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Mai-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 2

15. 05. 2020

Werfen wir den Blick zurück in die Geschichte unseres Dorfes und seiner Umgebung. Alte Zeitungen liefern uns oft Aufschluss über längst vergessene Geschehnisse und bieten zugleich Gelegenheit für Erinnerungen. Quelle dieser Sammlung ist das Archiv der Segeberger Zeitung.

Weil seit Mitte März das neuartige Coronavirus das gesellschaftliche Leben beeinträchtigt und wir sehr wahrscheinlich noch einige Zeit mit Beschränkungen des gesellschaftlichen Lebens belegt sind, gibt es für die treue Leserschaft im Monat Mai die historischen Meldungen zweigeteilt, um ihr in dieser schweren Zeit ein Mehr an geschichtlicher Unterhaltung zu bieten. Hier der zweite Teil.

 

Ein Bierkrieg in Holstein?: Von einem sich anbahnenden „Bierkrieg“ ist die Rede in einem Bericht des Segeberger Kreis- und Tageblatts am 15. Mai 1910, vor 110 Jahren. Der Bericht greif eine Zusammenkunft von Wirten im Ascheberger Gasthof Schwiddeldei auf, an der auch Wirte aus den angrenzenden Teilen des Kreises Segeberg teilnehmen. Es wird ein Verein gegründet, dessen Ziel eine Verbesserung bei der Preisgestaltung für bezogenes Bier sein soll. Höhere Steuern und gestiegene Preise der Hersteller, auch von Spirituosen, wollen die Wirte nicht mehr tragen.

 

Erfolgreiche Schmalenseer Landjugend: In Kükels findet laut Bericht der Segeberger Zeitung vom 16. Mai 1960, vor 60 Jahren der 8. Kreislandjugendtag mit Wettbewerben der jungen Kälberzüchter, im Schleppergeschicklichkeitsfahren und Leistungspflügen sowie in hauswirtschaftlichen Kategorien statt. Einer der Preisrichter ist Landwirt Heinrich Wulf aus Schmalensee. Tochter Lisa Wulf, später verheiratete Griese, gewinnt einen ersten Preis in der Kälberzucht. Auch Reimer Saggau weist einen ersten Platz vor. Heinz Wilhelm Först, Lehrling bei Hans Harder, belegt in der Zucht einen zweiten Rang.

 

Wechsel an der Spitze des Dorfes: Am 20. Mai 1970, vor 50 Jahren, wählt die Gemeindevertretung in ihrer konstituierenden Sitzung Hans Voß zum neuen Bürgermeister. Voß löst Hellmut Saggau im Amt ab, der nicht mehr zu Kommunalwahl angetreten war. Mit den fünf Stimmen der Wählergemeinschaft und bei Enthaltung aller vier SPD-Vertreter wird Voß gewählt. Zum ersten stellvertretenden Bürgermeister wird Hans Christian Siebke (WGS) gewählt, der sich, wie schon zuvor Hans Voß, gegen den SPD-Kandidaten Friedrich Bollbuck durchsetzen kann. Zweiter Stellvertreter will eigentlich Jürgen Stegelmann werden, doch da er mit Bürgermeister Voß verwandt ist, tritt an seiner Stelle Hermann Griese (WGS) erfolgreich an.

 

Eine interessante Straßenkreuzung: Das Segeberger Kreis- und Wochenblatt meldet am 21. Mai 1905, vor 115 Jahren, dass Halbhufner Johann Schumacher, dessen Hofstelle am 30. April 1905 abbrannte, diese nun verlegen wird. Standort soll die „Wegekreuzung an den Landstraßen Schmalensee-Tarbek und Bornhöved-Damsdorf“ sein. Bauplatz wäre eine Koppel, die Schumacher von Eduard Stegelmann erstanden hat. Da der Großteil seines Landes dann unmittelbar am Hof läge, würde dies eine Wertsteigerung der Halbhufe bedeuten. 1920 ging dieses Anwesen an Otto Schlätel, 1932 wurde es aufgeteilt. Heute wohnt dort die Familie Borchers und nebenan ist Matthias Thies Besitzer. Interessant ist die Beschreibung der Kreuzung, die heute so zu beschreiben ist: links und rechts der Tarbeker Straße gehen Feldwege ab. Einer zur Damsdorfer Straße bei Siebelts und einer ins Bornhöveder Flurstück Mang de Bargen. Letzterer war offenbar weit intensiver in Gebrauch in früheren Zeiten, wenn er 1905 als „Landstraße“ bezeichnet wurde.

 

Christdemokraten in Schmalensee: In Schmalensee wird wird am 22. Mai 1975, vor 45 Jahren, der 68. CDU-Ortsverband innerhalb des Kreisverbandes Segeberg gegründet. Initiator der Gründungsversammlung, auf der der stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU, Uwe Menke, zugegen ist, ist Hans Siebke. Er wird auch zum 1. Vorsitzenden des Ortsverbandes gewählt. 2. Vorsitzender wird Günther Brust, Schatzmeister Ewald Garber. Zu Beisitzern werden Rainer Schramm und Jürgen Stegelmann gewählt.

 

Tod durch Knüppelschläge: Am Abend des 23. Mai 1885, vor 135 Jahren, kommt es im benachbarten Stocksee zu einer Gewalttat. Ein ehemaliger Knecht des Dorfes gerät bei einem Besuch in Streit mit mehreren Knechten. Diese misshandeln ihn mit einem Knüppel derart, dass er die Besinnung verliert. Erst am 25. Mai findet sich der Schwerverletzte im Segeberger Krankenhaus ein. Durch seinen Zustand wird die Kirchspielvogtei auf den Vorfall aufmerksam, ein Major von Unruh nimmt Ermittlungen vor Ort auf. Die Stockseer Schläger werden in Polizeigewahrsam genommen. Am 27. Mai stirbt das Opfer.

 

Ein neuer Bürgermeister: Die Segeberger Zeitung meldet am 26. Mai 1955, vor 65 Jahren, dass in der konstituierenden Sitzung der Schmalenseer Gemeindevertretung Hellmut Saggau zum Nachfolger Heinrich Hamanns ins Amt des Bürgermeisters gewählt wurde. Sein erster Stellvertreter ist Hans Voß., zweiter Stellvertreter Willi Moebs. Alle drei gehören der Wählergemeinschaft an, die alle 5 Direktmandate gewinnen konnte.

 

Kühe für die Kriegsgegner: In den nördlichen Gemeinden des Kreises Segeberg findet am 27. Mai 1920, vor 100 Jahren, der Ankauf von Rindern zur Ablieferung an die ehemaligen Kriegsgegner Frankreich und Belgien statt. Noch immer spricht die Presse dabei von Reparationen an den „Feindbund“. Ankaufsorte für die bevorzugt tragenden Tiere, die unbedingt mit haltbaren Hanfstricken versehen sein müssen, sind Tarbek, Bornhöved und Gönnebek.

 

Nicht mehr „Schmalensee über Plön“: Am 27. Mai 1990, vor 30 Jahren, wird die Gemeinde Schmalensee postalisch dem Auslieferungsbereich Neumünster zugeordnet. Das kostet die Gemeinde ihre Postleitzahl 2321. Stattdessen bekommt das Dorf die Bornhöveder Postleitzahl 2351. Die Schmalenseer mit Bürgermeister Hans Siebke an der Spitze sind nicht glücklich mit dieser Entscheidung, da sie mit viel Aufwand für die Einwohner und örtliche Gewerbetreibende verbunden ist. Siebke vermutet hinter der Maßnahme eine „Retourkutsche“, da die Kieler Oberpostdirektion vor nicht langer Zeit im Kampf um den Erhalt der Schmalenseer Poststelle unterlegen war. Die von der Post angegebenen Gründe sind wirtschaftlicher Natur: 3.841 DM spare sie für die um 300 Meter kürzere Anlieferungsstrecke zu im Ort zu verteilenden Postsendungen jährlich ein.

 

Erfolgreicher Gespannfahrer: Mit dem Leezener Reit- und Fahrturnier am ersten Pfingsttag wird am 31. Mai 1925, vor 95 Jahren, die Saison der reiterlichen Veranstaltungen im Kreis Segeberg eröffnet. Der Sieg in der schweren Einspännerabteilung geht nach Schmalensee, an „Herrn Saggaus Blenheim“. Blenheim aus dem Besitz von Ludwig Saggau wird in der Regel von dessen Sohn Hellmut gelenkt. Der spätere Bürgermeister und Wehrführer der Gemeinde Schmalensee gewinnt mit Blenheim zudem die Anfänger-Dressurprüfung. Möglicherweise hat Saggau junior seinen Erfolg im Gasthof Voß feiern wollen – dort fand am Abend ein Pfingstball statt. Aber...

 

Beim Ball wird das Messer gezogen: Während des besagten Pfingstballs im Gasthof Voß am 31. Mai 1925 kommt es zu einer Messerstecherei. Der landwirtschaftliche Arbeiter D. aus Neumünster hatte bereits vor mehreren Jahren mit dem Hofbesitzersohn S. aus Schmalensee eine Auseinandersetzung gehabt und war seitdem nicht gut auf diesen zu sprechen. Während des Tanzvergnügens geraten beide in einen Wortwechsel. D. zieht plötzlich sein Messer und sticht blindlings auf S. und den herbeieilenden Schmalenseer H. ein. Beide Schmalenseer tragen mehrere schwere Stiche in der Brust, an der Stirn und an der Hand davon. Zeugenaussagen entkräften später vor Gericht D.'s Leugnung der Täterschaft. Er wird vom Schöffengericht Neumünster zu sieben Monaten Haft verurteilt. Seine Berufung wird im Oktober 1927 von der Kieler Strafkammer verworfen.

 

 

 

 

 

 

Foto: Richard Saggau sucht Schafscherer SKTB 16.05.1940

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Historisch (15. 05. 2020)

Kontakt
 

Gemeinde Schmalensee

Bürgermeister

Sönke Siebke
Dorfstr. 61
24638 Schmalensee

 

Tel.: (04323) 8209
E-Mail: