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Einblicke in das Leben und Sterben vor 2800 Jahren – Vortrag der Uni Kiel zu den Grabungen am Bornhöveder Kornkamp

Schmalensee , den 31.10.2019

Gut 280 bronzezeitliche Grabhügel gibt es entlang der Moränenkuppen rund um den Grimmelsberg; 21 allein wurden in der jüngsten Vergangenheit von Archäologen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) auf der Flur Mang de Bargen untersucht. Aber der Grabhügel „LA 117“ auf dem Bornhöveder Kornkamp sei, so Dr. Jutta Kneisel, „der schönste bisher“ von ihr untersuchte gewesen. In einem von der Volkshochschule Trappenkamp-Bornhöved organisierten Vortrag stellte die Wissenschaftlerin erste Ergebnisse der ab Sommer 2018 durchgeführten Grabungen vor.

 

Das Interesse war groß. Über 60 Personen füllten das Sitzungszimmer im Alten Amt in Bornhöved und wollten wissen, was Jutta Kneisel und der Studierende Sebastian Wilhelm, dessen Magisterarbeit die Grabung zum Thema haben wird, herausgefunden haben. Schon während der Grabungen habe man sich eines regen Zuspruchs erfreut, so die Forscher. 470 Personen hätten die Grabungen an den Öffentlichkeitstagen besucht und viele Fragen gestellt.

 

Gute 40 Zentimeter Ackerboden trugen die Archäologen am Kornkamp zunächst ab, um auf die zu untersuchende Kulturschicht zu stoßen. Für das eigentliche Grab mussten die Studierenden und ihre Leiterin im heißen Sommer 2018 wesentlich tiefer graben. „Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt“, scherzte Jutta Kneisel. „Aber ab 120 Zentimeter kommt ihr Tod unweigerlich näher.“ Da aber wurde man fündig. Zwar erhalten sich in Holsteins Böden keine Knochen, wohl aber organische Überreste, der sogenannte Leichenschatten. Und die können mit modernen Methoden weiter untersucht werden.

 

Ein Grabhügel – mehrfach benutzt

 

Die Erkenntnisse, über die das Forscherteam schon jetzt verfügt, sind beeindruckend. LA 117 war ganz offensichtlich ein über Jahrhunderte mehrfach genutzter Grabhügel, der am Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit um 1800 v. Chr. entstanden ist. In verschiedenen Abschnitten veränderte sich nicht nur die Belegung, sondern auch sein Äußeres: Im 19. bis 18. Jahrhundert vor Christus muss das Zentralgrab angelegt worden und ein Hügel darüber aufgeschüttet worden sein. Um diesen wurde ein vielleicht 1 Meter breiter Graben gezogen, der zwischen 1600 – 1500 v. Chr. mit Holzplanken ausgelegt wurde, die man verbrannte – eine nächtliche rituelle Illumination vielleicht, die mehrfach wiederholt wurde? In späterer Zeit füllte man den Graben mit Steinpackungen auf. Noch später entstand ein Pfostenkranz der auf dem ab ca. 1300 v. Chr. vorherrschenden Weideland weithin sichtbar gewesen sein muss. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass dieser Grabhügel über einen Zeitraum von 400 bis 600 Jahren immer wieder verändert worden sein muss.

 

Angetan waren die Besucher des Vortrags auch von dem vielen Bildmaterial, das Dr. Jutta Kneisel präsentierte. Es dokumentierte nicht nur die Arbeiten der Archäologen und deren Funde, es enthielt auch viele Interpretationen bisheriger Erkenntnisse. So war es auch möglich, einen Blick auf die Menschen zu werfen, die wohl um 1400 vor Christus in unserer Region gelebt haben. Dass nicht jeder von ihnen einen eigenen Grabhügel bekommen konnte, ist nachvollziehbar. Funde in Dänemark hätten bestätigt, dass die weniger bedeutenden Menschen im Umfeld der Grabhügel in einfachen Gräbern bestattet wurden. So weit aber gingen hierzulande die Forschungen nicht – aus Kostengründen.

 

Besucher durften Funde in die Hand nehmen

 

Weil aber am Kornkamp weiträumiger als üblich gegraben worden ist, konnten weitere Funde getätigt werden. Diese würden konserviert und weiter untersucht – so gehen Reste aus ebenfalls gefundenen Urnen (1100 – 500 v. Chr.) zu anthropologischen Untersuchungen nach Berlin. Weitere Beifunde, die von den Studierenden gemacht wurden und zum Teil unter den Zuhörern herumgereicht wurden, sind eine Siedlungsgrube mit Ofenresten, Keramik und Pfostenlöchern sowie Kochsteingruben aus der Zeit um 1100 – 200 v. Chr. Auch wurden zwei Glasperlen gefunden, die allerdings der Völkerwanderungszeit zuzuordnen sind. „Ausgerechnet die schönsten Funde in dem Bereich interessieren mich angesichts des Forschungsauftrags eher gar nicht“, brachte Dr. Jutta Kneisel die Zuhörer zum Schmunzeln.

 

Dass der von ihr und ihren Mitarbeitern untersuchte Grabhügel nun unter Baugrundstücken verschwindet, stimmt Dr. Jutta Kneisel keineswegs traurig. Denn erst das Bauvorhaben habe ja die Untersuchungen in Gang gesetzt. „Und das Baudenkmal LA 117 verschwindet zwar physisch durch die Bautätigkeit, aber es verschwindet nicht aus der Forschung.“ Und die dauert an – auch über die Magisterarbeit von Sebastian Wilhelm hinaus. Publikationen und vielleicht ein zweiter Vortrag nach Vorliegen weiterer Erkenntnisse wurden in Aussicht gestellt. Auf jeden Fall ein Beitrag, der in die aktuell in der Erarbeitung befindliche neue Chronik von Bornhöved einfließen soll.

 

Wie geht es weiter auf Mang de Bargen?

 

Und Mang de Bargen? Jüngst war in der Schmalenseer Gemeindevertretung zu hören, das das Kieswerk bis auf Schmalenseer Gelände ausgedehnt werden soll. Im Februar hatten Geophysiker der Kieler Universität die Fläche untersucht und waren fündig geworden. Mindestens einen Grabhügel und vielleicht so etwas wie Siedlungsreste – ließ Jutta Kneisel auf Nachfrage durchblicken – müssen vor dem Kiesabbau untersucht werden. Das aber wird nicht die Universität bewerkstelligen. Doktorandin Stefanie Schaefer-Di Maida muss im Dezember ihre Doktorarbeit zu Mang de Bargen vorlegen, während der CAU-Tross weiter gen Osten zieht, wo man die Forschungen zur Bronzezeit fortsetzen muss. Aber das Archäologische Landesamt werde sich der Fläche an der Tarbeker Straße annehmen und seine Untersuchungsergebnisse den Wissenschaftlern der CAU zugänglich machen, so dass auch die Erkenntnisse über das Leben und Sterben in unmittelbarer Nachbarschaft zum heutigen Schmalensee möglichst abgerundet werden.

 

 

 

Foto: So sahen sie aus, die Menschen der Bronzezeit in der Region Bornhöved

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Vortrag (31.10.2019)

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