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Vor 95 Jahren: Radfahrende Arbeiter weihen ihr Banner

Schmalensee , den 27.07.2019

Eine kleine Anzeige, aus der sich einiges ableiten lässt, ist am 8. Juli 1924 im Segeberger Kreis- und Tageblatt, der heutigen Segeberger Zeitung zu finden. Die Schmalenseer Ortsgruppe des Arbeiter-Radfahrerbundes „Solidarität“ lädt zum 27. Juli 1924, also vor 95 Jahren, zur Fahnenweihe ein.

 

Demnach traf man sich zunächst in Schmalensee, wo um 15 Uhr das Banner der Ortsgruppe geweiht wurde. Anschließend wurde eine „Korsofahrt“ zum Vereinslokal von Hans Pries in Bornhöved unternommen. Dort gab es einen großen Festball mit Saalfahren und „sonstigen Vergnügungen.“

 

Der Kontext der Überlieferung macht diese Anzeige so interessant. Zunächst gibt sie Aufschluss über den Zeitgeist: In den 1920er-Jahren erlebte das Radfahren, auch das organisierte, einen Aufschwung. Eine Fotografie aus dem Jahr 1927, die anlässlich der 700-Jahr-Feier der Schlacht bei Bornhöved in der Nachbargemeinde geschossen und u.a. im Nachlass der Familie Behrend zu finden ist, zeigt aufgereihte Radfahrer.

 

Das Saalfahren war eine Disziplin im Radsport mit gewisser Popularität. Immer wieder unternahmen Rasportvereine in benachbarten Orten Werbeveranstaltungen, indem sie Vorführungen im Saalfahren veranstalteten.

 

Dass es in Schmalensee eine Ortsgruppe des Arbeiter-Radfahrerbundes gegeben hat, wissen wir nur aus dem Archiv der Segeberger Zeitung. Das mag unterschiedliche Gründe haben. Die Arbeiterschaft spielte im Ort bis zum Ende des Ersten Weltkriegs eine nachgeordnete Rolle. Politische Kraft entwickelte sie eigentlich erst nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches. Und die Wahlergebnisse aus der Weimarer Republik zeigen, dass Sozialdemokraten und Kommunisten auch hier Stimmen in nicht zu vernachlässigender Zahl verbuchen konnten.

 

Eine gesellschaftliche Trennung der Landwirtschaftlichen Arbeitgeber (also der Bauern) und Arbeitnehmer (der Landarbeiter) ist, zumindest in schriftlicher Überlieferung, nur in Fragmenten nachzuvollziehen. Ehe- und Arbeitsjubiläen der Landarbeiter oder Auszeichnungen für langjährige Dienstzeit in der Feuerwehr wurden genauso berichtet wie die von den Hofbesitzern und ihren Angehörigen.

 

Dorflehrer Heinrich Göttsch, dessen „Chronik von Schmalensee“ um 1933 geschrieben und 1948 veröffentlicht wurde, hat der Arbeiterschaft nur wenig Raum in seinem Buch gegeben. Für das Jahr 1925 berichtet er davon, dass nur wenige der im Dorf lebenden Arbeiter auch Landarbeiter auf den Höfen seien, sondern auswärts Arbeit finden – und auch von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

 

Groß sind unsere Wissenslücken zum Thema „Arbeiterklasse“ im Dorf, was die Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg betrifft. Wer dazu Unterlagen, Fotografien und andere Quellen in Familienarchiven auftun kann, ist herzlich eingeladen, diese dem Arbeitskreis Dorfgeschichte leihweise zu überlassen.

 

 

 

 

Foto: Radfahrer 1927 in Bornhöved anlässlich 700-Jahr-Feier der Schlacht bei Bornhöved

Fotoserien zu der Meldung


Radfahrer (26.07.2019)

 
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