August-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1
Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat August.
Meierei-Nachrichten vor 115 Jahren: Eigentlich soll zum 1. August 1910 die neu errichtete Schmalensee Genossenschaftsmeierei ihren Betrieb aufnehmen. Da aber die elektrische Anlage der neuen Meierei noch nicht fertiggestellt ist, kann der Termin nicht eingehalten werden. Schon jetzt aber wird laut Segeberger Kreis- und Tageblatt die mit neuesten Maschinen ausgestattete und mit einer Schrotmühle verbundene Meierei von Fachleuten als mustergültig beschrieben. Das immerhin dürfte Meiereiverwalter Antoni freuen, der zuvor in Dersau und Daldorf tätig war. Er übernimmt an diesem 1. August 1910 – termingerecht – die Verwaltung der neuen Schmalenseer Meierei. Er folgt auf den über einen Monat zuvor verstorbenen Meiereiverwalter Schlüter.
Feuerwehr-Fest vor 105 Jahren: Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Bornhöved findet am 1. August 1920 im Nachbarort wieder ein Kreisfeuerwehrverbandsfest statt, das erste nach dem Weltkrieg. Kreisfeuerwehrhauptmann Petersen wird in seinem Amt bestätigt. Außerdem wird der Hauptmann der Schmalenseer Wehr, Willy Siebke, als Beisitzer in den Kreisvorstand gewählt. An den Brandübungen unter der Leitung von Feuerlöschdirektor Schmiedel beteiligen sich neben der Bornhöveder Wehr auch die aus Gönnebek und Schmalenseer. Danach gibt es einen Festmarsch durch den geschmückten Ort und später Festbälle in drei Lokalen, die bis zum frühen Morgen dauern.
Auch in Schmalensee waren Juden unerwünscht: Am 2. August 1935, vor 90 Jahren, berichtet das Segeberger Kreis- und Tageblatt aus Schmalensee, beginnend mit einer Frage, deren erwünschte Wirkung erst bei der Wiederholung deutlich wird: „Wirkt es? Nachdem in den letzten Wochen verschiedene größere und kleinere Badeorte in nicht mißzuverstehender Sprache zum Ausdruck gebracht haben, daß sie keinen Wert auf Besuch durch Juden legen, schwärmen diese aufs flache Land. Ist das schon an sich unerfreulich, so ist es noch schlimmer, daß sie in einem deutschen Bauerndorf tatsächlich auch als Gäste aufgenommen werden. Zur Freude vieler Dorfeinwohner und wohl auch vieler Sommergäste sah man gestern morgen Plakate angebracht, die die Aufschrift trugen, ‚Juden unerwünscht!’ Wirkt es? Auch für beide Teile?“
Ereignisreicher 4. August 1990: Eigentlich ist der geplante Höhepunkt des 4. August vor 35 Jahren, ein Samstag, das Sommerfest der Landjugendgruppe Schmalensee auf dem heutigen Bolzplatz. 17 Mannschaften wetteifern ab 14 Uhr bei den Spielen ohne Grenzen. Sieger wird die Landjugendgruppe Malkwitz-Söhren aus Ostholstein vor der LJG Nusse (Herzogtum Lauenburg) und der Schmalenseer Mannschaft. Ab 20 Uhr steigt das beliebte Grillfest. Doch ehe laute Musik ertönt, bestimmen Sirenen und Martinshörner das akustische Geschehen der Umgebung: Gegen 10 Uhr erleidet ein Autofahrer auf der Straße von Schmalensee nach Stocksee in Höhe Stockseehof einen Herzinfarkt. Der 76-Jährige kommt mit seinem Pkw von der Fahrbahn ab und prallt gegen einen Baum. Wiederbelebungsversuche herbeigerufener Notärzte bleiben vergeblich.
Gegen 14 Uhr geraten die beiden denkmalgeschützten Scheunen der Hofstelle Willingshöfen in Brand. Mehrere Wehren eilen zur Brandbekämpfung und können ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus verhindern. Die Kriminalpolizei stellt unmittelbar nach Beendigung der Löscharbeiten Ermittlungen zur Brandursache an; der Schaden wird auf 200.000 DM geschätzt. Kurz nach Beendigung des Einsatzes an der B 430 auf Willingshöfen werden die Wehren des Amtes noch zum Tarbeker Hof gerufen. Am Weg nach Alt-Erfrade sind gleich drei abgeerntete Strohkoppeln in Brand geraten. Unter Hinzuziehung von landwirtschaftlichem Gerät kann eine weitere Ausdehnung verhindert werden. Dennoch muss sogar die Wahlstedter Wehr mit einem großen Tanklöschfahrzeug hinzugezogen werden. Obendrein stirbt an diesem Sonnabend noch ein 76-jähriger Motorradfahrer bei einem Unfall nahe Stocksee, sodass an einer Stelle vom „Schwarzen Sonnabend im Nordkreis“ die Rede ist.
Es wird ruhig um den Tischtennisverein:In Trappenkamp findet am 7. August 1970, vor 55 Jahren, der Verbandstag des Kreissportverbandes Segeberg statt. Ehrengast ist Ministerpräsident Dr. Helmut Lemke. Laut Teilnehmerliste im KSV-Archiv ist der Tischtennisverein Schmalensee zwar Mitglied, aber nicht bei der Zusammenkunft im Nachbarort vertreten. Auch hat der TTV laut Berichtsheft im Jahr 1969 keine Sportförderung in Anspruch genommen.
Am Hitzschlag gestorben, aber wo?: Landmann H. Fischer, der im März 1905 seine Schmalenseer Landstelle Höllenhorst verkaufte, wird beim Mähen vom Hitzschlag getroffen und stirbt. Über den Ort gibt es im Segeberger Kreis- und Tageblatt unterschiedliche Angaben. Aus Schmalensee heißt es am 8. August 1905, vor 120 Jahren, Fischer habe in Schmalensee gemäht und sei beim Gang zu einem Wassergraben, wo er wegen Unwohlseins Wasser trinken wollte, verstorben. Später, am 17. August, vermeldet Tensfeld, dass Heinrich Fischer beim Hafermähen in Tensfeld am Hitzschlag verstarb. Möglicherweise ist diese Meldung eine Richtigstellung.
Vor 45 Jahren brannte die Schule: Bei einem Feuer in der Realschule Bornhöved am 9. August 1980 entsteht ein Sachschaden von rund 800.000 DM. Ein Fachraum und zwei Klassenräume werden in Mitleidenschaft gezogen. Alle Feuerwehren des Amtes Bornhöved sowie Einsatzkräfte aus Trappenkamp und Rickling werden gegen 3.50 Uhr zur Brandstelle beordert. Gegen 8 Uhr ist das Feuer eingedämmt. Da Brandstiftung nicht auszuschließen ist, werden Teile der Schule polizeilich gesperrt. Zudem entsteht nun durch den Schaden, auch in angrenzenden Bereichen, eine erhebliche Raumnot. Der Unterricht kann für die unteren Klassen nach den Ferien erst mit mehrtägiger Verspätung aufgenommen werden.
Am 25. August wird wieder unterrichtet. Jedoch eingeschränkt: Wegen herrschender Raumnot müssen täglich zwei Klassen zu Hause bleiben. Um nicht noch mehr Ausfälle zu verzeichnen, wird improvisiert: Die Grund- und Hauptschule hilft mit Räumen aus und das Lehrerzimmer ist zum Klassenraum geworden. Fest steht mittlerweile, dass Brandstiftung Grund des Feuers war.
Vierlinge in Schmalensee vor 180 Jahren?: Inwieweit diese Zeitungsmeldung der Wahrheit entspricht, bleibt vorerst im Unklaren. Am 19. August 1845 schreibt der Altonaer Mercur, dass man am 13. August aus Bornhöved erfährt, in Schmalensee habe am 10. August „die Frau eines Webers, welche erst am 4. Novbr. vor. Jahres eines Knaben genesen war, von vier Kindern entbunden, von welchen drei leben.“
Kriegsnachrichten 1915: Aus dem Segeberger Kreis- und Tageblatt ist am 13. August 1915, vor 110 Jahren, zu erfahren, dass die Schmalenseer Mitglieder des Vaterländischen Frauenvereins Lebensmittel für die vielen im Segeberger Lazarett eingetroffenen Verwundeten aus Russisch-Polen übersenden. Bereits am 6. August stand in dieser Tageszeitung, dass das Londoner Prisoners of War Information Bureau die deutsche Bevölkerung bittet, Liebesgabenpakete an Kriegsgefangene in England ordentlich zu verpacken, da in der Vergangenheit oftmals beschädigte Pakete oder verdorbene Inhalte ausgehändigt werden mussten. Das Ergebnis einer von vielen Spendensammlungen wird am 7. August 1915 mitgeteilt: In Schmalensee wurden 220,90 RM für Kriegsbeschädigte gesammelt, die aufgrund ihrer Verwundung für einen neuen Beruf ausgebildet werden müssen. Am 1. August 1915 findet in der Vicelin-Kirche ein Gottesdienst statt, in dem der seit August 1914 gefallenen Männer der Kirchengemeinde, 38, gedacht wird. Darunter sind zwei Schmalenseer: Ludwig Jäger und Hans Blunk.
Mobilisierung der Bevölkerung vor 85 Jahren: Am 9. August 1940 haben sich um 9 Uhr beim Gastwirt Bewarder in Schlamersdorf die Wehrpflichtigen der Geburtsjahrgänge 1900 bis 1903 aus Schmalensee, Bornhöved, Gönnebek, Stocksee, Tensfeld, Tarbek und Krems II zur Musterung einzufinden. Ende des Monats gibt es einen weiteren Termin: Im Bad Segeberger Hotel Germania findet am 30. August 1940 ab 8.30 Uhr die Musterung aller weiblichen Reichsangehörigen des Geburtsjahrgangs 1922 aus dem Amt Bornhöved und zahlreicher anderer Gemeinden des Kreises Segeberg für den Reichsarbeitsdienst (RAD) statt.
Kein lohnendes Ziel im Bombenkrieg:Unsere Region ist im Zweiten Weltkrieg kein lohnendes Ziel für Luftangriffe der Kriegsgegner Deutschlands. Allerdings kann es dann zum Überflug kommen, wenn Städte wie Kiel oder Lübeck, vielleicht auch Hamburg und später Neumünster angegriffen werden. Gezielte Bombenabwürfe auf Dörfer dürften also insbesondere in der ersten Kriegshälfte die Ausnahme sein. Wenn Bomben fallen, dann vor allem solche, die nicht planmäßig über dem tatsächlichen Ziel die Bombenschächte der Flugzeuge verlassen haben und von den Besatzungen als Notabwürfe „entsorgt“ werden, um nicht mit scharfer Bombenlast an Bord landen zu müssen. Unter diesem Aspekt dürfte dieser Eintrag in der Stockseer Schulchronik zu werten sein: „Im August 1940 warf ein feindliches Flugzeug (wahrscheinl. englisches Flugz.) 6 Bomben auf der Feldmark Stockseehof – zwischen Bauernholz und Karkhop – ab, die keinen Schaden anrichteten.“
Schmalenseer müssen sich Kritik anhören: Am 12. August 1950, vor 75 Jahren, meldet die Segeberger Zeitung, dass in Schmalensee die Brandschau durch den Bezirksschornsteinfeger gravierende Mängel in der Brandvorbeugung ans Tageslicht brachte. Vor allem in den zum Teil notdürftigen Unterkünften der Flüchtlinge sind deren Ofenanlagen, sogenannte „Brennhexen“, nicht auf feuerfestem Untergrund aufgestellt. Doch auch in den Haushaltungen der Einheimischen sind oftmals elektrische Leitungen unzureichend geflickt, Schornsteine ausbesserungsbedürftig oder Kamine nicht mit dem vorgeschriebenen Zementschieber versehen.
Landjugend und Landtechnik vor 70 Jahren: Gemeinsam mit der Deula-Schönböken (Deutsche Lehranstalt für Agrartechnik) führt die Landjugendgruppe am 14. April 1955 auf einer Koppel von Bürgermeister Helmuth Saggau ein Treckergeschicklichkeitsfahren und eine Landtechnik-Ausstellung durch. Auch ein Wettmelken findet statt. Siegerin der Mädchen wird Wilma Saggau aus Schmalensee, bei den Jungen gewinnt Rudolf Pries, Spannhorn. Geschicktester Treckerfahrer ist Heinrich Witt aus Bornhöved mit dem Hanomag. Die Siegerehrung findet mit einem Tanzvergnügen zur Musik der Dersauer Kapelle Tacke im Gasthof Voß statt.
Schmalenseer müssen die Mühle wechseln: Vor 105 Jahren besteht in Schleswig-Holstein Mühlenzwang. Eine Meldung im Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 26. August 1920 besagt, dass einem Antrag des Schleswig-Holsteinischen Bauernvereins, diesen aufzuheben, nicht stattgegeben wurde. Am 15. August 1920 hatte sich gezeigt, welche Mechanismen der Mühlenzwang auslösen konnte: In Bornhöved wurde an diesem Tag die Mühle des Herrn Scheirmann seitens der Behörden „wegen Unzuverlässigkeit des Inhabers“ geschlossen. Für die Selbstversorger der Gemeinden Bornhöved, Schmalensee, Gönnebek, Alt-Erfrade und Tarbek hieß dies, dass sie an die Mühle des Herrn Timm in Rickling überwiesen wurden.
Bild zur Meldung: Feuer Willingshöfen am 04.08.1990 von Damsdorfer Straße beobachtet













