November-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1

Schmalensee, den 01.​11.​2025

Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat November. 

 

Überraschungen zur Silberhochzeit: Der Landarbeiter Max Wulf und seine Frau können am 1. November 1900, vor 125 Jahren, das Fest der Silbernen Hochzeit feiern. Viele Leute aus dem Dorf wollen mit ihnen feiern, und als die ersten überraschenden Gäste erscheinen, hält Max Wulf noch den Dreschflegel in der Hand. Am Abend schenken ihm die Freunde eine „Schweizer Saanenziege“, die auch an der Festtafel zur Belustigung aller teilnehmen darf. Die Feuerwehr bringt ein Ständchen und auf der Tenne des Arbeitgebers Willy Siebke wird getanzt.

 

Wie Schmalensee zum heutigen „Bolzplatz“ kam: Auf Vorschlag von Bürgermeister Heinrich Harder stimmte Bauer Nagel am 1. November 1935, vor 90 Jahren, einem Landtausch zu: Gegen ein Stück des Schullandes gab Nagel die neben dem Schulhaus liegende Koppel an die Gemeinde. Auf dieser sollte ein Sport- und Spielplatz für die Schule angelegt werden. Der bisherige kleine Spielplatz am Schulhaus lag ohne Einfriedung unmittelbar an der immer stärker befahrenen Chaussee, der heutigen Bundesstraße 430. 

 

SVS stark bei den Kreismeisterschaften: Andre Wulf, Tischtennisspieler der Bezirksligamannschaft des SV Schmalensee, gewinnt bei den Tischtennis-Kreismeisterschaften in der Bad Segeberger Kreissporthalle am 1. November 2015, vor zehn Jahren, den höchsten Einzeltitel und wird Kreismeister der Herren A/B. Teamkollege Ralf Neugebauer wird Dritter. Den dritten Rang belegen Neugebauer und Wulf außerdem im Doppel-Wettbewerb. 

 

Schulfördervereine – aus 2 mach 1 vor 10 Jahren: Die 104 Mitglieder des Fördervereins der Gemeinschaftsschule Bornhöved sind am 3. November 2015 zu einer bedeutenden Mitgliederversammlung geladen – es geht um die Auflösung des Vereins. Gemeinsam mit dem bisherigen Verein der Freunde der Grundschule Bornhöved will man zum Verein der Freunde der Sventana-Schule Bornhöved e.V. fusionieren. Diesen Namen möchte der Grundschul-Förderverein am 18. November 2015 annehmen. Die Versammlung stimmt dem Auflösungsantrag der Vorsitzenden Petra Jens aus Schmalensee zu. „Man hätte das schon 2008 machen sollen, als beide Schulen zusammengelegt wurden“, sagt Petra Jens. Sie wirbt dafür, dass die Mitglieder dem neuen Verein beitreten mögen, denn mit der Auflösung erlischt zunächst die Mitgliedschaft. 

Zur Versammlung am 18. November werden 15 Personen kommen und den  „Verein der Freunde der Sventana-Schule Bornhöved e.V.“ bilden. Sie wählen Sabine Joswig zur Vorsitzenden. Dem Vorstand gehören drei Schmalenseerinnen an: die stellvertretende Vorsitzende Frauke Pape, Schriftführerin Ute Mühlenberg und Beisitzerin Petra Jens. Kassenwart Sven Jäger komplettiert den Vorstand. 

 

Nationalsozialismus auf dem Lande vor 90 Jahren: Meldungen aus dem Segeberger Kreis- und Tageblatt ist im November 1935 zu entnehmen, wie der Nationalsozialismus in unserer Region Einfluss nimmt und die Menschen vereinnahmt. So müssen bis 4. November sämtliche Lehrer des Kreises Segeberg dem Kreisschulamt eine Erklärung abzugeben, welchen Beamtenvereinigungen sie nach 1918 angehört haben. Am 9. November 1935 findet in Bornhöved die Totenehrung für die beim Putschversuch 1923 in München gefallenen Nationalsozialisten statt. Der stellvertretende Ortsgruppenleiter, Richard Saggau aus Schmalensee, hält die Begrüßungsansprache. Parteigenosse Fritz Herbst verliest die Namen der Gefallenen. Am 18. November findet in Bornhöved feine große Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront (DAF) statt. Und am 23. November findet im Bezirk des NS-Lehrerbundes Bornhöved die „Schulwerbung“ für die Hitlerjugend statt.

 

Kriegsmeldungen aus dem November 1915: In der ersten Novemberhälfte 1915, vor 110 Jahren, sind verschiedene Meldungen aus Schmalensee und Umgebung im Segeberger Kreis- und Tageblatt zu finden. Am 3. November ist zu lesen, dass anlässlich des Geburtstags der Kaiserin die Schmalenseer einige „Liebesgaben“ gespendet haben, die über die Sammelstation Königsberg an ein Etappenlazarett der Ostfront geschickt werden. Ferner, dass Lehrer Schröder aus Kappeln, der als Ersatz für den gefallenen Tarbeker Lehrer Flinker ernannt ist, den Dienst im Nachbardorf, den vertretungsweise auch Schmalensees Lehrer Göttsch übernommen hat, nicht antreten kann – auch er steht im Felde. Am 9. November 1915 findet in der Stadt Segeberg die Musterung der landsturmpflichtigen Männer des Geburtsjahrgangs 1897 aus dem Amt Bornhöved und zahlreichen anderen Gemeinden des Kreises Segeberg statt – das sind die 18-Jährigen. Am 11. November meldet die Zeitung, dass Bruno Göttsch, Kriegsfreiwilliger und Sohn von Schmalensees Lehrer Heinrich Göttsch, an der russischen Front am Fluss Styr verwundet worden ist: Drei Gewehrschüsse zerschmetterten die Knochen eines Unterarms. 

 

Pferdesportler Helmuth Saggau beim Reichsturnier: In der Reichshauptstadt Berlin findet um den 4. November 1925, vor 100 Jahren, das Herbstturnier des Reichsverbandes für Zucht und Prüfung deutschen Warmbluts statt. 21 Reitervereine aus ganz Deutschland sind an diesem Haupttag des Turniers zur Preisverleihung versammelt. Ehrengast ist Reichspräsident von Hindenburg. Der Reiterverein Bornhöved und Umgebung wird nicht platziert, obwohl kein anderer Verein so viele Einzelpreise verbuchen konnte wie die Bornhöveder. Hans Hauschildt, Walter Pries und der Schmalenseer Helmuth Saggau sind in Berlin dabei. Saggau absolviert den 15 Kilometer Geländeritt fehlerfrei, benötigt mit 40 Minuten aber zu viel Zeit (Hauschildt: 29 Minuten, Pries: 28). Im Jagdspringen bleibt Saggau wieder fehlerfrei, hat eine Zeitüberschreitung von 47 Sekunden und wird Vierter. Im Gruppenspringen zu dreien belegen die Bornhöveder den 2. Platz. Unter 72 Reitern wird Helmuth Saggau in der Eignungsprüfung Sechster, in der Dressurprüfung Zweiter. Außerdem gewinnt er mit Blenheim das Einspännerfahren und auch das Einspännerfahren der ländlichen Reitervereine. 

 

Vor 50 Jahren kam der Kirchenbus nach Schmalensee: Ein Mal in der Woche kommt der Kirchenbus. Das berichtet die Segeberger Zeitung am 6. November 1975. Der weiße VW-Bus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bornhöved, gelenkt von Diakon Bernhard Lennartz, steuert die Dörfer an, um dort Bibelstunden für die Kinder durchzuführen. Schmalensee ist mittwochs um 14.30 Uhr an der Reihe. Neueste Einrichtung ist ein Lautsprecher, aus dem Glockengeläut ertönt. Wie zum richtigen Gottesdienst werden die Dorfkinder so zum Kirchenbus „gerufen“. 

 

Bulle tötet Handwerker: Das Segeberger Kreis- und Tageblatt meldet am 7. November 1930, vor 95 Jahren, dass sich auf dem unweit gelegenen Anwesen Himbeersahl ein tödlicher Unfall ereignete. Ein 50-jähriger Handwerksbursche aus Stormarn wurde dort von einem wütenden Bullen auf der Koppel des Landmanns Fleßner angegriffen. Bevor Hilfe herbeieilen konnte, war der Handwerker tot. Man nimmt an, dass er in angetrunkenem Zustand das Tier gereizt hatte. 

 

Verräterische Ohrmarken: Ein Fall von Viehdiebstahl ereignet sich in Schmalensee zur Nachtzeit auf den 7. November 1950. Vor 75 Jahren verschwinden von einer an der B430 gelegenen Koppel zwei tragende schwarzbunte Starken. Bereits am nächsten Tag werden die Tiere in Hamburg anhand der Ohrmarken festgestellt.

 

Trachten für die Landjugend: Die Segeberger Zeitung berichtet am 7. November 1955, vor 70 Jahren, von der Jahreshauptversammlung der Landjugendgruppe Schmalensee. Harald Saggau wird erneut zum Vorsitzenden gewählt. Ebenfalls in ihren Ämtern bestätigt werden Jürgen Stegelmann als Kassenwart, Schriftwart Lothar Malenke, Mädelwartin Lisa Harder und ihre beiden Stellvertreterinnen Lisa Wulf und Helga Carlsen. Beschlossen wird unter anderem, Trachten für die Gruppe zu beschaffen.

 

Würfel entscheiden beim Dorfquiz über Platz 2: Der SV Schmalensee ist am 7. November 2015, vor zehn Jahren, Ausrichter des Dorfquiz. 17 Mannschaften, darunter viele neue Formationen, nehmen teil. Mit zwei Zwischenspielen und dem Einsatz der Beamer-Technik während der Frageblöcke setzt der SVS neue Maßstäbe. Das Rateteam der Bürgerlichen Wählergemeinschaft Schmalensee (BWS) hält das alles aber nicht davon ab, wieder einmal das Dorfquiz zu gewinnen. Dirk Griese, Dierk Harder, Gesa Scharnweber, Ruth Griese und Thomas Schütt bilden das Siegerteam, das den Wanderpokal gewinnt. Um Platz 2 wird es eng: Sowohl das Team vom CDU-Ortsverband als auch das des Bauernverbandes sind punktgleich und die Würfel müssen entscheiden. Der Ortsvorsitzende Christian Detlof setzt sich mit 24:17 gegen Bürgermeister (und CDU-Mitglied!) Sönke Siebke durch und verhilft der CDU dazu, ihren inoffiziellen Titel als „ewiger Zweiter“ zu behaupten. 

 

Cora aus Schmalensee bester Jagdhund: Der Hegering III führt am 8. November 1965, vor 60 Jahren, in Bornhöved eine Brauchbarkeitsprüfung für Jagdhunde durch. „Zum guten Heger gehört ein guter Hund“, betont Kreisjägermeister Dr. Suhr, der als Prüfer mitwirkt. Lob erhält der Hegering III Bornhöved für seine Bemühungen um die Heranbildung guter Jagdhunde. Um diese voranzubringen, vergibt der Hegering eine Prämie für den besten Hund. In diesem Jahr erhält Werner Saggau aus Schmalensee die Prämie für seine Hündin Cora von Büllemoos. 

 

Gedenkstein nun mit Inschrift: Zum Jahrestag des Falls der Berliner Mauer ist am 9. November 1990 in Schmalensee der Stein zum Tag der Deutschen Einheit endgültig fertiggestellt: Der Bornhöveder Steinmetz Venzke hat den aus der Schmalenseer Gemarkung stammenden Stein, der am 3. Oktober noch ohne die Inschrift „3. Okt. 1990 Deutsche Einheit“ aufgestellt worden war, nun mit dieser versehen. Und das als kostenlose Spende für Schmalensee.

 

Kieswerkpläne ärgern Schmalenseer: Eine Einwohnerversammlung zu einem geplanten Kieswerk bei Vierhusen sorgt am 9. November 1995, vor 30 Jahren, für Zündstoff. Die Schmalenseer ärgern sich über ein TÜV-Gutachten zur Beeinträchtigung des Dorfes, die sich aus einem vermehrten LKW-Verkehrsaufkommen ergeben dürfte. Die Lebensumstände im Ort mit seiner z.T. engen Dorfstraße und der Betonung des Fremdenverkehrs sei von dem Gutachten nicht berücksichtigt worden. Die Schmalenseer fordern, endlich die Ortsumgehung im Zuge der B430 zu bauen. Bürgermeister Hans Siebke weist darauf hin, dass die Gemeinde Belau und der Kreis Plön planerisch tätig seien und man das Kieswerk nicht verhindern könne. Mit der These „sachlich überzeugen und vor Ort Lärm machen“ gibt Siebke eine Richtung vor. Mit Gemeinschaftsaktionen wie dem Zuparken der Dorfstraße oder Treckerdemos habe das Dorf schließlich schon Erfahrungen. Damit spielt Siebke auf Proteste der Schmalenseer im Dezember 1990 gegen eine Massenunterkunft für Asylbewerber im ehemaligen Mütterkurheim an. 

 

Ein Kindsmord vor 185 Jahren: In Bornhöved kommt es in der Nacht zum 10. November 1840 zu einer grauenvollen Tat: Eine „Weibsperson“ bringt ihr unehelich geborenes Kind gleich nach der Geburt um. Sie durchschneidet den Hals des Kindes und versteckt es im Garten unter Stroh. Nach Auffinden der Leiche am 10. November wird die Frau zur Rede gestellt und zeigt sich geständig. Auch ihr „Schwängerer“ wird wegen des Verdachts der Tatbeteiligung „gefänglich eingezogen“. 

 

Frauenverein gegründet mit Blick auf möglichen Krieg: Am 11. November 1910, vor 115 Jahren und gut vier Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, findet beim Bornhöveder Gastwirt Rauert um 16 Uhr die Gründungsversammlung eines Vaterländischen Frauenvereins für Bornhöved statt. Die Vereinssatzung wird dem Provinzialverband zur Genehmigung übersandt. Für den Kriegsfall verpflichtet sich der Verein, zehn verwundete Soldaten bis zu ihrer Genesung aufzunehmen. Der Jahresbeitrag kostet 2 RM pro Mitglied. Der Verein beabsichtigt zudem, eine Gemeindeschwester anzustellen und weitere Mitglieder zu werben.

 

Abwasserentsorgung bedeutendes Thema vor 50 Jahren: Die Sitzung der Schmalenseer Gemeindevertretung am 11. November 1975, an einem Dienstagvormittag, befasst sich mit dem Ausbau der Kanalisation und der Schaffung eines Abwasserverbundes mit Bornhöved. Nachdrücklich weisen Vertreter des Kreises Segeberg darauf hin, dass die Schmalenseer Abwasserentsorgung mittels Einzelklärgruben und Einleitung in den See neuesten Anforderungen, gerade des Umweltschutzes, nicht mehr entspreche. Investitionen seien also in jedem Fall zu tätigen. Aufgrund der Lage am See könne Schmalensee in den Genuss von Landesmitteln kommen, die eigentlich nur Gemeinden ab 1000 Einwohnern vorbehalten sind – eine Ausnahme. Für den Bau einer Vollkanalisation mit Anschluss an das Klärwerk Bornhöved werden 1,4 Millionen DM veranschlagt, von denen Schmalensee 200.000 DM in Eigenleistung aufbringen müsste. 400.000 DM könnten als zinsverbilligtes Darlehen gewährleistet werden, das über die Abwassergebühren getilgt werden kann. An Zuschüssen hätte Schmalensee 800.000 DM zu erwarten. Die Gemeindevertretung überweist das Projekt zurück in die Ausschüsse und erwartet, dass die Finanzierung im Haushalt 1977 Berücksichtigung findet. 

 

Schmalenseer in der Verlustliste 1915: Im Armee-Verordnungsblatt sowie im Deutschen Reichsanzeiger wird am 13. November 1915, vor 110 Jahren, die Preußische Verlustliste Nr. 379 abgedruckt. Auf Seite 10.118 zu finden ist der Eintrag Emil Schnohr, geboren in Schmalensee, Infanterie-Regiment Nr. 329, 10. Kompanie – vermisst. Laut Preußischer Verlustliste Nr. 384, abgedruckt in beiden amtlichen Blättern am 20. November 1915, ist der aus Schmalensee stammende Rudolf Beuck, Soldat der 12. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 211, leicht verwundet. (Erst am 9. März 1916 wird sich der Status des Emil Schnohr offiziell ändern: In der Preußischen Verlustliste Nr. 475 wird gemeldet werden, dass der bisher als vermisst gemeldete Schmalenseer „in Gefangenschaft (A.N.)“ sei. Das A.N. Steht für eine amtlich noch nicht bestätigte „Auslandsnachricht“, das kann ein Brief des Soldaten an seine Familie sein oder eine anderweitige Botschaft auf inoffiziellem Wege.) 

 

 

 

Bild zur Meldung: Zauberkünstler in Bornhöved, SKTB 30.10.1925

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