Februar-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 2
Werfen wir den Blick zurück in die Geschichte unseres Dorfes und seiner Umgebung. Zahlreiche Quellen liefern uns oft Aufschluss über längst vergessene Geschehnisse und bieten zugleich Gelegenheit für Erinnerungen. Wie immer sind die historischen Meldungen monatlich zweigeteilt, um den Besucherinnen und Besuchern von „gemeinde-schmalensee.de“ ein hoffentlich interessantes Mehr an geschichtlicher Unterhaltung zu bieten. Hier der zweite Teil für den Monat Februar.
Ein Redner, der gar nicht gut ankommt: Im Bornhöveder Gasthof Zur Linde findet am 16. Februar 1901, vor 125 Jahren, eine Versammlung des Bundes der Landwirte statt. Die agrarpolitische Organisation ist in der Provinz nur mäßig beliebt, hat aber in Gönnebek und Schmalensee jeweils etwa zwölf Mitglieder. Als der Redner, ein Herr Timm aus Hamburg, die Ziele des Bundes erläutern will, teilen zahlreiche Anwesende, laut Bericht im Segeberger Kreis- und Wochenblatt, nicht seine Meinung, „und sobald etwas Opposition gemacht wurde, zog der Redner sich in seine Gemächer zurück. Aufgenommen wurde niemand“, heißt es im Bericht.
Schmalenseer dominieren den Landwirteverein: Der Landwirtschaftliche Verein für Bornhöved und Umgebung hält am 16. Februar 1926, vor 100 Jahren, beim Bornhöveder Gastwirt Hein eine Versammlung ab. Direktor Dr. Riemann aus Preetz spricht über „neuzeitliche Schweinefütterung“. Es ist die letzte Versammlung unter dem Vorsitzenden Heinrich Christian Saggau aus Schmalensee, der seit 1896 im Amt war und nun aus Altersgründen eine Wiederwahl ablehnt. Saggau wird zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der Schmalenseer Willy Siebke, der zuvor mit Hugo Saggau, ebenfalls Schmalensee, das Ergebnis der Rechnungsprüfung vorgetragen hatte, wird zum neuen Vorsitzenden gewählt. Wieder gewählt wird außerdem Schmalensees Lehrer Heinrich Göttsch – zum Geschäftsführer des Vereins.
Postzustellung wird „verkraftet“: Eine Neuerung im hiesigen Postzustellwesen stellt sich am 16. Februar 1931, vor 95 Jahren, ein: Die „Verkraftung des Postzustellungsbezirkes Bornhöved“. Dabei handelt es sich um die An- und Auslieferung der Postsendungen nach Bornhöved und den umliegenden Dörfern per Kraftfahrzeug. Von Bornhöved werden Postsendungen nach Bornhöved und den Dörfern geliefert, wo sie im Postamt beziehungsweise den Posthilfsstellen eintreffen und von dort aus verteilt werden. Der Wagen trifft täglich um 8 und um 16 Uhr in Bornhöved ein und fährt dann u.a. nach Schmalensee weiter. Nach Damsdorf und Tensfeld fährt jedoch das Postauto aus Bad Segeberg. Während Gönnebek, Tarbek und Ruhwinkel nicht angesteuert werden – die Post für diese Dörfer muss aus Bornhöved geholt werden – haben Damsdorf und Tensfeld das Glück, im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der „neuen Landpost“ in Bad Segeberg überhaupt Poststellen zu erhalten, wie das Rendsburger Tageblatt am 30. Januar 1931 schrieb.
Tod eines Schmalenseers amtlich: Das Todesdatum des Weltkriegsteilnehmers Hans Jürgens aus Schmalensee ist der 30. September 1915. Amtlich wird sein Tod aber erst durch die Preußische Verlustliste Nr. 459 vom 19. Februar 1916, vor 110 Jahren. Auf Seite 11366 wird der gebürtige Schmalenseer Hans Jürgens, Angehöriger der 7. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 91, als „verstorben (†) infolge Krankheit“ gemeldet. Auch wenn die Verlustliste nicht das Wort „gefallen“, also im Kampf getötet oder „an seinen Wunden gestorben“ vermerkt hat: Auf dem Denkmal in Schmalensee hat ihn die Gemeinde als Gefallenen festgehalten. So oder so – ein weiteres junges Leben „für Kaiser und Vaterland“...
Ein Super-Wahltag vor 105 Jahren: Am 20. Februar 1921 haben die (wahlberechtigten) Menschen im Kreis Segeberg gleich vier Parlamente zu wählen, den Kreistag und den Provinziallandtag (Schleswig-Holstein, Anmerkung), den Preußischen Landtag und den Deutschen Reichstag. Entsprechen groß ist die Zahl von Wahlversammlungen, wie der Blick in die Zeitungen beweist. Etwas kurios ist, dass es sich bei der Reichstagswahl um einen Nachholtermin handelt: Reichsweit war im März 1920 gewählt worden; da im Landesteil Schleswig da aber eine Volksabstimmung stattfand, hatte die Wahl in Schleswig-Holstein nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden können.
In den Segeberger Kreistag, für dessen Besetzung die Berufsgruppen, auch alle drei landwirtschaftlichen (Kreis-)Vereine eine bürgerliche Einheitsliste (Liste „Einigung“) als Gegengewicht zu den „sozialistischen“ Parteien verabredet hatten, zieht kein Vertreter aus dem Amtsbereich Bornhöved ein. Gewählt werden 14 Bürgerliche und 9 „Sozialisten“. Die Liste „Einigung“ siegt mit 7380 Stimmen vor den Sozialdemokraten (6553) und der Liste „Kuhr“ (benannt nach dem Segeberger Bürgermeister; 4219 Stimmen). Bei den übrigen Wahlen erweisen sich im Kreis Segeberg die Sozialdemokraten als stärkste Kraft. In Schmalensee stimmen 64 Wähler für die „Einigung“, 13 für „Kuhr“, 1 für Unabhängige Kandidaten und 44 für die KPD.
In der Reichstagswahl entfallen in Schmalensee 37 Stimmen auf Deutschnationale, 34 auf Demokraten, 1 auf die Schleswig-Holsteinische Landespartei, 4 auf SPD, 42 auf KPD, 15 auf die Arbeiterpartei und 8 Ungültige.
Bei der Wahl zum Preußischen Landtag sieht es ähnlich aus, auch hier erhalten die Kommunisten 42 Stimmen. Der Spitzenkandidat der Liste „Einigung“, Friedrich Fock aus Altengörs, führt auch eine Liste „Fock“ zur Provinziallandtagswahl an. In Schmalensee erhält diese 47 Stimmen, 31 entfallen auf eine weitere namentliche Liste. Interessant bei dieser Wahl: Es gibt in Schmalensee 42 ungültige Stimmzettel – die Kommunisten konnten bei der Provinziallandtagswahl nicht gewählt werden, ihre Wählerschaft wählte aber auch nicht die SPD.
Film vermittelt eine schlimme Botschaft: Im Bornhöveder Hotel Stadt Kiel wird am 21. Februar 1936, vor 90 Jahren, der Tonfilm „Ringende Menschen“ gezeigt. Dieser beschreibt die Arbeit in den Anstalten zu Bethel und führt dem sichtlich betroffenen Publikum das Leid von Armut und Behinderungen vor Augen. Laut einer Einladung im Segeberger Kreis- und Tageblatt ist Bornhöveds Pastor Erich Einladender; der Film wird demnach auch den Kindern gezeigt. In einem Ankündigungstext wird zunächst auf die Liebesarbeit hingewiesen, die in Bethel „an den Ärmsten der Armen geleistet wird“. Der Film zeige aber noch mehr: „Er liefert vortreffliches Anschauungsmaterial für die große Aufgabe des neuen nationalsozialistischen Staates, ein gesundes Volk zu erzielen. Darum muß das ganze Volk diesen Film unbedingt sehen, damit die große Verständnislosigkeit über ‚Rassenpflege’, ‚Erbmasse’ und ‚Vererbung’ usw. aufhört […].“ Was der Film also bezwecken soll: Die Bevölkerung auf den nationalsozialistischen Weg der Euthanasie, der Auslöschung sogenannten „lebensunwerten Lebens“ unter dem Deckmantel der „Erlösung“ führen.
Wer aufmerksam durch Belau geht, findet dort einen sogenannten Stolperstein. Gesetzt wurde er für Minna Saggau, die 1941 im Rahmen des Euthanasie-Programms aufgrund einer diagnostizierten schizophrenen Psychose getötet wurde.
Abschied vom langjährigen „Amtsleiter“: Der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Bornhöved, Ernst Timm, geht vor 25 Jahren zum Ende des Monats Februar in den Ruhestand. Die Kommunalpolitiker des Amtes verabschieden ihren „Amtsleiter“ offiziell während seiner letzten Amtsausschusssitzung am 22. Februar 2001. 1966 war er aus der Segeberger Kreisverwaltung nach Bornhöved gekommen. Er versah seinen Dienst unter fünf ehrenamtlichen Amtsvorstehern und im Zusammenwirken mit 28 Bürgermeistern in den sieben Amtsgemeinden. Beraten und Helfen sei sein Hauptanliegen gewesen, sich um die Stelle in Bornhöved zu bewerben, sagt Timm, der dem Amt als ehrenamtlicher Leiter des Archivs erhalten bleibt. Dass die Schmalenseer Kommunalpolitiker mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden gewesen sind, bringen sie am 26. Februar 2001 zum Ausdruck: Da ist Timm ein letztes Mal in einer Sitzung der Gemeindevertretung anwesend und wird mit dem Großen Ehrenteller der Gemeinde ausgezeichnet.
Taufpaten von hohem Alter: Amtsvorsteher Heinrich Christian Saggau aus Schmalensee sorgt für Aufsehen, als er am 24. Februar 1891, vor 135 Jahren, einen Sohn taufen lässt. Als Taufzeugen fungieren zwei betagte Herren, selbst beide schon Urgroßväter: Der Altenteiler H.H. Dose aus Blunk ist bereits 84 Jahre, der Altenteiler Hinrich Saggau aus Gönnebek sogar 87 Jahre alt.
Vom Luftschutz in Schmalensee: Am 25. Februar 1936, vor 90 Jahren, berichtet das Segeberger Kreis- und Tageblatt von mehreren Luftschutzschulungsabenden in Schmalensee. An diesen hätten sich 23 Personen beteiligt, die zu Luftschutzwarten bestimmt beziehungsweise zum Sanitäts- oder Luftschutzfeuerwehrtrupp zugeteilt wurden. Auch der Löschzug Schmalensee, die Freiwillige Feuerwehr, habe an den Schulungsabenden teilgenommen. Neben einer Einweisung in das Reichsluftschutzgesetz wurden auch „die Angriffswaffen besprochen, derer sich die Flieger bedienen werden“. Zukünftig soll über chemische Kampfstoffe gesprochen werden.
Zwei Alarmierungen binnen 30 Minuten: Doppelter Alarm für die Freiwillige Feuerwehr Schmalensee am 25. Februar 2021, vor 5 Jahren. Diese wird nach Anforderung durch den Rettungsdienst um 11 Uhr zu einer Türöffnung in der Dorfstraße gerufen. Diese Aufgabe bewerkstelligen fünf Mann unter der Führung von Gruppenführer Matthias Kay. Um 11.25 Uhr geht ein zweiter Alarm für denselben Ort ein: Nun ist Tragehilfe für den Rettungsdienst zu leisten. Sechs Mann unter der Führung von Gemeindewehrführer Peter van het Loo erledigen das. Aufgrund der Corona-Pandemie unter dem Schutz von FFP2-Masken. Um 11.40 Uhr ist das Einsatzfahrzeug zurück im Feuerwehrgerätehaus.
Feuerwehr hat vor 55 Jahren ein Luxusproblem: Die Freiwillige Feuerwehr Schmalensee will laut Bericht der Segeberger Zeitung vom 26. Februar 1971 die Zahl der Neuaufnahmen regulieren, da die Wehr mit derzeit 35 Aktiven sehr gut besetzt ist. In der Jahreshauptversammlung am 19. Februar wurde auf Antrag von Burkhard Saggau hin beschlossen, jährlich nur noch ein Mitglied neu aufzunehmen. Amtswehrführer Walter Koch jedoch warnt: „Ein Jugendlicher, der heute nicht aufgenommen wird, könnte in drei Jahren sagen, nun will ich nicht mehr.“
Zum neuen Kassenprüfer wird Jochen Voß gewählt. Gemeindewehrführer Hermann Heiden kann Bodo Sienknecht, Hermann Griese und Horst Kaack für ihre zehnjährige Mitgliedschaft in der Wehr auszeichnen. Franz Böckmann wird zum Oberfeuerwehrmann befördert.
Themen der Dorfpolitik vor 35 Jahren: Die Schmalenseer Gemeindevertretung befasst sich im Verlauf ihrer Sitzung am 26. Februar 1991 mit der Frage, wie in Schmalensee Asylbewerber, Aus- und Übersiedler untergebracht werden könnten. Im Amtsausschuss war das Thema auf die Tagesordnung gekommen, da das Amt Bornhöved eventuell mit der Zuweisung von neun Asylbewerbern zu rechnen hat. Im Gespräch ist, in Schmalensee auf Gemeindegrund ein Haus für zwei Asylbewerberfamilien zu bauen. Ein weiteres Thema der Gemeindevertreter ist die Ortsumgehung für Schmalensee, die mittlerweile über 50 Jahre im Gespräch ist. In den 1980er Jahren bereits ausgepflockt, ist die Umlegung der B430 mittlerweile aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden, wie Bürgermeister Hans Siebke mitteilen muss. Vor 2010 sei nichts zu machen, habe er erfahren. Nun setzt Siebke auf den Protest der Bürger: Nur wenige auf der Fahrbahn abgestellte PKW würden ausreichen, erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen herbeizuführen.
Gemeindepolitik vor 25 Jahren: Am 26. Februar 2001 tagt die Schmalenseer Gemeindevertretung. Für die aus persönlichen Gründen ausgeschiedene Yvonne Stankhoff-Geest (SPD) rückt Rüdeger Cuwie in das Gremium nach. Die Gemeindevertretung beschließt, den Seeweg pflastern zu lassen. Aufgrund zur Verfügung stehender Landesmittel zur Dorfentwicklung muss nur die Hälfte der anfallenden 55.000 DM selbst getragen werden. Finanziell steht es gut um das Dorf. Die allgemeine Rücklage ist auf 223.000 DM angewachsen – das sind 1000 DM je Einwohner.
Chausseen bei Perdöl seit über 130 Jahren: Laut Meldung im Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 27. Februar 1896 werden „seit zwei Jahren bereits um das Gut Perdöl Chausseen angelegt. In diesem Jahr werden die Ränder des Weges nach Belau bepflanzt.“ Noch heute bieten die hohen Alleebäume rund um das Gut einen beeindruckenden Anblick.
Strafgeld gilt rückwirkend: Die Teilnehmer an der Generalversammlung der Schmalenseer Feuerwehr am 27. Februar 1926, vor 100 Jahren, beschließen, dass unentschuldigtes Fehlen bei der Generalversammlung 1 Mark Strafe kostet. Pech für jene, die jetzt gerade unentschuldigt fehlen: „Dieser Beschluss hat rückwirkende Kraft.“ Außerdem werden alle Führer „durch Zuruf“ wiedergewählt. Auch das Ehrengericht bleibt in alter Besetzung. Die Wehr hat neue Uniformen erhalten, die künftig zur Generalversammlung anzuziehen sind, heißt es im Protokollbuch.
Kuriose Sauhatz vor 75 Jahren: Zu nächtlicher Stunde kommt es in Schmalensee laut Bericht der Segeberger Zeitung vom 28. Februar 1951 zu einer kuriosen Sauhatz: Ein spät nach Hause kehrender Radfahrer glaubt, auf der Bundesstraße eine Bache mit Frischlingen erkannt zu haben. Da er den Jagdpächter nicht kennt, alarmiert er die Polizei und noch andere Personen. Frischfröhlich geht es auf die Jagd. Als ein Arbeiter einen Frischling zu packen bekommt, sieht dieser gar nicht nach einem kleinen Schwarzwild aus. Es stellt sich heraus, dass einem Bauern ein Hausschwein mitsamt Nachwuchs ausgebüchst und auf Entdeckungstour gegangen war.
Bild zur Meldung: Tanzabend im Trocadero Bornhöved, SZ 19.02.1966













