September-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 2
Werfen wir den Blick zurück in die Geschichte unseres Dorfes und seiner Umgebung. Zahlreiche Quellen liefern uns oft Aufschluss über längst vergessene Geschehnisse und bieten zugleich Gelegenheit für Erinnerungen. Wie immer sind die historischen Meldungen monatlich zweigeteilt, um den Besucherinnen und Besuchern von „gemeinde-schmalensee.de“ ein hoffentlich interessantes Mehr an geschichtlicher Unterhaltung zu bieten. Hier der zweite Teil für den Monat September.
Preissteigerungen vor 105 Jahren: Als das Jahr der großen Inflation gilt 1923. Aber schon in den Jahren zuvor baute diese sich stetig auf, abzulesen an der Preisentwicklung, nicht nur bei Produkten für den täglichen Gebrauch, was im Segeberger Kreis- und Tageblatt nachvollzogen werden kann. So meldet dieses am 4. September 1921, dass laut einem Preußischen Ministerialerlass alle Dienststellen inklusive der Polizei dazu angehalten werden, die Preisentwicklung bei Gegenständen des täglichen Bedarfs zu beobachten. Man will dem „zunehmenden Preiswucher“ entgegenwirken. Allerdings wird alles zunehmend teurer. Auch Dienstleistungen. Bereits im August wurden die Hebammengebühren angehoben. Auch die Gebühren für Fleischbeschau und Bahnfahrpreise steigen. Im November folgen u.a. die Schornsteinfegergebühren und schon am 29. September ist im SKTB zu lesen, dass die Ärzte des Kreises Segeberg bekannt geben, dass sie aufgrund der in allen Bereichen steigenden Preise ihre Honorarsätze erhöhen müssen.
Verschönerungsverein im doppelten Einsatz: Freiwillige Helfer legen am 18. September 1976, vor 50 Jahren, unter Federführung des Verschönerungs- und Fremdenverkehrsvereins den Ringreiterplatz neu an. Der veranstaltet außerdem an diesem Tag den Laternenumzug. Dieser beginnt mit einer Kinderdisko von 14 bis 17 Uhr im Gasthof Voß. Um 18.45 Uhr beginnt das eigentliche Laternelaufen mit der Freiwilligen Feuerwehr und dem Spielmannszug Sventana Bornhöved.
Fahrradausflug der Schmalenseer Schule: Die Kinder der Ober- und Mittelstufe der Schmalenseer Volksschule beenden am 20. September 1936, vor 90 Jahren, einen mehrtägigen Ausflug mit dem Fahrrad. Die Tour führte zu einem ehemaligen Schmalenseer Bauern (Otto Saggau, Anmerkung), der am Bungsberg eine Siedlung unterhält. Übernachtet wurde im Strohlager. Die Schülerinnen und Schüler „erklommen“ den Gipfel der höchsten Erhebung Schleswig-Holsteins. Es ging weiter an die Ostsee und zum Oldenburger Graben. Der Rückweg führte in flotter Fahrt über Malente und Plön. Im Segeberger Kreis- und Tageblatt ist am 23. September 1936 ein kleiner Bericht zur Radtour zu finden. Im Nachlass der Familie Behrend existieren Fotos, die vielleicht diesem Ausflug zugeordnet werden könnten.
Landfrauen besuchen vor 55 Jahren Gönnebek: Ausflugsziel des Landfrauenvereins Bornhöved und Umgebung ist am 21. September 1971 Gönnebek. 50 Teilnehmerinnen werden mit Bussen aus allen Orten des Vereinsgebiets herangefahren. Gönnebek ist Tagesziel, weil das Dorf in diesem Jahr den Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ auf Kreisebene gewonnen hat. Drei der 20 Gartenbaubetriebe werden besucht. Bei einer Führung durch das Dorf werden schmucke Bauernhäuser und gepflegte Grünanlagen bewundert. Bei Magdalene Behnk trifft die Besuchergruppe ein richtiges kleines Heimatmuseum an: „Frau Behnk hat mit großer Liebe und Sorgfalt viele Geräte aus Haus und Hof zusammengetragen, die man nur noch aus der Erinnerung kennt“, heißt es in den Aufzeichnungen des Vereins. In der örtlichen Gaststätte gibt es bei Kaffee und Kuchen geschichtliche Informationen zu Gönnebek. Danach geht es noch ins Vereinslokal, die Bornhöveder Bahnhofsgaststätte. Inhaberin Lena Block wird diese aufgeben und spendiert der Gruppe „ein Schnäpschen“.
Vor 25 Jahren Kiddi-Cats in Schmalensee: Premiere für die Kiddi-Cats. Rund 40 Kinder und Jugendliche aus Schmalensee und Umgebung führen am 21. September 2001 sowie in drei weiteren Veranstaltungen vor insgesamt über 800 Zuschauern auf dem Gemeindesaal das Musical Cats in einer Playback-Version auf. Unter der Leitung von Danja Harder (Kostüme), Kirsten Stock (Choreografie) und der Regie von Dierk Harder ist etwas ganz außergewöhnliches entstanden, das sich auch für die Presseberichterstatter nur schwer in Worte fassen lässt.
Unfall vor 10 Jahren verläuft glimpflich:Zwischen Damsdorf und Schmalensee kommt es laut Polizeimeldung vom 28. September am 23. September 2016 gegen 17.30 Uhr zu einem Verkehrsunfall mit zwei Verletzten. Ein 48-Jähriger befährt die Straße mit seiner Tochter in Richtung Schmalensee. In einem kurvigen Gefälle kommt ihr Pkw nach links von der Fahrbahn ab, überschlägt sich und bleibt im Straßengraben auf dem Dach liegen; beide Insassen werden leicht verletzt. Der Schaden wird auf 8000 Euro geschätzt. Welche Rolle bei dem Unfall ein aus Richtung Schmalensee entgegen kommendes Fahrzeug gespielt hat, nach dem die Polizei in ihrer Meldung fragt, bleibt unklar.
Vorstufe zur Kirchspielteilung vor 140 Jahren:Das Kirchenkollegium der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Bornhöved verständigt sich am 25. September 1886 darauf, für den nördlichen Bereich des Kirchspiels die Stelle eines Hilfsgeistlichen zu schaffen. Öffentliche und private Gelder, hier ist insbesondere Bernhard von Donner, Besitzer des Gutes Bockhorn zu nennen, werden dafür aufgewendet. Der Bezirk soll Wankendorf und Stolpe sowie die Güter Bockhorn, Depenau, Horst, Löhndorf, Nettelau und Pedoel mit Diekhof umfassen. Kalübbe hingegen nicht, wohl wegen der schlechten Wegverbindung nach Wankendorf, wo der Geistliche seinen Platz haben soll. Im nördlichen Teil des Kirchspiels fühlt man sich schon länger „seelsorgerisch unterversorgt“ und hat die Bildung einer eigenen Kirchengemeinde ins Gespräch gebracht. Die Stelle eines Hilfsgeistlichen ist der Versuch der Bornhöveder Seite, das zu verhindern. Aber 1892 werden „von oben“ Fakten geschaffen und der Weg für die heutige Kirchengemeinde Wankendorf ist frei.
Schmalenseer in der Körkommission: Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein bestellt laut Meldung im Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 30. September 1921, vor 105 Jahren, in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Kreisverein Segeberg die amtlichen Bullenkörkommissionen für den Kreis Segeberg. In die Bullenkörkommission für die schwarzbunte Zuchtrichtung wird der Schmalenseer Heinrich Harder als Mitglied berufen. Sein Stellvertreter wird mit Ludwig Saggau ebenfalls ein Schmalenseer.
Themen der Nationalsozialisten 1936: Am 24. September 1936 enthält das Segeberger Kreis- und Tageblatt einen Bericht zur jüngsten Mitgliederversammlung der NSDAP-Ortsgruppe Bornhöved. Deren Ortsgruppenleiter, Alfred Dau, habe den Mitgliedern die Erfolge der Regierung Hitler seit der Machtübernahme vor Augen geführt: Das Saarland sei wieder in das Deutsche Reich eingegliedert, die Armee sei (mit Einführung der Wehrpflicht entgegen den Auflagen des Versailler Vertrages) wiedererstanden, Deutschland stehe gleichberechtigt neben den anderen Völkern. Der Vierjahresplan, über den der „Führer“ Adolf Hitler vor kurzem Rechenschaft abgelegt habe, habe Arbeit und wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. Nun gehe als „Schreckgespenst“ der Bolschewismus um, der sich der Deutschland umgebenden Staaten zu bemächtigen trachte. Emil Bock, Ortsgruppenamtswalter der Deutschen Arbeitsfront, spricht von seiner Teilnahme am Reichsparteitag in Nürnberg. 11.000 Deutsche hätten daran ohne entstehende (Reise-) Kosten teilgenommen. Im nächsten Jahr sollen 20.000 bis 30.000 Menschen in Nürnberg am Reichsparteitag teilnehmen und in zehn bis 15 Jahren soll jeder Deutsche den Reichsparteitag gesehen haben.
Reiterverein Bornhöved auf Platz 3: In Neumünster findet am 25. und 26. September 1926, vor 100 Jahren, das Schleswig-Holsteinische Landesturnier der Reit- und Fahrvereine statt. 40 Vereine stellen sich den Wettbewerben und kämpfen um die Gesamtmeisterschaft. In dieser gelangen zwei Segeberger Vereine auf vordere Ränge: Hinter dem Meisterschaftssieger, dem Reiterverein Elbdörfer, platzieren sich der Reiterverein Leezen und, als Dritter, der Reiterverein Bornhöved und Umgebung.
Hans Siebke aus dem Kreistag verabschiedet: Schmalensees Bürgermeister Hans Siebke scheidet am 26. September 1996, vor 30 Jahren, nach über 20 Jahren auf eigenen Wunsch aus dem Segeberger Kreistag aus. Grund für diesen Schritt sind häufige Terminüberschneidungen zwischen seinen Tätigkeiten als Landtags- und Kreistagsabgeordneter. Für Siebke, der Bürgerliches Ausschussmitglied bleibt, rückt Helga Hauschildt aus Bornhöved nach. Kreispräsident Winfried Zylka verabschiedet den „Rundum-Politiker“ Siebke mit der Feststellung, dass sein „unwahrscheinliches Temperament“ sowohl begünstigend als auch erschwerend wirke. „Unermüdlich, fleißig, hartnäckig und unerschrocken“ habe Siebke sein Engagement vertreten und in seinen Anliegen nicht locker gelassen. Siebke erwidert, dass er immer ehrlich und mit offenem Visier gestritten habe. Getreu seinem Motto „lieber einen Schlag ins Gesicht als ein Messer in den Rücken bekommen“.
Fest der Siedler vor 35 Jahren: Die Siedlergemeinschaft Schmalensee veranstaltet am 28. September 1991 ihr Ernte- oder Jahresfest, verbunden mit einem Essen. Der neue Pächter des Gasthof Voß, Harry Prettin, stellt ein leckeres Essen zusammen, ruft aber auch einen stattlichen Preis auf. Zum vierten Mal in Folge gewinnen Hildegard und Heinz Kasch den Vorgartenwettbewerb der Siedlergemeinschaft Schmalensee. Preise stifteten der Verschönerungsverein und Gärtner Helmut Jungclaus.
Schmalensees Finanzen vor 40 Jahren: Die Schmalenseer Gemeindevertretung berät am 30. September 1986 unter anderem über die Finanzierungsmöglichkeiten einer zentralen Wasserversorgung und die Vorbereitungen zur Aufstellung eines Abwassergeneralplanes. Dieser wird 13.000 DM kosten. Geld, das die Gemeinde problemlos aufbringen kann. Denn die Verabschiedung des Nachtragshaushaltes sieht vor, 30.900 DM der Allgemeinen Rücklage zuzuführen. Dem Verwaltungshaushalt werden 14.300 DM zugeführt, der damit auf 343.700 DM anwächst. Weiterhin liegen Zusagen des Kreises Segeberg und der Stiftung Naturschutz des Landes Schleswig-Holstein vor, sich am Erwerb zweier Flurstücke durch die Gemeinde im Bereich des Seeeinlaufs (Grenzau) zu beteiligen. In der Niederung sollen Flachwasserzonen als Biotop entstehen. Planung und Ausführung liegen beim Amt für Land- und Wasserwirtschaft (ALW) in Itzehoe.
Pressemeldungen in Kriegszeiten vor 110 Jahren: Im September 1916 sind im Segeberger Kreis- und Tageblatt viele Meldungen, staatliche Anordnungen und offizielle Anzeigen zu finden, die uns heute einen Eindruck vermitteln, was die Mensen in Schmalensee und der näheren Umgebung damals umtrieb.
Der Schmalenseer Otto Saggau hat das Eiserne Kreuz erhalten. (21. September) Aus Schmalensee gehen wieder umfangreiche Sachspenden im Gesamtwert von 120 Reichsmark an das Segeberger Lazarett des Vaterländischen Frauenvereins. In diesem liegt derzeit auch Gastwirt Friedrich Voß, der während seines Heimaturlaubs erkrankt ist. (28. September) Im benachbarten Tarbek haben die Interessenten der dortigen Spar- und Darlehenskasse über 20.000 Reichsmark zur 5. Kriegsanleihe gezeichnet. Bereits bei den vorangegangenen Anleihen taten sich die Tarbeker hervor. (28. September)
Volles Programm für die Landjugend vor 40 Jahren: Im September 1986 stellt sich die Landjugendgruppe Schmalensee verschiedenen Herausforderungen. So beteiligt man sich an der Kreisausschusssitzung (KAS) des Kreislandjugendverbandes Segeberg, die unter anderem der Vorbereitung der NORLA 1986 dient: Der KLV Segeberg ist in diesem Jahr für den Ausschank beim NORLA-Ball am 13. September in Rendsburg zuständig. Die LJG Schmalensee wird dafür etliche Helferinnen und Helfer stellen – für die es zum Dank am 7. November 1986 eine Nachfeier im Gasthof „Goldener Hahn“ in Stuvenborn geben soll. Am 4. September ist Pastor Hohn Gast in Schmalensee, der mit den LaJus das Binden der Erntekrone für das Erntedankfest bespricht. Im Oktober soll eine Herbstfahrt der Landjugendgruppe Schmalensee mit 38 Teilnehmenden ins jugoslawische Porec führen – am 25. September findet im Gasthof Voß ein Vorbereitungstreffen statt. Dami noch nicht genug: Am 28. September 1986 richtet die Landjugendgruppe Schmalensee richtet im Tensfelder „Moorhof“ das Kegelturnier des Kreislandjugendverbandes aus.
Bild zur Meldung: Bild vom Ausflug der Schule Schmalensee, ca. 1936