August-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 1
Immer am 1. und am 15. Tag eines Monats wollen wir auf der Schmalenseer Gemeinde-Homepage den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Alte Zeitungen und viele weitere Quellen, darunter Protokolle und Erinnerungen, liefern den Stoff für Meldungen. Dass diese zu einem großen Teil nicht ohne Erklärung wiedergegeben werden können, versteht sich von selbst. Und auch der Blick auf Nachbarorte, das Kirchspiel oder das Amt sowie auf den Kreis lohnt mitunter, denn Schmalenseer haben schon immer gern im Ehrenamt auf verschiedenen Ebenen gewichtige Rollen eingenommen. Ziel des Ganzen ist, der treuen Leserschaft historische Unterhaltung zu bieten. Hier ist der erste Teil für den Monat August.
Von der Landjugendgruppe vor 45 Jahren: Die Landjugendgruppe Schmalensee veranstaltet am 1. August 1981 ihre Open-Air-Sommerfete mit Grill und Verlosung. Hauptattraktion sind 37 Mitglieder der Landjugendgruppe Schrozberg aus Baden-Württemberg, die zu einem viertägigen Gegenbesuch in Schmalensee und Umgebung weilen. Zum Besuchsprogramm gehörten unter anderem Ausflüge zum Eidersperrwerk und nach Hamburg. Zum Sommerfest kommen neben den Schrozbergern noch gut 1000 weitere Besucher, wie der 2. Vorsitzende der Schmalenseer Landjugend, Dirk Griese, gegenüber der Segeberger Zeitung berichtet.
Maul- und Klauenseuche hält Schmalensee in Atem: Tierseuchen sind in früheren Zeiten für die heimische Landwirtschaft keine Seltenheit. Im Sommer 1911 aber, vor 115 Jahren, ist die Maul- und Klauenseuche besonders schlimm, wie der Blick in das Segeberger Kreis- und Tageblatt verrät. Anfang Juli 1911 grassiert sie im westlichen Kreis Segeberg, Anfang August hat sie den Ost- und Nordkreis erreicht. Und das so umfangreich, dass in der Zeitung am 3. August von einer Überforderung der Kreisveterinärbehörde die Rede ist. Der Kreis ordnet an, dass in von der Seuche betroffenen Orten daher weder der Kreis- noch ein Privattierazt mehr hinzugezogen werden soll: Die örtliche Polizeibehörde ist dagegen angewiesen, selbständig Maßnahmen zu ergreifen. Landwirte, die Anzeichen der Seuche feststellen, haben sofort ihrem Amtsvorsteher Meldung zu machen, der wiederum die bekannten Maßnahmen zu ergreifen hat. Über den ganzen Monat kann man nachlesen, wer derzeit einen landwirtschaftlichen Betrieb in Bornhöved und Umgebung führt – alle werden als von der Seuche befallen genannt. Am 11. August wird davor gewarnt, angesichts der Maul- und Klauenseuche größere Mengen Vieh zu verkaufen. Dies würde die Preise drücken und im nächsten Jahr zu einer Viehknappheit führen. Vielmehr sei es jetzt Aufgabe der landwirtschaftlichen Behörden und Vereine, für hinreichend Futter zu sorgen, um die Bestände durchzubringen. Am 13. August dann reagiert das Meiereiwesen: Ausnahmegenehmigungen werden eingeholt, Milch aus verseuchten und nicht verseuchten Gebieten getrennt anliefern zu lassen und getrennt zu verarbeiten. Immer mehr Betriebe werden zu Sperrbezirken; erst um den 23. August wird sich der Landrat dazu genötigt sehen, die Inanspruchnahme von Privattierärzten zuzulassen. Im Normalfall wäre stets zuerst der Kreistierarzt zu konsultieren. Entwarnung wird es erst im Oktober geben...
Rückschläge für Schmalenseer Bauern vor 75 Jahren: In den ersten Tagen des August 1951 sind in der Segeberger Zeitung einige Negativmeldungen aus Schmalensee zu finden. So die, dass von der Diele des Bauern Heinrich Wulf nachts ein fast neues Damenfahrrad gestohlen wurde (4. August). Als vom Unglück verfolgt wird Bauer Erich Kaack genannt. Nachdem ihm die Maul- und Klauenseuche zunächst zwei Kühe genommen hatte, wird eine weitere auf der Weidekoppel tödlich vom Blitz erschlagen. Immerhin erlischt die Viehseuche kurz darauf in seinem Viehbestand (4. August). Dafür erreicht die Maul- und Klauenseuche nun die Jungvieh-Bestände von Hugo Saggau, Carl Theodor Schnohr, Heinrich Siebelts und Willi Moebs sowie die Schweine von August Rose (6. August).
Husaren im Dorf vor 140 Jahren: Fast den ganzen August des Jahres 1886 hindurch hat Schmalensee Einquartierung. Das Husarenregiment Nr. 15 aus Wandsbek ist im Rahmen des Herbstmanövers in der Region. Für die Dörfer bedeutet dies, Offiziere und Mannschaften sowie Pferde aufnehmen zu müssen. Offizieren stehen dabei Wohnunterkünfte mit Betten und weiterem Mobiliar zu, Mannschaften schlafen in Scheunen. Wie viele Menschen und Pferde aufgenommen werden müssen, hat eine Kommission festgelegt; die Einquartierungspläne werden unter anderem in den Zeitungen bekannt gegeben. Vom 5. bis 26. August 1886 sind in Schmalensee 3 Offiziere, 76 Mannschaften und 86 Pferde einquartiert – das entspricht zwei Dritteln einer Eskadron.
Jagdverpachtung vor 120 Jahren: In früheren Zeiten war es möglich, die Jagd auf der Schmalenseer Feldmark an Vermögende von außerhalb zu verpachten. Das Segeberger Kreis- und Tageblatt berichtet im Jahr 1906, dass am 5. August die Jagd auf der Gemarkung Schmalensee an einen Herrn Semmelmann aus Kiel verpachtet wurde. Die Durchführung der Verpachtung lag beim Gemeindevorsteher Theodor Schnohr, der auch Jagdvorsteher in Schmalensee war, und damals 870 Reichsmark aushandeln konnte – plus 150 Reichsmark Wildschadenersatz. Nachdem die Tinte unter dem Pachtvertrag kaum trocken ist, wird aus den Formalitäten ein gesellschaftliches Event: Man vergnügt sich mit einem Tontaubenschießen bei Gastwirt Ludwig Saggau. Kaufmann Bartels aus Bornhöved gewinnt dabei den ersten Preis. Zweiter wird Malermeister Lensch (Bornhöved), Dritter Möller aus Tensfelderau und Vierter der Fischer Christophersen von der Clus.
Der Turnverein Schmalensee vor 100 Jahren: Vom Turnverein Schmalensee berichtet das Segeberger Kreis- und Tageblatt am 5. August 1926. In Daldorf hat ein Sport- und Spielfest stattgefunden. Im Faustball unterlag die Schmalenseer Mannschaft der zweiten Mannschaft aus Tarbek mit 58:61. Auch im Schlagballspiel der Erwachsenen hatte Schmalensee das Nachsehen, gegen Daldorf verlor man 21:31. Auch in den Leichtathletikdisziplinen war der TV Schmalensee vertreten. Bei den Männern wurde Tiefenbach Dritter im 100 Meter-Lauf (13,1 Sekunden) und Vierter im Hochsprung (1,50 Meter). (Erich) Kaack wurde Vierter im 100 Meter-Lauf (13,1 Sekunden); Steenbuck Vierter im Schlagballweitwurf; Wiesner Zweiter im 1000 Meter-Lauf (3,28 Minuten) und (Ernst) Harder Dritter im 1.000 Meter-Lauf (3,30 Minuten). In der Jugendklasse gewann (Hellmut) Siebke den 100 Meter-Lauf (12,2 Sekunden) und den Hochsprung (1,45 Meter) und wurde Zweiter im Schlagballweitwurf mit 76 Metern. (Erich) Stegelmann wurde Dritter im 100 Meter-Lauf (13,1 Sekunden).
Henkel-Tonfilm lockt die Schmalenseer: Die Firma Henkel hat mit der UFA einen großen Werbefilm produziert, der in den Dörfern Bornhöved und Umgebung öffentlich gezeigt wird. So auch am 5. August 1936, vor 90 Jahren, im Gasthof Voß. Nach einem Trickfilm namens „Küchen-Sinfonie“ wird der Industrie-Tonfilm „Wäsche Waschen Wohlergehen“ gezeigt. Fast alle Einwohner Schmalensees, so das Segeberger Kreis- und Tageblatt, strömen zum Gasthof, um den Film zu sehen.
Gemeindethemen vor 45 Jahren: Die Sitzung der Schmalenseer Gemeindevertretung am 6. August 1981 befasst sich unter anderem mit mit Fragen des Planungs- und Finanzierungsstands der Abwasserbeseitigung. Letzterer sieht ungünstig für Bürgermeister Hans Siebkes Bestreben aus, eine zentrale Schmutzwasserkanalisation bauen zu lassen. Bedeutende Finanzierungsmittel wurden der Gemeinde gestrichen, gut zehn Jahre werde es dauern, bis das Projekt tatsächlich in Angriff genommen werden könne. Uneins sind sich die Fraktionen im Punkt Uferbefestigung. Ein alter GV-Beschluss sah vor, Natursammelsteine zu verwenden, plötzlich seien aber sechs alte Betonmasten der Schleswag im Uferbereich abgelegt worden. SPD und WGS sprechen sich dafür aus, drei davon zur Uferbefestigung zu verwenden, die CDU-Fraktion lehnt dies ab. Eine Herausforderung bleibt das Wasserwerk am Ringreiterplatz, denn noch immer weist das Trinkwasser für die „Siedlung“ einen Braunton auf. Laut Angaben eines Ingenieurbüros würde der Einbau von Enteisungsfiltern 10.000 DM kosten. Stimmen werden laut, ein eigenes Wasserwerk auf Gemeindeland zu errichten.
Ein Jagdunfall vor 130 Jahren: Aus Ascheberg meldet die Bergedorfer Zeitung am 7. August 1896: „Ein betrübender Unglücksfall, der zur Vorsicht mahnt, hat sich hier zugetragen. Hufner Banck -Vorteich und Schmiedemeister Jänicke -Kalübbe waren in den Abendstunden gemeinsam auf's Feld gegangen, um dem Jagdvergnügen obzuliegen. Als sich plötzlich ein Rehbock zwischen die Jagenden drängte, fehlte Schmiedemeister Jänicke und verwundete seinen Jagdkollegen durch drei Rehposten derart, daß ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden mußte. Wenn auch die eine der Verwundungen von besorgniserregender Art ist, so wird ärztlicherseits doch gehofft, der schwer geprüften Familie den Vater zu erhalten.“
Eisenbahnprojekt stockt vor 125 Jahren: Zu der angestrebten Bahnverbindung von Kiel nach Segeberg hat das Hamburger Fremdenblatt in seiner Tagesausgabe am 8. August 1901, vor 125 Jahren, keine gute, aber auch nicht völlig schlechte Nachricht: „Eine Eisenbahn Kiel-Segeberg wird seit dem Jahre 1866 erstrebt. Ihr Bau würde eine directe Linie zwischen Berlin und Kiel vollenden. Der Eisenbahnminister hat jetzt bedauerlicher Weise von Neuem es abgelehnt, diese Strecke als Vollbahn auszubauen und nur gestattet, beide Punkte durch eine Kleinbahn zu verbinden. Die Linie soll aber für den durchgehenden Verkehr geschlossen bleiben. In den betheiligten Kreisen wünscht man sehnlichst den Bau einer Vollbahn und ist nicht geneigt, sich mit einer Kleinbahn zufrieden zu geben. Die Angelegenheit soll sowohl von der hiesigen Handelskammer [Kiel] als auch von den Interessenten trotz des ablehnenden Bescheides mit Nachdruck weiter verfolgt werden.“
Zur Wahrheit gehört damals auch, dass die Interessenten innerhalb Holsteins uneinig sind, was die Streckenführung ab der Stadt Segeberg nach Norden angeht: Neben der im Jahr 1911 realisierten Linie über Bornhöved, an der sich auch Schmalensee beteiligen würde, war eine Verbindung von Segeberg über Tensfeld und Stocksee und Anschluss in Ascheberg an eine schon bestehende Bahnlinie nach Kiel im Gespräch. Auch der Status-Streit sorgte für eine Verzögerung des Baus, der 1911 doch als Kleinbahn, also als privatwirtschaftliches Unternehmen, realisiert werden sollte. Als Vollbahn, also staatliche Eisenbahn, existierte in unserer Region bereits die Bahn von Neumünster über Wankendorf und Perdöl nach Ascheberg.
Abschied von Altbürgermeister Voß: Schmalensees ehemaliger Bürgermeister und Gastwirt Hans Voß stirbt am 8. August 1986, vor 40 Jahren, im Alter von 75 Jahren. Im Nachruf der Segeberger Zeitung heißt es: „Viele Jahre betrieb der Gastwirt Hans Voß mit seiner Familie ein beliebtes und gern aufgesuchtes Ausflugslokal in der Gemeinde Schmalensee. Der Verstorbene war sehr bodenständig, kannte Land und Leute bestens. Nach Helmut Saggau bekleidete er das Bürgermeisteramt von 1970 bis 1978. Danach war er bis zur Kommunalwahl dieses Jahres Ortsbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege. Hans Voß führte sein Bürgermeisteramt sehr sorgfältig und ging sparsam mit dem Geld der Steuerzahler um. In seine Amtszeit fiel der Anschluss der Gemeinde an den Schulverband, den er damals für richtig erkannt hatte und für den er eintrat. Hans Voß war ein Verfechter starken Gemeinsinns und trat für Ortsverschönerung und Fremdenverkehr ein. Als Mann des Ausgleichs trug er oft dazu bei, eine Sache auf den gemeinsamen Nenner zu bringen. Bedurfte das Durchbringen einer Angelegenheit erst einer Kraftanstrengung, so war sie in den Augen von Hans Voß noch nicht genügend ausgereift. Bei der Ausübung seiner verschiedenen Ämter ließ Hans Voß immer einen hintergründigen Humor mit einfließen. [...]“
Das Ende einer Verlobung: Eine recht ungewöhnliche Meldung aus einer deutschen Zeitung veröffentlicht am 9. August 1881, vor 145 Jahren, die Freie Presse für Texas, eine in den USA erscheinende deutschsprachige Zeitung: „Die Itzehoer Nachrichten enthalten folgendes verfängliche Bekenntnis einer schönen Seele: 'Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht! Meine Verlobung mit Doris Teege, Damsdorf, ist, wegen meines Unvermögens aufgehoben worden. Wankendorf den 29. Juni 1881. Joh. Fr. Kummerfeld. Revierjäger.'“
Gründung eines Kreissportverbandes vor 80 Jahren: In Kaltenkirchen wird am 10. August 1946 der Kreissportverband Segeberg gegründet. Gemäß der alliierten Kontrollratsdirektive Nr. 104 (Erziehungskontrollinstruktion) ist ein Zusammenschluss von Vereinen über die Kreisebene hinaus (noch) nicht erlaubt. Erster Vorsitzender des KSV ist Nikolaus Ackermann vom SV Rickling. Schmalenseer scheinen auch mit dabei zu sein: In den Unterlagen des am 31. August 1946 gegründeten Sportvereins Schmalensee findet sich eine Abrechnung. Demnach sind drei Personen nach Daldorf und von dort weiter nach Kaltenkirchen gereist. In späteren Berichten zu dieser Versammlung fehlt bei der Auflistung teilnehmender Vereine jedoch der Schmalenseer Verein, da er erst am Monatsende gegründet wird – offenbar waren die anwesenden Schmalenseer Beobachter, deren Bericht den letzten Ausschlag zur Vereinsgründung gegeben haben mag.
Schmalenseer Zwangsarbeiter aus Klinik entlassen: Vom 23. Juli bis zum 11. August 1941, vor 85 Jahren, befand sich der in Schmalensee „wohnhafte“ Zwangsarbeiter Jure Boziecvich in stationärer Behandlung im Kreiskrankenhaus Bad Segeberg. Das geht aus einer Aufstellung der Landkreises Segeberg hervor, die vermutlich 1949 an den Internationalen Suchdienst (ITS), heute Arolsen Archives, übergeben wurde. Die Liste ist nach Nationalitäten gegliedert und führt Jure B. unter „Yugoslavian“ und gebürtig in Kroatien. Laut einer Übersicht der während des Krieges von Schmalenseern bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Bad Segeberg versicherten Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter ist Jure Bozicevic beim Bauern Heinrich Wulf beschäftigt.
Verkehrszeichen erreichen Schmalensee vor 75 Jahren: Am 14. August 1951 meldet die Segeberger Zeitung aus Schmalensee, dass Verkehrsschilder Einzug im Dorf gehalten haben. Jeweils 200 Meter vor den Einmündungen der Stockseer, Belauer, Damsdorfer und Tarbeker Straße in die Dorfstraße werden Warnschilder „Vorfahrt beachten“ aufgestellt. Außerdem werden die Straßenlaternen mit Kennzeichen versehen, die den Autofahrern bedeuten, dass die Laternen nicht die ganze Nacht hindurch brennen.
Schwimmunterricht im Schmalensee. Die Bornhöveder Ortsgruppe der DLRG erteilt im Sommer 1951, vor 75 Jahren, kostenlosen Schwimmunterricht für Schüler und junge Leute in Schmalensee. Zu diesem Zweck wird am Badestrand ein Sprungbrett installiert, berichtet die Segeberger Zeitung am 14. August. Durchführender des Unterrichts ist der erwerbslose Rettungsschwimmer Harro Guttau. Wer ein Prüfungszeugnis erhalten möchte, muss unter Guttaus Aufsicht 15 Minuten als Freischwimmer und 30 Minuten als Fahrtenschwimmer im tiefen Wasser schwimmen.
Bienen töten Pferd: Die Bürger-Zeitung aus Hamburg meldet am 15. August 1886, vor 140 Jahren, einen schlimmen Unglücksfall: „Von den Bienen todtgestochen wurde das Pferd eines Handelsmannes in Bornhöved. Das Thier war von der Weide in den Bienenstand gerathen und so arg dabei gestochen worden, daß es sofort krepierte.“
Bild zur Meldung: Landjugend-Sommerfest 2011, Schlammgrube













