Dezember-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1
Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat Dezember.
Schmalenseer blockieren die Straße: Am 1. Dezember 1990, vor 35 Jahren, findet eine Demonstration in Schmalenseestatt. Als Auftakt zum offenen Protest gegen die Umwandlung des ehemaligen Mütterkurheims zur Asylbewerber-Massenunterkunft blockieren rund 50 PKW eineinhalb Stunden lang den Verkehr auf der B430 im Ortsbereich. „Asylrecht ja – Massenunterkunft nein“ steht auf Plakaten, rund 100 demonstrierende Bürger verteilen Flugblätter an genervte Autofahrer.
Am 5. Dezember hat Bürgermeister Hans Siebke in Sachen Asylbewerberunterkunft zu einer Einwohnerversammlung geladen. Vor 120 Anwesenden erklärt Landrat Georg Gorrissen dass der Kreis Segeberg aufgrund des örtlichen Widerstands das Projekt fallen lassen werde. Stattdessen habe der Kreisausschuss beschlossen, dass es nun eine Quotenregelung zur Verteilung von Asylbewerbern über das Kreisgebiet geben solle. Neben Bürgermeister Hans Siebke zeigt sich auch Hans-Jürgen Bucksch, Sprecher einer Bürgerinitiative, zufrieden mit dem Ergebnis. Dieses, das stellen alle Seiten klar, bedeutet nicht, dass grundsätzlich keine Unterbringung von Asylbewerbern im Ort erfolgen wird, nur eben nicht in Massen, wie den zunächst avisierten 80 Personen, die in der 380 Einwohner-Gemeinde hätten untergebracht werden sollen. „Es gibt keinen Grund, uns als Sieger zu fühlen“, sagt Hans-Jürgen Bucksch, der Sprecher der BI. „Wir sehen sehr wohl, dass das neue Konzept viel schwieriger zu verwirklichen ist.“ Spontan wird Geld gesammelt: 600 DM kommen zusammen, die dem Asylbewerberheim im benachbarten Belau zugute kommen sollen.
Erste gesamtdeutsche Wahl vor 35 Jahren: Die erste Bundestagswahl, an der die Menschen in West- und Ostdeutschland teilnehmen können, wird zur „Schicksalswahl“ stilisiert. Zwei Monate nach der Wiedervereinigung sind die Deutschen am 2. Dezember 1990 zum Urnengang aufgefordert. CDU und FDP erringen einen deutlichen Sieg, erringen zusammen über 55 Prozent und können den Fortgang der Wiedervereinigung federführend gestalten. Auch im Bundestagswahlkreis 8 Segeberg/Stormarn-Nord werden die Christdemokraten mit ihrem Direktkandidaten Peter-Kurt Würzbach aus Klein Rönnau klare Sieger. 49,2 Prozent kann Würzbach auf sich vereinen.
In Schmalensee erhält die CDU 51,7 Prozent der Zweitstimmen, 1987 waren es 50,4 Prozent. Auf die SPD entfallen hier 30,8 (30,0), FDP 7,7 (9,6) und Grüne 5,6 (8,9). Die Stimmenverhältnisse im Einzelnen – Erststimmen für den Direktkandidaten; 236 gültige Stimmen von 310 Wahlberechtigten: CDU 137 (152), SPD 75 (84), FDP 10 (7), Grüne 9 (16), Graue 1, Republikaner 3, NPD 1 (1). Zweitstimmen für die Landesliste der Partei; 234 gültige Stimmen gesamt: CDU 121 (131), SPD 72 (78), FDP 18 (25), Grüne 13 (23), Graue 3, Republikaner 4, NPD 1 (1), ÖDP 1, PDS 1.
NSDAP im Raum Bornhöved im Aufwind: Am 3. Dezember 1930, vor 95 Jahren, berichtet das Segeberger Kreis- und Tageblatt von einer sehr gut besuchten Versammlung der Ortsgruppe der NSDAP im Bornhöveder Hotel Stadt Kiel. Deren Vorsitzender weist in seiner Begrüßung darauf hin, „daß Bornhöved in kurzer Zeit eine Hochburg der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei geworden“ sei. Der Redner des Abends skizziert die augenblickliche Lage der Landbevölkerung. „Der heutige Staat gleicht einem sinkenden Schiff. Nicht nur der Weltkrieg, sondern auch die Revolution ging verloren. Die zahllosen Zwangsversteigerungen von bäuerlichen Betrieben, 16.000 Selbstmorde im Jahr und täglich 10.000 Offenbarungseide geben ein Bild des heutigen Wirtschaftssystems.“
Einige Zahlen aus Schmalensee vor 70 Jahren: Die Segeberger Zeitung meldet am 7. Dezember 1955, dass bei Geflügelzüchterin Nanny Saggau seit dem 1. Oktober des Jahres insgesamt 20 Hühner aus einem verschlossenen Stall beziehungsweise Freigehege gestohlen wurden. Am 8. Dezember meldet die SZ, dass die Landjugendgruppe Schmalensee auf dem Hof des Bauern Hans Harder Herrn Willers von der Kieler Landwirtschaftskammer begrüßen konnte. Dieser unterwies 15 Jungbauern in der Tierbeurteilung. 32 Jäger und 30 Treiber unternahmen am 14. Dezember 1955 die Treibjagd in der Schmalenseer Gemarkung. Insgesamt wurden 40 Hasen, 16 Kaninchen und ein Fasanenhahn zur Strecke gebracht. Jagdkönig wurde Hugo Kaack aus Heiderfeld.
Zu wenig Polizei vor 150 Jahren: In Bornhöved und Umgebung stößt auf, dass es dort keinen festen Polizeiposten gibt. Mit einem längeren Beitrag im Segeberger Kreis- und Wochenblatt am 8. Dezember 1875 macht der Berichterstatter aus Bornhöved auf die sich daraus entwickelnden Problemlagen aufmerksam. Vor allem eine strenge Handhabe gegenüber Bettlern und Vagabunden sei nicht gewährleistet. Den Gemeindevorstehern sei dies eine besondere Last, denn bei ihnen würden die Umherziehenden des nachts auf der Suche nach einem Schlafraum vorstellig. Die Ortsvorsteher hätten dann sogenannte Nachtkarten auszustellen – Anweisungen an andere Hausbesitzer im Ort, die dem Bettler ein Quartier in Stall oder Scheune überlassen müssten. Diese Individuen aber würden ihre Gastgeber zumeist am nächsten Morgen noch um Geld für den Tag anbetteln, was lästig sei und nur durch Polizei-Präsenz verhütet werden könne. Dass in Blunk gleich zwei Gendarmen stationiert seien, im Amt Bornhöved aber nicht einer, stößt zusätzlich auf großes Unverständnis, denn Vagabunden seien in einem Raum mit annähernd 2000 Einwohnern nur ein Problem von vielen.
Gemeinde-Homepage vor 10 Jahren vorgestellt: Kaum zu glauben, aber es ist schon zehn Jahre her, dass das Projekt Gemeinde-Homepage Schmalensee angeschoben worden ist. In der Sitzung der Gemeindevertretung am 8. Dezember 2015 werden die Ergebnisse einer Zukunftswerkstatt ausgewertet und der Arbeitskreis Dorfgeschichte, dessen Kern Wilfried Kroll und Christian Detlof bilden, hat sich auf das Projekt Internetseite gestürzt, um Kommunikation und Transparenz im Dorf zu heben. Interessante Parallele zur derzeitigen Situation der Gemeinde: Der zu beschließende Haushalt 2016 weist erstmals ein Defizit (108.000 Euro) auf. Um dem zu begegnen, wird unter anderem die Hundesteuer zum wiederholten Mal angehoben. Die Schmalenseer Gemeindevertreter wissen, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Aus der Zuhörerschaft kommen aber auch Anregungen, durchaus Schulden durch Investitionen zu machen, um als Dorf nicht vor lauter Sparwillen „einzuschlafen“.
Zwei aus Schmalensee für den Kirchenvorstand: In der Evangelischen Kirchengemeinde Bornhöved finden am 9. Dezember 1990, vor 35 Jahren, Wahlen zum Kirchenvorstand statt. Bis zum 14. Oktober konnten Vorschläge eingereicht werden. Nur 768 von 4558 Stimmberechtigten nehmen im Kirchspiel am Wahlgang teil. Aus Schmalensee werden Burkhard Saggau (268 Stimmen) und Waltraud Detlof (235) in den Kirchenvorstand gewählt.
Armbanduhren aus Orgelpfeifen: Die Evangelische Kirchengemeinde Bornhöved beteiligt sich am 10. Dezember 2000, vor 25 Jahre, am Bornhöveder Weihnachtsmarkt. Ihr Verkaufsschlager auf dem Kunsthandwerkermarkt: Armbanduhren, gefertigt aus einer alten Orgelpfeife und anderen Materialien von der Baustelle der Außensanierung der Vicelin-Kirche. 40,00 DM pro verkaufter „Milleniumsuhr“ fließen in eine Kasse für den Ausbau des Altarraumes.
Kaperten Islamisten die SVS-Homepage?: Schock für den SV Schmalensee, dessen Internetseite svschmalensee.de am 10. Dezember 2015, vor 10 Jahren, von Unbekannten gekapert wird. Da der Inhalt durch Grafik und Schrift auf den Islam hinweist, befürchtet Webmaster Christopher Brust zunächst, dass es sich um die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) handelt. Dann stellt sich heraus, dass es sich um Anti-IS-Aktivisten handelt, die die Vereinsseite übernommen haben. Dennoch: Erstmals ist in Schleswig-Holstein ein kleiner Sportverein Opfer einer solchen Attacke geworden, derer sich das Landeskriminalamt und die Datenschutzbeauftragte annehmen. Segeberger Zeitung und Lübecker Nachrichten berichten ausführlich und Christopher Brust hat alle Hände voll zu tun, den Internet-Auftritt wieder an den Start zu bringen.
Großalarm vor 55 Jahren: Ein Kurzschluss in der Lichtleitung eines Stalles in der „Siedlung“ am Ringreiterplatz führt am 11. Dezember 1970 zu einem Brand. Um eine Schlauchleitung vom See zur Brandstelle von bis zu 1000 Meter legen zu können, löst Schmalensees Wehrführer Hermann Heiden Großalarm aus, so dass auch die Wehren aus Bornhöved, Trappenkamp und Tarbek zur Unterstützung anrücken. Allerdings gelingt es der Ortswehr, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Es entsteht ein Sachschaden zwischen 5000 und 6000 DM.
Weihnachtsgaben für die Schmalenseer Frontsoldaten: Im Dezember 1915, vor 110 Jahren, naht die zweite Kriegsweihnacht. Das Segeberger Kreis- und Tageblatt enthält zahlreiche Meldungen, die sich mit dem Versand besonderer Gaben an die Soldaten befassen. Am 3. Dezember wird gemeldet, dass für die Soldaten aus Schmalensee, die das Weihnachtsfest im Felde verbringen müssen, so reichlich Spenden gesammelt worden sind, dass aus pro Mann zwei Päckchen geschickt werden können. Jeder erhält unter anderem ein Pfund Butter. Der Militärverein Bornhöved, dessen Bezirk die Gemeinden Bornhöved, Tarbek, Schmalensee, Gönnebek, Belau, Ruhwinkel und Schönböken umfasst, hat laut Meldung vom 12. Dezember reichliche Geldspenden gesammelt. Für 603,50 Mark können 300 Pakete an die Front verschickt werden. In Kreuzfeldts Gastwirtschaft in Damsdorf findet am 12. Dezember 1915 ein großer Wohltätigkeitsabend für die Kriegshilfe statt. Pastor Schlüter spricht über „das Deutsche Volk und die gegenwärtige Kriegslage“. In allen Kirchspieldörfern sollen diese patriotischen Abende stattfinden, deren Einnahmen von den gastgebenden Gemeinden für ihre Soldaten im Felde verwendet werden sollen. Bei Hufnerin Meta Kaack wird vor dem 18. Dezember ein Dankschreiben vom Grenadierregiment Nr. 100 eintreffen. Der Stab des 1. Bataillons dankt darin für gelieferten „schönen körnigen Hafer“.
Corona-Auswirkungen vor 5 Jahren: „Covid-19“, „Coronavirus“, „Corona-Pandemie“ – im Dezember 2020 müssen verschiedene gesellschaftliche Ereignisse abgesagt oder mit viel Kreativität gestaltet werden. Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Bornhöved etwa „erfindet“ einen digitalen Adventskalender und Adventspostkasten am Gemeindehaus, aus dem man sich Trost spendende Post entnehmen kann. Immerhin sind Zusammenkünfte möglich, aber Abstand zwischen den Menschen ist angesagt: Am 3. Dezember tagt der Segeberger Kreistag in der Kreissporthalle. Am 5. Dezember holt in Schmalensee der Sparklub „Hol di ran“ die überfällige Auszahlung der Spargelder nach – unter Wahrung von Abständen und nur mit Gesichtsmasken. Für alle, die in diesem Corona-Herbst auch noch eine kulinarische Besonderheit wünschen, bietet das Team vom Gasthof Voß „Grünkohl to go“ auf Bestellung an. Die Freiwillige Feuerwehr hat wegen des Virus ihre für den 8. Dezember geplante Mitgliederversammlung abgesagt. Dafür tagt der Finanzausschuss der Gemeinde – ohne Öffentlichkeit und auf Abstand. Ein herber Schlag ist die Absage der Seniorenweihnachtsfeier der Gemeinde am 9. Dezember 2020. Alternativ haben Mitglieder des zuständigen Ausschusses und vom Verschönerungs- und Vogelschießerverein sowie die Kirchengemeinde dafür gesorgt, dass Weihnachtsgrüße in schmucken Beuteln an die ausgeladenen Seniorinnen und Senioren verteilt werden können.
Bild zur Meldung: Weihnachtsbeutel im Dezember 2020 in Schmalensee













