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Vor 75 Jahren: Ein Monat im „totalen Krieg“ - Oktober 1944

Schmalensee , den 01.10.2019

Ein Blick in das Segeberger Kreis- und Tageblatt vom Oktober 1944 zeigt, dass die Zahl der angekündigten Einschränkungen und Ablieferungen vor dem Hintergrund des von Reichspropagandaministers Joseph Goebbels erklärte „totale Krieg“ die Provinz endgültig erreicht hat. In loser Abfolge sei hier genannt, welche Nachrichten solcher Art die Menschen im Kreis Segeberg erreichten...

 

1 Oktober: Die Dachorganisation der Landwirtschaft, der Reichsnährstand, erhöht die Menge der bei amtlichen Sammelstellen abzuliefernden Hühnereier: Von jetzt bis zum 30. September 1945 sind je Legehenne statt 60 nun 70 Eier abzugeben, um sie im Rahmen der Zwangswirtschaft in die staatliche Verteilung zu geben.

 

2. Oktober: Ein Verbotstext, so in der Zeitung abgedruckt - „Wenn auch die abgeernteten Felder und der leichte Herbstwind unsere Jugend zum alten Spiel des Drachensteigens locken, so ist dieses Spiel auch im sechsten Kriegsjahr aus militärischen Gründen untersagt. Eltern, deren Kinder mit steigenden Drachen angetroffen werden, setzen sich strengen Strafen aus.“

 

5. Oktober: Eine Polizeimeldung erklärt uns, wo in Schmalensee Zuweisungskarten aufbewahrt und vermutlich auch verteilt wurden: „In den Mittagsstunden wurden aus der Schmalenseer Meierei zwei Pakete mit Lebensmittel-, Raucher- und Kleiderkarten entwendet. Die Karten sind gezeichnet und nummeriert. Personen, die Angaben über den Verbleib der Karten machen können, werden ersucht, sich als Zeugen bei der Kriminalpolizeistelle, 1. Kriminalkommissariat Kiel, Blumenstraße 2, oder bei einer anderen Polizeidienststelle unter Hinweis auf die Veröffentlichung zu melden. Auf Wunsch werden alle Hinweise vertraulich behandelt.“

 

7. Oktober: Vergnügungen werden eingeschränkt: „Keine Jahrmärkte mehr. Alle rummelplatzähnlichen Vergnügungen sind nach einem Runderlass des Reichsführers der SS und Chefs der Deutschen Polizei vom 20. September unzeitgemäß und bis auf weiteres nicht mehr zu dulden. Auch Kirmesse und ähnliche Veranstaltungen, einzelne Schaustellungen und der einzelne Betrieb von Karussells, von Schaukeln, Schießbuden, Wurf- und Kraftbelustigungen sowie die Ausspielung geringwertiger Gegenstände und dergleichen sind nicht zugelassen. Ausgenommen sind Veranstaltungen für Kinder (Betrieb von Karussells, Schaustellungen unterhaltender Art, wie Kasperle- und Marionetten-Vorführungen), soweit der Kriegswirtschaft keine Kräfte entzogen werden.“

 

12. Oktober: Hunde für den Kriegseinsatz - Um 15.15 Uhr findet auf dem Ringreiterplatz in Schmalensee die kreisweit durchzuführende Musterung der Hunde für den möglichen Heeresdienst statt.

 

14. Oktober: Immerhin Kino fürs Herz - Die Lichtspiele Bornhöved werden wieder eröffnet. Im Hotel Stadt Kiel kommen Spielfilme und Wochenschauen zur Aufführung. Erster Film ist am 14. und 15. Oktober „Hab mich lieb“ mit Marika Rökk.

 

16. Oktober: Angesichts der wirtschaftlichen Umstände wird die Brotration gekürzt. Diese beträgt nun bei den Normalverbrauchern 2.225 Gramm je Woche. Das sind 175 Gramm weniger als zuletzt, aber immer noch 225 Gramm mehr als im Zeitraum 01.04. bis 19.10.1942.

 

19. Oktober: „Das Volk steht auf!“ titelt das Segeberger Kreis- und Tageblatt. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat, nachdem nun alliierte Truppen deutschen Boden das Reichsgebiet erreicht haben, den „Deutschen Volkssturm“ aufgerufen.

Der Führererlass ruft alle wehrfähigen Männer von 16 bis 60 Jahren zu den Waffen. Die Aufstellung und Führung erfolgt in Verantwortung der jeweiligen Gaue. Die militärisch-organisatorische Verantwortung trägt der Befehlshaber des Ersatzheeres (Der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, Anmerkung). Volkssturmangehörige sind während des Einsatzes im Sinne des Wehrgesetzes Soldaten. Am 12. November 1944 findet reichsweit die Vereidigung der Volkssturmangehörigen statt.

 

21. Oktober: Aus der Tageszeitung erfährt die Bevölkerung, dass es in diesem Herbst keine Lieferungen von Blumenzwiebeln geben wird. Man setzt auf das Verständnis der Verbraucher und erinnert daran, dass der Anbau von Gemüse dem von Zierpflanzen vorzuziehen ist.

 

21. Oktober: Der Reichskommissar für Altmaterialverwertung ruft vielfach dazu auf, u.a. Altpapier zu sammeln. „Eine Zigarettenschachtel ergibt eine Leuchtpatrone, ein Karton gleich eine Granatenhülle.“

 

25. Oktober: In diesen Tagen überprüft die Kreisbauernschaft allerorten die Kleintierbestände. Wer noch immer mehr Kleintiere als zugelassen besitzt, hat im Zeitraum 15.11. bis 15.12.1944 die überzähligen Stücke bei den Erfassungsstellen des Eierwirtschaftsverbandes abzuliefern.

 

28. Oktober: Per Zeitungsartikel wird die Bevölkerung dazu aufgerufen, nun wieder Bucheckern zu sammeln und Obst zu trocknen.

 

29. Oktober: Die Schleswig-Holsteinische Stromversorgungs-AG muss „wegen dringender Erweiterungsarbeiten in unserer Hauptübergabestation Bad Segeberg“ von 12 bis etwa 16 Uhr im gesamten Versorgungsgebiet des Kreises Segeberg die Stromversorgung unterbrechen. - Ab November gilt eine tägliche Sperrzeit für den Strombezug von 16 bis 19 Uhr.

 

30. Oktober: Rund um Bornhöved ist mit der Rübenernte begonnen worden. Die Blätter werden meist eingesäuert, „um auf diese Weise die Futtermittel zu strecken“.

 

31. Oktober: Beschränkungen bei der Ausgabe von Lebertran. Das Segeberger Kreis- und Tageblatt berichtet, dass Apotheken und Drogerien dieses nur in kleinen Mengen verfügbare Produkt nur noch für Kinder bis 6 Jahren (statt zuvor bis zu 10 Jahren) ausgegeben werden darf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Aufruf zur Abgabe von Altpapier SKTB 21.10.1944

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Oktober (29.09.2019)

 
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