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Vor 130 Jahren: Eine eiserne Ortstafel für Schmalensee

Schmalensee , den 22. 02. 2020

Einer der wenigen „Schätze“ Schmalensees hängt derzeit an der Wand des Schulungsraums im Feuerwehrgerätehaus. Es ist eine gusseiserne Ortstafel, die der Gemeinde im Jahr 1890 vom Kreis Segeberg zugestellt wurde. Am 22. Februar 1890, vor 130 Jahren, berichtete das Segeberger Kreis- und Tageblatt davon.

 

Demnach hatte der Kreis Segeberg für alle selbstständigen Landgemeinden, für die Gutsbezirke sowie die darin befindlichen größeren Orte eine solche Ortstafel beschafft, die er auf seine Kosten in der Büdelsdorfer Carlshütte hatte fertigen lassen. Damit endete ein fünf Jahre währender Prozess der Umsetzung einer politischen Entscheidung: Schon am 25. August 1885 hatte das preußische Kabinett die Einführung einheitlicher Ortstafeln beschlossen.

 

Die Verteilung der Tafeln erfolgte über die Amts- an die Gemeindevorsteher. Es wird schon zuvor Ortstafeln oder -schilder in den Dörfern gegeben haben. Laut Zeitungsmeldung habe man die eisernen Ortstafeln extra mit zwei versenkten Löchern versehen lassen, damit sie mittels „zweier starker Holzschrauben an dem vorhandenen Pfahle befestigt“ werden konnten.

 

Tafel erklärt Beziehungen des Dorfes

 

Zweck der Ortstafeln aus der Carlshütte war, Passierenden den Namen des jeweiligen Ortes und dessen „Beziehungen“ anzuzeigen. Demnach gehört die Gemeinde Schmalensee zum Amt Bornhöved (damals nur bestehend aus den Gemeinden Bornhöved, Schmalensee und Gönnebek; die weiteren Dörfer des heutigen Amtes Bornhöved bildeten das Amt Stocksee; Trappenkamp gab es als Gemeinde noch nicht) im Kreis Segeberg.

Dieser wiederum war einem Regierungsbezirk zugeordnet. Dieses Feld ist heute auf der Schmalenseer Ortstafel frei – dort war „Schleswig“ vermerkt, als Sitz der Provinzialregierung mit dem Oberpräsidenten von Schleswig-Holstein ab 1879. Nachdem dieser Sitz im Jahr 1917 nach Kiel verlegt wurde, wird die Aufschrift entfernt worden sein.

Der Landwehrbezirk war Altona. Dort saß das für die militärische Verwaltung zuständige Ober- oder Generalkommando des IX. Armeekorps, das neben den aktiven Truppen auch die vielen in der Landwehr erfassten Reservisten betreute. Dies taten die Bezirksfeldwebel, die zweimal jährlich im Rahmen der Frühjahrs- und Herbstkontrollversammlungen Vollzähligkeit und Zustand der Reservistenjahrgänge überprüften. Der zuständige Bezirksfeldwebel war der Kreisstadt Segeberg zugeordnet, wo meist im Hotel Zur Harmonie die Kontrollversammlungen stattfanden.

 

Finanzierung durch den Kreis eine Ausnahme

 

Im Juni 1890 sah sich Landrat von Willemoes-Suhm aufgrund zahlreicher Anfragen aus den Gemeinden genötigt, ein weiteres Mal im Segeberger Kreis- und Tageblatt Sinn und Zweck der Ortstafeln zu erläutern und auch Zugeständnisse zu machen: Gemeinden, die bereits ähnliche Schilder hatten, durften diese weiter nutzen – mussten sie aber inhaltlich und auf eigene Kosten den neuen anpassen. In dem Zusammenhang wies der Landrat in der Zeitungsmeldung vom 17. Juni 1890 besonders darauf hin: „Dass der Kreis diesmal die Kosten der 'Neuanschaffung der Ortstafeln' in dem vorerwähnten Umfange freiwillig übernommen hat, ist eine Ausnahme.“

 

Das Ende des Ersten Weltkriegs mit den gravierenden Veränderungen im deutschen Militärwesen in der Weimarer Republik – die große kaiserliche Armee schrumpfte aufgrund der Auflagen des Versailler Vertrages auf die 100.000 Mann starke Reichswehr zusammen und die allgemeine Wehrpflicht wurde abgeschafft – wurden Teile der Aufschrift der Ortstafel überflüssig. Am 11. Februar 1921 meldete das Segeberger Kreis- und Tageblatt, dass die militärischen Angaben nicht mehr erforderlich seien. Die Gemeinden wurden angehalten, diese bei Gelegenheit zu entfernen. Im Gegensatz zu der Angabe des Regierungsbezirks hat man dies in Schmalensee aber unterlassen.

 

Endgültige Abschaffung 1934

 

Am 28. Mai 1934 schließlich wurde eine neue Reichs-Straßenverkehrsordnung erlassen. Diese sah neue einheitliche Ortstafeln in ganz Deutschland vor, die das Ende der gusseisernen Ortstafeln bedeuteten. In vielen Orten sind diese seitdem verschwunden. Es ist allen zu danken, die dazu beitrugen, dass in Schmalensee dieser historische Gegenstand als eines der wenigen Relikte der Dorfgeschichte erhalten wurde.

 

Unsere heutigen Ortstafeln (die Verkehrszeichen werden offiziell noch immer so bezeichnet) wurden durch die Straßenverkehrsordnung 1970 eingeführt.

 

 

Foto: Ortstafel von 1890

Fotoserien zu der Meldung


Ortstafel (02. 02. 2020)

 
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