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Oktober-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 2

15. 10. 2020

Werfen wir den Blick zurück in die Geschichte unseres Dorfes und seiner Umgebung. Alte Zeitungen liefern uns oft Aufschluss über längst vergessene Geschehnisse und bieten zugleich Gelegenheit für Erinnerungen. Quelle dieser Sammlung ist das Archiv der Segeberger Zeitung.

Weil seit Mitte März das neuartige Coronavirus das gesellschaftliche Leben beeinträchtigt und wir sehr wahrscheinlich noch einige Zeit mit Beschränkungen des gesellschaftlichen Lebens belegt sind, gibt es für die treue Leserschaft im Monat Oktober die historischen Meldungen zweigeteilt, um ihr in dieser schweren Zeit ein Mehr an geschichtlicher Unterhaltung zu bieten. Hier der zweite Teil.

 

Schwester Luise tritt Dienst an: Ganz aktuell hat sich im September 2020 der Segeberger Kreistag für die (Wieder-)Einführung der Gemeindeschwester ausgesprochen. In früheren Zeiten war eine solche Einrichtung üblich. So trat die neue Gemeindeschwester für Bornhöved und Umgebung ihren Dienst am 15. Oktober 1930, vor 90 Jahren an: Schwester Luise Schmidt stammte aus Gießen, war zuletzt aber in Riede bei Bremen tätig. Zunächst wohnte Schwester Luise im Gasthaus zur Post, ab dem 1. November 1930 hatte der sie beschäftigende Vaterländische Frauenverein für Bornhöved und Umgebung eine Wohnung im Gebäude der Spar- und Leihkasse für Bornhöved, Schmalensee und Gönnebek in Bornhöved gemietet.

 

Musik von der Torpedo-Abteilung: Militärkonzerte kommen im Kaiserreich gut an bei der Bevölkerung. Ein solches findet – mit anschließendem Ball – am Dienstag, 17. Oktober 1905, vor 115 Jahren, beim Gastwirt Ludwig Saggau statt. Schon am Sonntag zuvor waren die Musiker in Schmalensee, um den Ernteball zu untermalen. Unter dem Dirigenten Hengstmann spielt die ganze Kapelle der I. Torpedo-Abteilung aus Kiel. Saggau hat in der Anzeige, die im Segeberger Kreis- und Tageblatt erscheint, eine wichtige Botschaft: „Die Kapelle erscheint in Uniform.“

 

Lehrer und Rassenhygiene: Der Lehrerverein im Kirchspiel Bornhöved ist im „Dritten Reich“ im NS-Lehrerbund aufgegangen. Die Lehrer der Dörfer von Bornhöved und Umgebung treffen sich weiter zu monatlichen Versammlungen, um sich gegenseitig fortzubilden. In den Anfangsjahren der nationalsozialistischen Diktatur werden die ideologischen Inhalte des neuen Regimes verinnerlicht. So berichtet das Segeberger Kreis- und Tageblatt am 20. Oktober 1935, vor 85 Jahren, von der Fortbildung zum Thema „Volkwerdung und Volkvernichtung“: Bisher, so Bornhöveds Hauptlehrer Schmidt, sei das Volk als eine Gruppe von Menschen mit gleicher Kultur, die eine Schicksalsgemeinschaft bildet, definiert worden. Nun aber definiere sich das Volk als eine Gruppe von Menschen mit gleichen erblichen und körperlichen Anlagen. „Rassenmord“, also die Ausmerzung ungeeigneter Rassen, könne aber auch „ohne das Schwert“ vor sich gehen, erklärt Schmidt. Die Voraussetzung sei, dass das Volk die „Rassenhygiene“ beachte – „Rassen“ sich also nicht vermischen.

Die Geschichte hat gezeigt, dass man es nicht bei diesem „gewaltfreien Weg“ belassen hat – Auschwitz und andere Maßnahmen des Massenmordes haben das wahre Gesicht des Nationalsozialismus offengelegt.

 

Unfall in der Meierei: Wie das Segeberger Kreis- und Wochenblatt am 22. Oktober 1895, vor 125 Jahren meldet, hat sich in der Schmalenseer Genossenschaftsmeierei ein schlimmer Unfall ereignet. Der Meiereigehilfe Schlömer quetscht sich beim Maschinenputzen einen Zeige- und Mittelfinger und muss in seiner Heimatstadt Segeberg im Krankenhaus aufgenommen werden. Der Zeigefinger gilt als verloren.

 

Ein kurioser Handel: Am 25. Oktober 1900, vor 120 Jahren, ist dieser Handel das Segeberger Kreis- und Wochenblatt eine Meldung wert: Ein Bornhöveder Kaufmann hat einem Schmalenseer Landwirt 40 Mark für ein Schaf und einen Backtrog gezahlt. Voraussetzung für den Handel war, dass beide zusammen 500 Pfund wiegen.

 

Belauer Bauern lehnen sich auf: Das Segeberger Kreis- und Tageblatt berichtet in seiner Ausgabe am 23. Oktober 1920, vor 100 Jahren, von einem Aufsehen erregenden Ereignis in Belau: Wegen „Unregelmäßigkeiten“ seitens des Müllers der Perdöler Mühle wird diese von den Behörden geschlossen. Allerdings wird vergessen, die betroffenen Dörfer – die unter dem sogenannten Mühlenzwang stehen – anderen Mühlenbezirken anzuschließen. In ihrer Not sind die die Belauer mit ihrem Gemeindevorsteher an der Spitze nach Perdöl gezogen, haben das amtliche Siegel entfernt und die Mühle wieder in Betrieb genommen. Wenige Tage darauf hat der Plöner Landrat die Turbine der Mühle blockieren lassen, um das Treiben zu unterbinden. Darauf zog eine Abordnung zur Provinzialregierung nach Schleswig, um eine Eingabe zu machen. Der Regierungspräsident ordnete darauf die sofortige Wiederinbetriebnahme der Mühle an. Aber: die Entfernung des amtlichen Siegels war eine strafbare Handlung und wird ein gerichtliches Nachspiel haben.

 

Mister Bornhöved gesucht: Der Trocadero-Tanzpalast in Bornhöved sorgt in den 1960er-Jahren für Aufsehen. Nachdem 1965 erfolgreich eine Wahl zur „Miss Bornhöved“ stattgefunden hat, sucht man nun am 23. Oktober 1965, vor 55 Jahren, den „Mister Bornhöved“ mit einer „Parade auf dem Laufsteg“. Der Weg wird nicht leicht für die Teilnehmer, wie die Anzeige in der Segeberger Zeitung verrät: „Unsere Damen bilden die Jury.“ Immerhin: Auf den Sieger warten fünf Kästen Dortmunder Bier.

 

Pastor Erich verabschiedet: In der Kirche zu Bornhöved wird am 30. Oktober 1955, vor 65 Jahren, Pastor Ernst Erich durch Probst Kobold zum 1. November 1955 in den Ruhestand versetzt. Pastor Erich war bereits nach seiner am 14. Mai 1914 erfolgten Ordination für ein Jahr als Hilfsprediger in Bornhöved. Ab 1930 hatte er dann die feste Pfarrstelle inne. Er hatte maßgeblichen Anteil an der Restaurierung der Kirche anlässlich ihrer 800-Jahr-Feier im Jahr 1949. Auch beschaffte er den Flath-Altar und initiierte archäologische Arbeiten, in deren Verlauf unter dem heutigen Altarraum eine Taufkapelle sowie die Fundamente eines Rundturms im heutigen Turmbereich entdeckt wurden. Sein Bekenntnis zu den dem Nationalsozialismus nahestehenden „Deutschen Christen“ unterschlägt der Bericht der Segeberger Zeitung zwar, belegt ist es jedoch durch die Berichterstattung des Vorläufers Segeberger Kreis- und Tageblatt aus den 1930er-Jahren.

 

 

Foto: Trocadero sucht Mister Bornhöved, SZ 23.10.1965

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Historisches (02. 10. 2020)

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