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Januar-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 2

15. 01. 2022

Werfen wir den Blick zurück in die Geschichte unseres Dorfes und seiner Umgebung. Alte Zeitungen liefern uns oft Aufschluss über längst vergessene Geschehnisse und bieten zugleich Gelegenheit für Erinnerungen. Quelle dieser Sammlung ist das Archiv der Segeberger Zeitung.

Für die treue Leserschaft gibt es auch im Monat Januar die historischen Meldungen zweigeteilt, um ihr ein hoffentlich interessantes Mehr an geschichtlicher Unterhaltung zu bieten. Hier der zweite Teil.

 

Bornhöveder Reiter im Kreisvorstand: Im Bad Segeberger Hotel Harmonie findet am 15. Januar 1927, vor 95 Jahren, der erste Reitertag des Kreis-Reitervereins Segeberg statt. Das Programm sieht eine Generalversammlung ab 14 Uhr, die Vorführung eines Reiterfilms ab 16 Uhr und keinen Kommers ab 19.30 Uhr vor. Den Kommers bilden ein Konzert der Stahlhelmkapelle Kiel, Theateraufführungen und ein Ball. Vorsitzender des Kreis-Reitervereins ist H. Rickert aus Kükels (nicht zu verwechseln mit W. Rickers aus Kükels, dem Kreisvorsitzenden des Schleswig-Holsteinischen Bauernvereins, der Gast und Grußwortredner des Reitertages ist). Elf Einzelvereine mit fast 500 Mitgliedern sind im Kreis-Reiterverein organisiert. Hans Rauert vom Reiterverein Bornhöved und Umgegend wird wieder zum 2. Vorsitzenden des Kreisvereins gewählt.

 

„De ole Kommod“ stiftet Verwirrung: Bericht der Segeberger Zeitung zum Wintervergnügen in Schmalensee am 17. Januar 1987, vor 35 Jahren: Der turbulente Einakter „De ole Kommod“ sorgte für die richtige Einstimmung auf das Wintervergnügen, das vom Bezirksbauernverband, den Landfrauen und der Landjugend Schmalensee im Gasthof Voß ausgerichtet wurde. Die Theatergruppe der Landjugend ließ die Lachmuskeln nicht zur Ruhe kommen und es gab reichlich Beifall vom Publikum im vollbesetzten Saal. Das Stück handelt von einer antiken Kommode, die der Amtsvorsteher Gerd Harm (Hans-Detlef Weber) gerne los werden wollte, weil sie im Wege stand. Auf eine Annonce in der Zeitung meldet sich Professor Fest (Jürgen Siehl) als Interessent. Er wird von der Ehefrau Frieda (Ute Böttcher) in Empfang genommen, die von den Absichten ihres Mannes nichts weiß und annimmt, dass es sich hier um den von ihrer Tochter Else (Angelika Schlüter) angekündigten Bräutigam handelt. Dieses Verwirrspiel wird noch durch den Auftritt des Bräutigams Professor Werner Schütz (Darsteller leider nicht genannt, Anmerkung) verkompliziert. […] Weitere Darsteller waren Susanne Endelmann als Dienstmädchen Lotte und Inga Andresen als Postbote Peter. Regie der gelungenen Einstudierung hatte Rüdiger Heisch.

 

Milchbauern in großer Not: Das Jahr 1932 ist gerade für die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein eine große Herausforderung, wie aus einer Meldung des Segeberger Kreis- und Tageblatts vom 18. Januar 1932 hervorgeht. Insbesondere die Überschwemmung des Marktes mit (billigeren) ausländischen Produkten drückt die Stimmung, was sich in einer in der Zeitung wiedergegebenen Nachricht der Landwirtschaftskammer nachlesen lässt. Die Lage der Landwirtschaft, damals größter Arbeitgeber im ländlichen Raum, wird in den Meldungen des Jahres 1932 vermehrt geschildert. Insbesondere der Nationalsozialismus wird mit seinen Versprechungen in diesem Sektor „punkten“. Hier Auszüge aus der Meldung des Grafen Rantzau, Präsident der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, der der Berliner Reichskanzlei und dem Reichsernährungsministerium in einem eindringlichen Telegramm die verzweifelte Lage der Milchbauern im Norden schildert: „Ausländische Buttereinfuhr wächst täglich. Gestern löschte russischer Dampfer […] 12.000 Faß Russenbutter. Butter liegt unverzollt in Hamburger Kühlhäusern. […] In England lagern zur Zeit exportbereit 433.000 Kisten Austral-Butter und Neuseeland-Butter. Das ist doppelte Menge wie im Vorjahr. Ernste Gefahr, daß diese Butter vor deutscher Zollerhöhung nach Deutschland hineingeworfen wird. Kontrollvereine berichten, daß Landwirte infolge katastrophaler Butterpreise jede Kraftfütterung einstellen. Damit würde Inlandsproduktion und Inlandsversorgung gefährdet. Unverzügliche Radikalmaßnahmen gegen Dumping erforderlich. Stimmung unserer Landwirte verzweifelt.“

 

Schwere Explosion in Bornhöved: Wer spitzt bei dieser Überschrift aus dem Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 19. Januar 1932, vor 90 Jahren, nicht die Ohren? Allerdings handelt es sich nicht um eine Nachricht, sondern um Werbung des Wäschereibesitzers Adolf Harm aus Bornhöved. Dieser macht in einer Anzeige auf die „Sprengung der bisherigen Preise“ aufmerksam. Nehmen wir mal an, dass es sich bei solch offensiver Werbung um Preissenkungen und nicht etwa eine Kostenexplosion handelt. Was die Anzeige auch verrät: Harm hat Annahmestellen in allen Nachbarorten. Wer diese in Schmalensee betrieb, ist leider nicht bekannt.

 

Tod eines verdienten Organisten: In Bornhöved stirbt am 25. Januar 1917, vor 105 Jahren, 78-jährig, der frühe Organist der Kirchengemeinde und Lehrer Carl Heinrich Reimers. Reimers besuchte 1856-59 das Lehrerseminar in der Stadt Segeberg. Von 1873 bis zu seiner Pensionierung 1898 wirkte er in Bornhöved. Zu seinen zahlreichen Ehrenämtern gehörten der Vorsitz im Lehrerverein für Bornhöved und Umgebung sowie die Schriftführung im Landwirtschaftlichen Verein für Bornhöved und Umgebung. Auch poetisch betätigte sich Reimers, dessen Gedichte, vor allem die Palmarum-Verse an die Konfirmanden, zum Teil im Segeberger Kreis- und Tageblatt abgedruckt wurden.

 

Innovation befeuert das Blutspenden: Mit einer bedeutenden Neuerung gelingt es dem DRK-Ortsverein Amt Bornhöved vor 40 Jahren, viele Menschen zur Blutspende zu bewegen. Wie die Segeberger Zeitung am 29. Januar 1982 berichtet, kommen 129 Spenderinnen und Spender in die Realschule Bornhöved, was Schatzmeister Gerhard Mühlenberg, der die Personalien erfasst, fast in Nöte bringt. Was hat die Menschen veranlasst, zur Blutspende zu gehen? Das DRK bietet ein großes Frühstücksbuffet an. Und die Gärtnerei Hahne aus Schmalensee unterstützt die Aktion zusätzlich: Sie sorgt für den Tischschmuck.

 

Eine Totengilde in Schmalensee: Am 30. Januar 1902, vor 120 Jahren, fordert der Segeberger Landrat über das Segeberger Kreis- und Wochenblatt die Amtsvorsteher dazu auf, ihm alle Statuten und Jahresberichte bestehender Totengilden, Sterbe-, Witwen-, Aussteuer- oder Pensionskassen zuzusenden. Der Meldung beigefügt ist eine Auflistung aller angemeldeten (Versicherungs-)Vereine dieser Art, aus der sich ableiten lässt, dass der Bornhöveder Amtsvorsteher Heinrich Christian Saggau die entsprechenden Unterlagen von der Schmalenseer Totengilde, der Sterbeunterstützungskasse in Bornhöved und von der Bornhöveder Totengilde einzufordern hat. Bis heute besteht als Verein die Sterbekasse Bornhöved, die letztlich auf die vorgenannten Vereine zurückgeht, nach deren Auflösungen beziehungsweise Fusionen. So wird 1927 ein „Beerdigungsverein für Bornhöved und Schmalensee“ genannt. Zweck ist bis heute die Bezuschussung von Bestattungskosten der Mitglieder, die zu Lebzeiten regelmäßige Beiträge abführen.

 

Bild zur Meldung: Explosion der Preise in Bornhöved SKTB 19.01.1932

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Historisches (15. 01. 2022)

Kontakt
 

Gemeinde Schmalensee

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Sönke Siebke
Dorfstr. 61
24638 Schmalensee

 

Tel.: (04323) 8209
E-Mail: