Vor 100 Jahren: Theaterabend beim Turnverein Schmalensee
Am 16. Dezember 1925, vor 100 Jahren, veröffentlichte das Segeberger Kreis- und Tageblatt, Vorläufer der heutigen Segeberger Zeitung, einen längeren Bericht aus Schmalensee, der hier im Wortlaut wiedergegeben sei:
„Schmalensee, 16. Dezember. Der hiesige Turnverein veranstaltete einen wohlgelungenen Theaterabend und konnte sich dabei eines gut besuchten Hauses erfreuen. Nach einem eindrucksvoll vorgetragenen Vorspruch, in dem das Turnen gepriesen war, gingen zwei Theaterstücke „Ein flotter Turner muß es sein“ und „Ueberlistet“ über die Bretter.
Die Mitwirkenden hatten sich in die Rollen gut hineingefunden, so daß das Spiel flott vonstatten ging. Das erste Stück zeigte, wie flotte Turner hübsche Mädels in ihrer Liebe zu den Erwählten ihres Herzens wankend machten – „Ein flotter Turner muß es sein“ –, bis dann schließlich doch alles zum Guten auslief.
Im zweiten Stück feierten die Turner wahre Triumphe als Herzensbrecher und legten auch ihren künftigen hartnäckigen Schwiegerpapa gründlich hinein, daß er sich ins Unvermeidliche fügen mußte.
Zwei entzückende Duetts „Hans und Dörte“ und „Die neue Köchin“ wurden gewandt vorgetragen. Wahre Lachsalven begleiteten den Wettkampf zwischen David und Golitah.
Alles in allem war es ein genußreicher Volksabend, waren doch alle Stände unter den Mitwirkenden und im Publikum vertreten. Der Vorsitzende dankte für die Unterstützung der Turnersache. Eine Verlosung brachte der Kasse einen guten Gewinn.“
Kurze Einordnung:
Wer die Darstellerinnen und Darsteller gewesen sein mögen, bleibt leider offen. Das Weglassen von Namen ist in damaliger Berichterstattung meist üblich gewesen. Hier vielleicht, weil der Bericht aus einer Schmalenseer Feder stammt, und niemand vergessen werden sollte.
Vielleicht war es Heinrich Harder, der diese Zeilen zum Verlag nach Bad Segeberg schickte – er war 1924 Bürgermeister in Schmalensee geworden und, das ist an anderer Stelle zu lesen, einer der Gründer und Vorsitzender des Turnvereins Schmalensee.
Ein besonderes Augenmerk verdient der letzte Absatz, in dem zum Ausdruck gebracht wird, dass Veranstaltungen wie diese – so wie auch das Wesen der Turn- und Sportvereine jener Zeit – etwaige „Standesunterschiede“ in der ländlichen Bevölkerung überwinden halfen oder zumindest dabei helfen sollten. Dem Turnverein fällt somit nicht allein eine sportliche oder gesundheitlich vorsorgende Rolle zu, sondern definitiv auch eine gesellschaftliche.
Bild zur Meldung: Segeberger Kreis- und Tageblatt Archiv













