Juli-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 2
Werfen wir den Blick zurück in die Geschichte unseres Dorfes und seiner Umgebung. Zahlreiche Quellen liefern uns oft Aufschluss über längst vergessene Geschehnisse und bieten zugleich Gelegenheit für Erinnerungen. Wie immer sind die historischen Meldungen monatlich zweigeteilt, um den Besucherinnen und Besuchern von „gemeinde-schmalensee.de“ ein hoffentlich interessantes Mehr an geschichtlicher Unterhaltung zu bieten. Hier der zweite Teil für den Monat Juli.
Streit um Bad Segeberg im Feuerwehrverband: In Sülfeld findet am 19. Juli 1931, vor 95 Jahren, der Kreisfeuerwehrverbandstag statt. Landesbranddirektor Ernst hält einen Vortrag über „die gesellschaftliche Stellung der Freiwilligen Feuerwehren“. Für einen Eklat sorgt die Abstimmung über eine Satzungsänderung: Der Kreisverband möchte, dass nicht nur Orte ab 10.000, sondern bereits ab 5000 Einwohnern automatisch einen Vertreter im Kreisvorstand haben. Somit fiele der Kreisstadt ein Sitz zu. Als die Mehrheit den Punkt vertagen lässt, droht Bad Segebergs Gemeindewehrführer Hellberg mit Austritt aus dem Kreisfeuerwehrverband.
Weiträumige Umleitung schon vor 95 Jahren: Aktuell finden Sanierungsarbeiten auf der Bundesstraße 430 statt. Die Vollsperrung zwischen Bornhöved und Rendswühren hat zur Folge, dass die offizielle Umfahrung über Nettelsee und Ascheberg erfolgt. Ein alter Hut, wie ein Blick ins Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 20. Juli 1931 zeigt: Auf der damals Chaussee genannten Straße zwischen Neumünster und Plön werden umfangreiche Teerungsarbeiten durchgeführt. Teilweise Sperrungen bewirken eine weiträumige Umleitung des Straßenverkehrs – nämlich von Tungendorf über Nettelsee und Ascheberg. Anders als heutzutage: Für Anlieger wird – für dringliche Fuhren – die Fahrt am Straßenrad ermöglicht.
Luftangriff auf Hamburg vor 90 Jahren: Das Segeberger Kreis- und Tageblatt schildert in seiner Ausgabe vom 21. Juli 1936 lang und ausführlich eine großangelegte Luftwaffenübung im Raum Hamburg. Es wird ein Angriff auf die Großstadt simuliert. Dabei trainieren die Jagdverbände der Luftwaffe und Flak-Einheiten ihr Zusammenwirken im Falle eines möglichen Angriffs aus der Luft. [Wie der verlaufen könnte, trainierte die deutsche Luftwaffe bereits auf dem Schauplatz des spanischen Bürgerkriegs.]
Schmalenseer parken die Dorfstraße zu: Mit einer besonderen Aktion machen am 22. Juli 1996, vor 30 Jahren, Einwohner von Schmalensee auf die Belastung durch den Schwerlastverkehr und die daraus entstehenden Gefahren für Fußgänger aufmerksam: Sie parken ihre Privatautos in der Ortsdurchfahrt so versetzt, dass der Verkehr auf der B430 deutlich behindert wird. Die Lübecker Nachrichten berichten am 24. Juli von der Aktion, die sich vorrangig gegen geplanten Kiesabbau im benachbarten Vierhusen richtet. Bürgermeister Hans Siebke befürchtet eine „dramatische Situation“ im Dorf, sollte der Kieslastverkehr für das neue Werk zu der ohnehin schon hohen Belastung hinzu kommen.
Zwei Unfälle binnen 30 Minuten: Innerhalb einer halben Stunde ereignen sich am 23. Juli 1911, vor 115 Jahren in Schmalensee zwei Unfälle. Zunächst stürzt der Altenteiler, frühere Gastwirt, Gemeindevorsteher und Kampfgenosse von 1848, Matthias Christian Suhr, auf der Steintreppe seines Hauses so unglücklich, dass er sich eine Hüfte bricht. Wenig später fährt der Milchwagen von Gastwirt Friedrich Voß gegen ein auf der Chaussee haltendes Fuhrwerk aus Neumünster. Eine darin sitzende Dame wird herausgeschleudert und erleidet schwere Hautabschürfungen im Gesicht. Die beiden Knechte auf dem Milchwagen erleiden eine Fußverrenkung beziehungsweise eine Quetschung der Hand. Die Fußverletzung muss im Kieler Krankenhaus versorgt werden.
SA-Leute in Wankendorf überfallen: 1931 befindet sich die NSDAP in Bornhöved und Umgebung durch zahlreiche Parteieintritte im Aufwind. Im Juni war die Fahne der Bornhöveder SA geweiht worden. Konflikte der „Sturmabteilung“ mit den teils kommunistisch organisierten Arbeitern im benachbarten Wankendorf sind vorprogrammiert: Am 23. Juli findet dort ein SA-Appell statt und es kommt (erwartungsgemäß) zu einem Überfall auf 16 SA-Männer. Der wird am 2. Oktober vor dem Kieler Landgericht ein Nachspiel haben: Wegen Landfriedensbruchs seien 52 Personen angeklagt, schreibt das Segeberger Kreis- und Tageblatt.
Ein Bericht zum Prozess findet sich am 14. Oktober 1931 in der nationalsozialistischen Zeitung Hamburger Tageblatt, der zum Teil andere Zahlen nennt und ein „sauberes Bild“ von der SA zeichnet: „Wankendorfer Überfall findet seine Sühne. 13 Marxisten zu je 3 bis 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Am 28. Juli kam es in Wankendorf bei Kiel zu einem schweren Ueberfall von Marxisten auf SA-Leute. Bei dem Ueberfall sind ungefähr 30 bis 40 Schüsse gefallen und mehrere SA-Leute teils sehr schwer verletzt worden. Dieser Ueberfall fand nunmehr vor dem großen Schöffengericht nach fünftägiger Verhandlungsdauer seine Sühne. 18 Marxisten waren angeklagt. Von ihnen mußten fünf aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. Die restlichen 13 wurden zu Gefängnisstrafen von je 3 bis 10 Monaten verurteilt. In der Verhandlung wurde ausdrücklich das vollständig einwandfreie Verhalten der SA festgestellt. Zweimal hat die SA versucht, einen Umweg zu machen, um nicht auf die Gegner zu stoßen – zweimal sind sie hierbei vom Gegner abgeschnitten und überfallen worden.“
Historische Ortsbegehung vor 15 Jahren: Die Siedlergemeinschaft Schmalensee führt mit Unterstützung des Arbeitskreises Dorfgeschichte Schmalensee am 23. Juli 2011 eine historische Ortsbegehung durch. Gut 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trotzen Wind und Wetter und folgen dem Rundgang durch das Dorf. Wer Kenntnis zu historischen Plätzen und Gebäuden hat, gibt diese dem interessierten Publikum weiter. Bei der anschließenden Kaffeetafel gibt es weitere Informationen zur Dorfgeschichte und eine ungeahnte Überraschung: Gisela Westphal, Besitzerin eines Ferienhauses am Schmalensee, überreicht der Gemeinde eine Schleswig-Holstein-Flagge mit dem aufgedruckten Wappen der Familie von Schmalensee. Diese hatte ihr bereits verstorbener Ehemann Helmuth 1992 fertigen lassen.
Ein schweres Gewitter vor 140 Jahren: Über der Gegend um Bornhöved entlädt sich am 24. Juli 1886 ein heftiges Gewitter. In Wankendorf wird laut Segeberger Kreis- und Wochenblatt ein Höker [Kaufmann] mitten in seinem Laden stehend vom Blitz getroffen, das Gebäude geht in Flammen auf. Auch Tiere auf einer Weide sterben. Ein Fabrikschornstein in Wankendorf wird ebenfalls getroffen, ist aber durch einen Blitzableiter geschützt. Zwischen Rickling, Bornhöved und Wankendorf wird zudem die Telegrafenleitung stark beschädigt.
Ein Bürgermeister-Jubiläum vor 150 Jahren: Schmalensees Gemeindevorsteher Matthias Christian Suhr feiert am 25. Juli 1876 sein 25-jähriges Dienstjubiläum in diesem Amt. Der Berichterstatter zum Segeberger Kreis- und Wochenblatt war selbst bei dem „würdigen Feste“ nicht zugegen, das in Schmalensee gefeiert wurde. Doch äußert er sich über den Gemeindevorsteher und das Ehrenamt: „Ein solches Fest dürfte wohl so selten vorkommen, wie etwa eine diamantene Hochzeit, wenn man erwägt, welcher Grad von Uneigennützigkeit dazu gehört, ein Amt 25 Jahre lang zu versehen mit einer Entschädigung, die nur oder vielleicht kaum die Auslagen deckt. Die moderne Erfindung der Ehrenämter ist nicht gerade bestimmt, das alte Sprichwort ‚Jede Arbeit ist ihres Lohnes werth’ zu schanden zu machen, denn die Ehre soll der Lohn sein. Es könnte scheinen, als ob in diesem Falle der weit verbreitete Widerwille, sich mit der Ehre zu begnügen und ein Amt ohne Lohn zu übernehmen, eine glänzende Ausnahme fände. Dennoch dürfte Herr M. Suhr sein Amt wohl lediglich zum Besten und auf allgemeinen Wunsch seiner Gemeinde so lange geführt haben, an die Ehre hat der Jubilar, so weit ich ihn kenne, wohl schwerlich gedacht; denn die äußere Ehre, welche hier in Frage kommt, ist für den rechten Mann werthlos, die wahre Ehre besteht lediglich in dem Bewußtsein der treuen Pflichterfüllung, und das ist Suhr’s Fall.“
Musical-Projekt vor 25 Jahren gestartet: Am 25. Juli 2001 beginnendie Proben zum Projekt Kiddi-Cats. Das berühmte Musical „Cats“ soll im Gemeindesaal als Playback-Stück aufgeführt werden. Die Darstellerinnen und Darsteller zwischen 5 und 16 Jahren studieren hierfür unter der Regie von Dierk Harder und Chefchoreografin Kirsten Stock die umfangreiche Choreografie ein. Am 22. Juli hatte es ein erstes Treffen gegeben, bei dem ein Video des berühmten Musicals angeschaut wurde. Danach ging es bereits für über 30 Kinder an die Rollenverteilung, und für Eltern und Freunde an die Auftragsvergabe für Kostüme, Kulissen und Plakate. Im September soll es Aufführungen geben. Feuerwehr und Landjugend sowie der SV Schmalensee, der schon die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen hatte, unterstützen tatkräftig. So kümmert sich dessen Vorstandsmitglied Christian Detlof um die Pressearbeit. Unter der Anleitung von Danja Harder wird auf Hochtouren an den Kostümen geschneidert. Fell- und Stoffreste sind in diesen Tagen heiß begehrt.
Landwirte besuchen Landwirte: Nachdem der Landwirtschaftliche Verein für Bornhöved und Umgebung im Vorjahr den für Kirchbarkau und Umgegend besucht hatte, erfolgt am 28. Juli 1926, vor 100 Jahren, der Gegenbesuch. Die rund 80 Gäste reisen per Bahn an und werden in über 40 Wagen von Bornhöved über Schmalensee, Stockseehof, Stocksee, Damsdorf, Tarbek und Gönnebek und wieder Bornhöved durch das Vereinsgebiet gefahren. Unterwegs gibt es immer wieder Einblicke in den Ackerbau und die Viehwirtschaft des Bornhöveder Vereins, dessen Dörfer erst wenige Tage zuvor nach Erlöschen der Maul- und Klauenseuche als „seuchenfrei“ gemeldet wurden. In Damsdorf gibt es beim Gastwirt Christiansen eine Kaffeetafel, in Hein's Gasthof in Bornhöved das Abendessen, Musik und Tanz. „Ein Extrazug entführte um Mitternacht die Gäste“, heißt es im Pressebericht.
Anfänge des Fußballs im SVS vor 45 Jahren: Die Fußballer des SV Schmalensee, der im November 1980 gegründet wurde, bereiten sich auf ihre erste Spielzeit im Punktspielbetrieb des Kreisfußballverbandes Segeberg vor. Als Neuling müssen die Schmalenseer laut Bericht der Segeberger Zeitung vom 28. Juli 1981 in der Kreisklasse D beginnen. In einem ersten Test siegt die Mannschaft mit 4:2 gegen den Kalübber SC. Bernhard Buchholz (2) und Hardy Rasmussen (2) sind die Torschützen. Nächste Testgegner sind am 30. Juli der TSV Weddelbrook II und der Daldorfer SV am 2. August. Der SVS tritt außerdem mit einer Frauenmannschaft an, die ihre Spiele in der Bezirksklasse Süd bestreitet. Im Jugendbereich sind eine E- und eine B-Jugend aktiv.
Ortsumgehungs-Alternative kommt nicht an: Das Thema Ortsumgehung Schmalensee ist 2001 weiter in aller Munde und die Segeberger Zeitung befasst sich am 28. Juli damit. Seit 65 Jahren beschäftigt es die Schmalenseer immer wieder, die Gefahrensituation – an der engsten Stelle ist die B 430 nur 5,80 Meter breit – beunruhigt die Anwohner deutlich. Nun hat das Land eine neue, kostengünstigere Idee vorgelegt: Statt einer kompletten Ortsumgehung soll der Verkehr in weiten Teilen der Ortsdurchfahrt nur noch einspurig rollen. Von Nord nach Süd durch den Ort, von Süd nach Nord über eine Abzweigung durch die Damsdorfer Straße und den Grasweg. Diese Verlagerung eines Teils des Straßenverkehrs stößt in Schmalensee aber vor allem auf eines: Kopfschütteln.
Kriegsmeldungen Schmalenseer betreffend: Im Juli 1916, vor 110 Jahren, meldet das Segeberger Kreis- und Tageblatt, dass der Unteroffizier Richard Burmeister aus Schmalensee mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet worden ist (28. Juli). Dramatischer ist eine zweite Meldung, Richard Burmeister betreffend vom 31. Juli: Auf dem westlichen Kriegsschauplatz sind zwei Schmalenseer verwundet worden – Unteroffizier Richard Burmeister erhielt einen Kopfschuss (der er später erliegen wird), Infanterist Heinrich Moß erlitt eine Darmverletzung.
Schmalensee-Notizen vom Juli 1951: Vor 75 Jahren schreibt die Segeberger Zeitung, dass sich ein neuer Kreistag konstituiert hat, dem der Schmalenseer Hugo Saggau angehört (16. Juli). Der erste Hauptmann der im Jahr 1889 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Schmalensee, ehemalige Meierist und Kolonialwarenhändler Peter Landschoof begeht am 28. Juli als zweitältester Einwohner der Gemeinde in geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 90. Geburtstag. Die Maul- und Klauenseuche hat den Kreis Segeberg fest im Griff. Bis zur Linie Bornhöved-Wakendorf I sind fast alle Gehöfte betroffen (28. Juli). Namentlich genannt werden die Schmalenseer Betriebe von Erich Kaack (16. Juli) sowie von Heinrich Harder und Wilhelm Herbst (21. Juli). Am 30. Juli 1951 wird in Schmalensee ein fast neues Damenfahrrad gestohlen. Im Oktober wird es zur Aufklärung des Falles und zur Verurteilung des Diebes kommen, dessen Leugnen bei einer Gegenüberstellung vor dem Bad Segeberger Amtsgericht zwecklos ist.
Schmalensee-Notizen vom Juli 1961: Vor 65 Jahren schreibt die Segeberger Zeitung, dass geophysikalische Messtrupps in den Gemarkungen der Gemeinden Bornhöved, Tarbek und Schmalensee mittels Flachbohrungen und Sprengungen nach Erdöl suchen sollen (27. Juli). Die ersten drei Kleinsiedlungen am Ringreiterplatz sind fertiggestellt und es sollen bis zum Winter vier weitere bezugsfertig sein (31. Juli). Im Schulgebäude gehen Umbau- und Modernisierungsarbeiten, die sich auf gut 10.000 DM belaufen, dem Ende zu (31. Juli). Außerdem befinden sich vom 29. Juli bis 12. August britisches Militär sich zu Manöverzwecken im Raum Bornhöved.
Bild zur Meldung: Matthias Christian Suhr 1902













