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Vor 95 Jahren: Ludwig Saggau und die Fahnenweihe des Stahlhelm

Schmalensee , den 12.10.2019

Für die konservativen Kreise von Bornhöved und Umgebung ist der 12. Oktober 1924 ein bedeutender Tag. Damals, vor 95 Jahren, weiht Pastor Schlüter die Fahne der Ortsgruppe Bornhöved im Stahlhelm, dem Bund der Frontsoldaten.

 

Zentraler Ort ist Bornhöved, wo verschiedene Stahlhelmgruppen zum Feldgottsdienst an der Kirche erscheinen. Pastor Schlüter hat den normalen Gottesdienst ausfallen lassen, denn die Bevölkerung nimmt zahlreich an der Fahnenweihe durch ihn teil. Die Fahne überreicht der Kreisvorsitzende des Stahlhelm, ein Herr Böckmann aus Groß Niendorf, an den Ortsgruppenführer für Bornhöved und Umgebung, Ludwig Saggau aus Schmalensee. Zuvor wurde in Anwesenheit der Kriegervereine der Gefallenen des Weltkrieges gedacht. Nach gemeinschaftlichem Verzehr einer „Kriegskost“ (Erbsensuppe mit Gulasch) findet ein Kommers statt mit Reden und Musik durch die Kapelle der Küstenschutzabteilung 3 aus Kiel.

 

Ein Blick zurück auf den 16. Juni 1924 zeigt die gesellschaftliche Rolle des Stahlhelm im Kreis Segeberg. Das Segeberger Kreis- und Tageblatt beginnt seinen fast ganzseitigen Bericht zum in der Kreisstadt abgehaltenen Stahlhelmtag wie ein Vereinsblatt: „Sonnenschein und flatternde schwar-weiß-rote und blau-weiß-rote Fahnen, dazu eine große Beteiligung der hiesigen Einwohnerschaft und der Stahlhelmleute von nah und fern gaben der Tagung des Kreis Segeberger Stahlhelms, der nun schon über viele Ortsgruppen verfügt, eine besondere Note. Der Stahlhelmgedanke marschiert, …, das sah und fühlte jeder, … Der alte Frontkämpfergeist, der Jahre hindurch geschlafen hat, ist wieder aufgewacht und blüht mächtig empor.“

 

Das Segeberger Kreis- und Tageblatt berichtet erst ab 1924 intensiv von Stahlhelm-Aktivitäten. Der Bund der Frontsoldaten greift schnell Fuß in Segeberg sowie in Bornhöved und Umgebung. Inhaltlich ist er ein erklärter Gegner der Weimarer Republik, wie ein Wahlaufruf im Dezember 1924 zeigt: Schwarz-Weiß-Rot statt Schwarz-Rot-Gold ist die Devise. Vortragsabende zeugen von Revanchismus, es geht etwa um (verlorene) Kolonien oder die sogenannte „Kriegsschuldlüge“, auf die die Siegermächte des Ersten Weltkriegs ihre Reparationsforderungen stützen. Auch das Judentum taucht als Vortragsthema auf. Darüber hinaus engagiert sich der Stahlhelm durch Lotterien oder Sammlungen für Bedürftige auch als soziale Institution. Uniform und sogar organisierter Sport kennzeichnen ihn ebenfalls – zur erst Ende der 1920er-Jahre im Kreis Segeberg aufkommenden nationalsozialistischen Bewegung sind die Parallelen in der Retrospektive unverkennbar.

 

Die Nähe weiter Kreise der Kirche zum Stahlhelm, gerade in Bornhöved, wird dadurch deutlich, dass Pastor Schlüter auch beim Stahlhelmtag in Bad Segeberg seine Rolle spielt und im Feldgottesdienst unter Berufung auf den Patriotismus der Zeit nach 1806 von der Kanzel spricht: „... Wir wollen Kameraden sein! Denkt zurück an die Schlachten, die Ihr geschlagen habt, an die Kameraden, die ihr ins Massengrab hinabsenktet. Lasst uns den Geist der Kameradschaft wieder hegen und pflegen,... damit es besser mit unserem Volk werde. Das wird es aber nur, wenn wir einig sind und das Wort Bismarcks wieder Wahrheit geworden ist: Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt!“

 

Wann Ludwig Saggau zum Stahlhelm kam und dessen Ortsgruppenführer wurde, ist unklar. Auch bis wann er aktiv war, wissen wir nicht, der letzte Eintrag im Segeberger Kreis- und Tageblatt ist aus dem Jahr 1925. Saggau, der 1907/08 den Gasthof über einen Makler an die Familie Voß verkaufte und sich ganz der Landwirtschaft widmete, war Kriegsteilnehmer. 1917 wurde er, in kriegsbedingter Abwesenheit, erneut zum stellvertretenden Gemeindevorsteher (Bürgermeister) gewählt – ein Amt, das er von 1905 bis mindestens 1938 ausübte.

 

Ludwig Saggau, geboren 1877, war in seinen Berufen als Landwirt und Gastwirt rege und innovativ. In vielen Verbänden betätigte er sich deutlich über eine einfache Mitgliedschaft hinausgehend. In der Freiwilligen Feuerwehr, der er seit 1894 angehörte, stieg er auf bis zum Oberbrandmeister, als Amtswehrführer für Bornhöved, Schmalensee und Gönnebek. Nach der Abwahl von Wehrführer Willi Siebke 1933 übernahm Ludwig Saggau die Führung vor Ort, gab sie aber nach einem Jahr wieder ab – er hatte die Altersgrenze erreicht. 1946 sollte sein Sohn Helmut Saggau, späterer Bürgermeister, ebenfalls Wehrführer werden. Beide, Vater und Sohn, tauchen als Mitglieder des Reitervereins Bornhöved in den 1920er-Jahren in Ergebnisberichten aus dem Gespannfahren auf.

 

Ludwig Saggau war mit Amanda Saggau verheiratet, mit der er 1950 die Goldene Hochzeit feiern konnte. 1956 starb Ludwig Saggau, der vielen Schmalenseern beim Blick auf eine recht bekannte alte Postkarte vom Dorfgasthof, erschienen vor 1907, stets gegenwärtig sein dürfte: Er ist der groß gewachsene Mann auf dem Kutschbock.

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Ludwig Saggau in der Weltkriegs-Uniform

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Stahlhelm (10.10.2019)

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