August-Meldungen der älteren und jüngeren Vergangenheit aus Schmalensee und Umgebung – Teil 2
Werfen wir den Blick zurück in die Geschichte unseres Dorfes und seiner Umgebung. Zahlreiche Quellen liefern uns oft Aufschluss über längst vergessene Geschehnisse und bieten zugleich Gelegenheit für Erinnerungen. Wie immer sind die historischen Meldungen monatlich zweigeteilt, um den Besucherinnen und Besuchern von „gemeinde-schmalensee.de“ ein hoffentlich interessantes Mehr an geschichtlicher Unterhaltung zu bieten. Hier der zweite Teil für den Monat August.
Husarenregimenter kampieren auf der Gönnebeker Heide: Um den Dörfern eine Last zu nehmen, lässt man die Husarenregimenter der 18. Kavalleriebrigade, das Husarenregiment Nr. 15 aus Wandsbek und das Regiment Nr. 16 aus Schleswig, bei ihren Übungen im Zeitraum 13. bis 31. August 1891, vor 135 Jahren, auf der Gönnebeker Heide – dem heutigen Trappenkamp – in Zelten schlafen, die während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erbeutet werden konnten. Allerdings behält man sich doch Einquartierungen vor, hat quasi einen „Plan B“. Eine anhaltend ungünstige Witterung zwingt zu vorbeugenden Maßnahmen der Auflösung des Biwaks – die umliegenden Gemeinden haben vorsorglich Vorbereitungen für Einquartierungen zu treffen. Schmalensee bereitet sich auf die im Bedarfsfalle notwendige Aufnahme von drei Offizieren, 75 Mann und 80 Pferden vor.
Eine mögliche Konkurrenz für die Landfrauen? Trotz erfolgter Gründung eines Landfrauenvereins für Bornhöved und Umgebung im Januar 1951 wird in Schmalensee im August vor 75 Jahren über die Neugründung eines Frauenvereins diskutiert, der sich sozialer Themen annehmen sollte. Dieser solle in der Tradition des 1910 geschaffenen Frauenvereins im Amtsbezirk, der damals noch Bornhöved und Gönnebek nebst Schmalensee umfasste, stehen. 1933 war dieser Verein in der NS-Frauenschaft aufgegangen, wovon noch eine kleine Schwesternstation im Dorf übrig sei, berichtet die Segeberger Zeitung am 8. August 1951. Am 15. August dann berichtet die SZ, dass sich unter anderem sich der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes mit dem Thema befasse und den Bürgermeister ermuntert habe, die Bildung eines Frauenvereins mit der Schaffung eines DRK-Ortsvereines zu verbinden.
Antisemitismus vor 145 Jahren in Preußen: Die Bürgerzeitung aus Hamburg berichtet am 18. August 1881, durchaus kritisch, über einen in Preußen aufkeimenden Antisemitismus, „Judenhetze“ genannt. Über die Oder schwappend sei es in Pommern und Westpreußen zu „Exzessen“ in der antijüdischen Agitation gekommen, verpackt in „angeblich nationale Bestrebungen“. Die Kritik: Anders als zu Zeiten des sogenannten Kulturkampfes, als die Staatsgewalt auf jede noch so kleine Propaganda mit aller Schärfe reagiert habe, würden aktuelle Vergehen nicht oder nicht hinreichend geahndet. „Die Regierung zögert sonst nicht mit ihrem Urtheil über öffentliche Bestrebungen … (Wer schweigt, scheint zuzustimmen) …“ Der staatlichen Autorität würde ein Wort genügen, um sich Geltung zu verschaffen, und für seine Verbreitung habe die Staatsmacht aller Orten ihre Organe. „Dieses Wort nicht rechtzeitig gesprochen zu haben, ist der Vorwurf, den auch die wohlwollendste Beurtheilung der Regierung nicht ersparen kann und es giebt Unterlassungsfehler, die in ihren Folgen ebenso unheilvoll sind, wie Begehungssünden“, urteilt die Zeitung.
Angebliche „Milchfälschung“ ruiniert den Ruf: Am 19. August 1906, vor 120 Jahren, berichtet das Segeberger Kreis- und Tageblatt von einem Prozess vor dem Segeberger Schöffengericht gegen einen Schmalenseer „Hufner Sch. und Frau“ wegen Milchfälschung. Sch. wurde vorgeworfen, der an die Meiereigenossenschaft Schmalensee gelieferten Vollmilch Magermilch beigemischt zu haben. Da er schon einmal in einem solchen Fall belangt worden war, erhält er eine Geldbuße in Höhe von 30 Reichsmark, seine Frau zusätzliche 20 Reichsmark. Allerdings spricht das Berufungsgericht die beiden mangels Beweisen wieder frei. Einziger Hufner in Schmalensee, auf den „Sch.“ damals zutrifft, ist Carl Schübeler, der auch Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr ist. Bereits im April 1906 ist dieser von seinem Amt „freiwillig zurückgetreten – ein Zusammenhang ist anzunehmen. Offenbar hat der Fall, eventuell durch rasche Vorverurteilung im Dorf, zu einer Spaltung der Feuerwehr geführt: Als diese in außerordentlicher Sitzung am 30. Juni 1906 einen Nachfolger zu wählen hat, hält das Protokoll fest, dass neben Schübeler acht weitere Kameraden aus der Wehr ausgetreten sind, darunter auch Lehrer Heinrich Göttsch, der das Ereignis in seiner „Chronik von Schmalensee“ unerwähnt lässt, ebenso das recht erfolgreiche Wirken Schübelers als Wehrführer. 1909 verlässt die Familie Schübeler Schmalensee, den Hof übernimmt durch Kauf Ludwig Saggau.
Schmalensee mit der zweitbesten Kleinsiedlung:Siegerehrung am 19. August 2006, vor 20 Jahren, im Wettbewerb „Die beste Kleinsiedlung des Kreises Segeberg“, der unter der Schirmherrschaft von Landrat Georg Gorrissen steht. In Anerkennung vorbildlicher Leistungen der Pflege und Ausgestaltung der Siedlungen und Gemeinschaftsanlagen wird der Siedlergemeinschaft Schmalensee in der Gruppe der „Siedlungen bis 1956“ der 2. Preis zuerkannt. Sieger in dieser Gruppe wird die Siedlergemeinschaft Bad Bramstedt. Die Preisverleihung findet in Lentföhrden statt.
Tierseuche wirbelt Termine durcheinander:Delegierter der Freiwilligen Feuerwehr Schmalensee zum 19. Kreisfeuerwehrfest am 20. August 1911, vor 115 Jahren in Leezen ist Otto Saggau. Eigentlich hatte das Fest schon am 2. Juli in Leezen stattfinden sollen, aber schon in der im Segeberger Kreis- und Tageblatt am 18. Juni abgedruckten Einladungsanzeige war auf die im Kreisgebiet grassierende Maul- und Klauenseuche hingewiesen worden, die ganz offenbar eine kurzfristige Verlegung der Zusammenkunft der Feuerwehren des Kreises Segeberg bedingt hat.
Erntehelfer stirbt in Schmalensee: Der beim Hufner Ernst Stegelmann tätige Gelegenheitsarbeiter Lorenz Kaminsky verunglückt am 23. August 1916, vor 110 Jahren, tödlich: Beim Besteigen eines Fuders Roggen stürzt Kaminsky mit der Leiter, fällt auf den Hinterkopf und ins Koma. In der Nacht stirbt er, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.
Der SV Schmalensee bestreitet erste Punktspiele: Spielbeginn in den Fußballklassen des Kreises Segeberg im August 1981, vor 45 Jahren. Erstmals dabei ist der SV Schmalensee, dessen Männermannschaft in der Kreisklasse D-Ost aufläuft. Ihre Heimspiele trägt die Mannschaft allerdings bis zur Fertigstellung eines eigenen Sportplatzes auf dem Tennenplatz an der Realschule Bornhöved aus. Die erste Begegnung einer SVS-Herrenmannschaft wird jedoch auswärts ausgetragen, am 23. August 1981 beim Großenasper SV II. Sensationell gewinnt die Schmalenseer Elf mit 7:1 nach Toren von Reiner Wachs (4) und Bernhard Buchholz (3), und ist nach ihrem ersten Auftritt auf der Fußballbühne Tabellenführer. Der SVS stellt auch eine Frauenmannschaft, die in der Bezirksklasse Süd aufläuft.
Ofenhaus entfacht Waldbrand: Von einem Feuer in Stocksee ist am 26. August 1876, vor 150 Jahren, im Rendsburger Wochenblatt zu lesen: „Bornhöved, 21. August. Gestern sahen wir in östlicher Richtung gewaltige Rauchmassen aufsteigen, daß wir vermuthen mußten, das ganze Dorf Stocksee sei niedergebrannt, doch erfuhren wir bald, daß das Feuer ein Waldbrand gewesen, der einen großen Theil der Tannen des Herrn Behr von Stockseehof hergenommen hatte. Immerhin mag der Schaden ein recht bedeutender sein, dergleichen pflegt man nicht zu versichern. Dort am Holze liegt ein Backofen, von dem aus das Feuer in dem trockenen Grase sich weiter gefressen haben soll, was bei diesem hitzgedörrten Pflanzenwuchs nicht zu verwundern ist.“
Nachfrage sorgt für Preissteigerung: Das Schmalenseer Schulland ist laut Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 28. August 1916, vor 110 Jahren, auf zwölf Jahre neu verpachtet worden. Da mehrere Interessenten vor Ort waren, stiegen die Pachtpreise für den 6,1140 Hektar großen Acker von 180 auf 410 Reichsmark und für die Wiese von 61 auf 122 Reichsmark. Heinrich Harder pachtet die Wiese, Halbhufner Peter Nagel den Acker.
Unteroffizier Burmeister aus Schmalensee verstorben: Erst in der Preußischen Verlustliste Nr. 901, veröffentlicht am 3. August 1917, wird der Tod des Schmalenseers Richard Burmeister offiziell bestätigt werden. Tatsächlich ist der 24-jährige Sohn des Arbeiters Christian Burmeister am 29. August 1916 in einem Hamburger Reservelazarett einer schweren Verwundung erlegen ist. Dazu schreibt das Segeberger Kreis- und Tageblatt am 5. September 1916: „Der Verstorbene, der seit Beginn des Krieges im Felde stand, war Inhaber des Eisernen Kreuzes. In den heißen Kämpfen an der Somme wurde er am Kopf tödlich verwundet.“ Richard Burmeister, der dem Füsilierregiment Nr. 86 angehörte, konnte auf dem Friedhof der Kirchengemeinde Bornhöved bestattet werden. Er gilt, wie sein im Mai 1918 gefallener Bruder Johannes, als einer der 13 im Ersten Weltkrieg Gefallenen der Gemeinde Schmalensee.
Vor 80 Jahren Gründung des „Sportverein Schmalensee“: Am 31. August 1946 findet im Gasthof Voß der Gründungsball des Sportvereins Schmalensee statt. Zwar mangelt es an Berichten, aber laut vorhandener Unterlagen wurde der Wirtin Meta Voß wird durch den Amtsvorsteher des Amtes Bornhöved die Erlaubnis zur Abhaltung eines Tanzvergnügens an diesem Tag erteilt. Dieses hatte bis 23 Uhr beendet zu sein. Die Bearbeitungsgebühr betrug 5,00 RM. Wirtin Meta Voß quittierte am 1. September 1946 dem Sportverein Schmalensee („Turnverein Schmalensee“) den Erhalt von 100,00 RM als Saalmiete. Paul Krog, Volksschullehrer und Organist in Bornhöved, berechnete für die Musik zum Gründungsball 210 RM. Am 7. September 1946 quittiert Gemeindesekretärin Elly Landschoof im Auftrag des Bürgermeisters der Gemeinde Schmalensee den Empfang von 10,00 RM an Vergnügungssteuer für den Gründungsball.
Bild zur Meldung: Gönnebeker Heide - Husaren-Attacke













