Juni-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1
Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat Juni.
Ministerbesuch bei der CDU Schmalensee: Der CDU-Ortsverband Schmalensee veranstaltet am 1. Juni 1980, vor 45 Jahren, im Gasthof Voß einen Frühschoppen mit Landwirtschaftsminister Günter Flessner. Dieser spricht über den „aktuellen Umweltschutz unter Berücksichtigung der gemeindlichen Probleme“. Flessner bezeichnet den Auftrag, Natur und Landschaft zu erhalten, als eine der wichtigen Herausforderungen der Zeit. Dabei spiele der Schutz von Seen und Gewässern eine bedeutende Rolle. Ziel der Landesregierung sei die Anbindung von 80 Prozent aller Haushalte an zentrale Anlagen der Abwasserbeseitigung. Deshalb befürworte Flessner die Bemühungen der Gemeinde Schmalensee, im Ort eine Kanalisation mit Anschluss an das Klärwerk Bornhöved zu bauen.
Lage der Landwirtschaft vor 105 Jahren: Im Segeberger Hotel Germania findet am 2. Juni 1920 eine Mitgliederversammlung des Bundes der Landwirte für den Kreis Segeberg statt. Die Versammlung benennt gravierende Mängel der völligen Zwangswirtschaft, die eine hinreichende Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln verhindere. Mit Blick auf die Politik wird kritisch auf die Uneinigkeit der gut zwölf Millionen Landwirte im Deutschen Reich hingewiesen. Schlössen sich diese zu einer einzigen Vereinigung zusammen, hätte die Landwirtschaft eine mächtige Stimme im Reich. Auf regionaler Ebene spricht man sich für eine Einigung mit dem Schleswig-Holsteinischen Bauernverein aus. Zahlreiche Redner, die sich zu ihrer konservativen Haltung bekennen, weisen darauf hin, dass eine Ausrichtung des Bundes der Landwirte ausschließlich auf Rechtsparteien unklug sei.
Die Zwangswirtschaft, eine seitens der Reichsregierung vorgegebene Produktion und Abgabe landwirtschaftlicher Erzeugnisse, resultierend aus den Zwängen des Versailler Vertrages und der erforderlichen Versorgung der Ballungsräume, löst in den nächsten Tagen und Wochen Proteste aus, die aber letztlich ein Zusammengehen der Verbände nicht zur Folge haben werden. Am 3. Juni 1920 kommt es vor der Tonhalle in Neumünster zu einer Protestversammlung von Landwirten gegen die Zwangswirtschaft. Aufgerufen hat der Schleswig-Holsteinische Bauernverein. Im Kreis Segeberg werden am 24. Juni Protestversammlungen wie im Segeberger Hotel Germania durchgeführt, zu denen die ganze Bevölkerung geladen ist. Einladende sind die Landwirtschaftlichen Vereinigungen Bund der Landwirte, Schleswig-Holsteinischer Bauernverein und Landwirtschaftlicher Kreisverein, aber auch der Deutsche Bund für Gewerbe, Handel und Industrie, die Schlachter-Innung, der Manufakturisten-Verein, der Mühlenverband, Gastwirteverein und der Viehhändlerverein. Die Proteste in Segeberg gehen am 28. Juni 1920 weiter. Es wird eine Aufhebung der Zwangswirtschaft zum 1. August gefordert. Zwar werden später Einzelmaßnahmen der Zwangswirtschaft gelockert werden, doch gerade Grundnahrungsmittel wie Brotgetreide werden noch länger der staatlichen Kontrolle unterliegen.
Gemeinde-Themen vor 65 Jahren: Die Segeberger Zeitung berichtet am 3. Juni 1960 aus der Schmalenseer Gemeindevertretung. Den Schwerpunkt bildet der Ausbau von Straßen und Wirtschaftswegen. Um hier zu sparen, wird auf den Hand- und Spanndienst zurückgegriffen. Die Freiwillige Feuerwehr soll für 3700 DM eine neue Tragkraftspritze erhalten. Der Haushaltsplan der Gemeinde beläuft sich auf 36.318 DM. Klagen gibt es darüber, dass Abwässer auf die Dorfstraße geleitet werden.
Feuerwehr-Jubiläum im Nachbarort vor 120 Jahren: Im Juni 1905 ist die Freiwillige Feuerwehr etwas mehr als 15 Jahre alt. Die Freiwillige Feuerwehr Bornhöved feiert am 4. Juni 1905 bereits ihr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass findet im Nachbarort das Kreisfeuerwehrfest statt. Nach Empfang der Delegierten um 9.30 Uhr im Vereinslokal Suhr geht es um 10.30 Uhr in den Gasthof Zur Linde (Hauschildt), wo die Delegiertenversammlung stattfindet. Nach einem Festessen ab 13 Uhr bei Suhr zeigen ab 15 Uhr die Freiwilligen Feuerwehren von Bornhöved, Schmalensee und Gönnebek auf dem Festplatz Schulübungen. An diese schließt ein Festmarsch durch den Ort Bornhöved an. Ab 19.30 Uhr findet in drei Bornhöveder Gasthöfen Festbälle statt.
Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter verlassen Schmalensee: Das Meldebuch der Gemeinde Schmalensee, von dem Auszüge die während des Krieges im Dorf befindlichen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter betreffend in den Arolsen-Archives zu finden sind, nennt das Datum 4. Juni 1945 in mehreren Fällen als das der Abmeldung. Zielort ist demnach Neumünster. Dort, im Lager Ehndorfer Straße, werden die „Displaced Persons (DP)“ gesammelt und später repatriiert oder, nach erfolgreicher Bewerbung, nach Nordamerika verschifft, wo sie sich ein neues Leben aufbauen. Das Arbeitsbuch für Ausländer der Zwangsarbeiterin Wera Letun alias Veronika Huryn belegt, dass am 3. Juni 1945, vor 80 Jahren Jahren, ihr Arbeitsverhältnis in Schmalensee endete. Nach Aufforderung durch die britische Besatzungsmacht verlassen die im Dorf befindlichen Ausländer fast einen Monat nach ihrer Befreiung Schmalensee. Die Schmalenseer Bauern müssen die Ausländer mit Verpflegungsrationen für drei Tage ausstatten und nach Neumünster fahren, schreibt Historiker Karsten Dölger im Jahr 2000 in seinem Buch „Polenlager Jägerslust“.
Gewaltbereitschaft unter jungen Leuten: Von einem allgemein hohen Maß an Gewaltbereitschaft unter jungen Männern zeugen zwei Ereignisse aus Schmalensees Umgebung um den 5. Juni 1905, vor 115 Jahren: Als in Belau der Amtsdiener zum Ende des Scheibenschießens Feierabend anordnet, fallen einige junge Leute über ihn her und verprügeln ihn. Um diesen Tag herum machen in der Ziegelei auf dem Tarbeker Hof zwei Zimmergesellen „Skandal“: Sie bedrohen andere Arbeiter mit dem Messer und es entbrennt eine Schlägerei. Bei Eintreffen des Gendarmen ist halbwegs Ruhe eingekehrt.
Feuerwehr Schmalensee in den „Top 10“: Am 6. Juni 1935, vor 90 Jahren, findet eine große Besichtigung des Löschzuges 3 Schmalensee durch Kreiswehrführer Hellberg und seinen Führerrat statt. Nach einem Punktesystem werden das Geräte- und Fußexerzieren bewertet und laut Protokollbuch ist das Ergebnis sehr gut. „Somit zählt der Löschzug 3 Schmalensee zu den zehn besten Wehren im Kreis Segeberg“, vermerkt Schriftführer Hellmut Saggau im Protokollbuch.
Vor 100 Jahren: Der „Stahlhelm“ beherrscht den Kreis: In Bad Segeberg findet am 7. Juni 1925 der Stahlhelm-Tag statt. Der Bund der ehemaligen Frontkämpfer unterhält eine Kreis- und mehrere Ortsgruppen und lädt namentlich den Kreisreiterverein, die Krieger- und Militärvereine sowie alle vaterländischen Verbände des Kreises Segeberg ein. So entsteht ein imposanter Festzug von fast einem Kilometer Länge, der sich durch die Kreisstadt hin zur „Rennkoppel“ zieht. „Der Stahlhelm marschiert nicht nur, er beherrscht den Kreis Segeberg“, schreibt der Berichterstatter des Segeberger Kreis- und Tageblatts. Während des abendlichen Kommers im völlig überfüllten Hotel Germania nimmt Stahlhelm-Kreisleiter Böckmann sämtliche Veteranen von 1870/71 als Ehrenmitglieder in den Bund der Frontsoldaten auf.
Die Stärke der deutschnationalen, rechtsextremen und in weiten Teilen antisemitischen Stahlhelm-Organisation im Kreis Segeberg wird dazu führen, dass die Nationalsozialisten erst spät, dann aber mit großem Erfolg, hier Fuß fassen werden – auch durch das Zusammengehen mit dem Frontkämpferbund.
Bekannter Hof in Schmalensee wechselt den Besitzer: Wo heute Pferde die Hauptrolle spielen und ein (Reit-)Sportverein seine Heimstätte hat, hat vor dem 9. Juni 1900, vor 125 Jahren, der Name des Besitzers gewechselt. An diesem Tage nämlich wird vor dem Königlichen Amtsgericht in Segeberg das Testament der im Mai verstorbenen Witwe Elise Dunker aus Schmalensee veröffentlicht. Sie war die zweite Frau von Christian Friedrich Dunker, der als Ehemann der Anna Magdalena Dorothea Dose 1847 durch deren Erbschaft in Besitz der Hufe 11 gekommen war. 1891 starb Dunker und seine seit 1864 zweite Frau Elise wurde Nutznießerin der Hufe. Elise Dunker hatte noch kurz vor ihrem Tod die Hufenstelle mit vollem Inventar an ihren Neffen, den Gastwirt Hans Friedrich Kruse aus Ruhwinkel für 60.000 Mark verkauft. Im Jahr 1908 wird Kruses Schwager Willy Kaack aus Bornhöved die Hufe kaufen.
Leicht irreführend: In der Chronik von Heinrich Göttsch (1948) steht, dass der Verkauf von Elise Dunker an Kruse im Jahr 1901 geschah – vermutlich war der Kauf dann erst rechtskräftig. In einem Bericht des Segeberger Kreis- und Wochenblatts vom 17. Mai 1900 heißt der Neffe „J. Kruse“. Bei Göttsch ist der Mädchenname von Elise Dunker übrigens „Hinst“ – laut Anzeige im Wochenblatt „Hintz“, was wahrscheinlicher ist. Niemand ist halt frei von Fehlern.
Schmalensee unterliegt Kaltenkirchen:Bei der 8. Delegiertenversammlung der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Segeberg am 12. Juni 1900, vor 125 Jahren, in Hitzhusen sind 26 von 40 Wehren vertreten, darunter Schmalensee. Die Delegierten sind Rudolf Dunker und Fritz Tietgen. Diese bemühen sich, bei der Wahl des nächsten Tagungsortes den Delegiertentag nach Schmalensee zu bekommen, jedoch setzt sich in der Abstimmung nach einem Patt (9:9) Kaltenkirchen mit 13:11 Stimmen in der Stichwahl durch, so der Bericht im Protokollbuch der Wehr.
Ringreiten in Schmalensee vor 65 Jahren: Am 12. Juni 1960 findet das Ringreiten der Landjugendgruppe Schmalensee statt. Der ganze Sonntag steht im Zeichen des Festes, das um 13 Uhr mit den Reiterwettkämpfen und dem Wettstreit der Mädel beginnt. Am Nachmittag findet der Kindertanz, abends der große Reiterball auf dem Saal beim Gastwirt Voß statt. Lisa Wulf und Hans Siebke bilden das Königspaar.
Gemeinde-Themen vor 55 Jahren: Am 12. Juni 1970 berichtet die Segeberger Zeitung aus der letzten Sitzung der Schmalenseer Gemeindevertretung. Diese beschließt den Ausbau der Straße zur neuen Siedlung (Am Ringreiterplatz). Die Maßnahme soll durch den Wegezweckverband des Kreises für 10.000 DM umgesetzt werden. Zudem erhält die Siedlung eine zusätzliche Straßenlaterne. Weiterhin werden 6000 DM zur anteiligen Finanzierung einer neuen Leichenhalle auf dem Friedhof Bornhöved bewilligt.
Düstere Prognose vor 35 Jahren: Am 13. Juni 1990 findet die konstituierende Sitzung des Segeberger Kreisverbandes im Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag statt. Im Bad Segeberger Schützenhof wird Boostedts Bürgermeister Siegfried Steffensen erneut zum Kreisvorsitzenden gewählt. Schmalensees Bürgermeister Hans Siebke wird als Vertreter des Amtes Bornhöved als Vorstandsmitglied bestätigt. Der bald aus dem Amt scheidende Landrat Graf Schwerin von Krosigk verabschiedet sich von der Kreisgruppe mit einem düsteren Ausblick. Das Land, so der seit 1966 amtierende Landrat, mache sich über die Ersparnisse der Gemeinden her. Schwere Zeiten stünden bevor.
Große Zählaktion im Kreis Segeberg vor 130 Jahren: Im Kreis Segeberg führen am 14. Juni 1895 rund 260 Helfer eine verordnete Berufs- und Gewerbezählung durch. Im Kreisgebiet werden 8270 Haushalte mit 38.967 Einwohnern gezählt – ein Zuwachs gegenüber 1890 um 30 Haushalte und 687 Personen.
Besonders der Einsatz zahlreicher Lehrer wird betont. Auf dem Lande haben die Helfer fast alle Schreibarbeiten, also das Ausfüllen der bis zu drei Zähllisten ganz allein erledigen müssen. „Es ist dies aber durchaus nicht einem Mangel an Bereitwilligkeit, sondern lediglich der Complication der Zählpapiere und der Unbeholfenheit der Landleute in schriftlichen Arbeiten beizumessen“, erklärt das Segeberger Kreis- und Wochenblatt.
Landjugend beeindruckt die Soldaten:In Bad Segeberg richtet das Panzergrenadierbataillon 182 am 14. Juni 1970, vor 55 Jahren, einen Vergleichswettkamp Landjugend – Bundeswehr aus. Im Archiv der Landjugendgruppe Schmalensee findet sich eine Urkunde dazu, die der „Landjugend“ den 1. Platz bescheinigt.
Erfolgreicher Schmalenseer Fußballnachwuchs: Die Segeberger Zeitung veröffentlicht am 14. Juni 1985, vor 40 Jahren, ein Bild der C-Juniorenfußballer des SV Schmalensee. Diese sind frischgebackene Sieger der Staffel B. In der Rückrunde der Spielserie 1984/85 wurden alle Gegner von der von Thorsten Neukam und Hartmut Buchholz trainierten Mannschaft besiegt. In der Mannschaft spielen Frank Bobzien, Thomas Isaakson, Jörn Saggau, Marco Voß, Kai Doose, Mathias Looft, Alexander Sötje, Volker Saggau, Norbert Hahn, Olaf Isaakson, Heiko Wulf, Mark Ehlers und Michael Wachs.
Feuersbrunst in Bornhöved vor 140 Jahren: In Bornhöved kommt es am 15. Juni 1885 zu einer Feuersbrunst. Gegen 16 Uhr entsteht der Brand beim Maler Lüthje, Mieter bei D. Kaack. Das Feuer kann erst verspätet bekämpft werden, da sich die Bornhöveder Feuerwehr zur Erprobung neu beschaffter Feuerpatschen in Gönnebek aufhält. Aufgrund der Trockenheit greift das Feuer schnell um sich und trotz des energischen Einsatzes der eingetroffenen Spritzenmannschaften aus Schmalensee, Gönnebek, Bockhorn, Altenrade und Tarbek werden mindestens sechs Gebäude vernichtet. An lebendem Inventar kommt nur ein Schwein ums Leben, dagegen verbrennt viel Mobiliar. Es wird Brandstiftung vermutet.
Im Hamburger Fremdenblatt am 17. Juni 1885 ist ein umfassender Bericht zu lesen: „Neumünster, 15. Juni. Am Sonntag-Nachmittag um 4 Uhr entstand im nahen Bornhöved ein heftiges Feuer, nachdem etwa eine halbe Stunde zuvor das dortige Löschcorps zum Probieren der neuen Löschapparate zum Nachbarorte Gönnebek ausgezogen war. Die Feuerwehr begab sich eiligst nach Bornhöved. Obgleich in der Zeit von ca. 60 Minuten 7 Spritzen zur Stelle kamen, so vermochten sie dennoch bei der herrschenden Dürre sehr wenig zu nützen. Es wurden 8 Gebäude eingeäschert und 8 Familien obdachlos; 2 dieser Familien sind unversichert. Eine Wöchnerin ward nur mit genauer Noth gerettet. Die Ursache der Entstehung dieses Brandes ist bis jetzt unbekannt. Muthmaßlich liegt Brandstiftung vor.“
Freiwillige Feuerwehren sind zu der Zeit noch die Ausnahme. Bornhöved hat schon eine, die in Schmalensee, das im April einen Dorfbrand erlebt hat wird erst in vier Jahren eine solche gegründet werden. Die aus Schmalensee anrückende Spritzenmannschaft ist eine Brandwehr: Zum Brandschutz verpflichtete männliche Einwohner.
Bild zur Meldung: SVS-C-Junioren Staffelmeister 1984-85, SZ-Foto













