September-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1
Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat September.
Großes Gedenken vor 130 Jahren: In Bornhöved wird am 1. September 1895 in großem Umfange der Sedantag zum Andenken an den Sieg über Frankreich vor 25 Jahren begangen. Schon am Vortag säumen beim Zapfenstreich Hunderte den festlich geschmückten und beleuchteten Marktplatz, ehe am Sonntag nach einem Gottesdienst mit Pastor Voß, selbst Kriegsteilnehmer 1870, ein Festmarsch der Veteranen erfolgt. Beim Kommers in Hein’s Gasthof, dessen Präsident Amtsvorsteher Heinrich Christian Saggau aus Schmalensee ist, hält Schmalensees Lehrer Louis Scheller eine Lobrede auf die siegreiche Deutsche Armee.
Großes Manöver vor 125 Jahren: Im Raum Bornhöved kommt es aufgrund des Herbstmanövers der verstärkten 36. Infanteriebrigade im Zeitraum 31. August bis 6. September 1900 zu zahlreichen Einquartierungen. Die Brigade umfasst neben Infanterie auch Artillerie-, Kavallerie- und Train-Truppen (Nachschub). Die Gemeinden sind angewiesen, Flurstücke, die zur Vermeidung größerer Flurschäden unbedingt vom Manöverbetrieb auszunehmen sind, mit Warnzeichen, so genannten Wiepen, zu kennzeichnen.
In Schmalensee ist am 31. August zunächst die halbe 1. Eskadron des Husarenregiments Nr. 15 einquartiert worden. Vom 4. bis 6. September liegen im Ort der Bataillonsstab und eineinhalb Kompanien des II. Bataillons des Infanterieregiments Nr. 85 und eine Dreiviertel-Eskadron des Husarenregiments Nr. 15. Am 6. September rücken außerdem für eine Nacht Teile Stabes des Husarenregiments Nr. 15 mit einem Offizier, drei Unteroffizieren und fünf Gemeinen mit neun Pferden vom Trainbataillon 9 sowie Feldgendarmerie in Schmalensee ein.
Die nächstliegenden Übungsgefechte finden am 6. September zwischen Alt-Erfrade und Tarbek statt. Von Bornhöved rücken circa 1000 Mann in Richtung Kalübbe zum Gefecht aus. Die Landwirte sind im Vorwege dazu aufgefordert worden, das Vieh von den Weiden zu nehmen. Auf Scheelshof stürzt ein Hauptmann der 85-er vom Pferd und bricht sich das Schlüsselbein.
Kino-Krise in Schmalensee vor 75 Jahren: Aus der Segeberer Zeitung vom 2. September 1950 ist zu erfahren, dass Bürgermeister Heinrich Hamann und Gastwirt Hans Voß im Jahre 1949 den Bornhöveder Kinobesitzer Schoor zu regelmäßigen Vorführungen, einmal wöchentlich, in Schmalensee bringen konnten. Nun gehen diesem, wohl wegen der Erntezeit, die Besucher aus. Dennoch lässt er sich dazu bewegen, von Erwerbslosen und Kriegsgeschädigten nur den halben Preis zu verlangen.
Landlehrer und Rassismus im Nationalsozialismus: Die monatliche Versammlung des NS-Lehrerbundes Bornhöved beginnt am 3. September 1935, vor 90 Jahren, wie neuerdings üblich, mit einem Faustballspiel auf dem Bornhöveder Sportplatz am See. Dann befasst sich die Versammlung laut Bericht im Segeberger Kreis- und Tageblatt mit dem „Rassenverfall“ Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg, als „ostische Demokratieeinflüsse und Judentum Deutschland zur Börsenkolonie“ gemacht hätten. Nun wende sich der Blick nach Russland, wo „unterhalb der Oberschicht eine mongolisch gemischte Unterschicht geschlummert“ habe, deren Empörung sich im Bolschewismus geäußert habe. „Der Bolschewismus bedeutet die Empörung der Mongoliden gegen nordische Kulturformen“, schließt Lehrer Möller seinen Vortrag. Ein Filmvorführgerät, das in der Bornhöveder Schule eingetroffen ist, soll in einem festen Kreislauf durch die Dorfschulen gereicht werden, um dort Lehrfilme in den Unterricht einbinden zu können.
Der ÖPNV zwischen Bornhöved und Neumünster: Am 5. September 1920, vor 105 Jahren, ist dem Segeberger Kreis- und Tageblatt zu entnehmen, dass der Auto-Omnibus auf der Linie Neumünster-Bornhöved so gut angenommen wird, dass er nicht alle Fahrgäste fassen kann. Der Betreiber, die Kraftverkehrsgesellschaft Nordmark, bemüht sich um ein größeres Fahrzeug und erlässt zum Monatsende Fahrpreisermäßigungen auf kurzen Wegstücken. Auch werden Schülerwochenkarten und ab 1. Oktober 1920 sonntägliche Mittagsfahrten eingeführt. Außerdem wird dann der Fahrplan geändert, damit vor allem Anschlusszüge in Neumünster besser erreicht werden können. Zugleich ist durch die Linie eine Querverbindung zur Eisenbahnstrecke Kiel-Segeberg entstanden. Die Buslinie kommt insbesondere Schulkindern vom Lande sehr entgegen, die den Unterricht in Neumünster besuchen.
Ein Einbaum aus dem Stocksee geborgen: Am 5. September 1985, vor 40 Jahren, wird ein vermutlich aus der Bronzezeit stammender Einbaum, der vielleicht zum Fischfang diente, aus dem Stocksee geborgen. Bereits zwei Jahre zuvor waren Sporttaucher auf einen ihnen rätselhaften Holzfund gestoßen, hatten diesen aber wieder aus den Augen verloren. Nun aber fanden sie die Stelle und den Fund erneut, etwa 15 Meter vom Ufer entfernt. Da bloßes Graben im Schlick nicht half, ging man am 1. September mit Hubsäcken ans Werk und hatte Gewissheit, dass es sich um einen sogenannten Einbaum handeln müsse. Mit Bürgermeister Wiebe wurde die Segeberger Außenstelle des Landesamtes für Vor- und Frühgeschichte benachrichtigt, deren Leiter eine Überführung des Fundes zum Landesmuseum Schleswig organisierte. So lange sollte man das Boot im Wasser belassen, um dessen Zustand möglichst zu erhalten. Bei der Bergung nun wird festgehalten, dass der Einbaum 5,10 Meter lang, 65 Zentimeter breit und 46 Zentimeter tief ist. Entstanden sein könnte dieser um das Jahr 1000 v. Chr. Trotz Überführung nach Schleswig hofft man in Stocksee, den Fund als Sehenswürdigkeit zurückzuerhalten.
Scheune brennt komplett ab: Feuer am 5. September 1970, vor 55 Jahren, auf dem Schmalenseerfeld: Beim Bauern Herbst brennt die Scheune bis auf die Grundmauern ab. Da erst 1300 Meter Schlauchleitung aufgebaut werden müssen, können die angerückten Feuerwehren des Amtes Bornhöved und aus Trappenkamp das Gebäude nicht retten, wohl aber das Wohngebäude.
Keine Juden in der Hitlerjugend erwünscht: In der Bornhöveder Schule haben sich am 6. September 1940, vor 85 Jahren, die Jungen des Geburtsjahrgangs 1923 aus Bornhöved, Schmalensee, Tarbek und Stocksee zur Musterung für den Dienst in der Hitlerjugend einzufinden. Der Musterungsaufruf im Segeberger Kreis- und Tageblatt macht klar: „Juden und solche Mischlinge, die … als Juden anzusehen sind, haben … nicht zu erscheinen.“ Die 1923 geborenen Mädchen werden am 29. September gemustert werden.
Heftige Rüge für Schmalensee vor 55 Jahren:Der Landrat des Kreises Segeberg teilt dem Amt Bornhöved und der Gemeinde Schmalensee am 8. September 1975 mit, dass das Müttergenesungsheim Schmalensee beantragt hat, vollbiologisch gereinigte Abwässser in den Schmalensee einleiten zu dürfen, da eine Versickerung auf dem eigenen Grundstück nicht möglich sei. Der Kreis Segeberg nimmt dies zum Anlass, auf gravierende Mängel in Schmalensee hinzuweisen: Trotz Vorfluter gelangen viel zu viele Schmutzwässer in der geschlossenen Ortslage direkt in den See. Der Kreis sieht sich gezwungen, der akuten Gefährdung des biologischen Gleichgewichts des Schmalensee die Kläranlagen im Ort zu überprüfen und unmittelbare Einleitungen unzureichend gereinigter Abwässer zu unterbinden. Zugleich weist der Kreis darauf hin, dass im benachbarten Bornhöved eine Kanalisation im Ausbau ist und auch Schmalensee dringend prüfen sollte, eine mit Landesmitteln geförderte zentrale Ortsentwässerung in Eigenleistung zu schaffen, um von den Bürgern erhebliche Kosten fernzuhalten.
Antisemitismus und Antibolschewismus der Arbeitsfront: In Tensfeld hat laut Bericht des Segeberger Kreis- und Tageblatts vom 9. September 1935, vor 90 Jahren, eine Versammlung der Deutschen Arbeitsfront stattgefunden. Ortsgruppenamtsleiter Emil Bock aus Bornhöved referierte über die Entwicklung der Arbeitsfront, wodurch die zahlreichen Gewerkschaften beseitigt und Arbeitnehmer und Arbeitgeber unter einem Dach vereint wurden. Dann warnte Bock seine Zuhörer: „Der größte Feind des ganzen Aufbaus ist der Jude. Die Geschichte hat es uns gezeigt, daß jedes Volk, das den Juden als gleichberechtigt bei sich aufnimmt, früher oder später zu Grunde geht. Die größte Schande Deutschlands war jene Zeit, als der Jude es wagen durfte, das deutsche Volk nach talmudischen Gesetzen zu regieren. Radikale Judenherrschaft (ist) reiner Bolschewismus.“
Dankgedicht eines Jubilars: Der Organist C.H. Reimers feiert am 10. September 1885, vor 140 Jahren, sein 25-jähriges Amtsjubiläum im Kirchspiel Bornhöved. Reimers dankt den vielen Gratulanten aus Nah und Fern mit einer originellen Danksagung im Segeberger Kreis- und Tageblatt: Er veröffentlicht ein Dankgedicht (das in einem Bild zu dieser Sammlung zu finden ist).
Zwei Verwundungen, ein Eisernes Kreuz: Nachdem der Unteroffizier Heinrich Hamann, Maurer aus Schmalensee, im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 265 dienend, zum zweiten Mal leicht verwundet worden und wieder zur Truppe zurückgekehrt war, hat er laut Meldung im Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 10. September 1915, vor 110 Jahren, das Eiserne Kreuz erhalten. Der aus Löhndorf stammende Hamann, späterer Bürgermeister in Schmalensee, war erstmals im Oktober 1914 bei Kämpfen am Yserkanal verwundet und ins Lazarett nach Neumünster verlegt worden. Damals gehörte er noch dem Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 214 (Rostock) an. Zu diesem kehrte er auch zurück und wurde laut Preußischer Verlustliste Nr. 257 vom 24. Juni 1915 erneut leicht verwundet. Hamanns weiterer Weg als Kriegsteilnehmer wird im September 1918 die Beförderung zum Sergeanten sein – ein Rang zwischen dem Unteroffizier und dem Feldwebel – und die französische Gefangenschaft, aus der er um den Jahreswechsel 1919/20 fliehen und sich nach Hause durchschlagen wird.
Schmalenseer fahren zum Reichsparteitag: Mit der Bahn brechen am 12. September 1935, vor 90 Jahren, laut Segeberger Kreis- und Tageblatt mehrere Mitglieder der NSDAP-Ortsgruppe Bornhöved zum Reichsparteitag nach Nürnberg auf. Zur Gruppe gehören auch die Schmalenseer Heinrich Harder und Ernst Stegelmann.
Landrat führt Amtsgebäude-Beschluss herbei: Vor schweren Beratungen stehen am 12. September 1960, vor 65 Jahren, die Mitglieder des Amtsausschusses Bornhöved angesichts der Raumnöte der Verwaltung. Da es dem Amt unter Amtmann Adolf Biß (Gönnebek) noch nicht gelungen sei, einen Plan für einen Neubau des Amtsgebäudes in Bornhöved vorzulegen, greift Landrat Dorenburg einen Vorschlag der Gemeinde Trappenkamp auf, den Amtssitz einstweilen nach dorthin zu verlegen. Das aber stößt auf Widerstand, vor allem der Bornhöveder. Beschleunigt kommt der Amtsausschuss zu der Entscheidung, bereits bis zum Herbst 1961 ein neues Amtsgebäude in Bornhöved errichten zu wollen.
Rechtsruck bei den Reichstagswahlen: Da der Reichstag aufgelöst wurde, kommt es am 14. September 1930, vor 95 Jahren, zu vorgezogenen Neuwahlen. Im Deutschen Reich ist ein erheblicher Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten die große Überraschung. Hinter der SPD (143 Reichstagssitze) wird die NSDAP zweitstärkste Partei (107 Sitze). In Schleswig-Holstein verhält es sich ebenso. In Schmalensee geben 39 Wähler ihre Stimmen der SPD, 38 der NSDAP. Die weiteren Stimmen entfallen auf Deutsche Volkspartei – DVP (30), Bauern- und Landvolkpartei (17), Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (16), Deutsche Bauernpartei (10), Kommunistische Partei – KPD (8), Deutschnationale Volkspartei – DNVP (6), Christlich Soziale Volksgemeinschaft (4), Volksrechtspartei und Christlich Soziale Reichspartei (2), Christlich Sozialer Volksdienst (2), Deutsche Staatspartei (1) und Menschheitspartei neue Volksgemeinschaft (1).
Von zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen hatte eine am 6. September in Schmalensee stattgefunden: Um 20 Uhr war im Gasthof Voß für die der Deutsche Volkspartei (DVP) der Redner Iversen aus Munkbrarup Gast und sprach über „Bäuerliche Veredelungswirtschaft und Reichstagswahlen“.
Verbot der weichen Bedachung vor 135 Jahren: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind in Holstein zahlreiche verheerende Brände zu verzeichnen. Schmalensee erlebte seinen Dorfbrand im April 1885; auch Dörfer wie Bornhöved, Daldorf und Tensfeld wurden vom Feuer heimgesucht. Als Grund für die rasche Ausbreitung des Brandgeschehens wurde die „weiche Bedachung“ mit Stroh oder Reet ausgemacht. Am 15. September 1890 erlässt der königliche Landrat des Kreises Segeberg, von Willmoes-Suhm, die „Polizeiverordnung betreffend Beschränkung der weichen Bedachung in geschlossenen Ortschaften des Landbezirks des Kreises Segeberg“. Demnach dürfen in geschlossenen Ortschaften Neubauten nur noch mit festem Dach ausgestattet werden. Im Zuge von Reparaturen der Hauptbedachungen ist zukünftig festes Material zu verwenden.
Bild zur Meldung: SVS-Fußball, Kreisklasse C, SZ 12.09.1995













