Januar-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1
Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat Januar.
Unfallmeldungen vor 130 Jahren: Das Segeberger Kreis- und Wochenblatt schildert im Januar 1896 zwei Unfälle aus der Umgebung von Bornhöved. Der erste hat sich um den Jahreswechsel in Schmalensee ereignet: „Beim Ausroden einer ca. 15 Meter hohen Buche war der Sohn eines dortigen Hufners im Begriff, an der Spitze des Baumes ein Tau zu befestigen, um einen Fall desselben in die Tannenanpflanzung zu verhindern, als der Baum sich plötzlich zur Seite neigte und mit starkem Krach zu Boden stürzte. Trotzdem der Baum in einen Abhang hinabstürzte, kam der junge Mensch, einige geringe Hautabschürfungen abgerechnet, mit dem bloßen Schreck glücklich davon.“
Aus Bornhöved wird am 14. Januar 1896 ein „Verkehrsunfall“ geschildert: „Der Eigenkäthner Claus Riecken aus Wankendorf, ein Mann von 76 Jahren, hatte vor einigen Abenden auf dem Heimwege von Stolpe das Unglück – Riecken ging mitten im Wege und soll etwas schwerhörig sein – von einem Fuhrwerk überfahren und am Kopfe nicht unerheblich verletzt zu werden. Mehrere Einwohner von Wankendorf, die gerade denselben Weg passirten, fanden den verletzten alten Mann bewußtlos am Boden liegen und schafften ihn in seine Wohnung. Glücklicherweise sollen die Verletzungen nicht gerade lebensgefährlich sein. Die Person des Kutschers, der ohne Laternen fuhr, hat man bisher nicht ermitteln können.“
Feuerwehr gibt sich selbst Regeln: Etwas eigentümlich mutet an, was von der Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Schmalensee am 4. Januar 1896, vor 130 Jahren, ihrem Protokollbuch zu entnehmen ist. Da man immer wieder Probleme hat, die Bespannung der Spritze – also die erforderliche Bereitstellung von Pferden – sicherzustellen, schreibt man diese Verantwortung nun dem Brandmeister zu. Dies ist nicht etwa der Gemeindewehrführer oder, wie es damals heißt, der Hauptmann der Wehr, sondern der in der Kommune für den Brandschutz zuständige Ehrenbeamte. Weiter wird festgelegt, dass wenn in Schmalensee selbst Feuer ausbricht, die Angehörigen der Steigerabteilung (heute: Angriffstrupp) direkt zur Brandstätte eilen und sich nicht erst am Spritzenhaus sammeln sollen. Außerdem sieht sich die Wehr berechtigt, „nach zweistündiger Arbeit auf der Brandstätte eines fremden Dorfes abzurücken, wenn von der Gemeinde Erfrischungen nicht geboten werden.“
Katastrophenschutzeinsatz in Lübeck: Teile der Freiwilligen Feuerwehr Schmalensee nehmen im Zeitraum 4. bis 5. Januar 1966, vor 60 Jahren, an einem Katastropheneinsatz in Lübeck teil. Es dürfte sich um die Ablösung für Bornhöveder Kameraden bei Überschwemmungen in der Hansestadt handeln. In von Schmiedemeister Helmut Nagel überlassenen Unterlagen findet sich die Durchschrift eines Schreibens vom 20. Januar 1966 an den Bürgermeister, das einer Teilnehmerliste am besagten Einsatz zugehörig gewesen sein muss, die aber fehlt. Jedoch kann dem Schreiben entnommen werden, dass nur zwei Mitglieder der Wehr in Lübeck gewesen sind, beide „Arbeitgeber“, die mit je 4 DM pro Stunde aus dem Katastrophenschutzfonds Lohnausfallausgleich zu erhalten hätten.
Segeberger Kreistag beauftragt Schmalenseer: Der Segeberger Kreistag, dem auch Hufner Matthias Saggau aus Schmalensee angehört, tagt am 5. Januar 1886, vor 140 Jahren, in der Kreisstadt. Der Schmalenseer Hufner August Dunker (vermutlich Christian August Dunker) wird erneut in die Klassensteuer-Reklamationskommission gewählt. Außerdem werden Schiedsmänner auf drei Jahre neu gewählt. Im Schiedsmannsbezirk 13, der Tensfeld, Damsdorf, Tarbek, Stocksee, Schmalensee und den Forstgutsbezirk Stocksee umfasst, wird erneut Schmalensees Gemeindevorsteher Matthias Christian Suhr gewählt. Er übt dieses Amt seit 1879 aus.
Meiereistreit mit den Belauern vor 115 Jahren: Von einem Rechtsstreit berichtet das Segeberger Kreis- und Tageblatt am 10. Januar 1911. Die Meiereigenossenschaft Schmalensee führt damals einen Prozess gegen mehrere Belauer Bauern. Diese hatten der Genossenschaft angehört und auch den Neubau des Meiereigebäudes neben dem Dorfkrug mit beschlossen. Nach Baubeginn aber meldeten sie ihren Austritt aus hiesiger Genossenschaft und beliefern seit dem 1. September 1910 die Meierei in Kalübbe. Unter bereits erheblichen Prozesskosten verlangen die Schmalenseer nun, dass die Belauer Milchbauern ihren Anteil an der Meierei Schmalensee zahlen sollen.
Ein Ehrentitel für Schmalensee: Mit einem interessanten Titel wird Schmalensee von der Segeberger Zeitung am 10. Januar 2006, vor 20 Jahren bedacht: Unter den 19 Gemeinden des Kreises mit einer Größe von 450 bis 750 Einwohnern sei sie die kinderfreundlichste. Der Bericht führt Beispiele auf, die dieses Prädikat unterstreichen, darunter die Trägerschaft des Sportvereins für die Kinderspielstube. Der SV Schmalensee, der Vogelschießer- und Verschönerungsverein und die Landjugendgruppe bieten Veranstaltungen an, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Auch das Einstudieren von Weihnachtsliedern für die Seniorenweihnachtsfeier der Gemeinde – Harald Saggau begleitet damals die Kinder mit dem Akkordeon – sei ein Indikator für das Engagement für und mit Kindern. Diesen stehen drei Spielplätze und eine Badestelle am See zur Verfügung.
Tannenbäume werden eingesammelt: Die Freiwillige Feuerwehr Schmalensee sammelt im Dorf am 10. Januar 2021, vor 5 Jahren, die ausgedienten Weihnachtsbäume der Schmalenseer Haushalte ein und zeigt in der Corona-Pandemie Flagge: Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie die Jahreshauptversammlung oder das Tannenbaumverbrennen sind nicht möglich. Die Wehr legt deshalb die 68 gesammelten Weihnachtsbäume auf dem Bolzplatz am Feuerwehrgerätehaus ab, wo sie der WZV am 14. Januar abholt und der Entsorgung zuführt.
Lebensraum im Osten – auch für Segeberger: Hinrich Lohse, Gauleiter in Schleswig-Holstein, spricht am 12. Januar 1941, vor 85 Jahren, im Bad Segeberger Hotel Germania vor über 1000 Funktionsträgern der NS-Bewegung aus dem Kreis Segeberg. Trotz der Einschränkungen, die der Krieg mit sich bringt, sollen die herausragenden Projekte wie der Bau von Landarbeiterwohnungen oder das allgemeine Wohnungsbauprogramm fortgesetzt werden. Getreu dem Streben nach „Lebensraum im Osten“ proklamiert Lohse, dass die Deutschen in eroberten Ostgebieten verstärkt siedeln werden. „Dort werden neue blühende Dörfer entstehen und unsere zweiten, dritten und vierten Bauernsöhne und unsere Landarbeiter und deren Söhne werden dort Höfe in ausreichender Größe erhalten, die ihnen ihre Heimat nicht in dem Maße bieten kann.“
Multitalent Linda Buchholz: Bei den Landesmeisterschaften der Leichtathleten am 14. Januar 2001, vor 25 Jahren in der Bad Segeberger Kreissporthalle streicht die Schmalenseerin Linda Buchholz (SC Rönnau 74) in der Altersklasse W14 drei Titel ein. Sie springt 5,17 Meter weit und 1,54 Meter hoch. Ihre Bestleistung liegt bereits bei 1,60 Meter. Außerdem sprintet Linda über 50 Meter in 7,04 Sekunden. Im Kugelstoßen wird sie mit 10,03 Metern Vierte.
Premiere für die Geflügel- und Kleintierzüchter vor 70 Jahren: Gemeinsam mit dem Kaninchenzüchterverein Bornhöved (Kleintierzuchtverein U116) und dem Brieftaubenzüchterverein Wankendorf veranstaltet der Rassegeflügelzüchterverein für Bornhöved und Umgebung am 14. und 15. Januar 1956 in Heins Gasthof eine viel beachtete erste Geflügel- und Kleintierschau. Für den jungen Verein unter dem Vorsitz des Schmalenseers Hermann Cornehls ist es eine logistische Herausforderung. Ausstellungskäfige werden von den Geflügelzüchtervereinen aus Kaltenkirchen und Henstedt (heute Henstedt-Ulzburg) zur Verfügung gestellt; Bornhöveds Bürgermeister Dobrindt übernahm bereits im Dezember 1955 die Schirmherrschaft. Gut 50 Züchter aus ganz Schleswig-Holstein beteiligen sich mit 400 Tieren an der Ausstellung. Erfolgreiche Züchter aus Schmalensee sind Hermann Cornehls (Hühner, Enten und Tauben) und August Schramm (Kaninchen und Tauben).
Was die Nationalsozialisten wollen: Das Segeberger Kreis- und Tageblatt berichtet am 15. Januar 1931, vor 95 Jahren, ausführlich von einer Versammlung der NSDAP im Bornhöveder „Stadt Kiel“. Unter der Überschrift „Die Ruhe vor dem Sturm“ skizziert der Eutiner Rechtsanwalt Böhmker, was die Hitler-Partei bewegt: Sie seien die einzigen, die den Sozialdemokraten, den Stützen der verhassten Republik, Paroli bieten könnten. Reichskanzler Brüning strebe nach neuen Steuern – die aber bewirkten mehr Arbeitslosigkeit und mehr Verschuldung, beides mache den Bürgerkrieg unvermeidlich. Nach dem Einzug in erste Landesregierungen gehe es nun um Preußen, denn wer Preußen habe, habe das Reich. Die NSDAP strebe eine Änderung der deutschen Ostgrenze an. Die Absicht der Enteignung, die der Partei immer wieder vorgeworfen wird, beziehe sich nur auf Fälle, in denen Misswirtschaft herrsche. Abschließend erklärt Böhmker eine von den Nationalsozialisten angestrebte Arbeitsdienstpflicht für jeden Deutschen.
DFB gibt dem SVS 5000 DM für die Spielstube: Die Kinderspielstube des SVS „bekommt Besuch vom Deutschen Fußballbund“. Peter Zahn, 2. Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Fußballbundes, und Eddy Münch, Vorsitzender des Kreisfußballverbandes Segeberg, vertreten den DFB und übergeben am 15. Januar 2001, vor 25 Jahren, einen Scheck über 5000 DM an den SVS. Der Förderverein des Fußballbundes würdigt mit dieser Summe, die Teil der Erlöse eines Benefizspiels ist, das Engagement des Vereins in Form der Trägerschaft über die Kinderspielstube. Der SVS ist landesweit der einzige Sportverein, der eine kindergartenähnliche Einrichtung unterhält. Kassenwartin Margret Siebke und der 1. Vorsitzende des SVS, Helmut Siebke, nehmen den Spendenscheck entgegen, während die prominenten Gäste die 18 Kinder, ihre Erzieherinnen Bärbel Dittrich und Susanne Robrandt sowie die Spielstube selbst kennenlernen.
Rettungsbrett seit 15 Jahren im Feuerwehrdienst: Auf dem Gemeindesaal findet am 15. Januar 2011 die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Schmalensee statt. Harald Saggau wird für seine 60-jährige Mitgliedschaft geehrt. Dirk Griese, Sönke Siebke und Dierk Harder erhalten für ihre 25-jährige Mitgliedschaft das Brandschutzehrenzeichen in Silber. Seit 30 Jahren ist Dirk Jacobsen Mitglied, Volker Kay seit 20 Jahren. Nach absolvierter Grundausbildung und ersten Lehrgängen wird André Latza in die Wehr aufgenommen. Kai Burmeister wird zum Oberlöschmeister befördert. Eine Überraschung hat Dierk Harder dabei: Er stiftet der Wehr ein Rettungsbrett, um Personen rasch aus Gefahrenbereichen retten zu können.
Schmalenseer in den Verlustlisten vor 110 Jahren: Erster Weltkrieg. Die Preußische Verlustliste Nr. 427, abgedruckt am 12. Januar 1916 im Armee-Verordnungsblatt, führt den aus Schmalensee stammenden Johann Suhr, Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 46, 9. Batterie, als „leicht verwundet“. In der Verlustliste Nr. 426 vom 11. Januar 1916 wird ein Wilhelm Kaack, geboren in Neumünster, Kise, Infanterie-Regiment Nr. 45, 10. Kompanie, als „schwer verwundet“ geführt. Dies könnte Wilhelm (Willi) Kaack sein, der seit 1908 Hufner in Schmalensee ist und zuvor in Bornhöved ansässig war.
Bild zur Meldung: Einsammeln der Weihnachtsbäume am 10.01.2021













