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1923

1923

01.01.1923

Laut Mitgliederbeschluss vom 08.12.1922 haben aktive Mitglieder des Kreispferdezuchtvereins ab sofort eine Goldmark als Mitgliedsbeitrag zu entrichten. Für nicht aktive Mitglieder liegt der Beitrag bei einer Viertel-Goldmark.

 

04.01.1923

In Neumünster findet die ordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes der Pferdezuchtvereine in den Holsteinischen Geestlanden statt. Inhalte sind u.a. das Stutbuch, Brandzeichen und eine Stutenschau anlässlich der DLG-Ausstellung in Hamburg. Der Vorstand des Kreispferdezuchtvereins fordert seine Mitglieder zur zahlreichen Teilnahme auf.

 

11.01.1923

Für Bornhöved, Wankendorf und Umgebung hat H. Steen aus Bornhöved wieder die Geschäfte als Vertrauensmann der Landwirtschaftskammer Altona übernommen. Für die Landwirte der Umgebung bedeutet dies, dass sie Schlachtvieh, das am Hamburger Viehmarkt verkauft werden soll, bei Steen anmelden können. Steen sorgt dann u.a. dafür, dass die Tiere auf dem Transport versichert sind.

 

13.01.1923

In Kiel findet eine Provinzialtagung des Reichslandbundes statt. Dessen Vorsitzender, der Gutsbesitzer Milberg auf Quarnbek, spricht zur aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage. Er verwahrt sich gegen Angriffe auf die Landwirtschaft, gerade seitens der Städte. Die Landwirte täten alles dafür, die Versorgung sicherzustellen. Doch sollte auch an eine ausreichende Bezahlung für landwirtschaftliche Produkte gedacht werden.

Besonders deutlich wendet sich Milberg gegen die bestehende Uneinigkeit der Landwirtschaft. Schlimm genug, dass es zwei landwirtschaftliche Organisationen gebe, sei kürzlich der Versuch unternommen worden, sogar eine dritte zu bilden. Milberg fordert den (Schleswig-Holsteinischen) Bauernverein auf, sich dem Reichslandbund anzuschließen. Später wird Milberg eine Abstimmung der Landwirte über eine Verschmelzung fordern. Am 31.01.1923 folgt per Anzeigenkampagne die Antwort des Schleswig-Holsteinischen Bauernvereins im Kreis Segeberg: „Wir fordern unsere Mitglieder auf, sich an der […] veranlassten Abstimmung […] nicht zu beteiligen!“

 

[Eine wirklich ernsthafte Einigungsbemühung innerhalb der Landwirtschaft wird es erst 1928 geben. Die landwirtschaftlichen Organisationen vertreten zugleich politische Bewegungen innerhalb des Berufszweiges, Anmerkung.]

 

14.01.1923

Approbierter Tierarzt in Bornhöved ist Dr. Sarpe.

 

17.01.1923

Wankendorf, Stolpe und Umgebung, werden von einer Diebstahlserie heimgesucht. Um Dieben und Hehlern das Handwerk zu legen, werden die Gendarmeriebezirke beider Orte zeitweise zusammengelegt.

 

21.01.1923

Im Zusammenhang mit dem Reichsmietengesetz sind Gemeinden unter 2.000 Einwohnern in so genannten Einigungsämtern zusammenzufassen, die sich mit Mieter- und Vermieterfragen befassen. Schmalensee und weitere 64 Orte des Kreises Segeberg, darunter alle Orte der Ämter Bornhöved und Stocksee, gehören dem Mieteinigungsamt der Stadt Segeberg an. 33 weitere Orte gehören zum Einigungsamt der Stadt Bad Bramstedt, drei Kreis Segeberger Dörfer zum dem der Stadt Bad Oldesloe.

 

25.01.1923

Die Provinzialregierung erneuert bzw. aktualisiert ihre Verordnung über die Polizeistunde. Diese wird für Gaststätten auf 23 Uhr festgesetzt. An Jugendliche unter 16 Jahre darf kein Alkohol ausgeschenkt werden.

 

26.01.1923

In Tarbek und Schmalensee findet die Körung durch den Kreisverein Schwarzbunte Schleswig-Holsteiner statt.

 

01.02.1923

Frankreich, Siegermacht des Ersten Weltkrieges und am strengsten auf die Einhaltung des Versailler Vertrages durch Deutschland drängend, hat zur Durchsetzung seiner Reparationsforderungen das Ruhrgebiet besetzt und vom übrigen Deutschen Reich isoliert. Im Ruhrgebiet selbst wird der passive Widerstand geleistet, während deutschlandweit eine Welle der Solidarität ausgelöst wird. „Ruhrhilfe“ oder „Ruhrspende“, die „deutsche Volksspende“ oder das „Deutsche Volksopfer“ sind einige der vielen Stichworte, unter denen Geld und Lebensmittel in die Region an Ruhr und Rhein geleitet werden. Staatliche Stellen unterstützen die Aktionen, Vereine und Verbände mobilisieren ihre Mitglieder in diesem Kampf um das Industriezentrum Deutschlands und seine Bewohner. Der Kreislehrerverein beispielsweise zieht seinen Mitgliedern bei der nächsten Gehaltszahlung pauschal 1.000 RM für die Ruhrspende ab.

 

01.02.1923

Wegen außerordentlich gestiegener Geschäftsunkosten werden die Beiträge zur Landwirtschaftskammer auf 480 Prozent des Grundsteuerreinertrages angehoben.

 

01.02.1923

Aufgrund neuer Lohnforderungen der Landarbeiter findet eine außerordentliche Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes des Kreises Segeberg im Gewerbevereinshaus statt.

 

03.02.1923

In einer gemeinsamen Sitzung beschließen der Landwirtschaftliche Arbeitgeberverband Schleswig-Holstein und der Deutsche Landarbeiterverband, gemeinsam die Ruhrhilfe zu unterstützen: Ein Vierteljahr lang wird jeder Arbeitnehmer wöchentlich den Barstundenlohn eines Deputatarbeiters abführen. Jeder Arbeitgeber stockt diesen Betrag um das Vierfache auf.

 

04.02.1923

Auf einer Versammlung der Kreisgruppe Pinneberg des Schleswig-Holsteinischen Bauernvereins entgegnet ein namhafter Redner den Forderungen nach einer Einheitsfront des (gespaltenen, Anmerkung) Bauernstandes der Provinz, dass es diese bereits gebe – den Schleswig-Holsteinischen Bauernverein. Dieser sei überparteilich und vereinige die klare Mehrheit der Bauern unter seinem Dach.

 

12.02.1923

In das Herrenhaus des Gutes Depenau wird eingebrochen. Die Diebe stehlen Lebensmittel und Wäsche. Die Güterverwaltung setzt eine Belohnung von 300.000 RM auf Hinweise auf die Täter aus.

 

15.02.1923

Im Bornhöveder Hotel Stadt Kiel findet eine Vortragsveranstaltung statt. Ein Herr Nielsen aus Bremen, „vollständig unparteiisch“, referiert über „Staatsbankerott und Revolution – ein Vortrag über die kommenden Ereignisse, Preissturz usw.“. Die Teilnahme kostet 100 RM und ist laut Anzeige „außerordentlich wichtig und nutzbringend für Geld- und Sachwertbesitzer“.

 

15.02.1923

An anderer Stelle tagen die Kreisgruppe Segeberg des Reichslandbundes und der Schleswig-Holsteinische Bauernverein. Letzterer ist nicht bereit, eine Aktion des Landbundes für die Ruhrhilfe mitzutragen. Aber der Landbund muss seine Spendenaktion nicht ganz allein organisieren – der Landwirtschaftliche Kreisverein beteiligt sich.

 

24.02.1923

Mit einer Anzeigenkampagne wird in den Tageszeitungen für die Ruhrhilfe, das „deutsche Volksopfer“, gewoben. Alle Banken und Sparkassen des Kreises Segeberg nehmen Geldspenden für die Bevölkerung in den besetzten Gebieten an. Ein Auszug: „Peitsche und Revolver, Frankreichs Waffe. Unsere Abwehr, das deutsche Volksopfer!“ „Deutschland steht allein! Laßt aber die Brüder an Rhein und Ruhr nicht allein und gebt zum deutschen Volksopfer!“ „Alle acht Tage eine Zigarre weniger und das Geld dafür dem deutschen Volksopfer für Rhein und Ruhr geben.“ „Wollt Ihr Kohlen haben? Dann gebt zum deutschen Volksopfer.“ Künstler werden aufgefordert, während ihrer Veranstaltungen für das Volksopfer zu sammeln.

 

24.02.1923

Das Segeberger Kreis- und Tageblatt bringt einen Bericht über eine stattgefundene Generalversammlung des Verbandes der Pferdezüchter in den holsteinischen Marschen unter der Überschrift „Der Kreispferdezuchtverein“. Dies bewirkt einen Disput in Form eines regen Leserbrief-Wechsel in der Zeitung, denn es gibt zwei Kreispferdezuchtvereine, die beide diese Bezeichnung in ihren Anzeigen etc. führen. Die Konkurrenz zum Verband der Zucht auf Marschgrundlage ist der des holsteinischen Warmblutpferdes bzw. von der holsteinischen Geest, dem auch die Schmalenseer Pferdezüchter angehören und der bereits 1892 gegründet wurde.

 

24.02.1923

Der Landwirtschaftliche Kreisverein warnt seine Mitglieder vor Heuaufkäufern, die den französischen und belgischen Besatzungstruppen an Rhein und Ruhr zuarbeiten. Der Aufruf ist eindeutig: „Verkauft dem Feinde kein Heu!“

 

25.02.1923

Kreis und Gemeinden sind zur Gewährung von Beihilfen an so genannte Sozialrentner verpflichtet. Die Hauptlast trägt dabei der Landkreis. Als zweite Winterbeihilfe zahlt der Kreis Segeberg 4.983,00 RM an die Gemeinde Schmalensee aus. Diese hat den Betrag um ein Fünftel zu erhöhen und die Gesamtsumme auf die örtlich gemeldeten Sozialrentner zu verteilen.

 

26.02.1923

In Segeberg wird eine Jungbauernschaft des Kreises Segeberg gegründet. Auf Initiative des Schleswig-Holsteinischen Bauernvereins kommen zahlreiche Jungbauern ins Kreisbauernhaus. Der Vorsitzende der Kreisgruppe des Bauernvereins, Rickers aus Kükels, und andere Redner führen aus, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft keine guten Zeiten für die Landwirtschaft waren und seien. Nur durch frühzeitiges Heranführen an die großen Aufgaben von morgen könne geeigneter Führernachwuchs der Landwirtschaft hervorgebracht werden. Ad hoc treten zahlreiche Anwesende bei, es werden 51 Ortsgruppen gebildet. Die Schmalenseer Ortsgruppe führt als Vertrauensmann Ernst Saggau. Eine Aufgabe des Vertrauensmannes ist das Gewinnen weiterer Mitglieder vor Ort – nicht nur Jungbauern sondern auch weitere am Wohle der Landwirtschaft Interessierte. Willy Siebke, Vorstandsmitglied des Bauernvereins aus Schmalensee (und im Text fälschlicherweise als Gemeindevorsteher bezeichnet, Anmerkung), appelliert an die Jungbauern, sich auch in gemeinnütziger Weise zu engagieren, zum Beispiel in der Freiwilligen Feuerwehr oder als Förderer der Vaterländischen Frauenvereine.

 

03.03.1923

In der Bad Segeberger Harmonie findet eine Kreislehrerversammlung statt.

 

05.03.1923

Im Segeberger Gewerbevereinshaus findet eine Mitgliederversammlung des Landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes des Kreises Segeberg statt. Im Mittelpunkt stehen Lohnfragen.

 

07.03.1923

Der Schleswig-Holsteinische Bauernverein, Kreisgruppe Segeberg, entsendet zwei Güterwaggons voller Sachspenden nach dem Ruhrgebiet.

 

09.03.1923

Der Schweinezuchtverein für den Kreis Segeberg hält im Hotel Germania eine Mitgliederversammlung ab.

 

09.03.1923

Im Segeberger Kreisbauernhaus wird ein Kreisreiterverein Segeberg gegründet. Alle anwesenden Vereine stimmen der Vereinsgründung zu, darunter auch der RV Bornhöved. Dessen Vorsitzender Hans Rauert wird zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisreitervereins gewählt. Vorsitzender wird Gustav Hamann aus Bühnsdorf. Der Verein will Konkurrenzreiten veranstalten und so junge Leute anspornen, stets das Beste zu leisten. Um weite Reisen zu gut dotierten Turnieren zu vermeiden, soll ab Juli 1923 ein jährliches Kreisreiterfest stattfinden.

 

10.03.1923

Die Tatsache, dass 375 unterernährte Kinder aus dem besetzten Ruhrgebiet ins benachbarte Dänemark zur Erholung geschickt werden, löst eine Welle der Entrüstung unter den vaterländischen Verbänden aus. Neben Landrat Ilsemann rufen landwirtschaftliche und handwerkliche Verbände die Kreisbevölkerung dazu auf, ihrerseits Ruhrkinder aufzunehmen. Bereits eine Woche nach dem Aufruf sind zwar zahlreiche Meldungen Aufnahmewilliger, vornehmlich aus der Landbevölkerung, eingegangen, doch mit 144 liegt Segeberg weit hinter Dithmarschen und auch Dänemark (je 2.000).

 

10.03.1923

Zeichen schleichender Inflation: Bedürftigen Ehepaaren, die 50 oder 60 Jahre miteinander verheiratet sind, wird von staatlicher Seite eine so genannte Ehrengabe, ein Geldgeschenk, zugebilligt. Dieses ist nun auf 2.000 RM beziffert worden.

 

16.03.1923

Die Kreisgruppe Segeberg des Schleswig-Holsteinischen Bauernvereins hält im Kreisbauernhaus eine fünfstündige Generalversammlung ab. Diese hört u.a. Berichte zur seitens des Bauernvereins auf Provinzebene gestoppten Verschmelzung mit dem Reichslandbund und zur neuen Jungbauernschaft. Landmann Willy Siebke aus Schmalensee fordert, die Jungbauern noch besser zu fördern, beispielsweise durch Schaffung von Freistellen an den Volkshochschulen.

 

17.03.1923

Es findet eine neuerliche Versammlung des Kreisreitervereins statt, bei der weitere Vereine beitreten können.

 

22.03.1923

Der Kreispferdezuchtverein fordert seine säumigen Mitglieder auf, den ausstehenden Mitgliedsbeitrag zu überweisen. Dieser liegt bei einer Goldmark, deren Gegenwert durch die Inflation mittlerweile 4.250 RM beträgt.

 

24.03.1923

Am Jahrestag der Erhebung der Schleswig-Holsteiner gegen Dänemark im Jahre 1848 veröffentlicht das Segeberger Kreis- und Tageblatt einen Auszug aus den Verlustlisten der Schleswig-Holsteinischen Armee von 1848/51 mit den Namen der toten und verwundeten Armeeangehörigen aus dem Kreis Segeberg. Auch drei Schmalenseer sind auf dieser Liste vermerkt: H. Jürgens wurde bei Idstedt tödlich verwundet; Jäger Cl. J. Saggau wurde bei Idstedt verwundet und der Musketier J. Jürgens starb an der Cholera.

 

In Bad Segeberg findet die kreisweit größte Veranstaltung statt. An ihr beteiligen sich zahlreiche Verbände und Organisationen, so auch der Schleswig-Holsteinische Bauernverein, Kreisgruppe Segeberg und der neu gegründete Kreisreiterverein.

 

In Bornhöved begannen die Feierlichkeiten bereits am Vorabend mit einem Fackelzug des Turnvereins. Am Erhebungstag erfolgt um 6 Uhr das Wecken durch die Kapellen der Feuerwehr und des Turnvereins. Anschließend legt der Militärverein an den 22 Gräbern der „48er“ Kränze nieder. Nach einem Gottesdienst am Nachmittag beginnt ein Festumzug durch Bornhöved, der von Themengruppen gestaltet wird: Zwei Kavalleristen in Uniformen von 1914 führen den Zug an. Dann folgen Herold und Reiter in ihrer aktuellen Tracht. Dahinter die Bornhöveder Gemeindevertreter und das Festkommittee, gefolgt von einem Krieger, der an die Schlacht von 1227 erinnern soll. Soldaten mit Waffen und Orden von 1813 erinnern an die Befreiungskriege, Schill'sche Husaren, Bauern mit Erntewagen und ein Turnvater Jahn mit seinen Turnern sind auch dabei. Hinter den letzten beiden noch lebenden Veteranen von 1848/51 fahren ein Festwagen mit Thema „Schleswig-Holstein“ und einer mit der Doppeleiche – das „Up ewig ungedeelt“ symbolisierend. Hinter den Veteranen von 1870/71 folgen ein Vierspänner mit der Germania und die Teilnehmer am Weltkrieg. Den Schluss bilden der Gesang- und der Reiterverein. Am Abend werden beim von Amtsvorsteher Heinrich Christian Saggau aus Schmalensee geleiteten Kommers im Hotel Stadt Kiel Reden gehalten. Schmalensees Lehrer Heinrich Göttsch spricht über die Zeit von 1848.

 

30.03.1923

In Rendsburg findet ein Treffen der Landräte Schleswig-Holsteins statt. Diese gründen eine Landrätevereinigung zur Wahrung der kommunalen Interessen der Landkreise des Regierungsbezirks Schleswig. Vorsitzender wird Segebergs Landrat Dr. Ilsemann.

 

01.04.1923

Im Kreis Segeberg tritt eine neue Jagdsteuerordnung in Kraft. Zuwiderhandlungen und Verstöße gegen die Pflicht zur korrekten Auskunft können mit rund 1.000 RM Strafe belegt werden.

 

01.04.1923

Auch in Fragen der Hundesteuer werden die Beträge dem zunehmenden Wertverlust des Geldes angepasst. Ab sofort sind an Hundesteuer für den ersten Hund statt 30 RM nun 500 RM und 1.000 RM für jeden weiteren Hund abzuführen.

 

01.04.1923

Die Dienstbezirke zahlreicher Landjägerämter werden erweitert. Das Landjägeramt Bornhöved ist nun auch für die Dienstbezirke Blunk und Rickling (ausgenommen Heidmühlen) zuständig. (Allerdings scheint es sich hierbei um eine Art „Vertretungsregelung“ zu handeln, denn die Ländjägerämter Blunk und Rickling bleiben bestehen und fühlen sich ihrerseits für die beiden jeweils anderen Bezirke zuständig, Anmerkung.)

 

06.04.1923

Auf Pettluis bricht die Maul- und Klauenseuche aus.

 

07.04.1923

Im Kreisbauernhaus findet die Generalversammlung des Kreisvereins Schwarzbunte Schleswig-Holsteiner statt. Der von C. Isenberg geführte Verein zählt 327 Mitglieder, die zusammen 6.111 Tiere besitzen, von denen wiederum 4.943 eingetragen sind.

Im Verlauf der Versammlung wird bemängelt, dass gute Stiere oft zu früh nach außerhalb verkauft und somit nicht genügend innerhalb des Vereins eingesetzt werden. In solchen Fällen soll zukünftig der Geschäftsführer (Heinrich Göttsch aus Schmalensee, Anmerkung) vermitteln und nach Möglichkeit dafür sorgen, dass das Tier im Vereinsgebiet bleibt.

 

07.04.1923

In Gönnebek spricht der Vorsitzende des Deutschen Wirtschaftsbundes, Henningsen, über „Deutsche Wirtschaft in Not!“ und „Die Schreckensherrschaft im Westen und der Wirtschaftskampf gegen unsere Feinde.“ Weiter heißt es in der Anzeige, „alle deutsch gesinnten Männer und Frauen sind zu dieser wichtigen Veranstaltung eingeladen.“

 

10.04.1923

An die Jäger Schleswig-Holsteins ergeht eine inoffizielle Mahnung: Seitdem sich „wahnwitzig hohe Preise“ für Felle ergeben haben, sei eine deutliche Abnahme am Kleinraubtierbestand zu verzeichnen. Doch der Reichtum der Natur beinhalte Ewigkeitswerte. Und ob es wirklich in diesen Zeiten stets der Fuchs sei, der einem die Hühner stehle, sei dahingestellt.

 

17.04.1923

Der Weltkrieg ist auch im Sport längst nicht vergessen: Deutschland wird von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 1924 in Paris ausgeschlossen. Der Grund: Beim Einzug der Nationen würde Deutschland (Allemagne) an erster Stelle einmarschieren. Einer Teilnahme Österreichs wird durch das Olympische Komitee dagegen zugestimmt.

 

20.04.1923

Die so genannte Ruhrkinderhilfe beschäftigt auch das Kirchspiel Bornhöved. In Stocksee erwartet man dieser Tage acht Kinder aus dem Ruhrgebiet. Doch der Berichterstatter zeigt sich enttäuscht: Es hätten mehr Kinder aufgenommen werden können, „wenn die Meierei sich hätte entschließen können, pro Tag ein halbes Liter Milch für jedes Ruhrkind zum ermäßigten Preise abzugeben.“

 

20.04.1923

„Das sich mit Beginn der warmen Jahreszeit wieder vermehrt bemerkbar machende Zigeunerunwesen veranlasst mich, die Ortsbehörden […] besonders hinzuweisen, wonach im Falle eines Auftretens von Zigeunern in einem Ortsbezirke sofort der zuständige Landjäger zu benachrichtigen ist. Der Landrat.“

 

21.04.1923

Der Landwirtschaftliche Kreisverein hält im Kreisbauernhaus seine Hauptversammlung ab. U.a. werden Filme über Tierschauen und das Leunawerk gezeigt. Alle Mitglieder der dem Verein angeschlossenen Vereine sind mitsamt ihren Angehörigen eingeladen, da abschließend auch Staatsdiplome der Kreistierschau vergeben werden. Vorsitzender ist Gutsbesitzer Hastedt, Wensin. Etwa 1.100 Mitglieder sind im Landwirtschaftlichen Kreisverein zusammengeschlossen. Hastedt schwört die Mitglieder darauf ein, die Kraftanstrengungen trotz Aufhebung der Zwangswirtschaft nicht einzustellen. Nun gelte es, der bedrängten Ruhrbevölkerung zu helfen und Frankreich wirtschaftlich zu verdrängen. Weitere Themen der Versammlung sind die allgemeine Ablehnung von Melkmaschinen (!) und die Forderung nach Aufhebung der Viehseuchengesetze. Aus Kostengründern verweigert der Verein, sich für die Einführung einer Fortbildungsschule für die weibliche Jugend einzusetzen.

 

24.04.1923

Im Rahmen der Ruhrhilfe werden umfangreiche Butterlieferungen für die großen Städte in den besetzten Gebieten zusammengestellt. 119 Meiereien sind Schleswig-Holstein weit an der Sammelaktion beteiligt und liefern ihre Produkte an die Kreissammelstellen in Husum und Segeberg.

 

27.04.1923

Die Öffentlichkeit wird darüber informiert, dass 500- und 1.000-Markstücke aus Aluminium durch die Reichsbank in Auftrag gegeben worden sind.

 

03.05.1923

Zeichen der Inflation: Bei der Verpachtung des fiskalischen Tensfelder Moores werden außerordentlich hohe Summen geboten. 47 Kubikmeter-Lose werden auf bis zu 300.000 RM getrieben, 36 Kubikmeter-Lose auf zwischen 100.000 und 120.000 RM.

 

03.05.1923

Die Aufrufe und Beschwörungen der Ruhrkinderhilfe seit März 1923 haben gewirkt. In Segeberg trifft der erste Transport ein. Insgesamt werden 1.200 Ruhrkinder im Kreisgebiet erwartet.

 

04.05.1923

Die Ortsgruppe Bornhöved des Schleswig-Holsteinischen Bauernvereins hat seit November Lebensmittel- und Geldspenden gesammelt, von denen 50-60 notleidende im Vereinsgebiet unterstützt werden konnten. In Bornhöved allein wurden 12,55 Zentner Roggen, 3,7 Zentner Buchweizen, 16,5 Zentner Kartoffeln und 4.300 Mark an Geldspenden gesammelt. Aus Schmalensee konnten 8 Zentner Roggen beigesteuert werden.

 

04.05.1923

Zeichen der Inflation: Der Gärtnerverein für den Kreis Segeberg veröffentlicht seine aktuellen Frühjahrs-Richtpreise für Gemüse- und Blumenpflanzen. Demnach kosten das Stück Sellerie oder Blumenkohl 30 RM. Für Kürbis, Gurken und Tomaten mit Topfballen können sogar 50 RM verlangt werden. Porree kostet 15 RM und für Astern, Zinnien und Levkojen sollen 20 RM verlangt werden. „Der billigste Kranz kostet 3.000 RM.“

 

07.05.1923

Das Kreiswohlfahrtsamt muss feststellen, dass ihm keine namentlichen Listen über die im Kreisgebiet verteilten Ruhrkinder vorliegen. Da sich nun Anfragen von Kindern über den Aufenthalt ihrer Geschwister häufen, werden die Vaterländischen Frauenvereine um Unterstützung gebeten.

 

08.05.1923

Zeichen der Inflation: Der Bezugspreis des Segeberger Kreis- und Tageblatts für den Monat Mai wird auf 2.500 RM festgelegt.

 

08.05.1923

Um 11.45 Uhr findet an der Schmalenseer Schmiede die Stutenkörung durch den Kreispferdezuchtverein statt.

 

09.05.1923

Um 7.45 Uhr findet in der Schmalenseer Schule die jährliche Impfung statt.

 

11.05.1923

Die amtliche Körung von Zuchtbullen findet statt. Körorte sind u.a. Bornhöved und Gönnebek.

 

13.05.1923

Da die im Kreis untergebrachten Ruhrkinder meist katholisch sind, organisiert das Katholische Pfarramt Oldesloe zentrale Gottesdienste in Segeberg an jedem zweiten Sonntag und auch am Himmelfahrtstag. Die Pflegeeltern werden dringend aufgefordert, den Kindern den Besuch der Gottesdienste zu ermöglichen.

 

15.05.1923

Mitglieder des Schleswig-Holsteinischen Bauernvereins, Kreisgruppe Segeberg, gründen im Kreisbauernhaus eine Kreisbauernbank AG und zeichnen das Grundkapital von 300 Millionen RM.

 

16.05.1923

In Oldesloe findet eine Versammlung des Kreisvereins Segeberg und Umgebung im Reichsverband der Molkerei- und Käsereiangestellten statt. Es handelt sich um eine monatliche Zusammenkunft.

 

18.05.1923

Im Körbezirk III der Pferdezuchtvereine der Schleswig-Holsteinischen Geestlande sind zwölf Hengste mit Deckberechtigungen für 1923 versehen. In der Deckstation Tensfelderau stehen die Hengste „Amorello“ und „Nerogon“, die dem Schmalenseer Ludwig Saggau gehören.

 

20.05.1923

Im Gasthof Voß findet ein Pfingstball statt.

 

24.05.1923

Der Landwirtschaftliche Arbeitgeberverband des Kreises Segeberg tritt im Segeberger Gewerbevereinshaus zusammen, um u.a. über neue Lohnerhöhungen zu beschließen.

 

25.05.1923

In Segeberg findet eine Außerordentliche Mitgliederversammlung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), Kreisgruppe Segeberg, statt. Die Redebeiträge sind überschrieben mit „Völkische Weltanschauung und Politik“, Die Wissenschaft von der Rasse und der Vererbung“ und „Die Entstehung des Deutschen Volkes“.

 

26.05.1923

Der Reichslandbund hält im Segeberger Hotel Germania eine Kreisversammlung ab. Vortragsthemen sind „Wirtschaftspolitische Tagesfragen“ und „Die Landwirtschaft interessierende Steuern“. Kreisvorsitzender ist Bernhard Meyer. Die Mitgliederzahl ist im Kreisgebiet auf 2.000 gestiegen.

Rückblickend schildert Meyer die Vorgänge um den geplanten Zusammenschluss mit dem Schleswig-Holsteinischen Bauernverein. Letzterer habe seinerzeit die Auflösung des Landbundes und den Beitritt der Mitglieder gefordert, was nicht akzeptabel gewesen sei. Der Reichslandbund habe zudem die Führung auf Reichsebene für sich beansprucht, da er dort besser aufgestellt sei und die Interessen der Landwirtschaft auch besser vertreten könne. Wie üblich gibt es hierauf eine Erwiderung in Form eines Leserbriefs des Bauernvereins, der den Landbund für das gescheiterte Zusammengehen verantwortlich macht.

 

27.05.1923

Nach dem Sonntagsgottesdienst in der Kirche zu Bornhöved erfolgt die Anmeldung neuer Konfirmanden bei Pastor Schlüter.

 

27.05.1923

In Bad Bramstedt findet der 3. Kreishandwerkertag statt. U.a. wird der Mitgliedsbeitrag auf 1.000 RM vierteljährlich festgesetzt, der Vorstand wird jedoch ermächtigt, im Bedarfsfall eine Angleichung vorzunehmen.

 

01.06.1923

Sitzung des Segeberger Kreistages.

 

09.06.1923

Die Ruhrkinderhilfe des Kreises Segeberg sammelt Gelder, um den im Kreisgebiet untergebrachten Kindern und ihren Pflegeeltern unter die Arme greifen zu können. 80.000 RM hat der Kreislehrerverein bereits gegeben, 1 Million der Schleswig-Holsteinische Bauernverein.

 

09.06.1923

Zeichen der Inflation: Neue Honorarsätze für ärztliche Gutachten werden vom Versicherungsamt des Kreises Segeberg vorgeschlagen. Eine „körperliche Untersuchung von Rentenbewerbern“ soll demnach 8.000 RM kosten.

 

09.06.1923

Der Landrat des Kreises Segeberg weist alle Amts- und Gemeindevorsteher sowie weitere Einrichtungen wie Genossenschaften auf ihre Archivpflicht hin. Dies ist angesichts steigender Altpapierpreise dringend angeraten, wörtlich in Anbetracht der möglichen „landesgeschichtlichen Forschung“ späterer Zeit.

 

10.06.1923

Die Schmalenseer Reiter und Wirtin Voß laden zum Ringreiten ein.

 

13.06.1923

Die Tarbeker Windgilde hält ihre Generalversammlung ab. Am Nachmittag findet das Ringreiten mit anschließendem Ball statt.

 

13.06.1923

Der Verein ehemaliger Landwirtschaftsschüler unternimmt einen Ausflug in den Amtsbezirk Bornhöved. Organisator der Bereisung ist der Schmalenseer Hufner Hugo Saggau, selbst Vorstandsmitglied des Vereins und Vertrauensmann im Amt Bornhöved.

Der Weg führt zunächst nach Gönnebek zur Besichtigung zweier Höfe, dann nach Schönböken und zur Rendswührener Mühle. In Schmalensee werden die teilnehmenden Damen im Hause Saggau mit Kaffee und Kuchen bewirtet, während die Herren im Gasthaus einkehren. Am Abend wird in Bornhöved in Hein's Gasthof gegessen. Um Mitternacht holt ein Lastauto die auswärtigen Gäste zurück. Hugo Saggau erhält großes Lob für die Organisation des lehrreichen und die Kameradschaft fördernden Tages: „...Saggau... hatte keine Mühen gescheut, um die Vereinsmitglieder mit ihren Damen voll zu befriedigen.“

 

14.06.1923

Inflation: Die Löhne im Handwerk müssen vom Arbeitgeberverband für das Baugewerbe bereits im Nachhinein festgesetzt werden. Der Stundenlohn eines Zimmerers lag vom 07. bis 13.06.1923 bei 3.850 RM, der eines Maurers bei 3.770 RM.

 

01.07.1923

In der Kirche zu Bornhöved findet ein Missionsgottesdienst statt.

 

04.07.1923

Im Segeberger Gewerbevereinshaus findet eine außerordentliche Kreislehrerversammlung für die Lehrkräfte des östlichen Kreises Segeberg statt. Zwei Tage später treten die übrigen Lehrer in Ulzburg zusammen.

 

06.07.1923

Die Brandmeister und Oberbrandmeister (Gemeinde- und Amtswehrführer, Anmerkung) der Freiwilligen Feuerwehren werden durch die Provinzialregierung zu Hilfspolizeibeamten ernannt. Dieser Status gilt jedoch nur im Falle von Bränden und dann auch nur bis zum Eintreffen der örtlich zuständigen Polizeibeamten am Einsatzort.

 

07.07.1923

Der Landrat veröffentlicht das Frühjahrskörprotokoll schwarzbunter Deckstiere. Darunter sind „Fasauo“ (23 Monate, Nr. 5006) aus der Herde von Willi Kaack, „Karl“ (14 Monate, 5532) aus der Herde von Ernst Stegelmann und „Otto“ (14 Monate, 110), der der Stiergenossenschaft Schmalensee gehört.

 

08.07.1923

In Struvenhütten findet der Kreisfeuerwehrverbandstag statt. Kreisfeuerwehrhauptmann Petersen leitet den Festtag.

 

10.07.1923

Auf den Gütern Depenau, Perdöl, Nettelau, Bunthorst und Diekhof treten die Landarbeiter in einen so genannten „wilden“ Streik ein, der nicht von der Gauleitung des Landarbeiterverbandes genehmigt wurde.

 

10.07.1923

Der Deutsche Wirtschaftsbund und der Hamburger Boykott-Ausschuss zur Bekämpfung der Feindwaren veranstalten in der Segeberger Harmonie eine Vortragsveranstaltung mit dem Thema „Die Schreckensherrschaft im Westen und der Wirtschaftskrieg gegen Frankreich“.

 

11.07.1923

Die Besatzungsbehörden an Ruhr und Rhein nehmen Ausweisungen vor. Der Segeberger Landrat ruft zur Aufnahme und Unterbringung solcher „Ruhrvertriebener“ auf.

 

11.07.1923

Der Segeberger Landrat macht die Ortspolizeibehörden des Kreises auf ihre im Amtsblatt festgelegten Aufgaben zum „Schutz der Republik“ aufmerksam.

 

13.07.1923

Der Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein hat auf die Landarbeiterstreiks reagiert, die neben Plön auch in den Kreisen Rendsburg und Oldenburg sowie im Landesteil Schleswig aufgetreten sind. Die Technische Nothilfe wird erstmalig aktiviert, um das bereits gemähte und auf Schwad liegende Heu einzufahren.

 

13.07.1923

In der Landwirtschaft wird der Arbeitsfriede wieder hergestellt. Die Arbeitgeber stimmen einer Anhebung der tariflichen Löhne um zwischen 100 und 200 Prozent zu.

 

15.07.1923

Inflation: Die Fleischbeschaugebühren steigen. Sie betragen für ein Pferd 20.000, ein Schwein 12.000 und ein Rind 15.000 RM.

Die Gebühren der Bezirksschornsteinfeger steigen um 400 Prozent. Die Regelung, dass Kleinrentner nur die halbe Gebühr zu zahlen haben, entfällt.

Auch das Segeberger Kreis- und Tageblatt kommt an einer Gebührenerhöhung nicht vorbei. Für das August-Abonnement sind 20.000 RM zu entrichten.

 

15.07.1923

Der Reiterverein Bornhöved und Umgebung veranstaltet ein großes Reit- und Fahrturnier mit anschließendem Ball.

 

16.07.1923

Inflation: Neue Höchstpreise für Mehl und Brot gelten ab sofort. Für ein 1.900 Gramm-Roggenbrot müssen maximal 3.800 RM gezahlt werden.

 

22.07.1923

Der Kreisreiterverein veranstaltet zum ersten Mal ein Konkurrenzreiten. Auf der Segeberger Rennkoppel gibt es Abteilungs- und Springreiten sowie Rennen. Am Abend findet ein Ball im Kreisbauernhaus statt. 120 Reiter, darunter auch Mitglieder des Reitervereins Bornhöved, nehmen teil. Im Springreiten platzieren sich die Schmalenseer H. Harder (4.), Heinrich Harder (14.) und Otto Saggau (17.).

 

26.07.1923

Die Kreisumlage für das Jahr 1923 ist durch den Kreistag und Kreisausschuss festgesetzt worden. Schmalensee hat 5.668.920 RM zu leisten. Davon ist die Hälfte sofort zu überweisen, zum 01.11.1923 und zum 01.02.1924 wird jeweils ein Viertel fällig.

 

26.07.1923

Zeichen der Inflation: Bis zum 01.08.1923 gelten im Handwerk neue Stundenlöhne (in Klammern: Stundenlöhne vom 02. bis zum 08.08.1923): Zimmerer 42.730 (57.810) RM, Maurer 41.910 (56.700) RM, Hilfsarbeiter 39.450 (53.370) RM, Tiefbauarbeiter 33.890 (45.850) RM.

 

28.07.1923

In Goslar wird das 50-jährige Bestehen des Deutschen Kriegerbundes gefeiert. Offiziell heißt die Organisation zur Zeit „Krieger-Wohlfahrtsgemeinschaft“.

 

31.07.1923

Zeichen der Inflation: Friseurpreise. Das Rasieren kostet nach Festlegung durch die Friseurinnung 4.000 RM, das Haareschneiden 20.000 RM.

 

01.08.1923

In Neumünster wird ein Verband Schleswig-Holsteinischer Jungbauernschaften gegründet.

 

01.08.1923

Die Reichsregierung und der Präsident des Deutschen Landwirtschaftsrates mahnen die Landwirte, die Ernten, insbesondere die Frühkartoffeln einzubringen, da die Versorgung der Städte nicht hinreicht. Der Reichslandbund fordert Mitglieder, die Brotgetreide bislang zurückgehalten haben, zur sofortigen Abgabe heraus.

 

01.08.1923

Inflation: Die Post- und Telegrafengebühren werden erhöht, um das aktuelle Defizit der Post von 8,5 Billionen RM auszugleichen. U.a. kostet der Versand von Postkarten im Ortsverkehr nun 200 RM und im Fernverkehr 400 RM.

 

01.08.1923

Inflation: Der Geldwert von Naturalbezügen wird angeglichen. Demnach beträgt der Wert der vollen Verpflegung einschließlich Wohnung, Heizung und Beleuchtung für weibliche und männliche Angestellte in leitender oder gehobener Stellung (z.B. Lehrer, Hausdamen, Geschäftsführer, Ärzte, Apotheker, Verwalter usw.) 54.000 RM pro Tag. Im Falle sonstiger Hausangestellter (z.B. Gesellen, Gehilfen, Knechte, Verkäuferinnen usw.) liegt der Wert bei 45.000 RM, für sonstige weibliche Hausangestellte (Mägde, Dienstmädchen) oder gering bezahlte weibliche Arbeitskräfte (Flick- und Reinemachefrauen) bei 33.000 RM pro Tag. Ein Deputat hat bei 2.800 Pflichtstunden einen jährlichen Gegenwert von 18.460.800 RM, also stündlich 6.600 RM.

 

04.08.1923

In Sülfeld findet eine Versammlung des Kreislehrervereins statt. Vorsitzender ist Lehrer Ralf aus Groß Gladebrügge. Der Vortragsteil befasst sich mit der „Mitarbeit des Lehrers an der Heimatgeschichte“; auch wird ein Ausflug nach Nienwohld unternommen, wo die Reste des Alster-Trave-Kanals begutachtet werden.

 

05.08.1923

Der Kreisimkerverein hält in Kaltenkirchen eine Versammlung ab. Zugleich fordert der Verein von jedem Mitglied eine Beitrags-Nachzahlung in Höhe 10.000 RM, zahlbar bis zum 06.08.1923. Andernfalls würden pro Woche weitere 2.000 RM fällig.

 

05.08.1923

Auch der Bienenzuchtverein für Bornhöved und Umgebung hält eine Versammlung ab, in deren Verlauf eine Imkergenossenschaft für Bornhöved und Umgebung gegründet wird. Vorsitzender wird der Bornhöveder Sattlermeister Dose, Gönnebeks Lehrer Trenktrog wird Geschäftsführer. Mitglieder umliegender Imkervereine werden aufgefordert, der Genossenschaft ebenfalls beizutreten.

 

07.08.1923

Im Kreis Segeberg beginnen die Körungen der Zuchteber und Sauen durch den Kreis-Schweinezuchtverein.

 

09.08.1923

Inflation: Das Versicherungsamt des Kreises Segeberg passt die Vorschläge für Honorarsätze für ärztliche Gutachten nachträglich neu an. Demnach kostet das so genannte Große Gutachten, die körperliche Untersuchung und Begutachtung von Rentenbewerbern, ab 01.07.1923 36.000 RM, ab 15.07.1923 66.000 RM und ab 21.07.1923 132.000 RM.

 

09.08.1923

Inflation: Die Mehl- und Brotpreise sind erneut dem Wertverlust des Geldes angeglichen worden. Ein 1.900 Gramm Roggengrobbrot kostet nun maximal 15.000 RM, ein 2.850 Gramm Roggengrobbrot liegt bei 22.500 RM.

 

10.08.1923

Der Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein ruft alle in der Landwirtschaft Tätigen zum vollen Einsatz auf, die Ernte einzufahren. Nach einer langen Schlechtwetterperiode sei es nun dringend geraten, Überstunden und Sonntagsarbeit zu gewähren, damit kein Zentner Getreide verloren geht.

 

10.08.1923

Inflation: „An unsere Zeitungsbezieher. Infolge der katastrophalen Entwertung der Papiermark setzen wir den Bezugspreis des Segeberger Kreis- und Tageblatts für den Monat August auf 70.000 Mark fest. Wir fordern unsere Leser, die unsere Zeitung durch die Post beziehen, dringend auf, mittels der der morgigen Nummer beiliegenden Zählkarte auf unser Postscheckkonto 56656 den Betrag von 50.000 Mark einzuzahlen. Segeberger Kreis- und Tageblatt.“

 

10.08.1923

Inflation: Die Hebammengebühren werden in ihren wesentlichen Punkten um das 400-fache erhöht. Das Wegegeld der Hebammen wird auf 5.000 RM pro Kilometer angehoben.

 

11.08.1923

In Bad Segeberg findet die Halbjahresversammlung der Kreisgruppe Segeberg des Schleswig-Holsteinischen Bauernvereins statt. Diese setzt sich u.a. mit der Eröffnung der Bauernbank und dem Streit mit dem Reichslandbund auseinander. Aufgrund der schlechten Versorgungslage der Städte ruft der Bauernverein seine Mitglieder dazu auf, alle abgangsfähigen Produkte auszuliefern. Kriegerwitwen, die nicht mehr in der Lage sind, den ihnen zustehenden Torf aus den Mooren transportieren zu lassen, sollen freiwillige Fuhrleistungen gewährt werden.

 

12.08.1923

Der Sonntagsgottesdienst in der Kirche zu Bornhöved findet am Nachmittag statt und dient dem Gedenken und dem Gebet für die Rhein- und Ruhrregion. Generalsuperintendent Dr. Mordhorst, der gerade in Bornhöved die Kirchenvisitation vornimmt, hält eine Ansprache.

 

14.08.1923

In Kiel findet Tarifverhandlungen für das Meiereigewerbe statt. Vertreten ist dort auch der Kreisverein Segeberg des Verbandes Schleswig-Holsteinischer Meierei-Betriebsleiter, dessen Vorsitzender Cl. Göser aus Fredesdorf ist.

 

15.08.1923

Unter Beteiligung des Schleswig-Holsteinischen Bauernvereins, Kreisgruppe Segeberg, wird eine Kreisbauernbank eröffnet. Diese soll Mittel für die Landwirtschaft im Kreis generieren und diese den Bedürfnissen und Zwecken der Landwirtschaft wieder nutzbar machen. Die Bauernbank soll ausdrücklich nicht mit bereits bestehenden Banken und anderen Geldinstituten konkurrieren.

 

18.08.1923

Inflation: Die Gebühren der Fleischbeschau werden angeglichen. Für die Trichinenschau werden statt 65.000 nun 327.000 RM erhoben.

 

19.08.1923

Da in der Kirche zu Bornhöved Malerarbeiten verrichtet werden, finden die Gottesdienste vorerst in der Kapelle auf dem Friedhof statt.

 

25.08.1923

Erst einen Monat später bekannt gemacht aber nun gültig: Die Hebammengebühren werden in ihren wesentlichen Punkten nun um das 2.000-fache erhöht. Das Wegegeld der Hebammen wird auf 7.000 RM pro Kilometer angehoben.

 

26.08.1923

Einbruch auf dem Gut Perdöl. Diebe dringen in das Gutshaus ein und stehlen u.a. 70 bis 80 Elfenbein-Bestecke, 6 silberne Serviettenringe, 3 hochwertige Brieföffner und eine größere Menge Wäsche. Letztere wird wenig später in einem nahe liegenden Gehölz gefunden. Das Diebesgut hat zu diesem Zeitpunkt einen Milliardenwert.

 

26.08.1923

Der Gottesdienst findet in der Bornhöveder Kapelle statt. Es predigt Pastor Trautmann aus Gönnebek, früher Erfde.

 

27.08.1923

Inflation: Neue Höchstpreise für Brot und Mehl treten in Kraft. Das Roggengrobbrot von 1.900 Gramm kostet maximal 110.000 RM.

 

30.08.1923

Zeichen der Inflation: Aufgrund der fortschreitenden Geldentwertung gibt die Landesversicherungsanstalt Kiel neueste Honorarsätze für ärztliche Gutachten bekannt. Demnach wird zurzeit eine „große Begutachtung“, also eine umfangreiche körperliche Untersuchung von Rentenbewerbern, mit 480.000 RM honoriert. Für die Teilnahme an einer Sitzung eines Versicherungsamtes erhält ein Arzt 240.000 RM für die erste und je 160.000 RM für jede weitere angefangene Stunde.

 

01.09.1923

Zeichen der Inflation: Die Fleischbeschau-Gebührenordnung wird der Lage auf dem Geld- und Wirtschaftssektor angeglichen. Für die Beschau eines Pferdes sind dem Tierarzt 3.550.000 RM und 887.000 RM Zuschlag (Trichinenschau) zu zahlen. Für ein Rind betragen die Sätze 2.958.000 RM und 739.000 RM und für ein Schwein 1.775.000 RM / 443.000 RM. Immerhin: „In diesen Gebührensätzen ist auch die Wegevergütung (Reisekosten, Anmerkung) enthalten.“

 

01.09.1923

Inflation: Der Geldwert von Naturalbezügen wird erneut angeglichen. Demnach beträgt der Wert der vollen Verpflegung einschließlich Wohnung, Heizung und Beleuchtung für weibliche und männliche Angestellte in leitender oder gehobener Stellung 816.000 RM pro Tag. Im Falle sonstiger Hausangestellter liegt der Wert bei 660.000 RM, für sonstige weibliche Hausangestellte oder gering bezahlte weibliche Arbeitskräfte bei 480.000 RM pro Tag.

Ein Deputat hat bei 2.800 Pflichtstunden nun einen jährlichen Gegenwert von 46.400.000 RM, also stündlich 88.000 RM.

 

02.09.1923

Der Gottesdienst der Kirchengemeinde mit Pastor Schlüter findet in der Friedhofskapelle statt.

 

06.09.1923

In Tensfelderau findet die für Personen des Amtes Bornhöved am besten erreichbare Ziegenbockkörung statt. Nächste Körort wären Schlamersdorf oder Blunk.

 

09.09.1923

Inflation: Die Reichsbank bringt 100 Millionen-Reichsmark-Banknoten in Umlauf.

 

10.09.1923

Inflation: Verschiedene Banken und Sparkassen des Kreises Segeberg erklären per Inserat, dass sie keinen Zahlungsverkehr unter 5 Millionen RM mehr vornehmen.

 

12.09.1923

Der Landwirtschaftliche Arbeitgeberverband des Kreises Segeberg hält eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. Inhalte sind Beitrags- und Lohnfragen.

 

12.09.1923

Auf der Segeberger Rennkoppel findet eine Schau von zwei- und einjährigen Saugfohlen durch den Kreispferdezuchtverein statt. Im Anschluss an die Prämierungen kommt es zur Auktion.

 

18.09.1923

Zeichen der Inflation: Der erst in der Vorwoche in Umlauf gebrachte 100 Millionen-Schein genügt nicht mehr. Nun werden Banknoten von 500 Millionen Reichsmark produziert, die über 1 Milliarde sind bereits in Erwägung gezogen worden.

 

19.09.1923

Der Landwirtschaftliche Verein für Bornhöved und Umgebung hatte beabsichtigt, in Schmalensee eine Füllen- und Starkenschau durchzuführen. Zugelassen sollten sowohl schwarz- als auch rotbunde Rinder sowie Stiere und Ziegen sein. Wenige Tage vorher muss Schriftführer Heinrich Göttsch die Veranstaltung per Inserat absagen.

 

21.09.1923

Zeichen der Inflation: Der Preußische Minister für Volkswohlfahrt veröffentlicht die aktuellen Höchstsätze der Erwerbslosenunterstützung. Männer über 21 Jahre, die im eigenen Haushalt leben, erhalten bis zu 7.500.000 RM (Frauen 6.000.000 RM).

 

21.09.1923

Zeichen der Inflation: Die Gebühren für Jagdscheine steigen. Für einen Jahresjagdschein sind 7.500.000 RM, für einen Tagesjagdschein 1.500.000 RM zu entrichten.

 

25.09.1923

Inflation: Die Mehl- und Brotpreise steigen weiter. Das 1.900 Gramm schwere Roggengrobbrot kostet nun 6 Millionen RM.

 

26.09.1923

Der Schleswig-Holsteinische Bauernverein im Kreis Segeberg hält eine außerordentliche Generalversammlung ab. Hunderte von Mitgliedern erscheinen, um die umfangreichen Berichte zur Lage der Landwirtschaft zu vernehmen. Dazu gibt es Klagen der Verbandsführung über eine landwirtschaftsfeindliche Reichssteuerpolitik. Geschäftsführer Spies macht in seinem Redebeitrag das Judentum mitverantwortlich dafür, dass der Staat bestrebt ist, nun auch den Grundbesitz anzutasten.

 

03.10.1923

Wegen der verspäteten Ernte im Kreisgebiet führt der Kreispferdezuchtverein erst jetzt seine Füllenschau durch.

 

10.10.1923

Die Hauptkörung für Bullen des Verbandes Schwarzbunte Schleswig-Holsteiner findet u.a. in Gönnebek und Bornhöved statt.

 

15.10.1923

Inflation: Der Preußische Minister für Volkswohlfahrt veröffentlicht die aktuellen Höchstsätze der Erwerbslosenunterstützung. Männer über 21 Jahre, die im eigenen Haushalt leben, erhalten bis zu 1.200 Millionen RM (Frauen 960 Millionen RM). Diese Sätze sind bis zum 20.10.1923 gültig.

 

16.10.1923

Im Amtsgerichtsbezirk Segeberg findet die Schöffenauslosung für 1924 statt. Der Schmalenseer Maurer Heinrich Hamann wird erneut zum Schöffen bestimmt.

 

20.10.1923

Der Kreisverein Schwarzbunte Schleswig-Holsteiner hält im Kreisbauernhaus eine Generalversammlung ab. Es wird u.a. ein Tierschaufilm gezeigt. Die Schmalenseer Hufner Willy Harder und Heinrich Harder werden wieder zu Rechnungsprüfern gewählt. Schon seit einiger Zeit zahlen die Mitglieder ihre Beiträge statt in Geld in Roggen.

 

25.10.1923

Die Inflation erreicht einen absoluten Höhepunkt: Der 100 Milliarden RM-Schein ist in Vorbereitung. Die Tagesproduktion von Banknoten ist zudem auf 66.000 Billionen gesteigert worden.

 

01.11.1923

Zeichen der Inflation: Die Post- und Fernsprechgebühren werden angehoben. Für ein Ortsgespräch von einer Teilnehmer- oder einer öffentlichen Sprechstelle sind 1.500 Millionen RM zu entrichten. So viel kosten auch eine Telefonauskunft oder ein Ferngespräch unter drei Minuten auf einer Entfernung bis zu 5 Kilometer. Zum Vergleich: Für ein Ferngespräch unter drei Minuten auf eine Entfernung zwischen 50 und 100 Kilometer müssen 13.500 Millionen RM gezahlt werden.

 

03.11.1923

Im Ulzburger Schulhaus findet eine Kreislehrerversammlung statt. Schmalensees Lehrer Heinrich Göttsch trägt seine Gedanken zur Landschule vor. Zitat aus dem SKTB:

„In seinen Ausführungen (spürte) man die tiefe Liebe zu seiner Landschule. Lebhaft bedauerte er, daß in der Vergangenheit der Landschule niemals die angesehene Stellung zugebilligt worden sei, die ihr zukomme, beispielsweise habe nie ein befähigtes Kind einer wenig gegliederten Landschule die Möglichkeit gehabt, in die mittlere Beamtenlaufbahn hineinzukommen, weil ihm die abgestempelte Berechtigung einer mittleren und höheren Schule dazu gefehlt habe. Er sei der Überzeugung, daß auch von der großen Organisation, dem Preußischen Lehrerverein, nicht genug geschehen sei, um die Interessen der kleinen Landschule in seinem Programm und bei der Behörde zu vertreten. Da das erwähnte Programm des Pr. L. Nach seiner Ansicht den Interessen der Landschule nicht gerecht werde, so verlange er eine Streichung dieses Paragraphen im Programm. Er glaube Aussicht auf Erfolg zu haben durch die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft für die kleine Landschule, für die er dann eine Anzahl von Richtlinien eines Programmentwurfs gab.“

Göttsch erntet nicht nur Zustimmung. Die Kritiker reiben sich aber nicht an der Sache, der Hebung der Landschule. Sie befürchten angesichts des von Göttsch propagierten Vorgehens eine Spaltung des Preußischen Lehrervereins, der nicht in die Zeit passe.

 

06.11.1923

Vier schwere Einbrüche binnen einer Nacht werden aus Bornhöved und Schmalensee gemeldet. Bei einem der Saggau-Höfe in Schmalensee werden zwei komplette Kleiderschränke ausgeräumt. Unter der Beute sind vier vollständige Anzüge, einige Mäntel und weitere Kleidungsstücke. Einem Arbeiter in Schmalensee wird sämtliche Kleidung, auch die seiner Frau, gestohlen. Die Räuber lassen nur das zurück, was im Schlafzimmer neben den Betten liegt. In anderen Fällen werden vor allem Silbersachen gestohlen. Die Diebe verschafften sich durch Anbohren der Fenster Zutritt zu den Häusern.

 

09.11.1923

In München putschen völkisch-nationalistische Kräfte unter General Ludendorff und Adolf Hitler. Das Segeberger Kreis- und Tageblatt berichtet tags darauf umfangreich von den Unruhen in München und den Reaktionen aus Berlin. Dass der Putsch noch am 9. November missglückt ist, erfahren die Leser erst am 11. November.

 

15.11.1923

Angesichts einer zunehmenden, teils aggressiven, Bettelei auf dem Lande werden die Landjäger durch den Landrat angewiesen, dem entgegenzutreten. Stadtbürger aus Segeberg und den Großstädten begeben sich vermehrt auf so genannte „Hamstertouren“ und bedrohen vor allem dort, wo gerade kein Mann angetroffen wird, die Landbevölkerung mit Brandstiftung, um die Herausgabe von Lebensmitteln zu erzwingen.

 

16.11.1923

In Elmshorn ist ein Provinzialverband Schleswig-Holsteinischer Reit- und Fahrvereine gegründet worden, in dessen Vorstand auch Landmann Rauert vom Reiterverein Bornhöved gewählt wurde.

 

16.11.1923

Die angekündigte Einführung der Rentenmark (Goldmark) durch die Reichsregierung soll den Wertverlust des Geldes aufhalten, die Preise werden nach und nach wieder auf Normalmaß gesetzt. Dennoch haben viele Deutsche gravierende Verluste zu verzeichnen.

 

23.11.1923

Die Landwirte der benachbarten Dörfer Wankendorf, Stolpe und Ruhwinkel sowie von den Gütern Bockhorn, Schönhagen, Perdöl, Löhndorf, Dieckhof, Horst und Depenau spenden Korn, um die Lebensmittelnot im Kirchspiel Wankendorf zu lindern. Die Firma F. Delfs und Söhne verarbeitet das Getreide zu Mehl und Grütze und verteilt die Produkte an rund 100 Bedürftige und kinderreiche Familien.

 

24.11.1923

Zeichen der Inflation: Die Jagdscheingebühren im Kreis Segeberg betragen ab sofort 15 Millionen RM für einen Jahres- und 3 Millionen RM für einen Tagesjagdschein. Zusätzlich sind für den Jahresjagdschein 150 Millionen RM und für den Tagesjagdschein 30 Millionen RM an Stempelgebühr zu entrichten.

 

25.11.1923

Einweihung des Schmalenseer Gefallenendenkmals. Der Bericht des SKTB:

„Am Totensonntag wurde das unsern 13 Gefallenen errichtete Denkmal eingeweiht. An der Feier nahmen nicht nur die Gemeindeglieder, sondern auch viele Auswärtige teil. Nach dem gemeinsam gesungenen Eingangslied: „Ein feste Burg“ und einem von Fräulein (Erna) Saggau gesprochenen Prolog hielt Lehrer (Heinrich) Göttsch eine Ansprache, in der er der gefallenen Helden gedachte, die fast sämtlich Kinder der Gemeinde und Schüler des Redners gewesen sind. Nach 5jähriger Schmach und Schande, teils selbst verschuldet, fragt er sich, ob unsere Söhne umsonst gestorben sind. Redner mahnte, trotz allem an die Zukunft des deutschen Volkes zu glauben. Ein Volk, das sich im Krieg unvergleichlich heldenhaft bewährt habe, sei nicht der Versumpfung und dem Untergang geweiht. Der Deutsche werde sich wieder emporringen, und Zucht und Ordnung, Recht und Treue werden wieder des Glückes Unterpfand werden. Nachdem von einem gemischten Chor das Lied: „Harre, meine Seele“ gesungen war, hielt Pastor Schlüter eine tiefempfundene Weiherede. Die Fragen: Woher kommen wir und wohin steuern wir? beantwortend, schilderte er die Not des Krieges, die schweren Gänge, die er als Seelsorger habe machen müssen, um den Angehörigen die Todesnachricht zu überbringen, und bezog sich dann auf die Lage des Denkmals an der lebhaften Verkehrsstraße und dem schönen See und knüpfte daran verheißungsvolle Ausblicke in die Zukunft unserer Heimat und des Vaterlandes. Mahnend rufe das Denkmal allen Vorübergehenden zu: Bedenke, daß Du ein Deutscher bist. Nachdem die Hülle gefallen und war und ein Ehrensalut abgefeuert war, wurde das Lied: „Es ist bestimmt in Gottes Rat“ gesungen. Dann übergab Hufner (Willi) Siebke das Denkmal in den Schutz der Gemeinde und knüpfte daran den Dank an alle, die opferwillig den Bau ermöglicht haben, insbesondere dankte er dem Steinmetzmeister (Johannes) Suhr, Bornhöved, der seiner Heimatgemeinde ein so würdiges Ehrenmal geschaffen habe. Gemeindevorsteher (Theodor Johannes) Schnohr übernahm das Denkmal und legte namens der Gemeinde einen Kranz nieder. Der Vorsitzende des Militärverein Bornhöved, Hufner (Hinrich) Saggau, gebürtig aus Schmalensee, gedachte in Treue seiner einstigen Mitschüler und Spielgenossen und stiftete namens des Vereins einen Kranz, desgleichen der Militärverein Kalübbe, dessen Sprecher, Vorsitzender Sonnichsen, eindrucksvolle Worte fand. Auch die Schüler, die Feuerwehr, die Frauen, der Frauenverein Bornhöved und die Angehörigen widmeten kostbare Kränze. Hufner Heinrich Harder gedachte mit ehrenden Worten der Krieger von 1848 und 1870-71, um dann an deren Denkmal einen Kranz niederzulegen.“

[Heinrich Göttsch schildert in seiner Chronik von Schmalensee die Einweihung des Ehrenmals umfangreich und zitiert auch den vorstehenden Text in Gänze. Der Prolog, den Erna Saggau damals hält, ist als Originalhandschrift der 14-Jährigen erhalten. Sie ergänzt Jahre später: „Es war damals so kalt, aber ich stand im weißen Sommerkleid mit schwarzer Schärpe vor dem Denkmal um das Gedicht vor all den traurigen Angehörigen zu sprechen.“]

 

Erna Saggaus Prolog:

 

Unseren gefallenen Helden

 

Die Wogen der Ströme sie tragen

Alldeutschlands Tränen zum Meer.

Die Täler und Berge, sie klagen

und trauern so tiefernst und schwer.

 

Des Krieges erbarmungslos Wüten

hat wie ein Spätreif zur Nacht

des Vaterlands Knospen und Blüten

zum Welken und Sterben gebracht.

 

Die Gräber gefallener Krieger,

an denen die Liebe heiß weint,

sie bleiben - Besitztum der Sieger -

doch immer mit Deutschland vereint.

 

Und wo wildrollende Wogen

die kühne Schar auf den Grund

des Meeres hinuntergezogen,

kein Grabstein verzeichnet die Kund!

 

Kein Hügel mit Kreuz und Zypressen

geschmückt von liebender Hand,

auf Euer wird nimmer vergessen

das dankbare Vaterland.

 

Denn wo Ihr trotzend gestritten,

im Meeressturm oder zu Land,

todbringende Wunden erlitten,

ob Wellen Euch decken, ob Sand.

 

Ihr trugt das Panier deutscher Ehr,

ein jeder von Euch als ein Held

glorreich über Länder und Meer

nun rauscht Euer Ruhm durch die Welt!

 

27.11.1923

Der Bornhöveder Kaufmann Martin Unbehagen ist zum Vorsteher des Gesamtarmenverbandes Bornhöved gewählt und vom Landrat bestätigt worden.

 

01.12.1923

Trotzdem im Kreise Segeberg keine Differenzen zwischen Ärzten und den Verbandskrankenkassen bestehen, folgen die Mediziner einem Aufruf des Hartmannbundes Leipzig, ihrer Spitzenorganisation, und treten in einen Streik ein. - So lautet der Vorwurf des Krankenkassenverbandes. Die Ärzte wehren sich. Sie würden nicht streiken, jedoch jeden Patienten als Privatpatienten betrachten und somit nur noch Barzahlungen akzeptieren.

 

01.12.1923

Mit Einführung der Renten- oder Goldmark werden die Jagdscheingebühren neu festgelegt. Ein Jahresjagdschein kostet nun 4,50 Goldmark zuzüglich 5 Goldmark an Stempelgebühr; der Tagesjagdschein kostet 90 Goldpfennig zzgl. 1 Goldmark Stempelgebühr.

 

05.12.1923

Sitzung des Segeberger Kreistages.

 

10.-11.12.1923

Das Segeberger Finanzamt hält in Bornhöved Sprechstunden zur Lohnsteuer ab.

 

12.12.1923

Der Landgemeindeverband für den Kreis Segeberg hält in Segeberg und Bad Bramstedt Versammlungen ab, um die aktuelle Lage und den bevorstehenden Winter zu besprechen. Der Kreis Segeberg ist dazu aufgerufen, die Stadt Wandsbek mit Lebensmittellieferungen im Winter zu unterstützen.

 

21.12.1923

Das Segeberger Kreis- und Tageblatt verkündet seine neuen, ab Januar gültigen Abonnementpreise: 2,50 RM.

 

In die Chronologie dieses Jahrgangs sind nicht alle verfügbaren Meldungen zur Inflation und zur Lage der Landwirtschaft festgehalten worden.

Kontakt
 

Gemeinde Schmalensee

Bürgermeister

Sönke Siebke
Dorfstr. 61
24638 Schmalensee

 

Tel.: (04323) 8209
E-Mail: