Wärmeversorgung Schmalensee: Netzpotenzial nicht gegeben
Wer in Sitzungen gemeindlicher Gremien da, wo es um Kommunale Wärmeplanung ging, genauer hingehört hat, dem war diese Kernaussage der Einwohnerversammlung zur Wärmeversorgung in Schmalensee am 20. Januar eigentlich klar: Ein örtliches Wärmenetz wird es hier (sehr wahrscheinlich) künftig nicht geben.
Bekanntlich ist für die Kommunale Wärmeplanung des Amtes Bornhöved das Unternehmen plan[neo] beauftragt worden. Alle Kommunen sind zur Wärmeplanung verpflichtet; das Ziel lautet Klimaneutralität und Erstellung eines „strategischen Fahrplans“ für den Weg dahin. Während für die beiden größeren Gemeinden Trappenkamp und Bornhöved separate Planungen erarbeitet werden, können die „Kleinen“, also auch Schmalensee, gemeinsam betrachtet werden.
Allerdings hat plan[neo], basierend auf einer örtlichen Umfrageaktion geprüft, wie es in den Dörfern um das Wärmenetzpotenzial bestellt ist. plan[neo]-Mitarbeiterin Lisa Tischmann „spoilerte“ gleich zu beginn ihrer Ausführungen vor kapp über 30 Personen, dass dieses in Schmalensee nicht vorhanden sei. Das schließe aber nicht aus, dass zum Beispiel Quartierslösungen, also nachbarschaftlich organisierte Netze, ausgeschlossen seien.
Noch eine weitere einleitende Bemerkung war der plan[neo]-Mitarbeiterin wichtig: „Kommunale Wärmeplanung ist nicht der Zwang zum Heizungstausch.“ Auftrag der Wärmeplanung sei, eine Orientierung zu geben und einen Maßnahmenplan zu definieren.
Dazu habe man sich zunächst mit der Bestandsanalyse befasst (u.a. Fragebögen) und stecke jetzt in der Phase Potenzialanalyse mit den Kernfragen „Wie können regenerative Energiequellen genutzt werden?“, „Wo ist ein Wärmenetz wirtschaftlich? Wo ist dezentrale Versorgung sinnvoll?“ und „Wie viel Energie kann eingespart werden?“. Nächste Phasen werden Zielszenarien und die Wärmewendestrategie sein.
Ergebnisse der Umfrage in Schmalensee
In Schmalensee haben sich 55 Haushalte an der Fragebogenaktion zur Wärmeversorgung beteiligt, das sind 25,9% aller Haushalte. In Kombination mit weiteren Daten wurde ermittelt, dass im Ort ein Wärmebedarf 3709 MW/h. Die Emissionen betragen 999 t/Jahr.
Geheizt wird in Schmalensee mehrheitlich mit Gas (58%). Aber auch Öl (6%) und über Wärmepumpen (1%) und Biomasse (0,5%) wird Wärme erzeugt. Der Rest läuft unter „Unbekannt“, der Zahl der ausgefüllten Fragebögen geschuldet. Wer hier noch zur Verdichtung des Lagebildes beitragen möchte, kann seinen Fragebogen noch ausgefüllt nachreichen.
Was heißt das jetzt für Schmalensees Haushalte?
Da ein kommunales Wärmenetz so gut wie ausgeschlossen ist (der Kommune jedenfalls nicht zur Auflage gemacht werde), geht es um die Dezentrale Wärmerversorgung, die individuell oder (s.o.) in kleinen, nachbarschaftlichen Quartierslösungen möglich wären: Wärmepumpen oder Biomasse-Heizungen stehen da weit oben in der schon bekannten Praxis.
Wie plan[neo]-Mitarbeiterin Lisa Tischmann eingangs betonte, besteht kein Zwang zum Heizungstausch. Einige Pflichten gibt es aber. So wird jede neu eingebaute Heizung künftig zu mindestens 65% mit erneuerbaren Energien gespeist werden müssen. Diese Regelung wird in Gemeinden unter 100.000 Einwohner ab 30. Juni 2028 für Bestandsgebäude gelten.
Schon jetzt gilt ein Betriebsverbot für „Heizkessel, die mit einem flüssigen oder gasförmigen Brennstoff beschickt werden, Einbau vor dem 1. Januar 1991“. Eine kurze Umfrage ergab, dass im Raum niemand war, auf den da zutrifft.
Ein Betriebsverbot gilt auch für „Heizkessel, die mit einem flüssigen oder gasförmigen Brennstoff beschickt werden und ab dem 1. Januar 1991 eingebaut oder aufgestellt worden sind, nach Ablauf von 30 Jahren“.
Ausnahmen gelten für „Niedertemperatur-Heizkessel und Brennwertkessel“. Diese Aussage, per Folie an die Wand geworfen, sorgte für einige Erleichterung im Gemeindesaal.
Empfohlen wird allen, die unschlüssig sind, die Energieberatung der Verbraucherzentrale zu nutzen. Die sei zwar nicht kostenlos, aber 40 Euro für eine Zukunftsentscheidung solcher Tragweite sicher gut investiertes Geld.
Terminvereinbarungen sind kostenlos möglich unter Telefon 0800-809 802 400 oder über https://verbraucherzentrale-energieberatung.de/.
Gemeinden, für die kein kommunales Wärmenetz empfohlen werden kann, legt plan[neo] nahe, zentrale Beratung zu organisieren, etwa in Form von Informationsveranstaltungen, und Netzwerke zu gründen. Eine Lenkungsgruppe auf Ebene des Amtes Bornhöved wird sich damit befassen.
Das Unternehmen plan[neo] wird noch bis Mai 2026 eine Potenzialanalyse für die dezentrale Versorgung darlegen, Maßnahmen definieren und gemäß Auftrag den Kommunalen Wärmeplan erstellen.
In der Aussprache wurde von Bürgermeister Dirk Griese darauf hingewiesen, dass laut SH.Netz-Kommunaldialog schon jetzt die Gas-Nachfrage abnehme, was sich voraussichtlich ab 2030 auf die Gaspreise auswirken werde. Es stehe sogar im Raum, dass ab 2050 das Gasnetz abgeschaltet werde. Der Schmalenseer Landtagsabgeordnete Sönke Siebke ergänzte, dass schon ab 2028 der EU-weit erlaubte CO2-Handel geplant sei, der zu einer Verteuerung bei Heizöl, Diesel und Benzin führen werde.
Text und Foto: Christian Detlof, Bauausschussvorsitzender
Bild zur Meldung: Über 30 Zuhörer bei der Einwohnerversammlung zur Wärmeversorgung