Mai-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 2
Werfen wir den Blick zurück in die Geschichte unseres Dorfes und seiner Umgebung. Zahlreiche Quellen liefern uns oft Aufschluss über längst vergessene Geschehnisse und bieten zugleich Gelegenheit für Erinnerungen. Wie immer sind die historischen Meldungen monatlich zweigeteilt, um den Besucherinnen und Besuchern von „gemeinde-schmalensee.de“ ein hoffentlich interessantes Mehr an geschichtlicher Unterhaltung zu bieten. Hier der zweite Teil für den Monat Mai.
Schmalensee bekommt (wieder) einen CDU-Ortsverband: In Schmalensee wird am 22. Mai 1975, vor 50 Jahren, der 68. CDU-Ortsverband innerhalb des Kreisverbandes Segeberg gegründet. Initiator der Gründungsversammlung, auf der der stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU, Uwe Menke, zugegen ist, ist Hans Siebke. Er wird auch zum 1. Vorsitzenden des Ortsverbandes gewählt. 2. Vorsitzender wird Günther Brust, Schatzmeister Ewald Garber. Zu Beisitzern werden Rainer Schramm und Jürgen Stegelmann gewählt. Aus spärlich erhalten gebliebenen Unterlagen ist allerdings ersichtlich, dass schon 1946 Schmalenseerinnen und Schmalenseer in die gerade im Aufbau befindliche CDU eintraten, und zumindest auf Kreisebene von einem „Ortsverband Schmalensee“ die Rede war, der dann aber vermutlich in dem Bornhöveder Verband aufging. 2012 schlossen sich die CDU-Ortsverbände Schmalensee und Stocksee zusammen; seit 2025 gibt es den CDU-Ortsverband Bornhöved und Umgebung, in dem der Ortsverband Schmalensee/Stocksee aufgegangen ist.
Aus der Schmalenseer Meierei vor 65 Jahren: 399 Kühe aus Schmalensee und Belau produzieren die der Schmalenseer Meiereigenossenschaft „zufließende“ Milch. Diese und andere Zahlen stellt Aufsichtsratsvorsitzender Hellmut Siebke laut Bericht der Segeberger Zeitung vom 23. Mai 1960 der Jahreshauptversammlung vor. 95 % der gelieferten Milch wird zu Markenbutter verarbeitet. Für beide Dörfer stellt die Meierei zudem Sahne, Käse und Quark her. Die Magermilch geht zu 70 % zurück an die Lieferanten, die restlichen 30 % werden an die Milchzentrale Lütjenburg zur Milchpulverherstellung verkauft. Zur weiteren Modernisierung und Produktverbesserung wird die Anschaffung einer neuen Butterei vorangetrieben.
Schlägerei mit Todesfolge in Stocksee: Am Abend des 23. Mai 1885, vor 140 Jahren, kommt es im benachbarten Stocksee zu einer Gewalttat. Das Segeberger Kreis- und Wochenblatt vom 28. Mai im Wortlaut: „Ein Act bestialischer Rohheit hat sich am Sonnabend Abend im Dorfe Stocksee hiesigen Kreises zugetragen. Ein früher dort in Dienst gestandener Knecht, der seit einiger Zeit auf einer benachbarten Ziegelei arbeitet, bekam gelegentlich eines Besuchs in Stocksee am genannten Abend mit einigen Knechten dort Streit und wurde von diesen mit einem Knüppel oder anderen Instrument derart behandelt, daß derselbe bald darauf in einen besinnungslosen Zustand verfiel und in welch' letzterem er sich noch augenblicklich befindet. Merkwürdigerweise wurde dieser Fall erst am Montag [25. Mai], an welchem Tage der Gemißhandelte nach hier [Segeberg] geschafft und in ärztliche Behandlung gegeben wurde, zur polizeilichen Anzeige gebracht. Gestern [27. Mai] nahm Herr Major v. Unruh als stellvertretender Kirchspielvoigt die Untersuchung an Ort und Stelle vor und muß dieselbe für die bei der Affaire betheiligten beiden Knechte so gravierend ausgefallen sein, daß dieselben noch diese Nacht geschlossen hier gefänglich eingebracht wurden. Uns drängt sich hier unwillkürlich die Frage auf, wie es erklärlich ist, daß ein Mensch in einem solchen Zustande – ca. 36 Stunden – ohne ärztliche Hülfe gewesen und ohne Anordnung eines Arztes auf hier transportirt worden ist.“ Am 30. Mai 1885 schreibt das SKWB: „Der Knecht aus Stocksee, welcher am Montag im besinnungslosen Zustand hierher geschafft und in der städtischen Arbeitsanstalt untergebracht wurde, ist am Mittwoch Abend [27. Mai] gestorben, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein.“
Von der Schönheit unserer Landschaft:Im Hamburger Fremdenblatt erscheint am 24. Mai 1930, vor 95 Jahren, eine reich bebilderte Sonderseite, welche unter der Überschrift „Im Lande der 100 Seen“ die Holsteinische Schweiz und deren Randgebiete bewirbt. Schmalensee taucht zwar nicht im Bild, aber im Text auf. Hier ein Auszug: „Die südwestliche Seengruppe, die vom Stolper-, Belauer-, Bornhöveder- und vom Schmalensee gebildet wird und die über Neumünster leicht erreicht werden kann, bildet eine kleine herrliche Welt für sich. Von Bornhöved, Schmalensee und Belau aus erschließen sich die abwechslungsreichen Landschaftsbilder. [...]“
Lage der Imker vor 100 Jahren: Der Kreisimkerverein hält im Mai 1925 in Schlamersdorf seine Jahresversammlung ab. Das Segeberger Kreis- ud Tageblatt berichtet am 25. Mai davon. Direktor Breiholz aus Neumünster, Leiter des Landesverbandes für Bienenzucht in Schleswig-Holstein und Präsident der Deutschen Imkerverbände, setzt sich in seinem Grußwort für ein Vorgehen gegen Kunst- und Auslandshonig ein. Breiholz fordert, dass deutscher Bienenhonig nur im Einheitsglas verkauft werden sollte, das mit Einheitsverschlussstreifen und Honig-Etikett versehen klar für den Verbraucher erkennbar sei.
Lage der Feuerwehren vor 100 Jahren: In Wakendorf I findet am 24. Mai 1925 der Kreisfeuerwehrtag statt. Kreisfeuerwehrhauptmann ist Gustav Petersen. Er bedauert in seinem Vortrag, dass die Beschaffung von Motorspritzen im Kreisgebiet ins Stocken geraten ist. Auch sind nicht allerorten zufriedenstellende Handdruckspritzen verfügbar. Der Kreis Segeberg lehne es derzeit ab, einen Kreisbrandmeister anzustellen, der eine Überwachung des Brandschutzes in den Gemeinden garantieren könne. Obwohl Petersen nicht wieder für das Amt des Kreisfeuerwehrhauptmanns kandidieren möchte, wählt ihn die Versammlung für weitere sechs Jahre in dieses Amt. Als Kassierer des Kreisfeuerwehrverbandes hält Oberbrandmeister Willy Siebke aus Schmalensee seinen Bericht. Beim anschließenden Essen lässt es sich Siebke nicht nehmen, einen Trinkspruch auf „unsere engere Heimat Schleswig-Holstein“ auszubringen.
Schlamersdorf brannte vor 175 Jahren: Ein Großfeuer in Schlamersdorf vernichtete am 27. Mai 1870 das ganze Dorf bis auf zwei Häuser. Auch die Kirche brannte nieder und musste neu aufgebaut werden. Laut Überlieferung griff ein aufkommender Sturm in die Glut der Esse des Dorfschmieds und die umherfliegenden Funken entzündeten zuerst die Kirche. Verschont werden unter anderem das Pastorat sowie die Gruft unter der Kirche, über der ein Neubau errichtet und am 27. Mai 1873 neu geweiht werden sollte.
Rinder für die Siegermächte: In den nördlichen Gemeinden des Kreises Segeberg findet am 27. Mai 1920, vor 105 Jahren, der Ankauf von Rindern zur Ablieferung an die ehemaligen Kriegsgegner Frankreich und Belgien statt. Noch immer spricht die Presse dabei von Reparationen an den „Feindbund“. Ankaufsorte für die bevorzugt tragenden Tiere, die unbedingt mit haltbaren Hanfstricken versehen sein müssen, sind Tarbek, Bornhöved und Gönnebek. Bezahlt werden durchschnittlich 2500 Mark für Färsen (8-14 Monate), 4200 Mark für tragende Färsen sowie 6000 Mark für tragende Kühe. Sollte ein tragendes Tier vor dem Kauf kalben, erhält der Verkäufer 200 Mark je Kalb.
Schmalensee-Zahlen vor 55 Jahren: Eine Volkszählung am 27. Mai 1970 ergibt für den Kreis Segeberg eine Bevölkerungszahl von 164.627. Laut Flächennutzungsplan für die Gemeinde Schmalensee (Schöning 1973), der die Volkszählung auf den 25.05.1970 datiert, hat Schmalensee eine Einwohnerzahl von 382. Die Bevölkerungsdichte beträgt auf den 8,68 Quadratkilometern Gemeindegröße 44 Bewohner je Quadratkilometer. Im Erläuterungsbericht zum Flächennutzungsplan ist eine Verteilung der Erwerbstätigen auf verschiedene Wirtschaftsbereiche festgehalten: Land- und Forstwirtschaft 32,5 Prozent, Produzierendes Gewerbe 31,9 Prozent, Handel und Verkehr 13,8 Prozent, Sonstige wirtschaftliche Bereiche 21,8 Prozent.
Eine neue Postleitzahl für Schmalensee: Schmalensee erhält am 27. Mai 1990, vor 35 Jahren, eine neue Postleitzahl. Die 2321 (über Plön) wird durch die Bornhöveder Postleitzahl 2351 (über Neumünster) ersetzt. Die Schmalenseer mit Bürgermeister Hans Siebke an der Spitze sind nicht glücklich mit dieser Entscheidung, da sie mit viel Aufwand für die Einwohner und örtliche Gewerbetreibende verbunden ist. Hans Siebke vermutet hinter der Maßnahme eine „Retourkutsche“, da die Kieler Oberpostdirektion zuvor im Kampf um den Erhalt der Schmalenseer Poststelle – die sie hatte schließen wollen – unterlegen war. Die von der Post angegebenen Gründe sind dagegen wirtschaftlicher Natur: 3841 DM spare sie für die um 300 Meter kürzere Anlieferungsstrecke jährlich ein.
Kreisumlage vor 125 Jahren: Am 28. Mai 1900 wird die Kreisumlage für das Rechnungsjahr 1. April 1900 bis 31. März 1901 festgeschrieben. Sie beträgt 15% der gemeindlichen Steuereinnahmen. Für Schmalensee bedeutet dies Abgaben in Höhe 431,93 Mark, gemessen an den veranschlagten Einnahmen in Höhe 2879,50 Mark. Zu zahlen ist die Kreisumlage in zwei Raten, eine im August 1900, die zweite im Februar 1901. Verantwortlich für die Ablieferung zeichnet der Gemeindevorsteher.
Lang gehegter Wunsch nach der Bahn: Zwischen 1911 und 1961 verkehrte zwischen den Städten Segeberg und Kiel eine sogenannte Kleinbahn, eine nicht staatliche, privatwirtschaftliche Eisenbahn mit Stationen unter anderem in Tensfeld, Tarbek, Bornhöved und Wankendorf, an der sogar die Gemeinde Schmalensee Anteile gezeichnet hatte. Mehr als ein halbes Jahrhundert hatte es gedauert, aus einer fixen Idee ein behördlich genehmigtes Unternehmen zu starten. In der Stadt Segeberg fand am 29. Mai 1840, vor 185 Jahren, eine Versammlung statt, in deren Verlauf sich „ein Verein zur Förderung einer Eisenbahnanlage von Altona nach Kiel in der Richtung über Segeberg“ bildete, der, so die Zeitung „Hamburger Mercur“ am 2. Juni 1840, bereits 91 Mitglieder zählte. Ein siebenköpfiges Komitee wurde gebeten, „die erforderlichen Data in Betreff der erwähnten Richtung der Bahn zu sammeln und die geeigneten Schritte zur Beförderung dieser Angelegenheit zu thun“.
Großer Landjugendtag in Schmalensee: Die Landjugendgruppe Schmalensee richtet am 30. Mai 1970, vor 55 Jahren, ein Schlepper-Geschicklichkeitsturnier aus. Alle acht Landjugendgruppen des Kreises Segeberg, dazu Gruppen aus Ascheberg, Wasbek, Husberg, Bordesholm und Wankendorf, werden in Schmalensee erwartet. Erfolgreicher Verteidiger des Wanderpokals ist die Husberger Gruppe vor Hartenholm und Ascheberg. In der Einzelwertung wird Wolfgang Harder als Vierter bester Schmalenseer. Neben den Fahrwettbewerben gibt es ein Luftgewehr- und Bogenschießen. Zweiter mit dem Gewehr wird der Schmalenseer Ewald Garber. Im Mädchenwettbewerb belegen Sieglinde Kreutzmann, Elsbe Wittern und Karla Suhr von der LJG Schmalensee die Plätze eins bis drei. Der Tag endet mit der Siegerehrung und einem Turnierball im Gasthof Voß, bei dem die „Tramboys“ aufspielen.
Auch Daldorf hatte seine Katastrophe: In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1900, vor 125 Jahren, wurde das Dorf Daldorf bis auf wenige Häuser eingeäschert. Das Hamburger Echo berichtete am 2. Juni: „[...] im Ganzen gingen 28 Gebäude in Flammen auf. Das Feuer kam gegen 12 Uhr in der Hufner Kock'schen Kathe zum Ausbruch; eine halbe Stunde später brannten bereits 20 Gebäude. In Folge dieses Umstandes konnte die Einwohnerschaft des Ortes an die Rettung ihres Mobiliars und sonstiger Gegenstände, als landwirthschaftliche Maschinen, Wagen, Futtermittel und so weiter nicht denken. Einige Landleute waren nicht in der Lage, die nothwendigsten Kleidungsstücke in Sicherheit zu bringen. Glücklicherweise ist wenig Vieh in den Flammen umgekommen, dem Hufner Bock sind vier Kälber und der Witwe Saggau eine Ziege verbrannt. Die Besitzer sind sämmtlich versichert; den Schaden haben die Landesbrandkasse, ferner die Naher, Armstedter und Heidmühlener Gilden zu tragen. Recht hart betroffen ist der Gemeindevorsteher Blunck, dem außer seinem eigenen baaren Vermögen noch einige tausend Mark (Steuern der Ortseingessenen und Meiereigelder) durch das verheerende Element vernichtet wurden. Blunck ist für dieses anvertraute Geld haftbar.“
Neuigkeiten aus Schmalensee vor 115 Jahren: Am 31. Mai 1910 lesen wir im Segeberger Kreis- und Tageblatt aus Schmalensee, dass Umbauten am Schmalenseer Schulhaus abgeschlossen sind. Die Lehrerwohnung ist demnach erweitert worden. Kurz vor der Fertigstellung ist auch die neue Meierei, die neben dem Gasthof errichtet worden ist. Diese soll auch eine „Müllerei“, eine Schrotmühle, und eine elektrische Zentrale beinhalten. Für 50 Pfennig je Kilowattstunde soll aus dieser Licht und für 30 Pfennig Kraft bezogen werden können.
Messerstecherei im Gasthof Voß: Während des Pfingstballs am 31. Mai 1925, vor 100 Jahren, im Gasthof Voß kommt es zu einer Messerstecherei. Der angeklagte landwirtschaftliche Arbeiter D. aus Neumünster hatte bereits vor mehreren Jahren mit dem Hofbesitzersohn S. aus Schmalensee eine Auseinandersetzung gehabt und war seitdem nicht gut auf diesen zu sprechen. Während des Tanzvergnügens geraten beide in einen Wortwechsel. D. zieht plötzlich sein Messer und sticht blindlings auf S. und den herbei eilenden Schmalenseer H. ein. Beide Schmalenseer tragen mehrere schwere Stiche in der Brust, an der Stirn und an der Hand davon. Zeugenaussagen entkräften später D.'s Leugnung der Täterschaft. Er wird vom Schöffengericht Neumünster zu sieben Monaten Haft verurteilt. Seine Berufung wird im Oktober 1927 von der Kieler Strafkammer verworfen.
Ein Saggau-Sieg im Einspänner: Mit dem Leezener Reit- und Fahrturnier am 31. Mai 1925, dem ersten Pfingsttag vor 100 Jahren, wird die Saison der reiterlichen Veranstaltungen im Kreis Segeberg eröffnet. Der Sieg in der schweren Einspännerabteilung geht nach Schmalensee, an „Herrn Saggaus Blenheim“. Blenheim aus dem Besitz von Ludwig Saggau wird in der Regel von dessen Sohn Helmuth gelenkt. Der gewinnt mit Blenheim zudem die Anfänger-Dressurprüfung.
Bild zur Meldung: Selbstbinder, Getreide- u. Grasmäher, SKTB 18.05.1930













