aus Schmalensee den Wettkampf der Reitabteilungen gewonnen. Ludwig Saggaus Blenheim aus Schmalensee belegt mit Reiter Hellmut Saggau in der Prüfung 6, einer Dressurprüfung, den 3. Platz. In der St. Georg-Fahrerprüfung im Zweispänner siegt Ludwig Saggau, in der Eignungsprüfung für Wagenpferde wird sein Sohn Hellmut mit Blenheim Dritter. 

 

Zum 3. Mal Kreisfeuerwehrfest in Bornhöved: Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Bornhöved findet dort am 27. Juli 1930, vor 95 Jahren, das Kreisfeuerwehrfest statt. Nach 1894 und 1920 ist es das dritte Mal, dass Bornhöved Ort der großen Zusammenkunft des Kreisfeuerwehrverbandes Segeberg ist. Schon um 6 Uhr findet in Bornhöved ein großes Wecken statt. Um 9 Uhr werden am Bahnhof die ersten Gäste in Empfang genommen und um 10 Uhr beginnt die Versammlung der Delegierten im Gasthof „Stadt Kiel“. Am Festessen um 13 Uhr in Hein's Gasthof nehmen rund 250 Personen teil. Um 15 Uhr präsentieren auf dem Sportplatz am See die Wehren aus Bornhöved, Schmalensee und Gönnebek Schulübungen. Um 17 Uhr begeben sie sich zur Brandübung; Objekt ist der Hof von Ernst Kaack. Daran anschließend findet ein Festumzug, begleitet von Feuerwehrkapellen aus Bornhöved und Fahrenkrug statt, dann finden in drei Lokalen Festbälle statt. Die Freiwillige Feuerwehr Bornhöved ist im Jubiläumsjahr 1930 eine von nur sieben Wehren im Kreis Segeberg, die über eine Motorspritze verfügen. 

 

Bahnbau beginnt vor 115 Jahren: Offizielles Datum für den Beginn des Baus der Kleinbahn Kiel-Segeberg ist der 28. Juli 1910. Tatsächlich werden laut Berichten noch Materialien und Arbeitskräfte zugeführt, die am 5. August 1910 an mehreren Orten gleichzeitig, darunter Bornhöved, mit den vorbereitenden Erdarbeiten beginnen. Bis zum Oktober 1911 werden die Bauarbeiten an der Strecke abgeschlossen sein. Die Kleinbahn führt diesen Namen, weil sie keine staatliche Eisenbahn ist. Anteile an der Aktiengesellschaft hat auch die Gemeinde Schmalensee gezeichnet, weil sie sich von dem in Bornhöved zu errichtenden Bahnhof und die verbesserte Anbindung an Kiel und – über Segeberg – Hamburg, wirtschaftlichen Aufschwung erhofft. Bislang werden Waren und landwirtschaftliche Produkte aus Schmalensee mittels Reichsbahn vom Bahnhof Perdöl zu weiter entfernten Abnehmern aufgegeben. Die Kleinbahn AG hat eine Konzession auf 50 Jahre, die 1961 nicht verlängert werden wird. 

 

Dreschgenossen sind Geschäftsleute: Im Gasthof Voß tritt am 29. Juli 1960, vor 65 Jahren, die Dreschgemeinschaft Schmalensee zu ihrer Jahreshauptversammlung zusammen. Es liegt ein Antrag vor, die Gemeinschaft aufzulösen und den gemeinsamen Dreschsatz zu verkaufen. Zwar wird die Auflösung abgelehnt – aber nur, um die Dreschgemeinschaft so lange aufrecht zu erhalten, bis es gelungen sein wird, den Dreschsatz mit allem Zubehör „günstig“ abzusetzen.

 

Schmalensees Milch geht nach Ascheberg:Im Zuge der Liquidation der Meiereigenossenschaft Schmalensee wird am 31. Juli 1970, vor 55 Jahren, ein Milchliefervertrag mit der Meierei-Genossenschaft Ascheberg-Bordesholm für den Zeitraum 01.01.1970 bis 31.12.1974 abgeschlossen. Die Schmalenseer Landwirte, die mit ihrer Unterschrift den Vertrag bestätigen, sind Jürgen Stegelmann, Hans Siebke, Reimer Saggau, Hans-Jürgen Harder, Hellmut Saggau, Werner Harder und Hermann Griese. 

 

 

Bild zur Meldung: Krieg mit Fankreich, Aufruf an die Frauen, SKWB 23.07.1870

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Historisches 2025-07-15 (26.​06.​2025)