Oktober-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1
Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat Oktober.
Fahndung nach Auswanderern vor 140 Jahren: Für den Landmann Johannes Heinrich Jessen, zuletzt wohnhaft in Schmalensee, endet am 1. Oktober 1886 die Frist, sich beim Königlichen Schöffengericht zu Segeberg einzufinden. Seit August des Jahres waren Jessen und weitere fünf Männer aus dem Kreis Segeberg per amtlicher Anzeige im Segeberger Kreis- und Wochenblatt hierzu aufgefordert, da sie als beurlaubte Reservisten gelten. Ihnen wird jedoch vorgeworfen, ohne Erlaubnis aus Deutschland ausgewandert zu sein, und sich damit der Kontrolle des Königlichen Landwehr-Bezirkskommandos in Altona entzogen zu haben, was eine Verurteilung nach Strafprozessordnung nach sich ziehen kann. In damaliger Zeit sind „Absetzbewegungen“ wehrpflichtiger Männer aus dem noch nicht lange preußisch gewordenen Schleswig-Holstein vor allem in die Vereinigten Staaten nicht selten – oft finden sich amtliche Suchanzeigen in den Zeitungen.
Heinrich Göttsch wird Lehrer in Schmalensee: Lehrer Scheller verlässt zum 1. Oktober 1896, vor 130 Jahren, die Schmalenseer Schule. Die vakante Lehrerstelle ist mit einem ruhegehaltsfähigen Diensteinkommen von 1288,80 Mark ausgestattet. Aus 16 Bewerbungen hat die königliche Regierung der Schulgemeinde vier Bewerber empfohlen: Lehrer Jansen aus Damsdorf, Lehrer Riecken aus Schipphorst, Lehrer Göttsch aus Dersau sowie den Lehrer und Hausvater Glake aus Havetoft. Die Wahl fällt auf Heinrich Göttsch, der aber wohl erst am 1. Januar 1897 die Stelle antreten kann. So lange sollen die Lehrer Peters (Bornhöved), Westphal (Tarbek) und Jansen (Damsdorf) die Arbeit in der Schmalenseer Schule wahrnehmen. Jedoch kann Heinrich Göttsch bereits am 1. November 1896 den Dienst in Schmalensee antreten. Er wird bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1933 in Schmalensee bleiben, neben dem Schulbetrieb in Vereinen, Verbänden, Lehrervereinigungen, Sparkassen und der Feuerwehr mitwirken, und 1948 die „Chronik von Schmalensee“ veröffentlichen.
Deutsch-Völkische vor 100 Jahren in Bad Segeberg: Die Deutsch-Völkische Bewegung, eine rechtsextreme Abspaltung der Deutschnationalen Volkspartei, die wie die Nationalsozialisten das Hakenkreuz verwendet und im selben Jargon eine Gauleitung Schleswig-Holstein hat, hat zu einer Versammlung am 1. Oktober 1926 ins Kreisbauernhaus geladen. „Graf Reventlow, der Führer der völkischen Außenpolitik, der schärfste Gegner Stresemanns, spricht im Hotel Germania über Monarchie“, heißt es in der Anzeige. Reventlow spricht sich dagegen aus, wieder nach einer Monarchie im Deutschen Reich zu streben. Diese habe ab 1890 unter Wilhelm II. das Land erst in sein Verderben geführt und alles zunichte gemacht, was unter Wilhelm I. und Bismarck geschaffen worden sei. Auch wenn die Monarchie grundsätzlich besser sei als das bestehende Regierungssystem, würde sie zusätzlich auf die Ablehnung durch die breite Arbeitnehmerschaft stoßen.
Hohe Wahlbeteiligung in Schmalensee: Vor den Wahlen zum 8. Deutschen Bundestag am 3. Oktober 1976, vor 50 Jahren, hat Kreispräsident Werner Seismann mit einem eindringlichen Aufruf an die Bewohner des Kreises Segeberg appelliert, ihr Wahlrecht auszuüben. In Schmalensee scheint er durchgedrungen zu sein, denn von 290 Wahlberechtigten gehen 268 an die Urne. Hier entfallen auf die CDU 143 Erst- und 142 Zweitstimmen. Für die SPD stimmen 109/102, FDP 12/18, DKP 0/1 und NPD 2/1. Im Wahlkreis Segeberg/Stormarn setzt sich der CDU-Kandidat Peter-Kurt Würzbach („PKW“) durch und zieht erstmals ins Parlament ein.
Das Erntedankfest vor 45 Jahren: Die Evangelische Kirchengemeinde Bornhöved feiert am 4. Oktober 1981 das Erntedankfest. Den Gottesdienst hält Pastor Hohn. Im Anschluss gibt es im Gemeindehaus ein Eintopfessen. Am Nachmittag dann finden Kinderspiele statt, ein Flohmarkt wird veranstaltet und die Jugendband spielt. Für Erwachsene gibt es eine Kuchenbar, während Kinderfilme gezeigt werden. Aber auch Märchen kommen nicht zu kurz, vorgelesen im Kirchturm von Diakon Bernhard Lennartz. Die Erlöse des Fests, 1516 DM, gehen an „Brot für die Welt“.
Ortsumgehung Bornhöved freigegeben: Die Chaussee zwischen Neumünster und Plön ist die heutige Bundesstraße 430. Aber anders als in früheren Zeiten führt sie nicht mehr mitten durch Bornhöved, wo sie sich recht verwinkelt mit der späteren B404 kreuzte. Seit dem 7. Oktober 1971, also seit 55 Jahren, ist die uns wohlbekannte Umgehung Bornhöveds freigegeben und die B430 trennt das Nachbardorf von seinem Nordteil. Dafür mussten dort, wo eine Brücke über die B430 gebaut wurde, einige Häuser weichen (die im Heimatmuseum „De ole Rökerkaat“ noch auf Bildern zu sehen sind – ebenso der Kreuzungspunkt beider Bundesstraßen). Die B404, in unserer Region heute die A21 und Kiel mit Bad Segeberg verbindend, verläuft noch bis August 1972 durch Bornhöved. Erst zwei Wochen vor Beginn der olympischen Segelwettbewerbe in Kiel wird diese fertiggestellt werden.
Vor 75 Jahren unter 600 Menschen in Schmalensee: Am 10. Oktober 1951 meldet die Segeberger Zeitung für Schmalensee eine Einwohnerzahl von 548. Ein Jahr zuvor waren es noch 620, was dem Zustrom an Geflüchteten aus den früheren ostdeutschen Gebieten geschuldet war. Diese werden zunehmend nach dort vermittelt, wo es Arbeit und Wohnraum für sie gibt, zum Beispiel nach Nordrhein-Westfalen. Aber noch immer ist es eng in Schmalensee. Von den 548 Menschen im Dorf gelten 239 als Heimatvertriebene und 8 als Zugewanderte. Der Wohnraummangel ist weiter ein Problem in Schmalensee. Und auch in der Schule muss man zusammenrücken. Von 154 Kindern im Dorf sind 100 schulpflichtig.
Pferdedieb in Schmalensee geschnappt: Dem Gendarmen Radyge gelingt es am 12. Oktober 1881, vor 145 Jahren, in Schmalensee einen Pferdedieb verhaften. Der Mann aus der Gegend um Kiel hatte noch am Vortag in Neuenrade ein Pferd ausgespannt und mitsamt Sielengeschirr mitgenommen. Gegenüber dem Gendarmen gibt sich der „Pferdemarder“ als Händler aus, der das Tier ordentlich erstanden habe, doch es stellt sich schnell heraus, dass es sich um ein „kriegsgerichtlich bestraftes Subject“ handelt.
Was Feinden der Nazis droht:Die Kaltenkirchener Zeitung berichtet am 13. Oktober 1931, vor 95 Jahren, von einer Landvolk-Kundgebung in Bad Segeberg, in deren Verlauf der kommissarische Kreisleiter der NSDAP, Werner Stiehr, den nach seiner Meinung zu liberalen Bauernverein aufs Korn nimmt: „Dieser Verein muß kaputtgeschlagen werden. Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns, und wer gegen uns ist, wird kaputtgeschlagen.“
Sportplatzbau und mehr in der Gemeindevertretung: Die Gemeindevertretung befasst sich in ihrer Sitzung am 13. Oktober 1981, vor 45 Jahren, unter anderem mit dem Bau eines Sportplatzes. Dieser ist nach Gründung des SV Schmalensee im November 1980 und dem Einstieg von SVS-Fußballmannschaften im Sommer in den Punktspielbetrieb notwendig geworden. Augenblicklich spielen die Erwachsenen und die B-Junioren in Bornhöved auf dem Tennenplatz, die E-Jugend nutzt den Bolzplatz in Schmalensee. Die Baukosten von gut 60.000 DM sollen zu je einem Drittel vom Kreis, der Gemeinde und dem SVS aufgebracht werden. Die Sportler leisten ihren Teil dabei als „Eigenleistung“: sie verrichten Arbeitsstunden, die aufgerechnet werden.
Gut 65.000 DM soll der Bau eines neuen Wasserwerks Am Ringreiterplatz kosten, den die Gemeindevertretung nun beschließt. Außerdem wurde an der Einmündung des Hirtenwegs in die Tarbeker Straße eine neue Straßenlaterne errichtet. Drei Betonmasten zur Befestigung am Seeufer werden vom Besitzer des Sees, Fischer Christophersen aus Bornhöved, akzeptiert. Er wünscht sich vor einer Verlängerung des Pachtvertrages für die Badestelle das Aufstellen von Schildern, die auf das Verbot von Angeln, Surfen und Bootfahren hinweisen.
Oktober-Kurzmeldungen vor 125 Jahren: Mit Ernennung durch den Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein beginnt für Heinrich Christian Saggau am 1. Oktober 1901 eine weitere sechsjährige Amtszeit als Amtsvorsteher des Amtes Bornhöved. Hufner Johannes Detlef Harder aus Schmalensee wird erneut zum stellvertretenden Amtsvorsteher ernannt.
Beim Dreschen gerät in Schmalensee der Arbeiter Johann Stegelmann am 12. Oktober 1901 mit der rechten Hand in die Pferdedreschmaschine. Zwischen den Schlägern werden ihm zwei Finger abgequetscht.
Ein junger Schmiedegeselle aus Hinterpommern namens Breitspracher, der zuletzt im Dienst des Schmalenseer Schmiedemeisters Dunker stand, wird laut Zeitungsmeldungen vom 16. (Hamburger Fremdenblatt) und 19. Oktober 1901 (Segeberger Kreis- und Wochenblatt) erhängt in einer Daldorfer Scheune aufgefunden.
Im Segeberger Amtsgericht werden am 25. Oktober 1901 die Schöffen für das Jahr 1902 gewählt. Hufner Hinrich Saggau aus Schmalensee ist darunter und Johannes Detlef Harder wird zum Hauptschöffen gewählt.
Am 26. Oktober 1901 meldet das Segeberger Kreis- und Wochenblatt, dass Gastwirt Ludwig Saggau in Schmalensee die alte Petroleumbeleuchtung von dem Bornhöveder Klempnermeister Kröger durch eine Acetylenlichtanlage hat ersetzen lassen. Diese ist heller und sicherer.
Meldungen aus dem Kriegsmonat Oktober 1916: „In würdig geschmückter Kirche“ und unter Mitwirkung des gemischten Chores wird in der Bornhöveder Vicelin-Kirche am 1. Oktober 1916, vor 110 Jahren, das Erntedankfest gefeiert. Die Kollekte ist für die Kriegshilfemaßnahmen der Kirchengemeinde Bornhöved gedacht. Am Abend wird in Bornhöved ein patriotischer Abend „zum Besten der Marine“ abgehalten. Die Begrüßung hält Pastor Schlüter.
Der Segeberger Kreisausschuss verhängt am 16. Oktober ein Verbot der Fütterung von Kartoffeln, die noch zur menschlichen Ernährung verwendbar sind. Zuwiderhandlungen können mit bis zu sechs Monaten Gefängnis oder empfindlichen Geldstrafen geahndet werden.
Die Generalversammlung des Kreditvereins Bornhöved beschließt laut Zeitungsmeldung vom 26. Oktober 1916, auf der nächsten Versammlung, „falls der Krieg bis dahin noch fortdauert“, Ersatzmänner für die mit der Vertretung einberufener Vorstandsmitglieder beauftragten Aufsichtsratsmitglieder zu wählen.
Im Kreis Segeberg tritt am 27. Oktober 1916 eine Verordnung über den Verkehr mit Eiern in Kraft. Diese unterscheidet zwischen Selbstversorgern (Geflügelhaltern) und Versorgungsberechtigten. Letzteren steht vorläufig ein Ei pro Kopf für zwei Wochen zu. Alle weiteren Eier sind von benannten Händlern aufzukaufen und an staatliche Stellen weiterzuleiten.
Laut Pressemeldung vom 1. November hat die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein die Landwirte und Landfrauen dazu aufgerufen, die dringende Versorgung der Bevölkerung mit Brot und Kartoffeln ohne Pause zu unterstützen. „Wer diesem Gebot nicht nachkommt, ladet eine schwere Verantwortung und eine schwere Schuld auf sich.“
Bild zur Meldung: Lehrer Heinrich Göttsch 1919 mit den Schmalenseer Schulkindern