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Vor 100 Jahren: Der Kapp-Putsch in Segeberg

19. 03. 2020

Vor 100 Jahren, im März 1920, versuchten konservative konterrevolutionäre Kräfte, eine Militärregierung zu errichten. Deren Hauptanliegen waren eine Beseitigung der jungen „Weimarer Republik“ und ein Vorgehen gegen den Versailler Friedensvertrag, der den Ersten Weltkrieg beendet hatte.

 

Der nach dem als Reichskanzler vorgesehenen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp benannte Putsch, den aber in erster Linie der Oberbefehlshaber der vorläufigen Reichswehr in Berlin Walther von Lüttwitz anführte, dauerte vom 13. bis 17. März, führte Deutschland an den Rand eines Bürgerkriegs und scheiterte letztlich daran, dass weite Teile der Arbeiterschaft in den Generalstreik traten und auch die Beamtenschaft den Putschisten die Gefolgschaft versagte. Im Kreis Segeberg war die Kreisstadt ebenfalls betroffen. Und wie in der Reichshauptstadt Berlin waren auch hier Waffen im Spiel.

 

Die Tageszeitung informierte die Bevölkerung

 

Eindrucksvoll schildert das Segeberger Kreis- und Tageblatt, die heutige Segeberger Zeitung, sowohl die Vorgänge in Berlin und anderen Teilen des Deutschen Reiches wie die in Segeberg – die erst am 16. März tatsächlich zur Entfaltung kommen und über das Ende des Kapp-Putsches, der schon nach rund 100 Stunden beendet war, noch hinaus gingen.

 

Denn auch in der Provinz war die Gesellschaft in konservative Kreise wie Bürgertum und Landbesitzer auf der einen, sowie die Arbeiterschaft – darunter fielen auch die Landarbeiter – auf der anderen gespalten.

 

Das Militär unterstützte den Putsch

 

Nach dem Ausbruch des Putsches in Berlin war in Kiel die Marinegarnison zur „neuen Reichsregierung“ übergetreten. In Altona, wo noch immer das für Norddeutschland zuständige Armeeoberkommando saß, übernahm der Ganisonsälteste (ein an die Funktion, nicht das Alter des Militärbefehlshabers gebundener Titel) die vollziehende Gewalt über Groß-Hamburg und Umgebung.

 

Der Generalstreik wirkt im Kreis Segeberg

 

Erst am 16. März wirkte sich der Generalstreik, zu dem die mehrheitlich nach Stuttgart geflohene SPD-geführte Reichsregierung aufgerufen hatte, auf die Menschen im Kreis Segeberg aus. Der Telefon- und Telegrafieverkehr wurde unterbunden. Sozialisten und Gewerkschafter beriefen Versammlungen in der Kreisstadt ein, um den Generalstreik auch für diese Region beschließen. Dieser – reichsweit ausgetragen – würde der Putschregierung das Fundament entziehen.

 

Auf Landrat Otto Graf zu Rantzau übten die Arbeiter Druck aus und forderten eine Antwort auf die Frage, ob er sich zur „neuen“ oder zur „alten“ Reichsregierung bekenne. Sollte er sich zur neuen bekennen, drohe die Absetzung und die Besetzung des Landratsamtes durch den Arbeiterrat.

 

Bewaffnete Bauern vor dem Haus Segeberg

 

Das wiederum rief konservative Kräfte auf den Plan: Am 17. März erschienen vor dem Segeberger Kreishaus bewaffnete Landwirte, um den Landrat „zu beschützen“. Weitere Landwirte hielten sich im Gewerbe- und Vereinshaus in der Hamburger Straße auf. Aber Arbeiter zwangen sie schließlich zum Verlassen des Gebäudes – und griffen mit Fäusten und Stöcken an.

 

Dabei habe sich laut Zeitungsbericht auch Hass entladen auf Grundlage der Annahme, die Landwirte würden Lebensmittel zurückhalten. Der Landrat, der sich derweil für neutral erklärt hatte, wurde in Schutzhaft genommen. In der Stadt Segeberg patrouillieren zum Ende des Tages Arbeiter, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

 

Auch Arbeiter beschaffen sich Waffen

 

Am Morgen des 18. März schließlich machten sich bewaffnete Segeberger Arbeiter auf, fuhren durch das Kreisgebiet und beschlagnahmten die bei den Amtsvorstehern verwahrten Gewehre. Um welche Art von Waffenvorräten es sich handelte, ist nicht bekannt. Allerdings übten die Amtsvorsteher die Polizeigewalt aus – und in der Regel gehörten sie zur Gruppe der Landwirte.

 

Erst am Abend des 18. März drang die Meldung durch, dass aus Berlin der Sturz der Putschisten vermeldet und der Streik für beendet erklärt worden sei. Dennoch bildete sich noch am 19. März in Segeberg eine 150 Mann starke Bürgerwehr. Parallel aber näherten sich Bürger und Arbeiter in der Kreisstadt einander an und auch hier wurde der Konflikt letztlich beigelegt.

 

 

 

Foto: Segeberger Kreis- und Tageblatt am 20.03.1920 verkündet das Putsch-Ende

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