Viel Blaulicht: ABC-Zug übte am 23. Juni in Schmalensee
Was war los am 23. Juni in Schmalensee? Einem für die Einwohnerschaft vernehmbaren Sirenenalarm um 18.35 Uhr folgte nicht nur das Ausrücken der eigenen Freiwilligen Feuerwehr wenige Minuten später: Binnen Kurzem rückten weitere Einsatzfahrzeuge, aufgrund der Baustelle auf der B430 bei Bornhöved über Tarbek kommend, in unser Dorf ein.
Ihr Ziel war das Betriebsgelände der Zimmerei Hippe im Grasweg, ein bevorzugtes Übungsgelände für die Feuerwehren der Region – und nun auch des spezialisierten ABC-Zuges des Kreises Segeberg.
Die Alarmierungs-App, mit denen unsere Feuerwehrleute erste Informationen zum Einsatz und Einsatzort erhalten, löste Vollalarm für die Schmalenseer Wehr aus, weil ein Notruf eingespielt worden war, demzufolge auf dem Firmengelände ein beißender oder stechender Geruch wahrzunehmen sei und fünf Personen vermisst würden. Entsprechend alarmierte die Regionalleitstelle gleichzeitig weitere Einsatzkräfte.
Der Kreisfeuerwehrverband Segeberg hat dankenswerterweise eine Pressemitteilung und Bildmaterial von der Übung zur Verfügung gestellt, die wir – Homepage-Team der Gemeinde und Freiwillige Feuerwehr, der Leserschaft nicht vorenthalten wollen.
Pressemitteilung des Kreisfeuerwehrverbandes Segeberg:
„Am Dienstagabend, dem 23.06.2026, wurden die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Schmalensee, der Gefahrguterkundung Amt Boostedt-Rickling sowie der ABC-Zug des Kreises Segeberg mit dem Einsatzstichwort „TH X R5“ (Technische Hilfeleistung mit Gefahrstoffen, Großeinsatz Rettungsdienst) zu einer großangelegten Einsatzübung alarmiert.
Als Ersteintreffende vor Ort übernahm die Feuerwehr Schmalensee die erste Erkundung der Lage, errichtete eine Not-Dekontaminationsstelle und sicherte den Bereich weiträumig ab.
Im weiteren Verlauf traf der ABC-Zug des Kreises Segeberg an der Einsatzstelle ein. Dessen Einsatzkräfte gingen unverzüglich mit leichten Chemikalienschutzanzügen und unter schwerem Atemschutz zur Menschenrettung in die Industriehalle vor. Parallel dazu bauten sie einen vollwertigen Dekontaminationsplatz der Stufe zwei auf. Über diesen wurden alle fünf vermissten Personen gerettet, fachgerecht dekontaminiert (*) und an den Rettungsdienst übergeben.
Zur genauen Stoffbestimmung und um eine mögliche Ausbreitung zu verhindern, wurden im Anschluss zwei Trupps unter schweren Chemikalienschutzanzügen (CSA) in die Halle geschickt. Zeitgleich errichteten die Einsatzkräfte im Außenbereich eine Messstation. Die Analysen ergaben, dass durch einen falsch beschrifteten Kanister Salpetersäure und Ethanol vermengt worden waren, was für die heftige chemische Reaktion und die Freisetzung der Dämpfe verantwortlich war. Eine Vermengung dieser Stoffe kann zur Gefahr der Bildung giftiger nitroser Gase führen.
Während dieser Erkundungs- und Sicherungsmaßnahmen kam es zu einem simulierten kritischen Zwischenfall: Ein CSA-Träger erlitt einen medizinischen Notfall. Der in Bereitstellung stehende Sicherungstrupp begab sich daraufhin unverzüglich zur Menschenrettung in die Industriehalle. Vor Ort wurde der betroffene Kamerad durch den Sicherungstrupp erstversorgt und patientengerecht auf einer Schleifkorbtrage gelagert. Anschließend transportierten die Einsatzkräfte den Patienten aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich ins Freie. Dort wurde der Verunglückte mitsamt seiner Ausrüstung durch das Dekon-Personal über den aufgebauten Dekontaminationsplatz geschleust, um eine Kontaminationsverschleppung auszuschließen. Nach der erfolgreichen und fachgerechten Reinigung erfolgte die Übergabe an den Rettungsdienst zur weiteren medizinischen Versorgung.
Nach rund drei Stunden und der erfolgreichen Bewältigung aller Lagen endete die Übung mit einer gemeinsamen Nachbesprechung und einem Imbiss. Ein besonderer Dank gilt der Firma Zimmerei Hippe für die Bereitstellung des Geländes und die Organisation der Mimen (**).
Im Rahmen der Abschlussbesprechung zog der Übungsleiter ein rundum positives Resümee und bedankte sich bei allen Beteiligten für ihren Einsatz. Auch Kreiswehrführer Jörg Nero richtete lobende Worte an die Mannschaft: Es sei ein beruhigendes Gefühl, im Kreis Segeberg über sehr gut ausgebildete und ausgerüstete Einheiten zu verfügen, auf die im Ernstfall Verlass ist.
Insgesamt waren rund 50 Einsatzkräfte im Einsatz.
Eingesetzte Kräfte: Freiwillige Feuerwehr Schmalensee, Gefahrguterkundung Amt Boostedt-Rickling, ABC-Zug des Kreises Segeberg, Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein mit einem Rettungswagen, Kreisfeuerwehrverband Segeberg mit Kreiswehrführer und Pressesprecher.“
(*): Kontamination ist der Begriff für eine Verunreinigung bis hin zur Verstrahlung, nachdem man Gefahrstoffen ausgesetzt war. Schon leichte Rauchgase bedeuten eine Kontamination, deren Ausbreitung oder Verschleppung vermieden werden muss. Dies geschieht bei leichter Kontamination mittels „Einsatzhygiene“, einer Nachbereitung am Fahrzeug, oder, wie geschildert, auf extra errichteten Dekontaminationsstellen.
(**): Mimen sind sogenannte Rollenspieler*innen, die in Übungsszenarien Verletzte oder Schaulustige simulieren. Wo künstlicher Rauch oder Hitze erzeugt werden, oder wo die Gesundheit von Mimen bei eiliger Rettung gefährdet würde, werden statt ihrer mit Granulat gefüllte, das menschliche Gewicht simulierende Dummys verwendet.
Alle Fotos: Kreisfeuerwehrverband Segeberg
Bild zur Meldung: Übung am 23. Juni in Schmalensee













