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Vor 115 Jahren - Schmalenseer gründet Kreisverein der Schwarzbuntzüchter

Schmalensee , den 12.12.2018

Am 19. Dezember 1903, vor 115 Jahren, wurde im Segeberger Zentral-Hotel ein Verein der Züchter schwarzbunten Milchviehs im Kreis Segeberg gegründet. Einer der Initiatoren, Gründer und Funktionäre des späteren „Vereins für die Zucht schwarzbunter Holsteiner im Kreise Segeberg“ ist der Schmalenseer Hufner Heinrich Christian Saggau.

 

Schon ein Jahr zuvor hatten Saggau und Mitstreiter den Versuch unternommen, die Schwarzbuntzüchter zu organisieren. Sie unternahmen diese Anstrengung, weil die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein je Landkreis nur eine Zuchtrichtung zulassen wollte – für Segeberg die des rotbunten Rindes. Am 6. Dezember 1902 hatten sich rund 200 Landwirte in der Kreisstadt Segeberg eingefunden und den führenden Befürwortern der Schwarzbuntzucht angesichts der „Willkür und Bevormundung“ durch die Kammer den Auftrag erteilt, eine Petition aufzusetzen. In dieser wurde zum Ausdruck gebracht, dass angesichts der Qualität und Quantität der Milch im Kreis Segeberg dem schwarzbunten Vieh der Vorzug eingeräumt werden müsse, weil es hier den idealen Boden vorfinde.

 

Das Komitee, das diese Petition aufsetzen und die Interessen der Schwarzbuntzüchter durchsetzen sollte, rief seine Auftraggeber also am 19. Dezember 1903 erneut zusammen, um die bisherigen Erfolge zu schildern und einen Kreisverein zu gründen, um eine stärkere Position gegenüber der Landwirtschaftskammer einzunehmen und die Schwarzbuntzucht zu organisieren. Heinrich Christian Saggau wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisvereins gewählt.

Er hatte bereits 1888 zusammen mit Heinrich Kock, dem Besitzer der unmittelbar vor Schmalensee liegenden Bornhöveder Hufe Willingshöfen, innerhalb des Landwirtschaftlichen Vereins für Bornhöved und Umgebung einen Rindviehzuchtverein gegründet, welcher der Schwarzbuntzucht den Vorrang gab. Kock wurde 1903 zum Distriktvorsteher des Kreisvereins gewählt – für Schmalensee, nicht für Bornhöved.

 

Der Kreisverein für die Zucht schwarzbunter Holsteiner oder auch Schleswig-Holsteiner besteht bis heute. Schmalensee war nicht nur eine der Keimzellen, sondern auch Hochburg und Vorbild für erfolgreiches züchterisches Handeln. Die zahlreichen Erwähnungen von Körungs-Ergebnissen, von Einkaufsreisen etwa ins Jeverland, um neue Zuchttiere zu erwerben, von Viehauktionen und Rindviehschauen würden an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Einhellige Meinung unter den heutigen Milchbauern Schmalensees ist, dass das ursprüngliche Zuchtwesen, verbunden mit der großen Leidenschaft der Altbauern, mit der Einführung der künstlichen Besamung langsam erstarb. Auch wandten sich aufgrund des technischen Fortschritts und der oft guten Ackerstandorte viele Segeberger Bauern von der Milchviehhaltung ab, stiegen in den 1960er-Jahren auf Schweinemast und Ackerbau um.

 

Davon war freilich 1903 noch keine Rede. Die Segeberger Schwarzbuntzüchter setzten sich mit ihrer Forderung durch. Die Landwirtschaftskammer hob im Juli 1906 ihre alte Verordnung auf und in der Folge dominierte im Kreis das schwarzbunte Rind. Heinrich Christian Saggau blieb bis 1916 stellvertretender Vorsitzender und war von 1916 bis 1920 Vorsitzender des Kreisvereins – kriegsbedingt, weil der Vorsitzende, Gutsbesitzer Isenberg (Travenort) zum Kriegsdienst einberufen worden war und 1920 wieder den Vorsitz übernahm. Und noch ein Schmalenseer beginnt 1916, im Kreisverein mitzuwirken: Lehrer Heinrich Göttsch. Er war schon Stammbuchführer, übt nun die Funktion des Geschäftsführer aus – bis 1951.

 

Die 42. Generalversammlung am 28. Oktober 1922 ernennt Heinrich Christian Saggau aufgrund seiner Verdienste um den Kreisverein, der seit 1920 „Verein für die Zucht schwarzbunter Schleswig-Holsteiner“ heißt, zum Ehrenmitglied. Als am 8. Dezember 1928 das 25-jährige Bestehen des Kreisvereins gefeiert wird, hat er den Vorsitz während des Festaktes – auch in Anerkennung der Tatsache, dass er 1903 die Gründungsversammlung geleitet hatte. Einen besonderen Auftritt haben vier junge Mädchen aus Schmalensee, die, als Japanerinnen verkleidet unter Gesangbegleitung eine Tanz vorführen.

 

Schmalenseer werden auch sich über 1903 und 1928 für die Schwarzbuntzucht im Kreis Segeberg in vorderer Reihe einsetzen. Am 29. November 1930 wird Heinrich Harder neuer Kreisvorsitzender, übt das Amt bis zum Kriegsende 1945 aus und wird später zum Ehrenmitglied ernannt werden. Mit Hugo Saggau übernimmt 1945/46 der Sohn Heinrich Christian Saggaus den Vorsitz. Der spätere Ehrenvorsitzende und stellvertretende Landesvorsitzende amtiert bis 1971, ist außerdem von 1946 bis 1967 Vorsitzender des für die Milchleistungsprüfungen zuständigen Kreiskontrollvereins.

 

Weitere Schmalenseer Familien haben über die Jahrzehnte erfolgreich in der Schwarzbuntzucht mitgewirkt. Herausragend ist der Hof Willy Harders und später seines Sohnes Hans. Der Harder-Hof gilt als eine der Urzellen der Schwarzbuntzucht in Schleswig-Holstein. Im Jahr 1906 wird die Kuh „Lore 23921“ geboren. Sie bildet den Ursprung eines sich über elf Generationen erstreckenden Zuchtstammes – 1963, als Sohn Hans von der Landwirtschaftskammer gehrt wird – ist dies die älteste im ganzen Zuchtgebiet. Auch diese Familie wird schließlich an führender Stelle für die Segeberger Schwarzbuntzucht aktiv werden: Hans-Jürgen Harder, Sohn von Hans, wird 1990 stellvertretender Kreisvorsitzender und 1992 Vorsitzender. In jenem Jahr kam es in Schleswig-Holstein zum Zusammenschluss der drei maßgeblichen Rinderzuchtverbände: Rotbunte und Schwarzbunte Schleswig-Holsteiner und der Verband Angler Rinderzüchter wurden zur Rinderzucht Schleswig-Holstein eG. Unter Hans-Jürgen Harder konnte 2004 das 100-jährige Bestehen des Vereins der Schwarzbuntzüchter im Kreis Segeberg gefeiert werden.

 

Foto: Schwarzbunte, Konstituierung, SKWB vom 10.12.1903

Fotoserien zu der Meldung


Schwarzbunte (12.12.2018)

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