Februar-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1

Schmalensee, den 01.​02.​2026

Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat Februar. 

 

Frauen in Tarbek verschüttet: Im benachbarten Tarbek ereignet sich am 1. Februar 1881, vor 145 Jahren, ein Unglück. Dem Hufner Kaspar Saggau, der auf dem Boden über seiner Küche gedroschene Lupinen hingeschüttet hatte, stürzt eben dieser Boden unter dem Gewicht der Pflanzen ein. Die Frau des Hufners und ein Dienstmädchen werden unter den Trümmern begraben. Teilweise schwer verletzt, werden beide Frauen von Tagelöhnern aus ihrer Lage befreit. 

 

Meldungen aus dem NS-Bornhöved: Anfang Februar 1936, vor 90 Jahren, erscheinen im Segeberger Kreis- und Tageblatt verschiedene kurze Meldungen, die einen Einblick in Bornhöved und Umgebung zur Zeit des Nationalsozialismus geben. Am 30. Januar konnte man auf den Jahrestag der Machtergreifung schauen – am 2. Februar steht ein Gedenkgottesdienst in der Vicelin-Kirche im Zeichen dieses Ereignisses. Am gleichen Tag veranstaltet die Militärische Kameradschaft Bornhöved im Kyffhäuserbund (vormals der Krieger- und Militärverein Bornhöved und Umgebung) ein Wintervergnügen. Stolz und dankbar schaut der von Kaufmann Hermann Bolln geführte Verein auf das Jahr 1935 zurück: Der „Führer“ habe dem Vaterland die Wehrpflicht und damit die Freiheit geschenkt. Wenige Tage später findet eine Versammlung der NSDAP-Ortsgruppe Bornhöved statt, in der Gönnebeks Lehrer Trenktrog, der zum Schulungsleiter der Ortsgruppe ernannt worden ist, zum im Deutschen fest verankerten Wehrwillen vorträgt. Der Ortsgruppenvorsitzende Alfred Dau gedenkt des ermordeten Nationalsozialisten Wilhelm Gustloff, für den wiederum einige Tage später eine Trauerveranstaltung in Bornhöved stattfindet, in der das Judentum für Gustloffs Tod verantwortlich gemacht wird. Dieses wolle durch die Ermordung einzelner die ganze Bewegung auslöschen. „Wir wissen, daß wir eine Not- und Schicksalsgemeinschaft sind und alle fest zusammenstehen müssen“, mahnt ein Parteiredner. Die NS-Frauenschaft Bornhöved hört auf ihrer monatlichen Pflichtveranstaltung einen Vortrag über „Blut und Glaube“. Und an einem Schulungsabend der Ortsgruppe des Reichsluftschutzbundes unterrichtet der Gemeindegruppenführer Schmidt die Anwesenden über den Verlauf eines Luftangriffes und die zu treffenden Maßnahmen. „Ein zukünftiger Krieg beginnt mit einem Luftangriff.“ 

 

Kaisergeburtstag verspätet gefeiert: Nicht wie üblich am 27. Januar wird im Jahr 1901, vor 125 Jahren, der Geburtstag Kaiser Wilhelm II. Gefeiert, sondern erst am 3. Februar. Anlass für die Verschiebung ist der Tod von Victoria, Königin von Großbritannien und Irland und Kaiserin von Indien am 22. Januar. Der 1859 geborene damalige Prinz Wilhelm von Preußen war ihr erster Enkel; insgesamt galt Victoria zu ihrer Zeit aufgrund der zahlreichen adeligen Nachkommen als die „Großmutter Europas“. Im Bornhöveder Gasthof Zur Linde findet der verspätete Festkommers des Militärvereins für Bornhöved und Umgebung im Beisein der Kampfgenossenvereine 1848/51 und 1870/71 statt. Amtsvorsteher Heinrich Christian Saggau aus Schmalensee ist es vorbehalten, den Kommers zu eröffnen.

 

Auftrag des Landrats nicht umgesetzt: Am 3. Februar 1921, vor 105 Jahren, erlässt der Landrat des Kreises Segeberg, einen Aufruf an alle Landgemeinden, die ab 1885 in Schleswig-Holstein beziehungsweise 1890 im Kreis Segeberg eingeführten eisernen Ortstafeln den aktuellen politisch-militärischen Verhältnissen „gelegentlich“, also bei Gelegenheit, anzupassen: Durch den Wegfall der Wehrpflicht als Auflage des Versailler Vertrages sollten die Angaben zur Militärverwaltung - „Landwehrbezirk“ und „Bezirksfeldwebel“ entfernt werden. Der Blick auf Schmalensees alte Ortstafel, die im Feuerwehrgerätehaus zu finden ist, verrät: Dieser Aufforderung ist man hier nicht nachgekommen. Noch immer heißt es da „Altona“ für den Landwehrbezirk und „Segeberg“ für den Sitz des Bezirksfeldwebels. Offenbar fand sich nie die richtige „Gelegenheit“... Anders übrigens im Fall der Angabe des Regierungsbezirks: Das „Schleswig“ hat man leider entfernt, nachdem der Sitz des Regierungspräsidiums von der Schlei nach Kiel verlegt worden war. 

 

Einige Wechsel bei den Landfrauen: Der Landfrauenverein Bornhöved und Umgebung hält am 5. Februar 2001, vor 25 Jahren, in Hein's Gasthof seine Jahreshauptversammlung ab. Die Ära Helga Hauschildt endet, denn die Kreispolitikerin aus Bornhöved hat nach 18 Jahren an der Spitze des Vereins nicht wieder kandidiert. Zur Nachfolgerin wird Wiebke Bock aus Blunk gewählt. Frau Bock arbeitet im Alten- und Pflegeheim Schmalensee, ist Hauswirtschaftsmeisterin und Betriebsleiterin. In das durch die Wahl Wiebke Bocks frei gewordene Amt der Schriftführerin wird einstimmig Waltraud Detlof aus Schmalensee gewählt. Neue 2. Vorsitzende wird Anne Hofmann aus Trappenkamp, Gunhild Konstantin, ebenfalls aus Trappenkamp, wird zum zweiten Mal zur Kassenwartin gewählt – sie war schon einmal acht Jahre in Funktion gewesen. 

 

Drohung mit Umzug nach Trappenkamp: Wegen der räumlichen Enge in der Bruhn'schen Scheune in Bornhöved und der unzweckmäßigen Zustände ist laut Pressemeldung vom 10. Februar 1961, vor 65 Jahren, eine Verlegung der darin untergebrachten Amtsverwaltung dringend geboten. Ein „Ultimatum“ des Amtsvorstehers Biß (Gönnebek) an die Gemeinde Bornhöved endet. Biß droht mit dem Umzug der Verwaltung nach Trappenkamp, sollte keine Lösung herbeigeführt werden. Die Gemeindevertretung von Bornhöved reagiert und kauft das Grundstück Lindenstraße 5.

 

SA Bornhöved „ruhig und besonnen“: Am 11. Februar 1931, vor 95 Jahren, erscheint im Segeberger Kreis- und Tageblatt ein offenbar aus Bornhöved eingereichter Beitrag über eine öffentliche Versammlung der Nationalsozialisten im Hotel Stadt Kiel unter der Leitung des NSDAP-Ortsgruppenleiters, Apotheker Dr. Ahrens. Dieser habe den Redner des Abends, Partei-Kreisleiter Schalow aus Preetz, mit der Bitte an die Anwesenden begonnen, während dessen Ausführungen „Ruhe bewahren zu wollen“, man könne im Anschluss seine Meinung äußern. „Aber ein Versammlungsteilnehmer konnte anscheinend doch nicht so lange warten und unterbrach den Redner fortwährend. Deshalb sahen sich die S.A. Leute genötigt, ihn mit Ruhe und Besonnenheit aus dem Saale zu begleiten.“ Inwieweit diese Betonung des Verhaltens der Braunhemdträger Ironie sein mag, bleibt offen. Berichtet wird im Weiteren nur, was der Nazi-Funktionär in Aussicht stellt: „„Deutschland wird nationalsozialistisch sein oder untergehen.“ […] Die NSDAP sei von einer sieben Mann-Bewegung zu einer Millionen-Bewegung geworden und gewinne die Jugend für sich. Das Ziel sei revolutionär, der Weg aber legal. 

 

Personalkrise beim DRK-Ortsverein: Die Jahreshauptversammlung des DRK-Ortsvereins Amt Bornhöved am 11. Februar 1976, vor 50 Jahren, steht unter ungünstigen Vorzeichen. Der sechsköpfige Vorstand um den Vorsitzenden Gerhard Thies hat angekündigt, geschlossen nicht wieder zu kandidieren. Der Grund sind Unstimmigkeiten mit dem DRK-Kreisverband. Dennoch gelingt es den anwesenden 28 Stimmberechtigten, einen neuen Vorstand mit Gönnebeks Bürgermeister Heinrich Meyer an der Spitze zu wählen. 1. Stellvertretende Vorsitzende wird Ingrid Zoch, 2. Stellvertretender Vorsitzender Helmut Schnack, Kassiererin Edda Weishaupt und Schriftführer Burkhard Schnack. 

 

Verhaltensregeln in der örtlichen Krankenkasse: Die Allgemeine Ortskrankenkasse Bornhöved gibt am 13. Februar 1926, vor 100 Jahren, das Prozedere im Krankheitsfall bekannt: „Die Krankenkassenmitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, daß sich dieselben, bevor sie zum Arzt gehen, vom Sammler eine Mitgliedsbescheinigung holen und dem     betreffenden Arzt vorzeigen. Diese Bescheinigung ist dann in der Krankenkasse abzugeben. Die Krankenkassenmitglieder haben nur die Wahl zwischen den beiden Aerzten Herrn Sanitätsrat Dr. Hilcker und Herrn Dr. Kruse, Bornhöved. Wird ein anderer Arzt zu Rate gezogen, so hat das Mitglied die Kosten selbst zu tragen.“

 

Ein Winterwochenende vor 5 Jahren: Schmalensee erlebt am 13. und 14. Februar 2021 ein traumhaftes Winterwochenende. Nach heftigen Schneefällen am Montag, 8. Februar, setzte die Woche über klirrende Kälte mit Temperaturen um 10 Grad minus ein, begleitet von Trockenheit und Sonnenschein bei Tage und leichten feuchten Winden in den Nächten, was für faszinierende Eiskristallbildung an Pflanzen und Gegenständen sorgt. Am Wochenende pilgern Schmalenseer und Besucher durch die Feldmark und insbesondere zur Badestelle, wo sogar vor dem Steg das Eis schon dick genug zum Schlittschuhlaufen ist. 

 

Ein Wappen für das Amt Bornhöved: In einer Sitzung des Amtsausschusses , von der die Segeberger Zeitung am 14. Februar 1991, vor 35 Jahren, berichtet, wird ein Wappen für das Amt Bornhöved beschlossen. Es beinhaltet eine Brunnenschale mit Wasserstrahlen (Born = Quelle), die Hauptgemeinde Bornhöved symbolisierend. Sechs Kornblumen stellen die Amtsgemeinden Damsdorf, Gönnebek, Schmalensee, Stocksee, Tarbek und Tensfeld dar. Die Anordnung der Kornblumen in Form eines christlichen Kreuzes steht für das Kirchspiel Bornhöved (das jedoch weitaus großer war und noch immer größer ist als das Amt). Farblich ist das Wappen in den holsteinischen Farben Silber (Weiß) und Rot gehalten.

 

Die Haltung der Deutschnationalen vor 100 Jahren: Am 15. Februar 1926 berichtet das Segeberger Kreis- und Tageblatt von einer öffentlichen Versammlung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) in Schmalensee. Deren Neumünsteraner Geschäftsführer Voß sprach über Wirtschafts- und Außenpolitik. Voß erteilte außerdem dem Parlamentarismus eine Absage. Der Herrschaft der Masse müsse ein Ende bereitet werden. Zunächst sei die Einigkeit des Volkes herzustellen, damit dieses sich durch eine „deutsche Befreiungstat“ von den „Sklavenfesseln“ [des Versailler Vertrages, Anmerkung] lösen könne. 

 

Ehrung für den Gemeindewehrführer:Während der Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr am 15. Februar 1951, vor 75 Jahren, nimmt Bürgermeister Heinrich Hamann zwei bedeutende Ehrungen vor, denn sowohl Wehrführer Helmuth Saggau als auch sein Stellvertreter Wilhelm Göttsch leisten seit 25 Jahren aktiven Feuerwehrdienst. Brandschutzehrenzeichen werden nicht genannt und erst im Juli 1956 wird man Helmuth Saggau das in Silber verleihen. Als passive Mitglieder treten Erich Kaack, Heinrich Siebelts und Hermann Cornehls der Wehr bei. 

 

Wechsel an der Feuerwehrspitze vor 60 Jahren: Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Schmalensee am 15. Februar 1966. In Anwesenheit von Amtswehrführer Walter Koch wird der im November 1965 durch Wahlen eingeleitete Wechsel an der Spitze der Wehr vollzogen: Hermann Heiden, bisher Stellvertretender Wehrführer, übernimmt das Amt des Gemeindewehrführers und wird vom Amtswehrführer zum Brandmeister ernannt. Zum neuen Stellvertretenden Wehrführer ernennt Koch Helmut Nagel. Schriftführer Werner Harder verliest ein letztes Mal das Protokoll, ehe sein Nachfolger Hans Siebke übernimmt. Harder war auch, wie alle Schriftführer zuvor, Kassierer der Wehr. Nun werden die Funktionen getrennt: Das Amt des Kassierers tritt Walter Behrend an. Den bisherigen Wehrführer Helmuth Saggau, der aus Altersgründen nicht wieder zur Verfügung stand, ernennt Koch zum Ehrenwehrführer. Außerdem beschließen die anwesenden 27 Kameraden, bei der Gemeinde den Bau eines Feuerwehrgerätehauses zu beantragen. 

 

Rinderzüchter zahlen keinen Beitrag: Die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung berichtet am 17. Februar 1936, vor 90 Jahren, von einer Mitgliederversammlung des (Landes-)Verbandes Schwarzbunte Schleswig-Holsteiner in Kiel. Aufgrund der guten Finanzlage des Verbandes, hat man sich entschlossen, 1936 keine Mitgliedsbeiträge zu erheben, und so noch mehr Landwirte zu Zuchterfolgen zu motivieren und einen Beitrag zur sogenannten Erzeugungsschlacht zu leisten. Einer, der schon erfolgreich ist, kommt aus Schmalensee: Von allen Starken des Verbandes hatte die Schwarzbunte „Sanna“ von W. [Willy] Harder mit „6115 Kg Milch und 3,78 Prozent Fettgehalt = 281 Kg Fett“ die Höchstleistung aufzuweisen. 

 

Bild zur Meldung: Spaß auf dem Eis am 13. Februar 2021

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