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Oktober-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1

Schmalensee , den 01. 10. 2022

Werfen wir den Blick zurück in die Geschichte unseres Dorfes und seiner Umgebung. Alte Zeitungen geben Aufschluss über längst vergessene Geschehnisse und bieten Gelegenheit für Erinnerungen. Quelle dieser Sammlung ist das Archiv der Segeberger Zeitung. Bildmaterial aus Familienalben rundet die Beiträge mitunter ab.

Für die treue Leserschaft in Schmalensee und darüber hinaus haben wir im Monat Oktober die historischen Meldungen zweigeteilt, um ihr ein Mehr an geschichtlicher Unterhaltung zu bieten. Hier der erste Teil.

 

Nachbardörfer verlieren Selbstständigkeit: Eine gravierende Veränderung wird von Seiten der Preußischen Provinzialregierung mit Wirkung vom 1. Oktober 1937, vor 85 Jahren verfügt: Die Gemeinde Damsdorf wird ein Teil der Gemeinde Stocksee. Bereits am Vortag enden die Amtszeiten des Damsdorfer Bürgermeisters und der Gemeinderäte. Auch Daldorf ereilt dieses Schicksal, das größtenteils an Rickling fällt. Der Ortsteil Brandsmühle fällt an die Gemeinde Blunk. Erst nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft werden diese Entscheidungen rückgängig gemacht werden.

 

Testpersonen in Sachen Abfall: Vom 1. Oktober 1977, vor 45 Jahren, bis zum 31. März 1978 sind die Bewohner des Amtes Bornhöved Tester neuer Müllbehälter, deren Nutzung ihnen in diesem Zeitraum durch den Wege-Zweckverband (WZV) kostenlos ermöglicht wird. Erst nach der Erprobungsphase sollen die Müllgebühren wieder erhoben werden. Die neuen Behälter sind aus Kunststoff, fassen 120 Liter und sind mit Rollen versehen. Sie lösen die bisherigen Metallbehälter mit einem Fassungsvermögen von 50 Litern ab.

 

Militärlook schon vor über 150 Jahren beliebt: Wer erinnert sich nicht an den steingrau-oliven Bundeswehr-Parka, mit dem vor allem in den 1980er-Jahren viele Zivilisten in der nasskalten Jahreszeit unterwegs waren? Heute fallen in der Öffentlichkeit immer wieder vor allem Männer auf, die das Fleckentarn unserer Bundeswehr tragen, nicht nur zur Jagd oder für die Gartenarbeit. Es sind meist ausrangierte Militär-Klamotten, die unter anderem in „US-“ oder „Army-Shops“ erworben werden können. Solches hat es schon in früheren Zeiten gegeben: Am 2. Oktober 1852, also vor 170 Jahren, kündigt das Segeberger Wochenblatt an, dass beim Bornhöveder Gastwirt Lantau vier Wochen lang „eine Quantität Militärmäntel, Röcke, Beinkleider, Feldmützen und Pferdedecken … öffentlich verkauft werden.“ Über die Herkunft dieser Waren wird nichts gesagt – sie könnten von schleswig-holsteinischen Truppen hergerührt haben, die im Zeitraum 1848/51 vergeblich für eine Lösung von Dänemark gekämpft hatten – daran erinnert an der Dorfeiche in Schmalensee ein Gedenkstein.

 

Aus dem Sparkassen-Geschäft: Eine interessante Meldung bringt das Segeberger Kreis- und Wochenblatt am 2. Oktober 1902, vor 120 Jahren. Demnach hat die Spar- und Leihkasse für Bornhöved, Schmalensee und Gönnebek mit Sitz in Bornhöved im Zuge einer Versteigerung vor dem Königlichen Amtsgericht für 40.000 Mark die Wassermühle zu Depenau erworben, an die auch eine Gastwirtschaft angeschlossen ist. Die Kasse lässt den Betrieb durch einen Vertreter weiterführen. Die genannte Spar- und Leihkasse hatte ihren „Geschäftsraum“ anfangs in der Gastwirtschaft von Hauschildt in Bornhöved, Schmalenseer gehörten stets dem Vorstand oder Aufsichtsgremium an. In den 1930er-Jahren gingen die kleinen Landsparkassen in der Kreissparkasse auf, Vorläufer der heutigen Sparkasse (Südholstein).

 

Silbernes Pastoren-Jubiläum: Pastor Albert Lutheri Voß feiert am 2. Oktober 1912, vor 110 Jahren, sein 25-jähriges Amtsjubiläum in der Kirchengemeinde Bornhöved. Keiner der Lehrer und nur noch zwei Kirchenvorstandsmitglieder aus dem Jahr seines Dienstantritts sind noch im Kirchspiel tätig. Zur Feier im Gasthof zur Linde erscheinen 90 Personen. Amtsvorsteher Heinrich Christian Saggau aus Schmalensee bringt im Namen des Kirchenvorstands ein „Hoch“ auf den Jubilar aus. Schmalensees Lehrer Heinrich Göttsch bringt einen „humorvollen Toast“ auf die Damen aus.

 

Der „Mütterbunker“ am Schmalensee: Die Schmalenseer nennen laut einem Bericht der Segeberger Zeitung vom 4. Oktober 1967, vor 55 Jahren, den Bau „Mütterbunker“. Dabei ist das Mütterkurheim der landeskirchlichen Frauenarbeit am Schmalensee das modernste Müttergenesungsheim in Norddeutschland. Nun wird die Einrichtung weiter ausgebaut: Eine Sauna und ein Becken für Kneipp-Kuren werden angelegt. Seit Inbetriebnahme des Hauses haben bereits 3600 Mütter in Schmalensee gekurt. Während des Aufenthalts der Frauen im „Mütterbunker“ kümmern sich Hauspflegerinnen der Diakonischen Arbeit Schleswig-Holstein um Ehemänner und Kinder.

 

Messerstecher von Schmalensee bleibt in Haft: Am 5. Oktober 1927, vor 95 Jahren, berichtet das Segeberger Kreis- und Tageblatt von einer Berufungsverhandlung vor der Kieler Strafkammer zu einem Vorfall vom 31. Mai 1925. Damals hatte der landwirtschaftliche Arbeiter D. aus Neumünster zwei Schmalenseer mit dem Messer verletzt: Während des Tanzvergnügens gerieten D. und der Landwirtssohn S., die beide laut Bericht bereits vor einigen Jahren eine Auseinandersetzung gehabt hatten, in einen Wortwechsel. D. zog plötzlich sein Messer und stach blindlings auf S. und den herbeieilenden Schmalenseer H. ein. Beide Schmalenseer trugen mehrere schwere Stiche in der Brust, an der Stirn und an der Hand davon. Das Schöffengericht Neumünster hatte D. bereits zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, wogegen dieser Einspruch erhoben und seine Täterschaft geleugnet hatte. Aber nach einigen Zeugenaussagen hält das Landgericht Kiel am Urteil fest.

 

Eine Vorstufe zur Berufsschule: In Bornhöved nimmt am 7. Oktober 1912, vor 110 Jahren, die Fortbildungsschule den Unterricht auf. 25 Lehrlinge nehmen zweimal wöchentlich jeweils zwei Stunden daran teil. Unterrichtsfächer sind Raumlehre, Rechnen, Buchführung, Deutsch und Bürgerkunde.

 

Stroh für das Heer: Erster Weltkrieg, Zwangswirtschaft. An Stroh hat der Kreis Segeberg laut Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 9. Oktober 1917, vor 105 Jahren, aus der frischen Ernte bis zum 30. November insgesamt 1275 Tonnen an die Heeresverwaltung abzuführen. Für Schmalensee bedeutet dies die Bereitstellung von 12 Tonnen in der Oktober-Rate des Kreises. Das Stroh wird vom königlichen Proviantamt zu Wandsbek eingezogen.

 

„Kurz Zigaretten holen: Adolf K., Landarbeiter und 44-jähriger Vater von fünf Kindern, verschwindet am 10. Oktober 1977, vor 55 Jahren, zunächst spurlos. Einer 14-jährigen Tochter gegenüber erklärt der Schmalenseer laut Segeberger Zeitung, „kurz Zigaretten holen“ zu gehen. In den folgenden Tagen und Wochen ist die Polizei intensiv auf der Suche, unterstützt auch von seinen Feuerwehr-Kameraden und Freiwilligen; die Presse berichtet umfangreich, veröffentlicht sein Bild. Ein Bruder setzt eine Belohnung für Hinweise aus, Familienmitglieder suchen mit dem Auto nach dem Mann, dessen Leichnam sechs Wochen nach dem Verschwinden von Spaziergängern in der Feldmark zwischen Bornhöved und Schmalensee gefunden wird. Es ist dies ein sehr trauriges Kapitel der Schmalenseer Dorfgeschichte.

 

Antrittsball des neuen Wirts: Am 11. Oktober 1907 ist es soweit. Friedrich Voß, der im April dieses Jahres den bis dahin von Ludwig Saggau betriebenen Schmalenseer Gasthof erworben hat, veranstaltet einen Antrittsball. Leider findet sich im Segebeger Kreis- und Tageblatt kein Bericht darüber. Voß aber hat auf jeden Fall lokale Traditionen und Termine verinnerlicht: Schon am 13. Oktober 1907 folgt die nächste Veranstaltung, das traditionelle Erntebier, auch „Mädchenbier“ genannt.

 

Amtsfeuerwehrtag in Schmalensee: Verbunden mit einer Großalarm-Übung findet am 12. Oktober 1952, vor 70 Jahren, in Schmalensee der Amtsfeuerwehrtag statt. Nach einem Marsch durch das Dorf unter den Klängen des TSV Quellenhaupt-Spielmannszuges und einer Kranzniederlegung am Ehrenmal werden Schnelligkeitsübungen durchgeführt. Den vom Amtsausschuss gestifteten Wanderpokal erringt die Freiwillige Feuerwehr Stocksee. In der Abschlussübung, bei der die Wohn- und Wirtschaftsgebäude von Gastwirt Hans Voß als Brandobjekt dienen, verdient sich die Amtswehr die Note „gut“. Gleich sechs Kameraden der Schmalenseer Wehr werden im Zuge des anschließenden Beisammenseins von Brandmeister (Wehrführer) Hellmut Saggau nach über 25-jährigem aktivem Dienst in die Ehrenabteilung überstellt: Hugo Saggau, Walter Hahne, Emil Tietgen, Wilhelm und Johann Suhr sowie Max Kröger.

 

Bild zur Meldung: Das Mütterheim am Schmalensee, Postkarte gelaufen 1966

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Historisches-2022 (30. 09. 2022)

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